Also der Doktor hatte sich richtig erkältet und zwar durch eigene
Schuld; er war eine Zeitlang vom Wagen abgestiegen, hatte sich in
Schweiß gelaufen bei dem auffallend warmen Winterwetter, war dann im
letzten Dorfe Nißdorf, hart vor Eisleben, unvorsichtigerweise wieder auf
den Wagen gesessen und hatte sich in dem scharfen Luftzug des Fuhrwerks
erkältet. Frau Käthe wußte, was das zu bedeuten hatte und war gar
ängstlich trotz des fröhlichen Briefes. Sie hatte, scheint es, die Sache
schon vor Luthers eigener Meldung sonsther gehört, auch daß die sonst
immer offen gehaltene Wunde am Bein, welche, eine Art Fontanelle, den
kranken Säften einen Abfluß gewährte, bedenklicherweise zugeheilt war.
So schrieb sie nun einen Brief um den andern, an einem Tag (Freitag, 5.
Februar) sogar mehrere. Auch sandte sie von Wittenberg ihre gewöhnlichen
Hausmittel: „Stärkküchlein“, allerlei Stärkwasser, Rosenessig und
Aquavitä, und hieß Jonas, den Famulus und ihre Söhne in dem Gemach des
Doktors schlafen[556]. Er zwar schreibt wieder ganz sorglos, nur
bedenklich wegen der heikeln Streitigkeiten, die er zu schlichten hatte,
am 6. Februar[557]:
„Der tiefgelehrten Frauen Katharin Lutherin, meiner gnädigen Hausfrauen
zu Wittenberg.
Gnade und Friede.
Liebe Käthe! Wir sitzen hier und lassen uns martern und wären wohl gern
davon; aber es kann noch nicht sein, als mich dünkt, in acht Tagen. Mag.
Philippus magst Du sagen, daß er seine Postille korrigiere; denn er hat
nicht verstanden, warum der Herr im Evangelio die Reichtümer Dornen
nennt. Hier ist die Schule, da man solches verstehen lernet. Aber mir
grauet, daß allewege in der heiligen Schrift den Dornen das Feuer
gedroht wird; darum ich desto größere Geduld habe, ob ich mit Gottes
Hilfe möchte etwas Gutes ausrichten. Deine Söhnchen sind noch zu
Mansfeld. Sonst haben wir zu essen und trinken genug und hätten gute
Tage, wenn's der verdrießliche Handel thät. Mich dünkt, der Teufel
spotte unser; Gott woll' ihn wieder spotten, Amen.
Bittet für uns. Der Bote eilte sehr.