Martinus Luther D.“

Das lautete gar fröhlich und vergnügt, als man im Kloster diesen

lustigen Brief las, und Frau Käthe konnte einstweilen beruhigt sein.

Aber es dauerte acht Tage, bis wieder ein Brief kam. Das mußte die

besorgte Frau schon nicht wenig aufregen und sie sandte Briefe über

Briefe ab, was sonst bei der vielbeschäftigten Frau nicht gerade

Gewohnheit war. Endlich nach Lichtmeß langte ein zweiter Brief Luthers

an. Der war freilich auch in demselben scherzhaften Ton geschrieben, wie

der vorige und die meisten Episteln des Doktors an seine Frau. Aber es

war doch eine Stelle darin, die bedenklich machen konnte.

„Meiner herzlieben Hausfrauen Katharin Lutherin, Doktorin, Zulsdorferin,

Saumärkterin und was sie sonst noch sein kann.

Gnade und Friede in Christo und meine alte, arme und, wie ich weiß,

unkräftige Liebe zuvor.

Liebe Käthe! Ich bin schwach gewesen auf dem Wege hart vor Eisleben, das

war meine Schuld. Aber wenn Du wärest dagewesen, so hättest Du gesagt,

es wäre der Juden oder ihres Gottes Schuld gewesen. Denn wir mußten

durch ein Dorf hart vor Eisleben, da viele Juden inne wohnten;

vielleicht haben sie mich so scharf angeblasen. So sind hier in der

Stadt Eisleben jetzt diese Stunde über fünfzig Juden wohnhaftig (in

einem Hause). Und wahr ist's, da ich bei dem Dorf war, ging mir ein

solch kalter Wind hinten im Wagen ein auf meinen Kopf durchs Barett, als

wollte mir's das Hirn zu Eise machen. Solches mag nun zum Schwindel

etwas haben geholfen; aber jetzt bin ich gottlob! wohl geschickt,

ausgenommen, daß die schönen Frauen mich so hart anfechten.

Ich trinke Naumburgisch Bier, fast des Geschmacks, den Du von Mansfeld

mir etwa hast gelobet. Es gefällt mir wohl.

Deine Söhnchen sind nach Mansfeld gefahren ehegestern, weil sie Hans von

Jene[554] so demütiglich gebeten hatte; weiß nicht, was sie da machen.

Wenn's kalt wäre, so möchten sie helfen frieren. Nun es warm ist,

könnten sie wohl was anders thun oder leiden, wie es ihnen gefällt.

Hiermit Gott befohlen sammt allem Hause, und grüße alle Tischgesellen.

Vigilia Purificationis, 1546.

Katharina von Bora: Geschichtliches Lebensbild · 第 58 / 92 题