Aber was Frau Käthe zu wenig an Gottvertrauen zeigte, das bewies der
Herr Doktor zu viel. Sie wußte und hörte, daß er, trotzdem er sich jeden
Abend mit warmen Tüchern behandeln lassen mußte, seinen alten
Predigteifer auch in der fremden Stadt in der kalten Kirche bethätigte;
zwei Geistliche ordinierte er und viermal predigte er, zuletzt am
Sonntag den 14. Februar. Abends schrieb er noch einen Brief an seine
Hausfrau, erwähnte aber nichts davon, daß er heute morgen seine Predigt
hatte abbrechen müssen aus Schwachheit; er bat aber seine Frau um
Arzneien[559].
Der Brief schlägt wieder fröhliche und hoffnungsvolle Töne an; die
Aussicht auf Rückkehr nach der lieben Heimat vergoldete die trübe
Stimmung[560]:
„Meiner freundlichen, lieben Hausfrauen, Katherin Lutherin von Bora zu
Wittenberg zu Händen.
Gnade und Friede im Herrn.
Liebe Käthe! Wir hoffen diese Woche wieder heim zu kommen, ob Gott will.
Gott hat große Gnade hier erzeigt; denn die Herren durch ihre Räte fast
altes verglichen haben, bis auf zwei Artikel oder drei, unter welchen
ist, daß die zwei Brüder Graf Gebhardt und Graf Albrecht wiederum Brüder
werden, welches ich heute soll vornehmen und will sie zu mir zu Gaste
bitten, daß sie auch mit einander reden; denn sie bis daher stumm
gewesen und mit Schriften sich hart verbittert haben. Sonst sind die
jungen Herren (die Söhne der feindlichen Grafen) fröhlich, fahren
zusammen mit den Narrenglöcklein auf Schlitten und die Fräulein auch und
bringen einander Mummenschanz, und sind guter Dinge, auch Graf Gebhardts
Sohn. Also muß man greifen, daß Gott Gebete erhört.
Ich schicke Dir Forellen, so mir die Gräfin Albrecht geschenkt hat: die
ist von Herzen froh der Einigkeit. Deine Söhnchen sind noch zu Mansfeld.
Jakob Luther will sie wohl versorgen. Wir haben hier zu essen und zu
trinken als die Herrn, und man wartet unser gar schön, nur allzu schön,
daß wir Euer wohl vergessen möchten zu Wittenberg. So ficht mich der
Stein auch nicht an. Aber Doktor Jonas Bein wäre schier gnad worden, so
hat's Löcher gewonnen auf dem Schienbein; aber Gott wird auch helfen.
Solches alles magst Du Mag. Philippus anzeigen, Doktor Pommer und Doktor
Kruziger. Hier ist das Gerücht herkommen, daß Doktor Martinus sei
weggeführt, wie man zu Leipzig und Magdeburg redet. Solches erdichten
die Naseweisen, Deine Landsleute. Etliche sagen, der Kaiser sei dreißig
Meilen Wegs von hinnen bei Soest in Westphalen; etliche, daß der
Franzose Knechte annehme, der Landgraf auch. Aber laß sagen und singen:
wir wollen warten, was Gott thun wird. Hiemit Gott befohlen.
Zu Eisleben am Sonntag Valentini 1546.