E.K.M.

gehorsame

Katharina Lutherin,

seliger Gedächtnis Doctoris

Martini Luthers

verlassne Witfrau.“[625]

Die so Beglückte dachte aber auch an andere Hilfsbedürftige, an den

Amtsgenossen ihres Gatten, D.G. Major, der mit seiner großen

Kinderschaar in dieser schlimmen Zeit sich vergeblich nach einer

Stellung umsah. Frau Katharina legte in diese Danksagung als Beilage

noch eine Fürbitte ein:

„Gnädigster Herr! Nachdem ich erfahren, was vor gnädigste und

christliche Neigung E.K.M. gegen den (die) Theologen der Universität zu

Wittenberg tragen und mein lieber Herr seliger Gedächtnis Doctor Georgen

Major stets nun über zwanzig Jahre als seinen Sohn gehalten und lieb

gehabt, welcher zu dieser Zeit allhie bei mir im Elend samt zehen

lebendigen Kindern: will E.K.M. gedachten Doctor ich mich unterthänigst

befohlen haben bittend, E.K.M. wollen ob solchem kein ungnädigst

Gefallen haben. Denn Theologi je mit Weib und Kindern sonderlichen zu

diesen jämmerlichen Zeiten, betteln müssen, wie ich schier selbst

erfahren, da sie nicht von Fürsten und Herren ihre Errettung und

Unterhaltung haben werden.“

Zu Ostern erhielt nun auch D. Major „auf der tugendsamen Frauen

Katharina, des seligen und löblichen Gedächtnis Doctoris Martini Luthers

verlassenen Witfrauen Vorschrift und Vorbitte 50 Thaler bei dem

Schlesiger gnädiglich überschickt“[626].

Da es mit der Einnahme Wittenbergs durch Moriz nichts geworden, so war

mittlerweile die tapfere Frau Katharina wieder nach Wittenberg

zurückgekehrt, aber ihres Bleibens war nicht lange dort. Denn der Kaiser

Karl und sein Bruder Ferdinand kamen aus Süddeutschland und Böhmen mit

ihren Spaniern und Italienern, Böhmen und Ungarn ihrem Verbündeten Moriz

zu Hilfe und es stand eine neue Belagerung Wittenbergs bevor, die

diesmal ernstlich und gefährlich werden sollte. Und jetzt mußte Frau

Katharina erst recht flüchten, denn überall hin verbreitete sich die

Kunde von den unerhörten Greuelthaten und Grausamkeiten der fremden

Völker, sogar gegen unschuldige Kinder: „sie raubten, mordeten,

plünderten, schändeten Frauen und Jungfrauen und warfen Kinder auf der

Gasse über die Zäune“. Namentlich aber wüteten Spanier und Italiener

gegen die evangelischen Geistlichen und ihre Familien. Dem Pfarrer in

Altenburg entführten sie zwei Töchter, den von Kemberg bei Wittenberg

ermordeten sie[627]. Da hieß es: „Die ungarischen Räuber, gemeiniglich

Hussirer genannt, sind ein räuberisch und unbarmherzig Volk; bei Eger

hieben sie den Kindern die Hände und Füße ab und steckten sie als

Federbüsche auf die Hüte“. So erzählte man, und Melanchthon schrieb:

„Ihr Führer Lodran (Lateranus) sagte, er werde nach Eroberung unserer

Stadt Luthers Leib ausgraben und den Hunden vorwerfen lassen; und redete

namentlich davon, mich in Stücke zu hauen.“ Oder gar: „Man werde Luthers

Gebeine ausgraben und verbrennen, die Stätte, wo er geruht, zerstören

und die Stadt schleifen, Melanchthon erwürgen und D. Pommer zerhacken,

daß man sich mit den Stücken werfen möchte.“ Deshalb setzte Melanchthon,

welcher zu Anfang 1547 wieder in Wittenberg weilte, für die dortigen

Pfarrfrauen eine Bittschrift an den Kaiser auf[628].

Frau Katharina hielt in Wittenberg aus, so lange als möglich. Da aber

kam am Ostertag morgens in aller Frühe die schreckliche Kunde, daß am

Karsamstag 24. April der Kurfürst Johann Friedrich von der kaiserlichen

Uebermacht auf der Lochauer Heide geschlagen und gefangen worden sei und

das feindliche Heer sich gegen Wittenberg heranwälze. Hals über Kopf

mußte nun Luthers Witwe aufs neue ins Elend“ ziehen[629].

So kam sie plötzlich wieder nach Magdeburg und bat die Freunde,

besonders Melanchthon als Vormund ihrer Kinder unter Thränen, ihnen ein

Nest zu suchen. Am liebsten wäre sie nach Dänemark gegangen, zu dem

einzigen Fürsten, der sich ihrer anzunehmen versprochen hatte, nachdem

von dem unglücklichen Kurfürsten nichts mehr zu erwarten stand. Sie bat

zunächst, sie nach Braunschweig führen zu lassen. Die Theologen

schienen, als sie die Trümmer des geschlagenen kursächsischen Heeres

durch Magdeburg ziehen sahen, sich auch nicht mehr in Magdeburg sicher

zu fühlen, und Melanchthon und Major mit ihren Familien zogen samt der

Lutherischen über Helmstädt nach Braunschweig. In Helmstädt wurden sie

vom Stadtrat freigebig bewirtet. In Braunschweig brachte Melanchthon die

beiden anderen Familien bei dem evangelischen Abt unter, während er für

sich selbst recht lange sich nach einer kleinen Wohnung umthun mußte. Er

wurde als begehrter Professor von den verschiedensten Fürsten

eingeladen; aber um Luthers Witwe kümmerte sich niemand: sie konnte in

dieser Zeit der katholischen Reaktion höchstens eine Verlegenheit sein.

Deshalb drängte sie darauf, nach Dänemark zu kommen. Aber als die

Flüchtlinge kaum einige Meilen von Braunschweig nördlich nach Gifhorn

gekommen waren, zeigten sich alle Wege im Herzogtum Lüneburg voll

Soldaten und Herzog Franz machte Schwierigkeiten; so kehrte man wieder

nach Braunschweig zurück. Dort blieb nun Katharina mit ihren Kindern,

während Melanchthon zu Himmelfahrt nach Nordhausen zog, wohin ihn sein

Freund, der Bürgermeister Meienburg, eingeladen halte; und Major folgte,

willens sich nach seiner Vaterstadt Nürnberg zu begeben[630].

Am 23. Mai, Montag vor Pfingsten, wurde Wittenberg vom kaiserlichen Heer

besetzt; am Mittwoch ritt der Kaiser und der König Ferdinand in die

Stadt ein vor die Schloßkirche und ließ sich vom Studiosus Johann Burges

aus Quedlinburg „die Begräbnis“ Luthers zeigen, die zu entweihen er aber

nicht zuließ, so feind die Spanier sonst D. Luthern waren[631]. Am 6.

Juni mußte Wittenberg dem neuen Kurfürsten Moriz huldigen, der den

Kurhut und das Kurland als Preis für seinen Verrat an der evangelischen

Sache erhalten hatte. Zwei Tage darauf lud der Rektor die Universität

zur Rückkehr nach Wittenberg ein. Auch Käthe wurde Ende Juni von D.

Pommer und Bürgermeister Reuter zur Rückkehr aufgefordert: es sei alles

sicher und Haus und Hof unverheert. So kehrte sie, wenn auch erst Ende

Juli, aus Braunschweig heim ins liebe Wittenberg[632].

Katharina von Bora: Geschichtliches Lebensbild · 第 67 / 92 题