Trotz dieser Briefe war aber Frau Käthe so voller Sorge um den fernen
Gatten, daß sie nicht schlafen konnte, und schrieb gar ängstliche
Episteln nach Eisleben, so daß ihr der fromme Doktor eine lange Predigt
hielt über Gottvertrauen in zwei aufeinanderfolgenden Briefen, am 7. und
10. Februar[558]:
„Meiner lieben Hausfrauen Katherin Lutherin, Doktorin, Selbstmartyrin zu
Wittenberg, meiner gnädigen Frauen zu Händen und Füßen.
Gnade und Friede im Herrn.
Lies Du, liebe Käthe, den Johannem und den kleinen Katechismus, davon Du
einmal sagtest: es ist doch alles in dem Buch von mir gesagt. Denn Du
willst sorgen für Deinen Gott, gerade als wäre er nicht allmächtig, der
da könnte zehn Doktor Martinus schaffen, wo der einige alte ersöffe in
der Saale oder im Ofenloch oder auf Wolfs Vogelherd. Laß mich in Frieden
mit Deiner Sorge: ich hab' einen bessern Sorger, denn Du und alle Engel
sind. Der liegt in der Krippe und hänget an einer Jungfrauen Brust; aber
sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes des allmächtigen Vaters. Darum
sei in Frieden, Amen.
Betet, betet, betet und helft uns, daß wir's gut machen. Denn ich heute
in Willen hatte, den Wagen zu schmieren in meinem Zorn; aber Jammer, so
mir einfiel, meines Vaterlandes hat mich gehalten. Ich bin nun auch ein
Jurist worden. Aber es wird ihnen nicht gedeihen. Es wäre besser, sie
ließen mich einen Theologen bleiben. Komme ich unter sie, so ich leben
soll, ich möcht' ein Poltergeist werden, der ihren Stolz durch Gottes
Gnade hemmen möchte. Sie stellen sich, als wären sie Gott, davon möchten
sie wohl und billig bei Zeit abtreten, ehe denn ihre Gottheit zur
Teufelheit würde, wie Luzifer geschah, der auch im Himmel vor Hoffart
nicht bleiben konnte. Wohlan, Gottes Wille geschehe.
Du sollst Mag. Philippus diesen Brief lesen lassen: denn ich nicht Zeit
hatte, ihm zu schreiben, damit Du Dich trösten kannst, daß ich Dich gern
lieb hätte, wenn ich könnte, wie Du weißt, und er gegen seine Frauen
vielleicht auch weiß und alles wohl verstehet.
Wir leben hier wohl, und der Rat schenkt mir zu jeglicher Mahlzeit ein
halb Stübchen Rheinfall, der ist sehr gut. Zuweilen trink ich's mit
meinen Gesellen. So ist der Landwein hier gut, und Naumburgisch Bier
sehr gut, ohne daß mich dünkt, es macht mir die Brust voll phlegmate
(Schleim) mit seinem Pech. Der Teufel hat uns das Bier in aller Welt mit
Pech verdorben und bei euch den Wein mit Schwefel. Aber hier ist der
Wein rein, ohne was des Landes Art giebt.
Und wisse, daß alle Briefe, die Du geschrieben hast, sind anher kommen
und heute sind die kommen, die Du am nächsten Freitag geschrieben hast
mit Mag. Philippus Briefen, damit Du nicht zürnest.
Am Sonntag nach Dorotheens Tag (7. Febr.) 1546.
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