M.L., Dein altes Liebchen.“[555]

Also der Doktor hatte sich richtig erkältet und zwar durch eigene

Schuld; er war eine Zeitlang vom Wagen abgestiegen, hatte sich in

Schweiß gelaufen bei dem auffallend warmen Winterwetter, war dann im

letzten Dorfe Nißdorf, hart vor Eisleben, unvorsichtigerweise wieder auf

den Wagen gesessen und hatte sich in dem scharfen Luftzug des Fuhrwerks

erkältet. Frau Käthe wußte, was das zu bedeuten hatte und war gar

ängstlich trotz des fröhlichen Briefes. Sie hatte, scheint es, die Sache

schon vor Luthers eigener Meldung sonsther gehört, auch daß die sonst

immer offen gehaltene Wunde am Bein, welche, eine Art Fontanelle, den

kranken Säften einen Abfluß gewährte, bedenklicherweise zugeheilt war.

So schrieb sie nun einen Brief um den andern, an einem Tag (Freitag, 5.

Februar) sogar mehrere. Auch sandte sie von Wittenberg ihre gewöhnlichen

Hausmittel: „Stärkküchlein“, allerlei Stärkwasser, Rosenessig und

Aquavitä, und hieß Jonas, den Famulus und ihre Söhne in dem Gemach des

Doktors schlafen[556]. Er zwar schreibt wieder ganz sorglos, nur

bedenklich wegen der heikeln Streitigkeiten, die er zu schlichten hatte,

am 6. Februar[557]:

„Der tiefgelehrten Frauen Katharin Lutherin, meiner gnädigen Hausfrauen

zu Wittenberg.

Gnade und Friede.

Liebe Käthe! Wir sitzen hier und lassen uns martern und wären wohl gern

davon; aber es kann noch nicht sein, als mich dünkt, in acht Tagen. Mag.

Philippus magst Du sagen, daß er seine Postille korrigiere; denn er hat

nicht verstanden, warum der Herr im Evangelio die Reichtümer Dornen

nennt. Hier ist die Schule, da man solches verstehen lernet. Aber mir

grauet, daß allewege in der heiligen Schrift den Dornen das Feuer

gedroht wird; darum ich desto größere Geduld habe, ob ich mit Gottes

Hilfe möchte etwas Gutes ausrichten. Deine Söhnchen sind noch zu

Mansfeld. Sonst haben wir zu essen und trinken genug und hätten gute

Tage, wenn's der verdrießliche Handel thät. Mich dünkt, der Teufel

spotte unser; Gott woll' ihn wieder spotten, Amen.

Bittet für uns. Der Bote eilte sehr.

Katharina von Bora: Geschichtliches Lebensbild · 第 59 / 92 题