Die einzigen Tiere, die als vollwertige Säuger aus der Reihe der

Beuteltiere heraustreten, sind der Dingo, einige Fledermäuse und

Ratten. Der Dingo ist zugleich die einzige in der Wildnis vorkommende

Hunderasse. Er ist nicht wie Wolf, Schakal oder Fuchs ein naher

Verwandter des Hundes, sondern ein echter Hund. Seine Farbe ist rot

oder rot mit Schwarz und Weiß gemischt. Der Schwanz ist buschig und hat

eine helle Spitze. Ob der Dingo wirklich ein ursprünglicher Wildhund

ist, oder ob er, was wahrscheinlicher ist, vom Haushund abstammt, der

erst vom Menschen nach Australien verpflanzt wurde und verwilderte,

ist heute eine noch ungeklärte Frage. Den Aufschluß hierüber kann uns

allein die Paläontologie geben. Freilich glaubt +Frederick McCoy+ in

der mittleren Tertiärschicht Australiens Reste des Dingo nachweisen

zu können -- eine Annahme, die freilich noch der Bestätigung bedarf.

Erweist sie sich als richtig, dann ist der Dingo als Wildhund zu

betrachten, denn daß er in der Tertiärzeit schon vom Menschen

eingeführt sein sollte, ist kaum glaubhaft, zumal der tertiäre Mensch

noch nicht nachgewiesen ist und, falls er gelebt hat, wohl noch keine

Haustiere besessen hat.

Neben dem Dingo leben in Australien noch einige Fledermäuse und Ratten,

die nicht Beuteltiere sind. Letztere sind jedenfalls erst später durch

Schiffe eingeschleppt worden, und die Fledermäuse können infolge ihres

Flugvermögens sich unschwer verbreiten. Ratten und Fledermäuse sind

offenbar keine Schöpfungen der australischen Tierwelt, sondern erst

später hierher gelangt.

Biotechnik

Die Organe der Tiere, auch die äußeren Gliedmaßen, sind zum Teil sehr

sinnreich konstruierte Apparate, die sich mit wissenschaftlichen

Instrumenten, wie sie in der Physik und Technik gebraucht werden,

vergleichen lassen, so daß man geradezu von einer Biotechnik, einer

Technik des Lebens, im Tierreich reden kann. --

Der Fisch führt im Wasser die verschiedensten Bewegungen aus. Er

vermag mit und gegen die Strömung zu schwimmen, steigt in vertikaler

Richtung ohne Flossenschlag auf und nieder, senkt sich auf den Boden

herab, bleibt in jeder beliebigen Tiefe unbeweglich stehen, oder stellt

sich sogar mit dem Kopf gegen den Strom, ohne von ihm fortgerissen zu

werden. Eine derartige Anpassung an das Leben im Wasser verlangt eine

ganz besondere Ausrüstung des Körpers.

[Sidenote: Die Schwimmblase des Fisches]

Ein wichtiges Organ für die Schwimmkunst der Fische ist die

Schwimmblase, die eine vielseitige Bedeutung hat. Die Schwimmblase

liegt unterhalb der Wirbelsäule unter den Nieren. Sie stellt entweder

einen länglichen Sack dar oder ist durch Abschnürungen in zwei oder

drei Kammern geteilt. Durch einen besonderen Gang steht sie meist mit

dem Schlunde in Verbindung, kann aber auch ganz in sich abgeschlossen

sein. Sie ist mit einem Gas gefüllt, das aus Sauerstoff (15%),

Stickstoff (83%) und Kohlensäure (2%) besteht. Bei Tiefseefischen ist

der Sauerstoffgehalt höher und beträgt bis 70%. Die Zusammensetzung

des Gases ist also von der Beschaffenheit der Luft verschieden, und

infolgedessen kann die Füllung der Schwimmblase, auch wenn diese mit

dem Rachen verbunden ist, nicht durch die Außenluft erfolgen. Der in

den Rachen führende Luftgang dient nur der Ausscheidung überflüssigen

Gases. Fehlt diese Rachenverbindung, so werden die Gase durch ein

besonderes Organ resorbiert, durch das „Oval“. Das Oval ist ein Knäuel

von Blutgefäßen, die das Gas aufsaugen und in das Blut überführen. Die

Blutgefäße können durch eine Muskelvorrichtung willkürlich geöffnet

und geschlossen werden, je nachdem ihre Tätigkeit aufgenommen oder

unterbrochen werden soll.

Die Gasfüllung der Schwimmblase geschieht durch zahlreiche Blutgefäße,

„rote Körper“ genannt, welche vermittels besonderer Drüsen das aus dem

Blut ausgeschiedene Gas hineinströmen lassen.

Die Schwimmblase dient zunächst zur vertikalen Bewegung. Durch ihre

wechselnde Füllung wird das spezifische Gewicht des Körpers verändert,

so daß der Fisch ohne Schwimmbewegungen im Wasser aufsteigen und sich

senken kann.

Die Abschnürung der Schwimmblase in mehrere Abteilungen befähigt den

Fisch, die Stellung des Körpers im Wasser beliebig zu ändern. Durch

eine verschiedene Gasfüllung der Kammern wird der Schwerpunkt des

Körpers verlegt, wodurch der vordere Teil, das Kopfende, gehoben oder

gesenkt wird. Der Körper steht dann nicht horizontal, sondern schräg

aufwärts oder abwärts.

Bei einigen Fischen ist die Schwimmblase mit dem innern Ohr durch eine

Knorpelmasse verbunden, die in einer am Labyrinth des Ohrs anliegenden

Membran endigt. Hierdurch wird der wechselnde Wasserdruck, welchen die

Spannung der Schwimmblase anzeigt, auf das Ohr übertragen. Der Apparat

wirkt gewissermaßen wie ein Barometer. Auch bei Fischen, denen diese

Vorrichtung fehlt, findet eine Übermittlung des Wasserdrucks auf das

Ohr statt, indem sich der Druck des Schwimmblasenumfangs unmittelbar

auf das Labyrinth fortpflanzt.

[Sidenote: Darmatmung]

Die Schwimmblase dient ferner zur Unterstützung der Atmung, die beim

Fisch durch die Kiemen erfolgt. Sie setzt den Fisch instand, eine

gewisse Zeit außerhalb des Wassers durch eine Zufuhr von Sauerstoff

fortzuleben und schützt ihn vor einem raschen Erstickungstode, der erst

eintritt, wenn der Sauerstoffgehalt der Schwimmblase aufgebraucht ist,

was bei manchen Arten ziemlich lange dauert. Auf diese Weise verträgt

der Karpfen oder Hecht, der von der Köchin vom Markt in einem Netz nach

Hause getragen wird, den trockenen Transport ohne Schaden.

Die respiratorische Bedeutung der Schwimmblase erreicht ihren höchsten

Grad bei den Lurchfischen. Hier ist die Schwimmblase zur Lunge

umgewandelt, die mit den im hinteren Rachen mündenden Nasenöffnungen

verbunden ist und das Tier zur Luftatmung auf dem Lande befähigt. Die

australischen Lurchfische haben also eine Doppelatmung, eine Atmung

durch Kiemen im Wasser und eine zweite durch Lungen auf dem Lande.

Sie sind hierdurch imstande, die Zeit der Dürre, in der die Gewässer

austrocknen, lebensfähig zu überstehen.

Vielen Tiefseefischen, ferner den Haifischen, Plattfischen, Makrelen

und einigen anderen Arten fehlt die Schwimmblase. Andere Arten, wie

Kofferfische und Igelfische, die ebenfalls keine Schwimmblase haben,

benutzen ihren Magen als hydrostatischen Apparat, indem sie ihn mit

Luft anfüllen. Die im Magen aufgespeicherte Luft schützt diese Fische

auf dem Trockenen vor dem Erstickungstode, da der notwendige Sauerstoff

durch den Darm zugeführt wird, so daß man geradezu von einer Darmatmung

sprechen kann.

[Sidenote: Hautsinnesorgane der Fische]

Die Natur hat die Fische mit einem besonderen Hautsinnesorgan

ausgestattet, das man als „sechsten“ Sinn bezeichnen kann. Am Kopf und

an den Seiten des Körpers befinden sich röhrenartige Linien, die durch

die Schuppen Verästelungen nach außen senden. Diese „Seitenorgane“

sind Sinnesorgane, mit denen der Fisch die Richtung und die Stärke

der Wasserströmung in feinster Weise wahrnimmt. Nähert sich der Fisch

einem Stein, einem Wehr oder irgendeinem Gegenstand im Wasser, so

prallt das vom schwimmenden Fisch bewegte Wasser an dem in der Nähe

befindlichen Hindernis ab und flutet zurück. Diese Rückwärtsbewegung

des Wassers, auch wenn sie noch so gering und fein ist, übt auf die

Seitenorgane einen Druck aus, der vom Fisch sofort wahrgenommen wird.

Die Seitenorgane dienen also der Orientierung beim Schwimmen und sind

biologisch von allergrößter Bedeutung. Mit ihrer Hilfe kann der Fisch,

wenn im trüben Wasser und im Dunkel der Nacht das Augenlicht versagt,

sich sicher und gefahrlos bewegen.

[Sidenote: Ohr der Fische]

Die Fische besitzen mit Ausnahme der Haie keine äußeren Ohröffnungen.

Man nimmt daher an, daß sie taub sind. Nur sehr starke Schallwellen,

wie sie die Detonation von Sprengstoffen erzeugt, werden wahrgenommen,

aber nicht durch Hören, sondern durch Empfinden des in das Wasser

gelangten Drucks der Schallwellen, der an die Seitenorgane und das

Ohrlabyrinth dringt.

Eine Ausnahme scheinen die Welse und ein Süßwasserfisch Amerikas, der

Killifisch, zu machen. Durch Versuche wurde nachgewiesen, daß sie auf

durchdringende Geräusche, wie schrille Pfiffe, reagierten. Es bleibt

aber fraglich, ob es sich tatsächlich um ein Hören handelt, oder ob

auch hier vielleicht die Seitenorgane im Spiele sind, die den im Wasser

sich fortpflanzenden Druck der Schallwellen übermitteln.

Einige Fischarten sind imstande, mit der Schwimmblase, durch Reibung

von Knochenteilen, oder durch Einpressen von Luft in der Mundhöhle und

den Kiemen Geräusche hervorzubringen, wie z. B. der Igelfisch, der

Killifisch und der knurrende Gurami. Da besonders die Männchen in der

Fortpflanzungszeit sich hören lassen, so darf man vermuten, daß ihre

Liebestöne den Zweck haben, die Weibchen anzulocken. Diese müssen also

die Laute vernehmen, ob mit dem Gehör oder wieder durch Empfindung

des Drucks der Schallwellen, bleibt freilich dahingestellt. Genaue

Untersuchungen darüber fehlen einstweilen noch.

Die wahre Bedeutung des Fischohres liegt nicht im Hören, sondern in

andern Funktionen. Wie schon gesagt wurde, steht bei vielen Fischen die

innere Ohröffnung mit der Schwimmblase in Verbindung und nimmt ihre von

der Wassertiefe abhängige Spannung wahr. Das Ohr ist ferner der Sitz

eines besonderen Gleichgewichtssinnes. Im Ohr liegen halbkreisförmige

Kanäle, die eine Flüssigkeit, die Endolymphe, enthalten. Der Sinn für

das Gleichgewicht wird durch die Bewegung dieser Flüssigkeit, die je

nach der Körperlage wechselt, ausgelöst. Zerstört man die Kanäle, so

ist der Fisch nicht mehr fähig, sich im Gleichgewicht zu halten, er

führt schraubenförmige Bewegungen aus und schwimmt auf dem Rücken.

Das Ohr unterrichtet schließlich den Fisch über die Geschwindigkeit

des Schwimmens. Drei Gehörsteine, Otolithen genannt, werden bei

den Bewegungen des Fisches aus ihrer Lage gebracht und drücken auf

das Labyrinth. Die Stärke und Art des Drucks zeigt dem Fisch die

Geschwindigkeit des Schwimmens an.

[Sidenote: Das Schwimmen der Fische]

Die meisten Fische haben einen spindelförmigen Körper, der sich mit

einem Torpedo vergleichen läßt, dessen Bauart der bestmöglichen

Wasserverdrängung gerecht wird. Kopf und Schwanz sind mit dem Rumpf

fest verbunden. Die Vorwärtsbewegung beim Schwimmen wird allein durch

die Schwanzflosse verursacht, die seitwärts ausschlägt und wie ein

Propeller wirkt. Rücken- und Afterflosse dienen als Kiel. Sie halten

den Körper in gleichmäßiger Lage und Richtung. Wird letztere geändert,

so werden Rücken- und Afterflosse angezogen, um die Wendung zu

erleichtern, und erst wieder entfaltet, wenn der Kurs geradeaus geht.

Die paarweise angeordneten Brust- und Bauchflossen dienen nicht als

Ruder, sondern als Höhen- und Seitensteuer sowie zum Balancieren des

Körpers.

Fische, deren Leib vom Torpedotyp abweicht, führen andere

Schwimmbewegungen aus. Der wurmartige Aal schlängelt beim Schwimmen den

Leib, die Schollen und andere Plattfische bewegen den flachen Körper

wellenförmig. Die Rochen gebrauchen ihre lappenartig verbreiterten

Brustflossen als Flügel. Wie der Vogel mit den Flügeln, so führen sie

mit den Brustflossen wellenförmige Schläge von unten nach oben aus. Sie

fliegen gewissermaßen im Wasser.

Im Gegensatz zu den Schollen und Rochen, die mit ihrem platten Körper

wagerecht schwimmen, gibt es auch Fische, die mit einem flachen,

scheibenförmigen Körper senkrecht im Wasser stehen. So hat der im

Amazonenstrom heimische Blattfisch (~Pterophyllum scalare~) einen platt

zusammengedrückten, blattartigen Körper. Die Schwanzflosse ist groß

und breit, und die Rücken- und Afterflosse sind zu gewaltigen Segeln

geworden. Der Fisch, der mit seiner grotesken Körperform kein guter

Schwimmer sein kann, hält sich im Pflanzendickicht in möglichst ruhigem

Wasser auf.

Der wundersamste Gesell unter den Fischen ist der Mondfisch

(~Orthagoriscus mola~), der im Mittelmeer und im Atlantischen Ozean

lebt. Sein platter, vertikal stehender Körper sieht aus wie die

Mondscheibe. After- und Rückenflosse sind gleich groß und stehen sich

oben und unten gegenüber. Der Fisch hat sonderbarerweise keinen Schwanz

und ruft daher den Eindruck eines schwimmenden Fischkopfes hervor. Er

wird infolgedessen auch „Schwimmender Kopf“ genannt (Abbildung 6).

Die Seepferdchen, die infolge ihrer höchst sonderbaren Gestalt alles

Fischartige verloren haben, aber dennoch zu den Fischen zählen,

schwimmen vermittels der sehr kräftig entwickelten Rückenflosse, die

sehr schnelle, zitternde Bewegungen ausführt, welche sich von vorn nach

hinten fortpflanzen. Hierdurch werden die benachbarten Wasserteile nach

rückwärts verdrängt, und durch ihren Widerstand wird der Fischkörper

vorwärts geschoben. Beim Schwimmen nach rückwärts geht die Bewegung

der Flossenstrahlen in umgekehrter Weise vor sich. Der Schwanz dient

beim Schwimmen als Steuer. Er ist außerdem ein Greiforgan, mit dem

der Knochenfisch sich an Gegenständen, wie Tang und Pflanzenstengeln,

anzuklammern vermag, wie man es in den Aquarien der Zoologischen Gärten

jederzeit beobachten kann. Die Seepferdchen, die keiner Schausammlung

eines Aquariums fehlen, üben wegen ihres eigenartigen Wesens und ihres

sonderbaren Aussehens stets eine besonders große Anziehungskraft auf

die Besucher aus. --

[Sidenote: Das Schwimmen der Säugetiere]

Unter den Säugetieren finden wir die Anpassung an das Wasserleben in

der höchsten Vollkommenheit bei den Walfischen, die einen fischartigen

Körper besitzen, der mit Flossen ausgerüstet ist. Die Vorwärtsbewegung

erfolgt wie bei den Fischen durch die Schwanzflosse. Auf dieselbe

Weise schwimmen auch die Robben mit ihren zum Gehen untauglichen

hinteren Gliedmaßen, die zu Flossen geworden sind. Sie liegen in der

Verlängerung der Längsachse des Körpers nach hinten gestreckt. Die

Triebkraft erfolgt durch seitliches Zusammenschlagen ihrer senkrecht

stehenden Flächen.

Bei den Fischen, Walfischen und Robben, die mit der Schwanzflosse

oder den hinteren Gliedmaßen schwimmen, läßt sich die Art der

Vorwärtsbewegung mit einem Schraubendampfer vergleichen, der durch die

am hinteren Ende des Schiffsrumpfes liegende Schraube getrieben wird.

Andere Wassertiere, wie Biber und Fischotter, schwimmen mit den Füßen,

deren Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind und als Ruder benutzt

werden. Hier kommt das Prinzip des Auslegerbootes zur Geltung.

[Sidenote: Das Schwimmen der Vögel]

Unter den Vögeln sind die im südlichen Eismeer heimischen Pinguine die

besten Schwimmer. Ihre Flügel sind flossenartig umgebildet, tragen

anstatt Federn hornartige Plättchen und werden sowohl beim Schwimmen an

der Oberfläche des Wassers wie beim Tauchen als Ruder benutzt. Die nach

hinten gestreckten Füße dienen zum Steuern (Abbildung 7).

Alle übrigen Schwimmvögel, wie Gänse, Schwäne, Enten, Kormorane und

Taucher, rudern stets mit den Füßen, die durch ihre Schwimmhäute breite

Flächen haben. Einige Arten, wie Säger und Lummen, benutzen beim

Tauchen und Schwimmen unter Wasser die Flügel als Ruder.

Die Wale, die wie die Fische ganz an ein Wasserleben gebunden sind,

haben die Fähigkeit, sehr lange unter Wasser bleiben zu können, ohne

Luft schöpfen zu brauchen. Die Finnwale (~Balaenoptera~) sollen sich

mehrere Stunden an der Oberfläche des Wassers aufhalten und etwa alle

zehn Minuten Luft holen. Hierdurch wird das Gewebe des Körpers so

reichlich mit Sauerstoff durchtränkt, daß das Tier dann stundenlang

in der Tiefe des Wassers weilen kann, ohne zu ersticken. Außerdem

vermögen die sehr dehnbaren Lungen viel Luft aufzunehmen. --

[Sidenote: Das Schwimmen der Quallen]

Als ein Fallschirm im Wasser wirkt der glockenförmige Gallertkörper

der Quallen. Die gallertartige Substanz ihres Körpers ist nur wenig

schwerer als das Meerwasser, so daß nur eine geringe Kraft erforderlich

ist, um ein Untersinken zu verhindern, wobei die schirmartige

Gestalt von großem Vorteil ist. Die Fortbewegung erfolgt durch ein

Zusammenziehen des weichen Körpers vermittels einer auf der Unterseite

liegenden ringförmigen Muskulatur. Beim Zusammenziehen wird das im

Körper befindliche Wasser rückwärts herausgepreßt, und der hierbei

erfolgende Rückstoß treibt das Tier nach vorn. Die Qualle pumpt sich

also gewissermaßen vorwärts.

Die Röhrenquallen oder Siphonophoren, welche nicht ein Einzelwesen,

sondern, wie wir später noch sehen werden, eine ganze Kolonie von

Tieren darstellen, haben oben eine Gasblase, die durch eine besondere

Gasdrüse gefüllt wird. Diese Gasflasche verursacht einen Auftrieb, der

die Röhre, um die die einzelnen Tiere gruppiert sind, senkrecht stellt.

Die zu den Röhrenquallen gehörende Segelqualle schwimmt nur an

der Oberfläche des Wassers, ohne sich herabzusenken. Oben auf dem

scheibenförmigen Körper steht ein großes dreieckiges Segel, das den

Wasserspiegel überragt. So wird die Segelqualle wie ein Segelschiff

durch den Wind auf dem Meere getrieben. Die Segelqualle besitzt noch

eine andere Eigentümlichkeit, sie ist nämlich Luftatmer. Sie hat ein

System von Luftkammern, das oben mit feinen Poren durchsetzt ist. Die

in den Kammern befindliche Luft wird durch die Poren ausgepreßt und

durch Frischluft ersetzt.

Durch zahlreiche Verästlungen dringt die Luft aus den Kammern in alle

Teile der Tierkolonie.

[Sidenote: Nesselorgane der Quallen]

Die Quallen sind ferner mit Nesselorganen ausgerüstet, die als Fangarme

auftreten oder als lange Fäden vom Körper herabhängen. Die Nesselorgane

besitzen kleine Nesselkapseln, die einen spiralig aufgerollten Faden

enthalten, der am vorderen Ende einen Dorn trägt. Bei Berührung wird

der Deckel der Kapsel gesprengt, der Faden schnellt heraus, bohrt sich

mit dem Dorn in das Opfer ein, und der Nesselsaft ergießt sich in den

Körper. Das Gift lähmt oder tötet kleine Tiere sehr schnell.

Diese Nesselorgane, die nach dem Prinzip der Dynamitbombe, die durch

Aufschlag explodiert, konstruiert sind, sind bei den Röhrenquallen

besonders stark entwickelt. Wie ein Maschinengewehr beschießen die

zahlreichen Nesselkapseln ein Tier, das mit den Fangfäden in Berührung

kommt. --

[Sidenote: Kletterbewegungen der Affen]

Viele Säugetiere sind ausgezeichnete Kletterer. Obenan stehen die Affen

als echte Baumtiere. Die kräftige Muskulatur ihrer langen Arme und

Beine und die zu Greiforganen gewordnen Füße befähigen sie hierzu in

hohem Maße. Bei einigen Affen ist auch der lange Schwanz zum Greiforgan

geworden, das die kühnen Turnkünste vortrefflich unterstützt. Die

Kapuziner- oder Rollschwanzaffen benutzen beim Klettern ihren Schwanz

zum Festhalten, indem sie das Ende um einen Ast ringeln, und können

sich sogar am Schwanz aufhängen. In bewundernswerter Weise verstehen

die Klammeraffen (~Ateles~) ihren Schwanz zu gebrauchen. Er ist

geradezu eine fünfte Hand. Der Affe springt in weitem Bogen durch die

Luft. Im Sprunge erfaßt plötzlich der Wickelschwanz einen Ast, und der

Affe schaukelt sich mit nach unten hängendem Körper, um im nächsten

Augenblick den Schwung seines Körpers zu einem neuen Weitsprung

auszunutzen. Unglaublich ist die Schnelligkeit, mit der der Schwanz

als Hand benutzt wird, und mit der er den Bewegungen des Körpers, der

Füße und Arme folgt und sich ihnen anpaßt. Die Verwendung des Schwanzes

als Hand zeigt sich am besten darin, daß der Affe sogar imstande

ist, Gegenstände mit dem Schwanz aufzuheben. Er benutzt ihn auch zum

Ergreifen von Nahrung. Die untere Seite des Schwanzes ist nackt und

besitzt ein feines Tastgefühl. --

Die Kunst des Fliegens spielt im Tierreich eine große Rolle.

Sie erreicht ihre höchste Vollkommenheit bei den Vögeln, die zu

Beherrschern der Luft geworden sind.

[Sidenote: Das Fliegen der Lurche, Kriechtiere und Fische]

Die niedrigste Form in der Biotechnik des Fluges ist das

Fallschirmfliegen, wie wir es bei Lurchen, Kriechtieren, Fischen und

einigen Säugetieren finden. Der Flug ist von Klettertieren erworben

worden, indem sich die Kletterorgane allmählich zu Flugwerkzeugen

umbildeten, die zunächst den Zweck hatten, in Gestalt eines

Fallschirmes den Weitsprung sicherer zu gestalten und seine Leistung zu

vergrößern.

Auf Borneo und Java leben eigentümliche Baumfrösche, die sich durch

langzehige Füße auszeichnen, deren Zehen durch große Schwimmhäute

verbunden sind. Beim Sprung in die Tiefe zieht der Frosch die Beine

an den Körper und breitet die Zehen mit den Schwimmhäuten weit aus.

Die Füße bilden vier Fallschirme, die den Frosch langsam und sicher

in schräger Linie herabgleiten lassen. Der Javaflugfrosch ist oben

tiefgrün, auf der Bauchseite gelb gefärbt. Die Schwimmhäute haben

blaue Flecken. Er besitzt ebenso wie der etwas kleinere Laubfrosch

Saugscheiben an den Zehen.

Eine bessere Flugeinrichtung sehen wir beim Flugdrachen (~Draco

volans~), einer kleinen nur 21 ~cm~ langen Echse auf den Sundainseln.

Die hinteren falschen Rippen sind über den Körper hinaus verlängert

und durch eine Flughaut verbunden. In der Ruhe sind die Flughäute

zusammengefaltet, beim Sprung durch die Luft werden sie wie ein Schirm

aufgespannt. Der Flugdrache benutzt seine Flugkunst besonders zum Fang

fliegender Insekten. Er springt von seinem Sitz herab, gleitet mit

Hilfe der beiden Fallschirme im sanften Bogen durch die Luft und landet

auf einem tiefer gelegenen Ast. Nach neueren Beobachtungen soll der

Flugdrache bis zu 20 ~m~ weit fliegen können und sogar imstande sein,

im Fliegen Hindernissen auszuweichen. Die Farbe des Körpers und der

inneren Hälfte der Fallschirme ist ein metallisch glänzendes Rotbraun

mit dunkeln Zeichnungen und Flecken. Die vordere Hälfte der Flughäute

ist orangerot. Der Oberkopf und die Bauchseite sind grün.

Auch unter den Geckos finden sich einige Formen mit Flughäuten am

Leibe und Spannhäuten zwischen den Zehen, die den Tieren einen kurzen

Gleitflug gestatten. --

Im Zauber des Tierlebens · 第 6 / 26 段