So sehr der Maulwurf auch auf eine unterirdische Lebensweise angewiesen

ist, so scheut er doch das Tageslicht nicht völlig. Wenn auch nicht

oft, so begibt er sich doch hin und wieder ins Freie, sucht dann mit

Vorliebe in Wagengleisen nach Nahrung oder genießt sogar für kurze Zeit

die wohltuende Wärme der Sonne. Besonders junge Tiere kommen öfters ins

Freie als alte. Man hat schon wiederholt junge Maulwürfe beobachtet,

die an sonnigen Hängen zusammen spielten.

Noch einige Worte über den Nutzen und Schaden des Maulwurfs, worüber

die Ansichten geteilt sind. Durch das Verzehren von Engerlingen

und anderen schädlichen Insektenlarven ist der Maulwurf zweifellos

sehr nützlich. Da er aber auch Regenwürmer sehr liebt und diese als

„Erdarbeiter“ nützlich sind, weil sie die Bildung der wichtigen

Humuserde befördern, so wird er hierdurch zum schädlichen Tier.

Ferner macht er im Walde in jungen Kulturen und in Gärten durch

seine Wühlarbeit manchen Schaden, indem er die Wurzeln der Pflanzen

lockert. Auch tragen die Maulwurfshügel nicht gerade zur Verschönerung

gepflegter Parkanlagen bei. Es geht mit dem Maulwurf wie mit so

vielen Tieren, er ist eben beides, sowohl nützlich wie schädlich. Von

Natur ist kein Tier nur schädlich oder nur nützlich. Jedes Tier hat

vielmehr im Haushalte der Natur seine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.

Das Zusammenwirken aller Lebewesen erhält das Gleichgewicht in der

Natur. Die Begriffe „schädlich“ und „nützlich“ sind erst durch die

Kultur des Menschen geprägt worden, die leider über so viele Tiere

das Todesurteil gefällt hat. Mit Recht hat es sich daher die moderne

Naturschutzbewegung zur Aufgabe gemacht, die Tiere ohne Rücksicht auf

ihre sogenannte Nützlichkeit und Schädlichkeit zu schützen und sie

um ihrer selbst willen zu erhalten, um unsere Natur vor Verödung zu

bewahren. --

[Sidenote: Goldmull]

Ein unterirdisches Leben wie der Maulwurf führen auch die afrikanischen

Goldmulle und die zu den Nagetieren gehörende Blindmaus (~Spalax

typhlus~). Die Augen dieser Tiere liegen nicht frei, sondern unterhalb

der behaarten Kopfhaut und können daher zum Sehen überhaupt nicht

mehr benutzt werden. Sie sind also blind. Trotzdem kommen auch diese

Tiere ab und zu an das Tageslicht, um die Sonnenwärme zu genießen.

Die Heimat der Blindmaus ist das südöstliche Europa, Westasien und

Unterägypten. Ihre unterirdischen Gänge, die in geringer Tiefe

laufen, führen sogar unter Flußläufen hindurch und an Berghängen

entlang. Bei ihren Grabarbeiten benutzt die Blindmaus im Gegensatz

zum Maulwurf mehr den Kopf als die Füße und besitzt hierfür eine ganz

eigenartige Einrichtung. Von den Nasenlöchern bis zu den Augen zieht

sich jederseits eine Reihe starrer, borstiger Haare. Mit dieser Bürste

schiebt die Blindmaus durch Auf- und Abwärtsbewegen des Kopfes die Erde

fort.

Die Goldmulle graben wie die Maulwürfe mit den Händen, benutzen sie

aber in ganz anderer Weise. Bei den Goldmullen sind die Mittelfinger

sehr groß und tragen einen starken Nagel. Die ganze Arbeit des Grabens

wird mit diesem riesigen Mittelfinger geleistet, der hierbei als

Spitzhacke verwendet wird. Er besitzt ferner eine tiefe Rille, in die

die anderen, bedeutend kleineren Klauen, die keine Dienste beim Graben

leisten, hineingelegt werden können.

Die Goldmullen führen ihren Namen nach dem schönen, grünlichen

Metallglanz ihres Pelzes.

[Illustration:

Abbildung 18 James’ Preß Agency, London

Kreuzspinne

bei der Anfertigung des Netzes]

[Illustration:

Abbildung 19 A. Spaney phot.

Stabheuschrecken

Beispiel für Mimikry]

Ein Vogel, der ein völlig nächtliches Leben führt, ist der Guacharo

oder Fettschwalk (~Steatornis caripensis~), den Alexander von

Humboldt 1799 in der Felsenhöhle von Caripe in Venezuela entdeckte.

Als der Forscher 150 ~m~ weit in die dunkle Höhle eingedrungen war,

umschwirrten plötzlich geisterhafte Schatten den Schein der Fackeln.

Es waren Vögel, die hier ihr Wesen trieben und mit ihrem lauten,

krächzenden Geschrei einen gespensterhaften Spuk trieben.

[Sidenote: Guacharo]

Der Guacharo bewohnt die unterirdischen Höhlen der Anden, nistet hier

in großen Kolonien und erzieht in völliger Finsternis seine Jungen. Nur

zur Nachtzeit verlassen die Vögel ihr Felsenverlies, um im Waldesdunkel

ihrer Nahrung, die aus Früchten besteht, nachzugehen. Noch vor Anbruch

der Morgendämmerung sucht der Guacharo wieder sein unterirdisches

Versteck auf.

Der Guacharo ist unserem Ziegenmelker nah verwandt, unterscheidet

sich aber von ihm durch ein härteres Gefieder und seinen längeren,

gekrümmten Schnabel, der an der Spitze einen Zahn trägt. Sein

kastanienbraunes Federkleid ist gelblichweiß gefleckt. Er ist ein sehr

gewandter Flieger, aber sehr unbeholfen zu Fuß. Er kann überhaupt

nicht aufrecht gehen, sondern nur mühsam mit Unterstützung der Flügel

kriechen. Der Körper des Fettschwalks hat eine ungeheure Fettschicht,

die durch den Mangel an Bewegung und den ständigen Aufenthalt im

Dunkeln hervorgerufen wird. Das Fett, ein dickflüssiges, helles Öl,

wird von den Indianern als Speisemittel sehr begehrt. Sie fangen die

Vögel, besonders die noch unflugfähigen Jungen, in den Nestern, in

großen Mengen, lassen das Fett über dem Feuer aus und bewahren es in

Tongefäßen auf, in denen es sich wegen seiner Reinheit jahrelang frisch

und genießbar erhält.

Der Guacharo ist der einzige Vogel, der das Tageslicht völlig scheut

und niemals die wohltuende Einwirkung der Sonne genießt.

[Sidenote: Ziegenmelker, Eulen, Kiwi]

Ein nächtliches Leben führen auch die Ziegenmelker und die Eulen, ohne

jedoch das Tageslicht so zu verabscheuen wie der Guacharo. Die Eulen

pflegen am Tage behaglich der Ruhe im Sonnenschein (Abbildung 14). Ihr

eigentliches Leben und Treiben beschränken jedoch die meisten Arten

auf die Dämmerungsstunden und die Nachtzeit. Infolgedessen sind die

Augen der Eulen sehr groß, um möglichst viel Lichtstrahlen aufnehmen

zu können und hierdurch auch bei schwachem Lichtschein ein Sehen zu

ermöglichen. Bei weitem besser als das Gesicht ist das Gehör der Eule

ausgebildet. Sie ist imstande, die leisesten Geräusche, die für uns

völlig unhörbar sind, wahrzunehmen. Mein zahmer Waldkauz erwachte

sofort aus tiefem Schlaf, wenn ich eine weiße Maus auf dem Teppich

laufen ließ, was nach unseren Begriffen gar kein Geräusch verursacht.

Bei ihren Raubzügen im Dunkel der Nacht verläßt sich die Eule ganz und

gar auf das Gehör, denn sie kann die Maus, die im düsteren Waldesgrunde

auf dem dunkeln Erdboden läuft, unmöglich sehen. Lediglich das Geräusch

verrät ihr die Beute. Ihr Gehörsinn ist so fein ausgebildet, daß

sie die Richtung und die Stelle, aus der das Geräusch kommt, sofort

richtig erfaßt, wie ich mich an meinen gefangenen Eulen oft genug

überzeugen konnte. Die Ohröffnung der Eulen ist sehr groß. Vermöge

einer besonderen Hautfalte können die strahlenförmig angeordneten

Gesichtsfedern, welche den sogenannten Schleier bilden, senkrecht vom

Kopf abgestellt werden, wodurch die Ohröffnung freigelegt wird, so

daß die Schallwellen ungehindert eindringen können. Ein Kranz kleiner

steifer Federn umgibt den hinteren Rand der Ohröffnungen. Sie sind

konkav gebogen und dienen ebenfalls dem Auffangen der Schallwellen.

Durch diese Federn wird dieselbe Wirkung erzielt, die wir durch Anlegen

der hohlen Hand ans Ohr hervorrufen, um besser hören zu können. Bei

den Eulen ist die feine und sinnreiche Konstruktion des Gehörapparats

eine ganz vortreffliche Anpassung an das nächtliche Leben und ein

hervorragender Ersatz für die Beeinträchtigung des Gesichts in der

Dunkelheit.

Eine nächtliche Lebensweise führt der australische Kiwi oder

Schnepfenstrauß (~Apteryx australis~). Er gehört zu den merkwürdigsten

Vogelgestalten. Ebenso wie den Straußen fehlt seinem Brustbein der

Kiel. Die Flügel sind völlig verkümmert und nur noch durch kurze

Stummel angedeutet. Das Gefieder besteht aus zerschlissenen, lose

herabhängenden, haarartigen Federn. Eine besondere Merkwürdigkeit ist

die Lage der Nasenlöcher. Während sich diese bei allen anderen Vögeln

an der Wurzel des Schnabels befinden, sitzen sie beim Kiwi vorn an

der Spitze des sehr langen, sanft gebogenen Schnabels. Im Gegensatz

zu anderen Vögeln scheint beim Kiwi der Geruchssinn gut ausgebildet

zu sein. Wenn er in der Nacht das trockene Laub und den Erdboden

nach Insekten und Würmern durchsucht, so hört man ein schnüffelndes

Geräusch, was auf eine intensive Nasenarbeit hindeutet. Ferner ist der

Schnabel bis zur Spitze mit zahlreichen Nervenzügen durchsetzt, die

dem Tastvermögen dienen, das beim Kiwi außerordentlich fein entwickelt

ist. Die Augen sind nur klein und können daher in der Dunkelheit keine

großen Dienste leisten. Der Mangel des Gesichts wird durch den Geruch

und den Tastsinn ersetzt.

Der Kiwi hält sich am Tage unter Baumwurzeln und in selbstgescharrten

Erdhöhlen versteckt und ist nur in der Dämmerung und in der Nacht rege.

Leider gehört der Kiwi zu den im Aussterben begriffenen Tieren. Die

Verfolgung durch die Eingeborenen und nicht zum mindesten durch die

in seiner Heimat sehr zahlreichen, verwilderten Hauskatzen hat seinen

Bestand so sehr gelichtet, daß nur noch wenige Überreste von diesem

interessanten Vogel ihr Leben fristen (Abbildung 15).

[Sidenote: Koboldmaki]

Auf den Malaiischen Inseln lebt ein absonderliches Säugetier, der

Koboldmaki oder das Gespensttier (~Tarsius tarsius~). Dies kleine,

etwa eichhorngroße Wesen, das zu den Halbaffen gehört, bewohnt die

dichten Waldungen, verbirgt sich am Tage in dunkeln Schlupfwinkeln und

turnt des Nachts mit sehr gewandten, geräuschlosen Sprüngen in den

Baumzweigen umher, um Kerbtiere zu jagen. Beim Koboldmaki sind die

Augen dem nächtlichen Leben sehr angepaßt. Sie sind ungeheuer groß und

nehmen den größten Teil des Kopfes ein. Die großen löffelartigen Ohren

lassen auf ein gut ausgebildetes Gehör schließen. Im Gegensatz zu den

kurzen Vorderfüßen stehen die auffallend langen Hinterbeine, die dem

Tier eine große Sprungkraft verleihen. Die Fußwurzel der Hinterbeine

ist sehr verlängert und bildet wie bei den Vögeln einen zwischen Fuß

und Unterschenkel eingeschalteten „Tarsus“. Er ist mit haarloser Haut

bekleidet. Die Finger und Zehen sind gleichfalls nackt und sehr lang.

Die vordersten Glieder sind breite, platte Teller, die vermutlich

wie Gummischeiben eine saugende Wirkung haben und ähnlich wie beim

Laubfrosch zum Festhalten dienen. Auch andere Halbaffen besitzen

diese erweiterten, platten vorderen Zehenglieder. Mein zahmer Mongoz

(~Lemur mongoz~) kletterte an der Kante völlig glatter Schränke in

die Höhe, indem er sich mit den Fingerscheiben festsaugte, wobei ein

quietschendes Geräusch entstand.

Auch die ebenfalls zu den Halbaffen zählenden Zwergmakis, Loris

und Galagos sind ausgesprochene Nachttiere, die im allgemeinen das

Tageslicht scheuen.

[Sidenote: Olm]

In den Gewässern der unterirdischen Höhlen in Krain, Dalmatien

und der Herzegowina lebt ein merkwürdiger Lurch, der erst vor

200 Jahren bekannt gewordene Olm. Er hat einen langen wurmartigen

Körper mit vier sehr kleinen, dünnen Füßchen und einen hechtartigen

Kopf. Seine Farbe ist gelblichweiß oder hell fleischfarben, die

Büschelkiemen sind blutrot. Als ausgesprochenes Wassertier atmet

der Olm während seines ganzen Lebens durch Kiemen, ohne wie die

anderen Lurche eine Verwandlung durchzumachen. Die nur punktgroßen,

zurückgebildeten Augen sind von der Kopfhaut überwachsen und vermögen

nur Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen, aber keine Gegenstände zu

erkennen. Die Lichtempfindlichkeit erstreckt sich sogar über die

Haut des ganzen Körpers. Gefangene Olme meiden jeden Lichtstrahl und

halten sich stets in der dunkelsten Ecke ihres Behälters auf. Die

Finsternis ist ihr wahres Lebensbedürfnis. In seiner Heimat wird der

Olm regelmäßig in größerer Menge für den Tierhandel gefangen. Er

ist ein langweiliger Gesell, der seinem Pfleger wenig Freude, aber

um so mehr Mühe macht. Zu seinem Gedeihen bedarf er eine beständige

Wassertemperatur von 9-11°~C~, muß stets im Dunklen gehalten werden

und an einem völlig ruhigen Ort stehen, da er Erschütterungen nicht

verträgt. Das Futter besteht in Regenwürmern, kleinen Fischen und

Fleischstückchen. In vielen Fällen verschmähen gefangene Olme jegliche

Nahrung und gehen bald zugrunde.

[Sidenote: Blindwühlen]

Unter den Amphibien führen auch die Blindwühlen ein völlig

unterirdisches Leben. Die Blindwühlen besitzen keine Füße und gleichen

mit ihrem walzenförmigen, langen Körper den Schlangen, müssen

jedoch wegen ihres inneren Körperbaues und ihrer Entwicklung aus

metamorphosierenden Larven zu den Amphibien gezählt werden. Die Larven

verbringen eine kurze Zeit im Wasser, wie die Kaulquappen der Frösche.

Das fertig ausgebildete Tier lebt jedoch nach Art der Regenwürmer in

der Erde. Die Augen fehlen entweder ganz, oder sie sind mit einer Haut

überwachsen und zum Sehen untauglich. Die Ohren sind verkümmert. Die

Wahrnehmung ist ganz auf das Tastgefühl beschränkt, das durch einen

nervenreichen Fühler vermittelt wird, der vor den rudimentären Augen

liegt und vorgestreckt und zurückgezogen werden kann.

Die Heimat der Blindwühlen ist das äquatoriale Afrika, Asien und

Amerika. Einzelne Arten wohnen in den Erdhaufen der Ameisen, die ihnen

neben Insektenlarven und Regenwürmern als Nahrung dienen.

[Sidenote: Ringelechsen]

Eine ähnliche Lebensweise wie die Blindwühlen führen unter den

Reptilien die Ringelechsen, die in ihrer Gestalt einem Wurm gleichen.

Ihre glatte, lederartige Haut, der walzenförmige Leib und die völlig

zurückgebildeten Gliedmaßen, die bei einigen Arten nur noch als

stummelhafte Vorderfüße auftreten, bei anderen äußerlich ganz fehlen,

machen den Körper der Ringelechsen in hohem Maße zum Wühlen in der

Erde geeignet. Die kleinen Augen sind von der Körperhaut überwachsen,

die Ohren fehlen völlig. Die meisten Arten hausen in den Haufen der

Termiten und Ameisen und leben von deren Larven. Sehr auffallend

ist es, daß die Ameisen, die sonst wütend über fremde Tiere, die in

ihren Bau eindringen, herfallen, die Ringelechsen ruhig dulden. Die

Ringelechse folgt sogar den Ameisen, wenn diese ihren Bau verlassen und

eine neue Wohnstätte errichten. --

[Sidenote: Blindschlangen]

Auch unter den Schlangen gibt es einige Arten, die wie die Regenwürmer

in der Erde leben und auch ein wurmähnliches Aussehen haben. Die

Blindschlangen (~Typhlopidae~) ähneln den Regenwürmern so sehr,

daß nur bei genauer Betrachtung die schlängelnden Bewegungen und

das charakteristische Züngeln ihre Schlangennatur verraten. Das

sehr kleine, bei manchen Arten völlig verkümmerte Auge ist von den

Kopfschilden überdeckt. Die Blindschlangen bewohnen die Tropenländer

der Alten und Neuen Welt. Eine Art kommt auch in Griechenland und

Kleinasien vor.

[Sidenote: Geckos]

Ausgesprochene Nachttiere sind die Geckos, welche in mehr als 200 Arten

über die warmen Länder der ganzen Erde verbreitet sind und sowohl die

Wälder wie die Wüstenregionen bewohnen (Abbildung 16). Viele Arten

bevorzugen zu ihrem Aufenthalt sogar die menschlichen Wohnhäuser.

Die Geckos gehören zur Familie der Haftzeher, die an den Zehen

blattartige Scheiben tragen, mit denen sie sich ansaugen und auch

an völlig glatten Flächen festhalten können. Nach Art der Fliegen

laufen die Geckos an Fensterscheiben, den Zimmerwänden, ja sogar an

der Decke umher. Am Tage verbergen sie sich in den Ritzen und Spalten

des Mauerwerks und werden erst am Abend rege, um in der Nacht bis zur

Morgendämmerung ihr gespensterhaftes Wesen zu treiben. Ihre Nahrung

besteht in Fliegen und anderen Insekten. Die Farbe der meisten Geckos

ist ein unscheinbares Grau oder Braun, nur wenige Arten, die in Wäldern

wohnen, sind grün oder bunt gefärbt.

Die frühere Annahme, daß das Ansaugen der Zehen durch einen klebrigen

Stoff erfolge, ist durch neuere Untersuchungen widerlegt worden. Die

Saugscheiben haften nur durch Luftdruck. Der Vorgang ist folgender. Das

Tier preßt die Saugscheiben fest an einen Gegenstand an und verringert

dann den Druck. Durch besondere Muskeln werden die Haftscheiben in der

Mitte etwas hochgezogen, wodurch ein luftleerer Raum entsteht, dessen

saugende Wirkung die Zehen an der Unterlage festhält.

Das Auge der Geckos ist ganz für das nächtliche Leben eingestellt. Es

ist sehr groß und stark gewölbt, kann also sehr viel Lichtstrahlen

aufnehmen. Die Pupille kann so sehr erweitert werden, daß die lebhaft,

meist rötlichgelb gefärbte Iris dann nur noch als kleiner Kreis

sichtbar ist.

Wie alle Eidechsen sind die Geckos ungeheuer lebhaft. Wenn sie am Abend

ihre Schlupfwinkel verlassen haben, dann beginnt ihr neckisches Spiel.

In hastigem Vorschießen ergreifen sie eine Fliege oder Spinne, in

schlängelnden Bewegungen gleiten sie an den Wänden entlang, spielen und

raufen miteinander.

Der unkundige Eingeborene verfolgt und tötet die harmlosen Geschöpfe,

unbekümmert um den großen Nutzen, den sie durch Vertilgen der gerade

in den Tropen so lästigen Insekten stiften. Man glaubt, daß in ihren

Haftzehen ein gefährliches Gift enthalten sei, dessen Berührung

dem Menschen den Tod bringt. In Dalmatien herrscht noch heute der

Aberglaube, daß die Speisen oder Gefäße, über die ein Gecko gelaufen

ist, vergiftet seien. Einen besseren Ruf genießt der Gecko in Siam.

Hier lebt der Tokee (~Geco verticillatus~), der zu den größten

Arten gehört und eine Körperlänge von 36 ~cm~ erreicht. Er wird als

Glücksbringer geschätzt und daher sorgsam in den Häusern und Wohnungen

behütet. Er macht sich durch ein eigenartiges Gegacker bemerkbar und

läßt außerdem einen zweisilbigen Ruf hören, der wie die Silben „to--ke“

klingt, wonach der kleine Schelm seinen Namen erhalten hat. An seinen

Ruf knüpfen sich allerhand Märchen und Sagen. Bringt der Gecko ihn

mehrmals hintereinander hervor, so verheißt dies Glück und Segen,

während seine Schweigsamkeit bei festlichen Anlässen als unheilvolles

Orakel gedeutet wird. Sogar ein Spiel hat man für den Ruf des kleinen

Hausfreundes ersonnen. Es gewinnt diejenige Losnummer, welche der Gecko

bei der mehrmaligen Wiederholung seiner Stimme ausruft. --

[Sidenote: Tierleben der Tiefsee]

Ein gewaltiges und wundersames Tierleben herrscht in den dunkelen

Tiefen des Meeres. Hier begegnen wir Tieren von den absonderlichsten

Gestalten, die sich ihren Weg in der ewigen Finsternis mit Lampen

erleuchten.

Die lichtarme Tiefsee beginnt in einer Tiefe von 400 ~m~ unter dem

Meeresspiegel. Die Einflüsse der Jahreszeiten und der Witterung

fehlen hier völlig. Das Wasser ist dauernd still und unbeweglich.

Seine Temperatur ist sehr niedrig, häufig dem Gefrierpunkt nahe und

stets gleichbleibend. Eine weitere Eigenschaft der Tiefsee ist die

Lichtarmut. In größeren Tiefen unterhalb 1000 ~m~ herrscht sogar

völlige Finsternis.

In der Tiefsee sind also die Lebensbedingungen völlig anders als

im Flachwasser, und zwar handelt es sich nicht nur um geringfügige

biologische Veränderungen, sondern um gewaltige, durchgreifende

Faktoren. So ist es von vornherein klar, daß die Bewohner der Tiefsee

gänzlich anders organisiert sein müssen als alle anderen Lebewesen. Mit

Recht nennt +Dofflein+ die Tiefsee ein ungeheures Experiment der Natur,

in dem die normalen Lebensbedingungen künstlich abgeändert, ja geradezu

ausgeschaltet sind.

Mit Rücksicht auf die gleichmäßige Temperatur in der Tiefsee sind

ihre Bewohner stenotherm, d. h. sie sind lediglich auf eine bestimmte

Außentemperatur eingestellt und können keine Temperaturschwankungen

ertragen.

Ferner ist der Körper aller Tiefseebewohner sehr zart. Er zerreißt

und zerbricht sehr leicht. Das Skelett der Tiefseefische und die

Schalen der Tiefseekrebse sind auffallend dünn im Vergleich zu

den in höheren Wasserschichten lebenden Tieren. „Es ist ein sehr

verblüffender Anblick,“ sagt +Dofflein+, „wenn man das freipräparierte

und getrocknete Skelett eines Tiefseefisches vor sich liegen hat; denn

es gleicht einem Häufchen dünner Papierblättchen und wiegt nur wenige

Gramm.“

Der zarte Körperbau und die schwachen Knochenteile sind offenbar

eine Folge der Unbeweglichkeit des Wassers in der Tiefe des Meeres.

In dem ruhigen Element fehlen der Zug und Druck, die eine Bewegung

des Wassers hervorrufen, und die einen starken, widerstandsfähigen

Körperbau verlangen. Infolgedessen haben Tiere, die in bewegtem

Wasser leben, und noch mehr solche Arten, welche der Brandungszone

ausgesetzt sind, starke Muskulatur und feste Knochen, unter Umständen

sogar besondere Einrichtungen, sich am Boden festzuklammern, oder an

Gegenständen anzusaugen, wie die Aktinien. Alles dies fehlt dem Körper

der Tiefseetiere.

Die Tiefseetiere leben beständig unter einem starken Wasserdruck, der

aber infolge der absoluten Ruhe des Wassers stets gleichbleibt. Auch

hierfür mag der weiche, zarte Körperbau sehr günstig sein.

Die meisten Tiefseetiere erleiden, wenn sie an die Oberfläche gebracht

werden, starke Beschädigungen. Die Ursache liegt jedoch weniger in

der Druckveränderung, wie der Laie meist annimmt, sondern in dem

plötzlichen Temperaturwechsel und der Erschütterung des Körpers, der ja

auf völlige Ruhe eingestellt ist.

Im Mittelmeer ist die Temperatur in der Tiefe wärmer als im Ozean,

wo sie um den Nullpunkt liegt. Sie beträgt im Mittelmeer 12-13°~C~.

Werden in einer Zeit, wo die Lufttemperatur über dem Mittelmeer

ungefähr dieselbe Wärme hat, Tiefseetiere herausgefischt, so bleiben

sie in gutem Zustande. Unter diesen Umständen gelang es +Dofflein+,

Tiefseetiere aus dem Mittelmeer mehrere Tage am Leben zu erhalten.

Von großem Einfluß auf die Sinnesorgane der Tiefseetiere ist die

Lichtarmut in den Tiefen des Meeres. Die Augen sind entweder ganz

verkümmert, oder sie zeichnen sich durch gewaltige Größe und

absonderliche Gestalt aus.

Da gibt es Fische mit Teleskopaugen, die weit aus dem Kopf herausragen.

Sie sind röhrenförmig und unterscheiden sich von den Augen anderer

Fische hauptsächlich durch ihre Stellung. Während die normalen

Fischaugen an den Seiten des Kopfes liegen, so daß jedes Auge sein

eigenes Gesichtsfeld hat und daher ein monokuläres Sehen erfolgt,

liegen die Teleskopaugen dicht nebeneinander in einer Ebene, entweder

nach oben oder nach vorn gerichtet. Beide Augen überblicken also ein

und dasselbe Gesichtsfeld. Das Sehen ist binokulär. Die sehr große

Linse hat einen weiten Abstand von der Netzhaut. Die Hornhaut ist

stark gewölbt. Durch einen besonderen Muskelapparat kann die Linse der

Netzhaut willkürlich genähert werden, wodurch eine Akkommodation des

Auges ermöglicht wird als Ersatz für die Starrheit der Pupille, die

die Fische nicht vergrößern und verkleinern können. Die Funktion des

Teleskopauges gewährleistet eine bestmögliche Ausnutzung des geringen

Lichtes in der Tiefsee und eine leichte Wahrnehmung von Bewegungen.

Im Zauber des Tierlebens · 第 13 / 26 段