Katharinas Heirat.
So machte Luther bei Käthe von Bora, aber auch bei anderen Nonnen den
Freiwerber; er that es aber auch in seinen Schriften, worin er den
Ehestand so hoch pries und jedermann dazu einlud. Daher scherzte er in
einer Epistel an Spalatin: „Es ist zu verwundern, daß ich, der ich so
oft von der Ehe schreibe und so oft unter Weiber komme, nicht längst
verweibischt oder beweibt bin.“ Und mehr im Ernst: „Ich dränge andere
mit so viel Gründen zur Ehe, daß ich beinahe selbst dazu bewegt
werde“[115].
Wenn Luther so eifrig zur Ehe riet, so hatte er dabei vor allem seine
Amtsgenossen im Auge. Denn bis zur Reformation war es nicht nur Sitte,
sondern sogar Gesetz, daß Universitätslehrer sich nicht verehelichten:
so sehr wurden die Schulen, auch die Hochschulen als kirchliche, ja
geistliche Anstalten angesehen und die „geistigen“ Personen als
„Geistliche“. Nur beschränkte Ausnahmen wurden allmählich mit der
Verehelichung gestattet für Mediziner und Juristen; Rektor konnte lange
Zeit, auch in Wittenberg, nur ein unverehelichter Professor werden. Die
Gelehrten aber betrachteten auch ihrerseits die Ehe als eine
Erniedrigung für ihren hohen Stand. Darum hat Luther nur mit Mühe den
Gelehrten Melanchthon zur Heirat vermocht[116].
Daß aber die eigentlichen Geistlichen, die Priester, heirateten, das war
vor Luther, seit Gregor des Siebenten Zeiten, das heißt seit
sechsthalbhundert Jahren etwas Unerhörtes. Gerade aber _darauf_ hat nun
Luther allmählich in seinen vielen Schriften gedrungen, um zu zeigen daß
im Christentum der geistliche Stand nichts Besonderes sei, daß vielmehr
alle, die aus der Taufe gekrochen, Bischöfe und Pfarrer wären, und
umgekehrt die Geistlichen nichts anders als Christenmenschen. So hat er
all seine geglichen Freunde zur Ehe gedrängt und ihnen dazu mit Eifer
verholfen; auch den Hochmeister von Preußen und den Erzbischof von
Mainz. Er wollte sozusagen für seine Anschauung vom allgemeinen
Priestertum und dem hl. Ehestand, wie der falschen Heiligkeit des
Cölibats den Massenbeweis mit Tatsachen führen. So mahnt er Spalatin
(Ostern 1525): „Warum schreitest Du nicht zur Ehe? Es ist möglich, daß
ich selbst dazu komme, wenn die Feinde nicht aufhören diesen Lebensstand
zu verdammen und die Klüglinge ihn täglich belächeln!“[117]
Der Gedanke, daß auch _Klosterleute_ ehelich werden sollten, war Luther
anfangs befremdend: galt dies doch nach der Anschauung der Zeit so
sakrilegisch, daß die weltlichen Rechte Heiraten von Mönchen und Nonnen
mit dem Tode bestraften[118]. Von der Wartburg schrieb Luther (am 6.
August 1521): „Unsere Wittenberger wollen sogar den Mönchen Weiber
geben? Nun mir sollen sie wenigstens keine Frau aufdringen,“ und mit
Melanchthon scherzt er, ob dieser sich wohl an ihm dafür rächen wolle,
daß er ihm zu einer Frau verholfen habe? er werde sich aber zu hüten
wissen. Doch nach wenigen Monaten hatte er sich überzeugt: „Das ehelose
Leben in Klöstern ist auch der geistlichen Freiheit zuwider. Darum, wo
du nicht frei und mit Lust ehelos bist und mußt es allein um Scham,
Furcht, Nutz oder Ehre willen, da laß nur bald ab und werde ehelich.“ So
versorgte er nun auch Mönche und Nonnen in den Ehestand[119].
Aber wie er selber nur spät, — am spätesten unter den Brüdern — dazu
kam, sein Klosterleben aufzugeben, seine Kutte — als die letzte
zerschlissen war — im Oktober 1524 mit dem Priesterrock und
Professorentalar vertauschte, so erging es ihm auch mit dem Heiraten.
1528 sagte er: „Wenn mir jemand auf dem Wormser Reichstag gesagt hätte,
nach 7 Jahren würde ich Ehemann sein, der Frau und Kinder habe, so hätte
ich ihn ausgelacht“. Gerade wenn ihm seine Freunde und Freundinnen wie
Argula von Grumbach zuredeten oder davon sprachen, er werde doch noch
heiraten, erklärte er das für Geschwätz. Noch am 30. November 1524
meinte er, bei seiner bisherigen und jetzigen Gesinnung werde er keine
Frau nehmen, sein Gemüt passe nicht zum Heiraten, er fühle sich dazu
nicht geschickt. Ja noch Ostern 1525 schreibt er, daß er an keine Ehe
denke[120].
Aber bald nach Ostern wurde er anderen Sinnes.
Es war gerade die böse Zeit der Bauernunruhen, wo radikale Schwärmer die
Sache der Reformation aufs äußerste gefährdeten, die Zeit, wo die Feinde
mit gehässiger Schadenfreude auf ihn wiesen, und die Freunde mit
ängstlicher Sorge nach ihm schauten; es war damals, da er umherzog die
fanatischen Bauernhaufen zu beschwichtigen und dabei zweimal in
Fährlichkeiten des Todes gewesen, als er überhaupt dem Tode entgegen
sah[121]. Da erklärte er: „Münzer und die Bauern haben dem Evangelium
bei uns so sehr geschadet und die Papisten so übermütig gemacht, daß es
fast aussieht, als müsse man das Evangelium wieder ganz von vorn
predigen.“ Deshalb wollte er's nunmehr „nicht mit dem Wort allein,
sondern mit der That bezeugen“. Er wollte mit seinem Beispiel seine
Lehre bekräftigen, weil er so viele kleinmütig finde, und so auch dem
zaghaften Erzbischof von Mainz zum Exempel voran traben. Er war im
Sinne, ehe er aus diesem Leben scheide, sich im gottgeschaffenen
Ehestande finden zu lassen und „nichts von seinem vorigen papistischen
Leben an sich zu behalten“, und sei es auch nur eine verlobte
Josephsehe: auf dem Todbett wollte er sich ein fromm Mägdlein antrauen
lassen und ihr zum Mahlschatz seine zwei silbernen Becher reichen. Als
er gar von Dr. Scharf das Wort hörte: „Wenn dieser Mensch ein Weib
nähme, so würde die ganze Welt und der Teufel selber lachen und er all
seine Sach damit verderben“, da entschloß er sich erst recht: „Kann
ich's schicken, so will ich dem Teufel zum Trotz noch heiraten, und die
Engel sollen sich freuen und der Teufel weinen.“ Endlich drängte ihn
auch sein Vater, mit dem er auf seinen damaligen Reisen zusammentraf,
seinen größten Lieblingswunsch zu erfüllen, und Luther wollte „diesen
letzten Gehorsam seinem geliebenden Vater nicht weigern“[122].
Und gerade eine _Nonne_ sollte die Erwählte sein, „dem Teufel mit seinen
Schuppen, den großen Hansen, Fürsten und Bischöfen zum Trotz, welche
schlechterdings unsinnig werden wollen, daß geistliche Personen freien“.
Und nicht nur den großen Hansen, sondern auch dem großen Haufen zum
Trotz, welcher nach seinem Aberglauben den Sohn eines Mönchs und einer
Nonne für den Antichrist hielt. Also wollte er „mit der That das
Evangelium bezeugen, zum Hohn für alle, welche triumphieren und Ju, ju
schreien, und eine Nonne zum Weibe nehmen“[123]. Diese Nonne aber sollte
_Katharina von Bora_ sein.
Sie war noch immer unversorgt im Reichenbachschen Hause, und er konnte
an ihr ein Werk der Barmherzigkeit thun. Sie hatte erklärt, sie werde
ihn nehmen, wenn er sie wolle. Und er hatte mittlerweile eine bessere
Meinung von ihr gewonnen.
Daß Käthes außerordentliche Schönheit ihn in Feuer gesetzt habe, sagten
ihm seine Gegner in gehässiger Absicht nach. Luther redet nur einmal und
in ziemlich später Zeit in einem Brief an seine Gattin, in ritterlich
schalkhafter Weise davon, daß er „daheim eine schöne Frau“ habe.
Ausdrücklich aber erklärt er, in den ersten Tagen seiner Ehe, daß er
nicht verliebt sei oder voll leidenschaftlichen Feuers, aber er habe
seine Frau gern. Sie war ja auch gar nicht besonders schön. Von
körperlicher Schönheit zitierte Luther den Reim:
Ist der Apfel rosenrot,
Ist ein Würmlein drinnen,
Ist das Maidlein säuberlich,
So hat's krause Sinnen.
Und da ihm ein heiratslustiger Freund einmal sagte, er möchte eine
Schöne, Fromme, (d.h. Brave) und Reiche, so bemerkte Luther: „Ei, ja,
man soll dir eine malen mit vollen Wangen und weißen Beinen; dieselben
sind auch die frömmsten, aber sie kochen nicht wohl und beten
übel“[124].
So traf er in der Stille und ohne leidenschaftliche Erregung seine Wahl.
Am 16. April scherzt er gegen Spalatin, daß er ein gar arger Liebhaber
sei: „Drei Frauen habe ich zugleich gehabt und sie so wacker geliebt,
daß ich zwei verloren habe, welche andere Verlobte nahmen, und die
dritte halte ich kaum am linken Arme, die mir vielleicht auch bald
weggenommen wird“[125].
Er hatte also doch bestimmte Persönlichkeiten ins Auge gefaßt.
Schon am 4. Mai, nach einem Besuche bei seinen Verwandten in Eisleben
und Mansfeld, redet er in einem vertrauten Briefe an seinen Schwager
Rühel zu Mansfeld von „meiner Käthe“, die er nehmen wolle, so er's
schicken könne. Und wie seinen Schwager, hat er jedenfalls auch seine
Eltern in seine Pläne eingeweiht, und der Vater redete ihm ernstlich
zu[126]. In Wittenberg selbst aber vertraute er es nur wenigen Leuten
an: dem Maler und Ratsherrn Lukas Kranach und seiner Frau. Gerade seinen
Amtsgenossen und übrigen Freunden, vor allem auch Melanchthon, sagte er
nichts davon. Die Klugen wollten für ihn gerade nicht, was Luther
wollte: eine Nonne, und dachten und redeten über eine Mönchs- und
Nonnenheirat „lieblos“. Und ganz besonders war ihnen Katharina von Bora
nicht recht; alle seine besten Freunde schrieen: „Nicht diese, sondern
eine andere!“ Und wohl um es zu verhindern, brachten „böse Mäuler“ sogar
eine boshafte Nachrede auf. Aber gerade das bewog Luther, der Sache
rasch ein Ende zu machen, bevor er die gegen ihn aufgebrachten Mäuler
zu hören genötigt würde, wie es zu geschehen pflegt, und „weil der Satan
gern viel Hindernis und Gewirrs mache durch böse Zungen“[127]. Er
„betete zu unserm Herrn Gott mit Ernst“, wie er berichtet, und handelte
dann ohne Menschen-Rat und -Bedenken, ja wie Melanchthon klagt, ohne
seinen Freunden etwas davon zu sagen[128].
Mit Katharina hatte sich Luther jedenfalls ins Einverständnis gesetzt:
wenn er schon wochenlang schreiben konnte „Meine Käthe“, so mußte sie
doch von seinen Absichten wissen.
Daß Käthe an Martin Luther auch ein rein menschliches Gefallen fand,
begreift sich. Er war wohl schon 42 Jahre alt und 16 älter wie sie
selbst. Aber ein Zeitgenosse bezeugt: „Ein fein klar und tapfer Gesicht
und Falkenaugen hatte er und war von Gliedmaßen eine schöne Person. Er
hatte auch eine helle feine reine Stimme, beides zu singen und zu reden,
war nicht ein großer Schreier“. Auch einem edeln, feineren Geschmack
mußte der ehemalige Mönch und Bauernsohn zusagen: er hielt etwas auf ein
ansprechendes Aeußere und wegen seiner Sorgfalt in der Kleidung nannten
ihn sogar seine Gegner tadelnd einen „feinen Hofmann“, denn er trug
„Hemden mit Bändelein“, hatte einen Fingerring und gelbe Stiefel[129].
Dabei war Luther für alles Schöne in Kunst und Natur eingenommen, ein
guter Sänger und „Lautenist“, heiteren Sinnes und fröhlicher Laune.
Aber noch mehr mußte Luthers Gemütsart einem weiblichen Wesen zusagen:
er war bei aller Heftigkeit doch gutmütig, bei aller Halsstarrigkeit
lenkbar wie ein Kind, bei aller Derbheit doch sinnig und feinfühlig.
Dabei war er „ein frommer (guter) Mann“, der sein Weib herzlich lieb
haben konnte, und in dessen Besitz, wie er selber sagte, eine Frau sich
als Kaiserin dünken dürfte[130].
Freilich auch die äußere Stellung, welche Luthers Gemahlin einnahm,
mußte einen hochstrebenden Sinn reizen. Das Doktorat war in dieser
Humanistenzeit noch höher gewertet als heutzutage die akademische
Professur, es stand mindestens dem Adel gleich. Der einfachste Doktor,
der vom Bauern- und Handwerkerstand sich emporgearbeitet hatte, wurde
von adeligen Jungfrauen als wünschenswerter Ehegenosse begehrt, sodaß
eine große Anzahl Professorenfrauen in Wittenberg von Adel waren. Und
gar Luthers Gattin zu heißen, des gefeiertsten Mannes nicht nur in ganz
Wittenberg, sondern in der ganzen Christenheit, mußte einem Weibe von
Selbstgefühl schmeicheln, wenn es sich auch umgekehrt sagen mußte, daß
mit der Größe des Mannes auch all der Haß und die Beschimpfung mit in
Kauf zu nehmen, welche ihm die Feinde entgegenbrachten. Es war auch ein
gewagtes Unternehmen, einen solchen außerordentlichen Mann zu
befriedigen, des Gewaltigen ebenbürtige Lebensgefährtin zu werden.
Jungfer Käthe hatte den Mut wie das Selbstbewußtsein dazu.
So weigerte sich Käthe der Annäherung Luthers nicht.
Die förmliche Bewerbung Luthers ist wahrscheinlich erst Dienstag den 13.
Juni geschehen, natürlich im Reichenbachschen Hause. Ein späterer
Bericht sagt, daß Käthe überrascht war und anfänglich nicht gewußt, ob
es Luthers Ernst sei, dann aber eingewilligt habe. Gleich abends am
selben Tage war die Trauung oder „das Verlöbnis“, entweder ebenfalls
beim Stadtschreiber oder möglicherweise in Luthers Behausung im Kloster.
Auf die Zeit des Nachtmahls lud der Doktor den Stadtpfarrer Bugenhagen
und den Stiftspropst Jonas, den Juristen Apel und den Ratsherrn und
Stadtkämmerer Meister Lukas Kranach und seine Frau — Melanchthon war
nicht dabei — was Jonas ausdrücklich als auffällig hervorhebt: er war so
ängstlich über diesen Schritt seines großen Freundes, daß er nicht zu
diesem Akt paßte. Auch seinen Freund Dr. Hier. Schurf konnte Luther
nicht zu seinem Rechtsbeistand wählen, weil dieser Lehrer des
bürgerlichen und kirchlichen Rechts allerlei juristische Bedenken hatte
gegen die Priesterehe[131].
Die Trauung geschah nach den herkömmlichen Bräuchen[132]: der
Rechtsgelehrte vollzog die rechtlichen Formalitäten, den schriftlichen
Ehevertrag, er (oder Bugenhagen) fragte im Beisein der Zeugen den
Bräutigam, ob er die Braut zum Weibe nehmen und die Braut, ob sie den
Mann zum ehelichen Gemahl haben wollte. Dann gab der Pfarrer sie beide
mit Gebet und Segen zusammen. Darauf folgte ein kleines Abendessen und
dann das Beilager: Braut und Bräutigam wurden zum Brautbett geführt,
lagerten sich darauf unter einer Decke und damit war die Ehe
gültig[133].
Das war Luthers „Gelöbnis“, wie es in der Wittenberger Redeweise hieß.
Jonas konnte sich beim Anblick der Verlobten auf dem Brautlager nicht
enthalten, Thränen zu vergießen, so sehr war er bewegt. Aber auch die
Gemüter der anderen waren gewiß in großer Bewegung, nicht zum wenigsten
Luther und Käthe[134].
Am folgenden Morgen, Mittwoch, gab Luther den Freunden ein kleines
Mittagsmahl, das damals um 10 Uhr stattfand. Da mittlerweile die
Vermählung in dem kleinen Wittenberg rasch bekannt geworden war, so
sandte der Stadtrat einen Ehrentrunk von einem Stübchen (= 4 Maß)
Malvasier, einem Stübchen Rheinwein und anderthalb Stübchen
Frankenwein[135].
„Das Gelöbnis“ war aber nach damaliger Sitte nicht die „Beilage“ oder
öffentliche Hochzeit; diese folgte erst später mit öffentlichem
Kirchgang und der „Wirtschaft“ (d.i. Hochzeitsschmaus) und feierlicher
Heimführung der „Jungfer Braut“. Vierzehn Tage nach der Trauung,
Dienstag den 27. Juni, folgte nun bei Luther dieses hochzeitliche Mahl
und „Heimfahrt“, denn das junge Ehepaar und seine Freunde wollten nicht
nur die Sitte ehren, sondern gerade recht auffällig in öffentlicher
Feierlichkeit vor der Welt ihren heiligen Ehestand ehrenvoll bezeugen.
Dazu lud der Doktor seine Eltern und seinen Schwager Dr. Rühel in
Mansfeld nebst noch zwei Mansfeldischen Räten, Johann Dürr und Kaspar
Müller, ferner den Hofkaplan M. Spalatin und den Pfarrer Link in
Altenburg, den kühnen Befreier der Nonnen Leonhard Koppe als „würdigen
Vater Prior“, den Kurfürstlichen Hofmarschall Dr. Johann von Dolzig, vor
allem aber den Superintendenten („Bischof“) Amsdorf in Magdeburg
u.a.[136].
Die mit Scherz und Ernst gewürzten Einladungsbriefe an diese Gäste —
außer dem an die Eltern — sind noch vorhanden. Da schreibt Luther an die
drei Mansfeldischen Räte: „Bin willens, eine kleine Freude und Heimfahrt
zu machen. Solches habe ich Euch als guten Herren und Freunden nicht
wollen bergen und bitte, daß Ihr den Segen helft darüber sprechen. Wo
Ihr wolltet und könntet samt meinem lieben Vater und Mutter kommen, mögt
Ihr ermessen, daß mir's eine besondere Freuden wäre“. An Link: „Der Herr
hat mich plötzlich, da ich's nicht dachte, wunderbarer Weise in den
Ehestand versetzt mit der Nonne Käthe von Bora.... Wenn Ihr kommt, will
ich durchaus nicht, daß Ihr einen Becher oder irgend etwas mitbringt“.
An Dolzig: „Es ist ohne Zweifel mein abenteuerlich Geschrei für Euch
kommen, als sollt ich ein Ehemann worden sein. Wiewohl nun dasselbige
fast seltsam ist und ich's selbst kaum glaube, so sind doch die Zeugen
so stark, daß ich's denselben zu Dienst und Ehren glauben muß, und
fürgenommen, auf nächsten Dienstag mit Vater und Mutter samt anderen
guten Freunden in einer Kollation dasselbe zu versiegeln und gewiß zu
machen. Bitte deshalben gar freundlich, wo es nicht beschwerlich ist,
wollet auch treulich beraten mit einem Wildbret und selbst dabei sein
und helfen das Siegel aufdrücken und was dazu gehört“[137].
Das Wildbret fehlte nicht; Wittenberg, welches wußte, was die
Universität und Stadt an Luther besaß — er hat die kleine Stadt und
Universität erst groß und berühmt gemacht — spendete reichliche
Geschenke. Der Stadtrat sandte „Doctori Martino zur Wirtschaft
und Beilage ein Faß Eimbeckisch Bier und zwanzig Gulden in
Schreckenbergern“; und die löbliche Universität verehrte als
Brautgeschenk „H.D. Marthin Luthern und seiner Jungfraw Käthe von Bor“
einen hohen Deckelbecher aus Silber mit schönen vergoldeten
Verzierungen. Johann Pfister, der zu Ostern den Mönch ausgezogen und zu
Pfingsten nach Wittenberg gereist war, um da zu studieren, hat auf D.
Luthers Hochzeit das Amt eines Mundschenken versehen. Vielleicht waren
jetzt auch die Eheringe fertig, welche die Freunde besorgten. Diese
Eheringe soll der Kaiserl. Rat Willibald Pirkheimer in Nürnberg von
Albrecht Dürer haben anfertigen lassen und geschenkt haben; desgleichen
auch eine goldene Denkmünze mit Luthers Bild. Der Trauring Luthers ist
ein zusammenlegbarer Doppelreif mit Diamant und Rubin, den Zeichen von
Liebe und Treue; unter dem hohen Kasten sind die Buchstaben M.L.D. und
C.V.B. und in dem Reif der Spruch: „Was Gott zusammenfüget, soll kein
Mensch scheiden“. Katharinas Ring hat einen Rubin und ist mit Kruzifix
u.a. geziert, mit der Inschrift: „D. Martinus Lutherus, Catharina von
Boren 13. Juni 1525“[138].
Daß dabei Katharina in üblichem Brautschmuck erschien, ist
selbstverständlich, wenn dieser auch nicht so reich war, als das
angebliche Bild Katharinas von Bora im Hochzeitsstaat denken läßt[139].
So wurde mit den guten Freunden eine fröhliche Hochzeit gefeiert.
Freilich werden der unruhigen Zeitläufte wegen nicht alle Eingeladenen
erschienen sein — Luther setzte das schon in seinen Briefen voraus. Auch
Magister Philipp Melanchthon war nicht dabei, der ängstliche Gelehrte,
welcher gegen Luthers Ehe und besonders mit der Nonne war, wäre ein
übler Hochzeitsgast gewesen. Von Katharinas Verwandten scheint niemand
anwesend gewesen zu sein. Vater und Mutter waren wohl schon längst tot,
zwei Brüder im fernen Preußen, der älteste vielleicht auch ferne; den
anderen Verwandten war Käthe doch durch ihr Klosterleben entfremdet, es
hatte sich ja auch bisher niemand von ihnen ihrer angenommen. So mußte
sie ihre Gefreunde und Verwandte in ihren Pflegeeltern und Luthers
Freunden und Eltern sehen. Und wenn ihr's an ihrem Hochzeitsfest recht
wehmütig ums Herz gewesen sein wird, so mußte sie doch die hohe
Verehrung und Freundschaft trösten, welche ihr Gatte bei seinen
Amtsgenossen und Landsleuten gefunden hatte.