Am Sankt Dorotheentage, 1546.“

Trotz dieser Briefe war aber Frau Käthe so voller Sorge um den fernen

Gatten, daß sie nicht schlafen konnte, und schrieb gar ängstliche

Episteln nach Eisleben, so daß ihr der fromme Doktor eine lange Predigt

hielt über Gottvertrauen in zwei aufeinanderfolgenden Briefen, am 7. und

10. Februar[558]:

„Meiner lieben Hausfrauen Katherin Lutherin, Doktorin, Selbstmartyrin zu

Wittenberg, meiner gnädigen Frauen zu Händen und Füßen.

Gnade und Friede im Herrn.

Lies Du, liebe Käthe, den Johannem und den kleinen Katechismus, davon Du

einmal sagtest: es ist doch alles in dem Buch von mir gesagt. Denn Du

willst sorgen für Deinen Gott, gerade als wäre er nicht allmächtig, der

da könnte zehn Doktor Martinus schaffen, wo der einige alte ersöffe in

der Saale oder im Ofenloch oder auf Wolfs Vogelherd. Laß mich in Frieden

mit Deiner Sorge: ich hab' einen bessern Sorger, denn Du und alle Engel

sind. Der liegt in der Krippe und hänget an einer Jungfrauen Brust; aber

sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes des allmächtigen Vaters. Darum

sei in Frieden, Amen.

Betet, betet, betet und helft uns, daß wir's gut machen. Denn ich heute

in Willen hatte, den Wagen zu schmieren in meinem Zorn; aber Jammer, so

mir einfiel, meines Vaterlandes hat mich gehalten. Ich bin nun auch ein

Jurist worden. Aber es wird ihnen nicht gedeihen. Es wäre besser, sie

ließen mich einen Theologen bleiben. Komme ich unter sie, so ich leben

soll, ich möcht' ein Poltergeist werden, der ihren Stolz durch Gottes

Gnade hemmen möchte. Sie stellen sich, als wären sie Gott, davon möchten

sie wohl und billig bei Zeit abtreten, ehe denn ihre Gottheit zur

Teufelheit würde, wie Luzifer geschah, der auch im Himmel vor Hoffart

nicht bleiben konnte. Wohlan, Gottes Wille geschehe.

Du sollst Mag. Philippus diesen Brief lesen lassen: denn ich nicht Zeit

hatte, ihm zu schreiben, damit Du Dich trösten kannst, daß ich Dich gern

lieb hätte, wenn ich könnte, wie Du weißt, und er gegen seine Frauen

vielleicht auch weiß und alles wohl verstehet.

Wir leben hier wohl, und der Rat schenkt mir zu jeglicher Mahlzeit ein

halb Stübchen Rheinfall, der ist sehr gut. Zuweilen trink ich's mit

meinen Gesellen. So ist der Landwein hier gut, und Naumburgisch Bier

sehr gut, ohne daß mich dünkt, es macht mir die Brust voll phlegmate

(Schleim) mit seinem Pech. Der Teufel hat uns das Bier in aller Welt mit

Pech verdorben und bei euch den Wein mit Schwefel. Aber hier ist der

Wein rein, ohne was des Landes Art giebt.

Und wisse, daß alle Briefe, die Du geschrieben hast, sind anher kommen

und heute sind die kommen, die Du am nächsten Freitag geschrieben hast

mit Mag. Philippus Briefen, damit Du nicht zürnest.

Am Sonntag nach Dorotheens Tag (7. Febr.) 1546.

* * * * *

Katharina von Bora: Geschichtliches Lebensbild · 第 60 / 92 题