Sonnabends nach Matthäi, 1530. Martinus LutheR.“[492]

Zehn Jahre nachher, als der Reichstag und Konvent in Hagenau stattfand,

schreibt Luther am 10. Juli 1540 von Eisenach seiner „lieben Hausfrauen,

Frauen Kathrin Luderin zu Wittenberg“ u.a.: „... Bittet mit Fleiß, wie

ihr schuldig seid, für unsern Herrn Christum, d.i. für uns alle, die an

ihn glauben, wider den Schwarm der Teufel, so jetzt zu Hagenau toben

wider den Herrn und seinen Gesalbten (Ps. 2).“ (S.o.S. 130 f.)[493].

So redete Luther auch in den letzten Jahren mit seiner Hausfrau über die

politische Lage, namentlich die hinterlistige Politik des Herzogs Moriz.

„Liebe Käthe“, erklärte er da, „deine Landsleute haben mit meines

gnädigsten Herrn Räten eine Hundskette gemacht und werden nicht eher

nachlassen, sie haben ihn denn verraten.“[494]

Es ist naturgemäß und begreiflich, daß wir von Frau Katharinas Wesen,

Wirken und Bedeutung so wenig direkte Zeugnisse besitzen. Denn sie

selbst hat nicht gerade viel geschrieben und ihre Briefe sind fast alle

verloren gegangen, während sie selbst ihres Doktors Briefe sorgfältig

aufbewahrt hat; ferner interessierten sich die Hausgenossen und

Zeitgenossen selbstverständlich fast nur für den großen Mann, der die

Welt bewegt hatte. Seine Gestalt überstrahlte die Hausfrau völlig. Nur

im Reflex von Luthers Briefen und Tischgesprächen, selten in Bemerkungen

seiner Bewunderer, finden wir Züge, die ihr Charakterbild darstellen.

Daß aber demnach Frau Katharina neben dem Reformator eine selbständige

Stellung und Geltung behauptete, beweist der Umstand, daß die Freunde

und Luther selbst sie nicht nur respektvoll die „Domina“ und Doktorin,

mit lateinischen und griechischen Worten nannten, sondern auch von der

verheirateten Frau noch den Namen „Katharina von Bora“ gebrauchten.

Was hielt nun Luther von seiner Frau?

Da giebt es drei wichtige Zeugnisse, die Luther seiner Gattin ausstellt,

am Anfang, in der Mitte und am Ende seiner Ehe, nicht etwa bloß

gelegentliche Aeußerungen guter oder schlechter Laune, sondern überlegte

und feierliche Anerkennung ihrer Vortrefflichkeit als Hausfrau und

Ehefrau.

Im zweiten Jahre seines Ehestands (1526) schreibt er an Stiefel: „Sie

ist mir willfährig und in allen Dingen gehorsam und gefällig, viel mehr,

als ich zu hoffen gewagt hatte (Gott sei Dank!), so daß ich meine Armut

nicht mit den Schätzen des Krösus tauschen möchte.“[495]

Elf Jahre darauf, bei seinem tödlichen Krankheitsanfall auf der Reise

von Schmalkalden, diktierte Luther in Gotha sein Testament, worin es

heißt: „Tröstet meine Käthe, daß sie dies trage dafür, daß sie zwölf

Jahre mit mir froh gelebt hat. Sie selbst hat mir gedient nicht allein

wie eine Gattin, sondern auch wie eine Magd. Gott vergelt es ihr! Ihr

aber sollt für sie sorgen und ihre Kinder, wie sich's geziemt“ Und dann

sagte er: „Ich habe meine Käthe lieb, ja ich hab sie lieber denn mich

selber, das ist gewißlich wahr; ich wollt lieber sterben, denn daß sie

und die Kinderlein sterben sollten.“[496]

Endlich schreibt Luther in seinem letzten und endgiltigen Testament i.J.

1542. „Ich M.D.L. bekenne mit dieser meiner eigenen Handschrift, daß ich

meiner lieben und treuen Hausfrauen gegeben habe zum Leibgeding Gut,

Haus und Kleinode. Das thue ich darum, daß sie mich als ein fromm

(brav), treu ehelich Gemahl allezeit lieb, wert und schön gehalten

hat.“[497]

Und was so Luther in feierlichen Stunden bezeugte, das hat er wiederholt

sonst vor seinen Tischgenossen und Freunden bekannt. Sein langjähriger

Hausgenosse Hieronymus Weller schreibt in seinen Erinnerungen: „Ich

erinnere mich, wie der hochw. Mann oft sagte: er preise sich von Herzen

glücklich, daß ihm Gott eine so folgsame, bescheidene und kluge Gemahlin

geschenkt, welche so ausgezeichnet für seine Gesundheit sorge und

eintreten könne und sich so geschickt seinem Wesen anzupassen und seine

Fehler und Unannehmlichkeiten mit so stillem Gemüte zu tragen wisse.

Denn er könne bei seinen vielen Arbeiten, Beschäftigungen und

Anfechtungen nicht immer seinem Wohlbefinden Rechnung tragen.“[498]

Das Verhältnis zwischen Käthe und Luther war das der achtungsvollen

Verehrung; das entsprach einmal der Anschauung des Mittelalters von der

Herrschaftsstellung des Mannes zum Weibe; anderseits rührte es davon

her, daß die fünfzehn Jahre jüngere Frau zu dem älteren, durch

Gelehrsamkeit und hohes Ansehen ehrwürdigen Mann mit einer gewissen

Pietät hinaufschaute. Daher redet er sie zwar immer mit „Du“ an, _sie_

aber spricht zu _ihm_ immer mit „Ihr“ und nennt ihn „Herr Doktor“. Das

fand auch Luther selbstverständlich. Als einmal von einem Manne die Rede

war, welcher an eine reiche Frau seine Freiheit verkauft hatte, sagte

er: „Ich hab's auch gern, wenn mir meine Käthe übers Maul fährt — nur

daß ich sie nicht viel dran lasse gewinnen als ein Maulschellium.“[499]

Und ein andermal: „Sie hat allein die ganze Herrschaft in ihrer Hand.

Ich gestehe ihr auch gerne das ganze Hausregiment zu; aber mein Recht

wollte ich mir unversehrt erhalten und Weiberregiment hat nie nichts

Gutes ausgerichtet.“ Luther war seinem ganzen Wesen, aber auch seiner

Anschauung und seinen biblischen Grundsätzen nach nicht der Mann, seine

eheherrlichen Rechte sich verkürzen zu lassen: einen Freund, der ihm die

Tyrannei seines Weibes klagt, verweist er tadelnd darauf, daß man das

Ansehen des Mannes nicht dürfe mit Füßen treten lassen. So führte er

auch auf Hans Luffts Tochter Hochzeit die Braut zum Lager und sprach zum

Bräutigam (dem Arzt M. Andreas Aurifaber): „Er soll's bei dem gemeinen

Lauf bleiben lassen und Herr im Hause sein (wenn die Frau nicht daheim

ist, setzte er scherzend hinzu). Und zum Zeichen zog er ihm einen Schuh

aus und legte ihn aufs Himmelbett, daß er die Herrschaft und das

Regiment behielte[500].

Aber freilich Käthes resolutes Wesen, die Herrschaft, die sie im Haus

führte und die der Hausherr ihr auch völlig einräumte, führte ihn dazu,

daß er sie auch scherzend seinen „Herrn“ nannte. So schreibt er ihr vom

Hoflager in Torgau: „Gestern hab ich gedacht, wie ich daheim eine schöne

Frauen habe, oder sollt ich sagen Herren?“[501]

Und gerade mit dieser resoluten Art ihres Wesens neckt er sie genugsam.

Und wie gerade recht willensstarke wenn auch gutmütige Eheherren,

gefällt er sich seinen Freunden gegenüber in der humoristischen Rolle

des gehorsamen, unterdrückten Ehemanns. So sagte er einmal zu einem

Gast: „Nehmt fürlieb mit einem frommen (braven) Wirt, denn er ist der

Frauen gehorsam.“ Ihr selbst gegenüber spricht Luther in immer neuen

Wendungen von dieser angeblichen Eheherrschaft und charakterisiert jenes

gebieterische Wesen der Frau Käthe. „Meine Herrin“ nennt er sie schon in

der ersten Woche ihrer Ehe. „Mein Käthe“ (Meus Ketha) ist später ihre

regelmäßige Bezeichnung in seinen vertrauten Briefen und in ebenso

drolliger Verbindung „Meine Herr Käthe“, oder sprachlich richtiger „Mein

Herr Kätha“, „Dr. Kethus“, auch einmal „mein Herr und mein Moses“ und

„meine Gebieterin“ oder „Kaiserin“[502].

Aber sonst nennt er sie in zärtlichem Wortspiel gar häufig „meine

Kette“, auch meine „Weinrebe“, oder in Briefen an entfernter Stehende

respektvoll „meine Hausfrau“, „meine Hausehre“[503].

Auch seiner Frau selber gegenüber schlägt Luther gewöhnlich jenen

neckischen Ton an, woraus einerseits zärtliche Neigung, andererseits

doch auch achtungsvolle Anerkennung blickt.

Schon in seinem ersten erhaltenen Brief und dann fast regelmäßig redet

er sie an „Lieber Herr Käth“. Dann adressiert er — nach Sitte der

damaligen Zeit — „Meinem lieben Herrn, Frau Kathrin Lutherin zu

Wittenberg zu handen“, oder „Meinem freundlichen lieben Herrn, Frau

Katherin von Bora, D. Lutherin, zu Wittenberg“ oder noch umständlicher

humoristisch pathetisch: „Meinem freundlichen lieben Herren Katherina

Lutherin, Doctorin, Predigerin zu Wittenbergh“. Oder: „Meiner gnädigen

Jungfer Katherin Lutherin von Bora und Zulsdorf gen Wittenberg, meinem

Liebchen“. „Meiner herzlieben Hausfrauen Katherin Lutherin Doctorin

Zulsdorferin, Saumärkterin und was sie mehr sein kann.“ „Meiner

freundlichen lieben Hausfrau Katherinen Luther von Bora, Predigerin,

Brauerin, Gärtnerin und was sie mehr sein kann.“ Dann aber heißt es auch

innig und herzlich auf der Adresse „Meiner lieben“ oder „herzlieben

Hausfrauen“ oder „Meiner freundlichen lieben Käthe Lutherin“ und in der

Anrede: „Liebe Jungfer Käthe“ und zum Schluß „Dein altes Liebchen“ oder

auch „Dein lieber Herr“. Sogar in seinem täglichen Hausgebet bittet er

für „mein liebes Weib“[504].

So dient dem Doktor seine Hausfrau manchmal auch zur Exemplifikation

seiner theologischen oder erfahrungsgemäßen Ansicht über die Weiber, oft

in scherzhafter oder wohl auch einmal ernsthafter Uebertreibung. Da

spricht er ihnen Weisheit und Herrschaftstalent ab und macht sich lustig

über ihre Redseligkeit, indem er verschiedentlich bemerkte, die Weiber

im allgemeinen und seine Käthe im besonderen vergäßen das Vaterunser,

wenn sie anfingen, zu predigen[505].

So „lachte der Doktor einmal seiner Käthe, als sie klug sein wollte; er

meinte, Gott habe dem Manne eine breite Brust als Sitz der Weisheit

gegeben, dem Weibe aber breite Hüften und starke Schenkel, daß sie

sollen daheim bleiben, im Hause still sitzen, haushalten, Kinder tragen

und ziehen. Weiberregiment im Haus und Staat taugt nichts. Der Mann hat

im Hause das Regiment. Das Gesetz nimmt den Weibern Weisheit und

Regiment.“ Er meinte überhaupt: „Es ist kein Rock noch Kleid, das einer

Frauen oder Jungfrauen übeler ansteht, als wenn sie klug will sein.“

Luther erklärte sogar einmal in einer Tischrede: „Den Weibern mangelt's

an Stärke, Kräften des Leibes und am Verstand. Den Mangel an

Leibeskräften soll man dulden, denn die Männer sollen sie ernähren. Den

Mangel an Verstand sollen wir ihnen wünschen, doch ihre Sitten und Weise

mit Vernunft tragen, regieren und etwas zu Gute halten.“[506]

Daneben aber erkennt er die Vorzüge und die Bestimmung des weiblichen

Geschlechts rühmend an: „Ein Weib ist ein freundlicher, holdseliger und

kurzweiliger Gesell des Lebens. Weiber tragen Kinder und ziehen sie auf,

regieren das Haus und teilen ordentlich aus, was ein Mann hineinschaffet

und erwirbt, daß es zu Rate gehalten und nicht unnütze verthan werde,

sondern daß einem jeglichen gegeben werde, was ihm gebührt. Daher sie

vom heiligen Geiste Hausehren genannt werden, daß sie des Hauses

Schmuck, Ehre und Zierde sein sollen. Sie sind geneigt zur

Barmherzigkeit, denn sie sind von Gott auch fürnehmlich dazu geschaffen,

daß sie sollen Kinder haben, der Männer Lust und Freude und barmherzig

seien.“ „Es ist ein arm Ding ein Weib. Die größte Ehre, die es hat, ist,

daß wir allzumal durch die Weiber geboren werden und auf die Welt

kommen. Ein Weib wird in der heiligen Schrift genannt „ein Lust und

Freude deiner Augen“ (Sirach 26, 2). Ein fromm Weib soll darum geehret

und geliebet werden, erstlich, daß sie Gottes Gabe und Geschenk ist; zum

andern, daß Gott einem Weibe herrliche große Tugenden verliehen, welche

andere Mängel und Gebrechen weit übertreffen, sonderlich wo sie Zucht,

Treue und Glauben halten.“ „Wenn die Weiber die Lehre des Evangeliums

annehmen, so sind sie viel stärker und inbrünstiger im Glauben, halten

viel stärker und steifer darüber, als die Männer, wie man siehet an der

lieben Anastasia und andern Märtyrern; auch Magdalena war herzenhaftiger

denn Petrus.“[507]

Einmal klagt er wohl auch: „Wenn ich noch eine freien sollte, so wollte

ich mir ein gehorsam Weib aus einem Steine hauen; so sehr hab ich

verzweifelt an aller Weiber Gehorsam.“ Aber so gar ernst war's ihm doch

nicht damit. Er wußte wohl: „Es ist keine größere Plage noch Kreuz auf

Erden, denn ein bös, wunderlich, zänkisch Weib.“ Bei ihm war's nicht so,

sonst liefe er davon, sagt er. Dagegen weiß er seines Weibes

Willfährigkeit und Dienstfertigkeit an vielen Orten und in mancherlei

Weise zu rühmen. So zitierte er auch gerne das Wort seiner Wirtin zu

Eisenach: „Es ist kein lieber Ding auf Erden als Frauenlieb, wem sie

kann werden.“ Und aus seiner eignen Erfahrung erklärt er: „Ein fromm

Eheweib ist eine Gesellin des Lebens, des Mannes Trost.“ [508]

Kleine eheliche Fehden nahm Luther als selbstverständliche Dinge

leichten Herzens in den Kauf. Als er einmal einen kleinen Zwist mit

seiner Frau gehabt hatte, sagte er erklärend zu Veit Dietrich: „Er stehe

auch von ihr einen Zorn aus, er könne ja noch mehr ertragen.“ Er meint

von Eheleuten: „Ob sie gleich zuweilen schnurren und murren, das muß

nicht schaden; es gehet in der Ehe nicht allzeit schnurgleich zu, ist

ein zufällig Ding, des muß man sich ergeben. Adam und Eva werden sich

auch gar weidlich die neunhundert Jahre zerscholten haben und Eva zum

Adam gesagt: „Du hast den Apfel gessen.“ Herwiederum wird Adam

geantwortet haben: „Warum hast Du mir ihn gegeben?“ Das Wesen der Ehe

wird durch solche Plänkeleien nicht geschädigt. „Denn wiewohl die

Weibsen gemeiniglich alle die Kunst kennen, daß sie mit Weinen, Lügen,

Einreden einen Mann gefangen nehmen, können's fein verdrehen und die

besten Worte geben; wenn nur diese drei Stücke im Ehestand bleiben,

nämlich Treu und Glauben, Kinder und Leibesfrüchte und Sakrament, daß

man's nämlich für ein heilig Ding und göttlichen Stand hält, so ist's

gar ein seliger Stand, und das ein seliger Mann, der eine gute Ehefrau

hat.“[509]

Einmal klagt er wohl: „Ich muß Geduld haben mit dem Papste, ich muß

Patienz haben mit den Schwärmern, ich muß Geduld haben mit den

Scharhaufen, ich muß Patienz haben mit dem Gesinde, ich muß Patienz

haben mit Käthen von Bora, und der Patienz ist so viel, daß mein Leben

nichts sein will als Patienz. Der Prophet Jesaias (30, 15) spricht: „In

Schweigen und Hoffen steht eure Stärke.“ — Wie wenig aber Käthe dies

übel nahm, beweist, daß sie auf die steinerne Hausthüre, welche sie in

Pirna für Luther bestellte, grade diesen Prophetenspruch eingraben ließ.

Luther bekennt aber auch: „Wer ein fromm (brav) Weib bekommt, der

bekommt eine gute Mitgift. Und da gleich ein Weib etwas bitter ist, doch

soll man mit ihr Geduld haben. Denn sie gehört ins Haus und das Gesinde

bedarf's bisweilen auch sehr wohl, daß man ihnen hart sei und weidlich

zuspreche.“ „Der häusliche Zorn als Vater und Mutter, Herrn und Frau im

Hause, thut nicht großen Schaden. Häuslicher Zorn ist, als wenn die

Kinder mit den Puppen spielen.“[510]

Die Hochschätzung des Familienlebens, das Lob, das Luther in allen

Tonarten dem Ehestand anstimmt, ist doch auch ein Beweis für die

glückliche Ehe, in der Luther mit seiner Käthe lebte. Das Kapitel über

den Ehestand ist in seinen Tischreden das größte. So fing er bei der

Verlobung seiner Nichte (1538) an und konnte gar nicht aufhören, den

Ehestand zu loben, daß er Gottes Ordnung und der allerbeste und

heiligste Stand sei. „Darum sollte man ihn mit den herrlichsten

Zeremonien (Feierlichkeiten) anfangen. Gott hat ein Kreuz (nämlich: des

Segens) über den Ehestand gemacht und hält's auch darüber.“[511]

In der Ehe soll eitel Liebe und Lust sein, freilich „muß es ein frommer

Mann und ein fromm Weib sein, welche Gemahl und Kinder von ganzem Herzen

lieben. Ein fromm Eheweib ist eine Gesellin des Lebens, des Mannes

Trost, wie geschrieben steht (Sprw. 31, 11): Des Mannes Herz verläßt

sich auf sie. Das Weib hat das Lob der Gefälligkeit und erfreuenden

Anmut.“ Das lieblichste Leben dünkte ihm: „leben mit einem frommen,

willigen, gehorsamen Weibe in Frieden und Einigkeit.“[512]

Luther selber hatte nun in seiner Hausfrau und seinem Hausstand

gefunden, was er in dem rechten Ehestand suchte und von dem rechten

Eheweib erwartet. Er bezeugt: „Mir ist, gottlob! wohl geraten, denn ich

habe ein fromm (brav), getreu Weib, auf welche sich des Mannes Seele

verlassen darf, wie Salomon sagt (Sprw. 31, 11): Sie verderbet mir's

nicht.“[513]

„Martinus redete von seiner Hausfrau und sagte: er achtete sie teurer

denn das Königreich Frankreich und der Venediger Herrschaft. Denn ihm

wäre ein fromm (brav) Weib von Gott geschenkt und gegeben. Zum andern,

er höre, daß viel größer Gebrechen und Fehler allenthalben unter

Eheleuten seien, denn an ihr erfunden wäre. Zum dritten: das wäre

überflüssige Ursach genug, sie lieb und wert zu halten, daß sie Glauben

und sich ehrlich hielte, wie es einem frommen, züchtigen Weib gebühret.

Welches alles, da es ein Mann ansehe, so würde er leichtlich überwinden,

was sich möchte zutragen, und triumphieren wider Zank und Uneinigkeit,

so der Satan pflegt unter Eheleuten anzurichten.“ „Die Ehe ist nicht ein

natürlich Ding, sondern Gottes Gabe, das allersüßeste, lieblichste und

keuscheste Leben. Ach, wie herzlich sehnte ich mich nach den Meinen, da

ich zu Schmalkalden todkrank lag! Ich meinte, ich würde Weib und Kinder

hie nicht mehr sehen; wie weh that mir solche Scheidung und Trennung.

Nun glaub ich wohl, daß in sterbenden Menschen solche natürliche Neigung

und Liebe, so ein Ehemann zu seinem Eheweib habe, am größten sei. Weil

ich aber nun gesund bin worden durch Gottes Gnade, so hab ich mein Weib

und Kinderlein desto lieber. Keiner ist so geistlich, der solche

angeborene Neigung und Liebe nicht fühlet. Denn es ist ein groß Ding um

das Bündnis und die Gemeinschaft zwischen Mann und Weib.“[514]

Luther wußte aber auch, daß er keine zweite Frau in der Welt finden

könnte, die so gut für ihn paßte, als Katharina von Bora. Er warnte den

Pfarrer von Sitten vor einer zweiten Heirat und fügt bei der Umschau auf

seinen Bekanntenkreis hinzu: „Ich, wenn ich jung wäre und die Bosheit

der Welt so kennete, ich würde, wenn mir auch eine Königin angeboten

würde nach meiner Käthe, lieber sterben, als noch einmal heiraten.“ Und

doch schätzte er den Ehestand so hoch, daß er ihn für die schönste

Ordnung nach der Religion, für den fürnehmsten Stand auf Erden

hielt[515].

Luther kannte nichts Lieberes als seine Käthe. Er beteuert, er habe sie

lieber als sich selber. Ja er klagte darüber als menschliche Schwäche,

daß er seine Käthe lieber habe als unsern Herrgott. Seine

Lieblingsepistel, den Galaterbrief, nannte er „seine Käthe im neuen

Testament“. „Der Brief an die Galater ist meine liebe Epistel, der ich

mich vertrauet habe: sie ist meine Käthe von Bora.“ Und sein höchster

Trumpf war: „Ich setze meine Käthe zum Pfand!“[516]

Käthe war nicht eine geistreiche Frau, hoher Schwung der Gedanken,

glänzende Geistesgaben gingen ihr ab: sie ist eine nüchterne und doch

nicht hausbackene, tüchtige deutsche Frau.

Es ist eine unzeitgemäße Sache, die Frage aufzuwerfen, ob denn Frau

Käthe „gebildet“ war. Eine gelehrte Frau wie Argula von Grumbach war sie

glücklicherweise nicht; von einer solchen war Luther, wie seine

Aeußerungen zeigen, wenig erbaut und jedenfalls wäre dann seine Wahl

nicht auf Katharina gefallen. (S. 185 f.) Eine geistvolle Frau wie die

Kirchenmutter Katharina Schützin in Straßburg, welche Sendschreiben an

die christlichen Frauen ergehen ließ, brauchte sie neben Luther nicht zu

sein. Aber so gebildet wie irgend eine Frau ihres Standes war sie doch.

Frau Käthe, wird bezeugt, las gerne und eifrig in der Bibel und gewiß

nicht bloß wegen der von Luther versprochenen 50 fl. Einmal ermahnte der

Doktor sein Weib, daß sie fleißig Gottes Wort lesen und hören solle, und

sonderlich den Psalter fleißig lesen. Sie aber sprach, daß sie es genug

thäte und täglich viel lese, und könne auch viel davon reden; wollte

Gott, sie thäte auch darnach. Der Doktor meinte zwar, solch' Rühmen

müsse der Vortrab des künftigen Ueberdrusses sein. Aber freilich, die

vielbeschäftigte Frau konnte doch auch nicht ständig mit geistlichen

Dingen sich beschäftigen, wie ihr theologischer Gemahl. Und ein andermal

fiel ihr selbst auf, daß sie im Evangelium nicht mehr so hitzig und

emsig bete wie im Papsttum. Geistlich gesinnet sein konnte sie aber

deswegen doch. Von seinen Predigten über Joh. 14-16 sagte Luther zu

seiner Gattin: „Das ist das beste unter allen Büchern, die ich je

geschrieben habe; darum liebe Käthe, laß Dir's befohlen sein und halt es

für mein Testament.“[517]

Und von Eisleben aus schrieb er: „Lies Du, liebe Käthe, den Johannem und

den kleinen Katechismum, davon Du zu dem Male sagtest: „Es ist doch

alles in dem Buch von mir gesagt.“ Sie las also nicht nur in Schrift und

Glaubensbüchlein, sondern wandte es auch auf sich an[518].

Es ist doch ein Zeugnis für so eifriges Forschen in der Schrift, wenn

ihr von ihren Kindern auf ihrem Grabstein ein offenes Buch in die Hände

gegeben wird.

Käthe konnte auch schreiben, und ihre Briefe, soweit sie diktiert und

nicht etwa von andern stilisiert sind, beweisen eine klare, bestimmte

und verständige Denk- und Ausdrucksweise. Und wenn Luther seine Frau

auch einmal damit aufzieht, daß sie „Kattegissimum“ schrieb statt

Katechismum, so kann dies damals viel weniger wie heute als

orthographische Unbildung gelten zu einer Zeit, wo nicht nur Laien,

sondern auch Gelehrte höchstens das Lateinische einigermaßen

orthographisch schrieben, das Deutsche aber in der krausesten Form, wie

es ihnen in die Feder kam mit allen Fehlern der undeutlichen,

verdorbenen mundartlichen Aussprache[519].

Ebenso wenig sachgemäß ist die Frage, ob Frau Katharina ihrem Gemahle

ebenbürtig war. An eine Vergleichung mit seinem geistigen Wesen, mit

Luthers Genialität und Charakter, Wirksamkeit und weltgeschichtlicher

Bedeutung ist ja naturgemäß nicht zu denken. Aber daß sie als Gattin,

als Hausfrau und Mutter seiner Kinder ihm das war, was er an ihr

brauchte und wollte, daß sie Luthers rechte und somit ebenbürtige Gattin

war, das hat er immer wieder ausgesprochen und anerkannt.

Aber auch daran muß erinnert werden, daß Frau Katharina doch ein

lebhaftes Interesse für das Werk ihres Gatten, für die Kirche und die

Reformation bezeugte. Frau Käthe hörte und las viele von den Briefen,

die ab- und eingingen. Sie drängte ihren Gatten zum Schreiben. Sie

sprach ein Wort darein, wenn er eine Schrift ausgehen ließ. Sie durfte

als eine Doktorin auch ihren Rat bei Besetzung von Pfarrstellen geben

und bemühte sich für junge Magister um Anstellung. Sie verstand die

Bedeutung ihres Gatten für die Christenheit, sie wußte seine

Persönlichkeit und sein Werk zu würdigen. Sie betete und sorgte für das

Heil der Christenheit und den Erfolg des Evangeliums noch auf ihrem

Totenbette. Und Luther mutete ihr solches Interesse auch zu.

Und wenn wir die Rolle in Betracht ziehen, welche Katharina gegenüber

den anderen Professoren- und Reformatorenfrauen in dem mündlichen und

schriftlichen Gedankenaustausch der Zeitgenossen spielte, so z.B.

Melanchthons Frau, wenn wir sehen, wie sie allerseits geehrt, gegrüßt

und beachtet, in ihrer Krankheit um sie gebangt war, nicht bloß um ihres

Gatten willen, dann ist außer Zweifel: seine Käthe ist des großen

Doktors wert und würdig gewesen, und es ist doch bemerkenswert, daß die

Freunde die Gattin Luthers mit dem Weibe der Offenbarung, dem Sinnbild

der christlichen Kirche verglichen[520].

Aus den späteren Jahren giebt es von Frau Katharina ein Kranachsches

Bild[521]. Das Gesicht ist etwas gebräunt, die Augen blicken trübe, fast

schmerzlich und müde, wie Luther in dieser Zeit sie schildert, als

„geneigt zu Mißtrauen und Sorgen“[522]; wieder zeigt die starke

Unterlippe das kräftige Selbstbewußtsein, die zusammengelegten Hände

deuten ruhige Gelassenheit an. Aber es ist das Bild einer geistig nicht

unbedeutenden Frau. Der ernste, ja strenge Ausdruck des Gesichts

verkündet ein schweres Geschick, das ihr bevorsteht, oder das sie schon

erlebt hat.

Katharina von Bora: Geschichtliches Lebensbild · 第 55 / 92 题