Durch das Kuppelfenster schauen

Still sechs Rosen zum Altar,

Ihre Tränen nieder tauen

Auf Mariens Schleier klar.

Aber von den sechsen schimmert

Eine rot und eine weiß,

Und die dritte golden flimmert

Aus dem wunderbaren Gleiß.

|Rosa mystica Maria|

Heißt der heilge Rosenbund;

|Virgo dulcis, clemens, pia|

Grüßet sie des Volkes Mund.

Als die Jungfrau fromm sich neiget

Und zum Weihbrunn führt die Hand,

Wunderbar ein Anblick steiget

Auf an seinem Marmorrand.

Vor ihr steht zwei geistge Nonnen,

Blicken zu ihr ernst und mild,

Reichen ihr den heilgen Bronnen;

Eine glich wohl jenem Bild.

Jene, die da stand zur Linken,

Wo die Rosen traurig sind,

Ließ voll Schmerz die Augen sinken,

Wie die Mutter auf das Kind.

Als die Magd von ihren Händen

Das geweihte Naß empfing,

Suchte sie ihr zu entwenden

Von der Hand Biondettens Ring.

Als die Jungfrau dies empfindet,

Schloß sie schreckhaft ihre Hand

Und das Nonnenpaar verschwindet

Seufzend an des Brunnens Rand.

Aber in der Seele stehet

Ewig nun dies Antlitz fest,

Wo sie ruhet, wo sie gehet,

Dieses Bild sie nie verläßt.

Doch nun steckt sie Kosmes Kerze

An der ewgen Lampe Glut,

Will sie dann mit frommen Schmerze

Pflanzen, wo die Mutter ruht.

Doch sie findet aufgedecket

Der geliebten Toten Gruft,

Und: "O Jungfrau, nicht erschrecke!"

Eine Stimme zu ihr ruft.

Und es tritt der blonde Knabe,

Der sie bis hierher geführt,

Lächelnd aus dem offnen Grabe

Zu ihr, die sein Anblick rührt.

Denn es war, als stieg das Leben

Aus dem schweren, tiefen Tod;

Also wird ein Engel schweben

In dem letzten Abendrot.

Und er wird der Sonne winken

Die dann sinket nimmermehr,

Und die Erde wird ertrinken

In des ewgen Lichtes Meer.

Alle Schatten werden leuchten,

Alles Dunkel wird erglühn,

Und die Welten werden beichten

Vor dem Lichte auf den Knien.

Und der Knabe sprach: "Geschauet

Hab ich Rosarosens Gruft,

Wo sie heut wird Gott vertrauet,

Bis der Herr uns alle ruft.

Rosatristis, die begraben

Hier mit Rosaläta steht,

Sie wird heut Gesellschaft haben,

Blumen, die sie ausgesät.

Schön ist diese Gruft geweitet,

Für sechs Särge ist noch Raum,

Daß die Wurzel sicher breitet,

Wie den Zweig, der Rosenbaum.

Vor der offnen Gruft nicht bange,

Stell vor deines Stammes Haus

Hell die Fackel; eine Schlange,

Spricht sie wohl die Sünde aus.

Bete! Ich muß von dir scheiden,

Denn ich führ das Kinderchor,

Um die Leiche zu begleiten,

Hier zu ihres Tempels Tor!"

Nun verließ er die Kapelle.

Zum Altar Benone zieht,

Ihm zu dienen auf der Schwelle

Meliore betend kniet.

Als die Jungfrau ihn erblicket,

Von der Wunde siech und bleich,

Fühlet sie das Herz erquicket

Und zerdrücket allzugleich.

Denn er gleicht in allen Mienen

Jenem, dem sie Rosen gab,

Als die Schlange ist erschienen

In dem Garten bei dem Grab.

Mit dem bei des Altars Schwelle

Morgens sie die Kränze wand,

Der den Ring bei der Kapelle

Reißen wollte von der Hand,

Den sie eng mit sich verbunden

Dann in heimlichem Gesicht,

Das sie tief verschweigt, gefunden;

Beten, ach! vermag sie nicht.

Neben ihr das Licht als Schlange

Und die offne Totengruft,

Und der Mann, macht ihr so bange,

Und der tausend Rosen Duft.

Was sie nimmer hat gefühlet,

Woget durch die keusche Brust,

In dem Herzen brennt und kühlet

Ihr ein Leid und eine Lust.

Immer muß sie nach ihm sehen,

Ob er nicht sein Antlitz kehrt,

Und vor Scham möcht sie vergehen,

Wenn er ihren Wunsch gewährt.

Und in züchtig bangen Schmerzen

Werden tausend Wünsche frei;

Ach, sie wünscht, verwirrt im Herzen,

Daß er eine Jungfrau sei.

Und sie möchte mit ihm gehen

In vertrauter Liebeswahl,

Möchte mit ihm niedersehen

Von dem Berge in das Tal.

Würde er wohl träumend schweigen,

Wenn ein Abendvogel singt?

Würde er die Hand mir reichen,

Wenn die Sonne untersinkt?

Ach, ich würde ihn verstehen,

Wüßte stets, was er gedacht,

Würde seine Blicke sehen,

Deckt ihn gleich die stumme Nacht.

Und wenn ewig untersänke

Mir das süße Tageslicht,

Er, den ich so herzlich denke,

Er versänke mir doch nicht.

Ja, er müßte mich erhalten

Mit der treuen, starken Hand,

Wollte sich die Erde spalten,

An des Abgrunds steiler Wand.

Halte, halte, ach ich gleite!

Doch der starre Felsenschlund

Blühet mir an deiner Seite

Wie ein duftger Wiesengrund.

Mondvoll sind die Finsternisse,

Eine Rose ist mein Mund,

Deine Worte werden Küsse

In dem zauberischen Bund!

Also trieb vor ihrer Sonne

Sich der Träume Wolkenflug,

Und in wunderbarer Wonne

Ihre Seele Wogen schlug.

Aber von der Schlangenkerze

Traf ein Funken ihre Hand,

In des Brandes scharfem Schmerze

Sie die Sinne wiederfand.

Bei der Gruft erschien die Kerze,

Gleich der Schlange jener Gruft,

Die heut früh zu ihrem Herzen

Zückte aus dem Rosenduft.

Und Meliore glich dem Manne,

Der so ernstlich warnt und sprach,

Doch mit seines Blickes Banne

Jetzt ihr krankes Herz zerbrach.

Sieh, da küßt die volle Sonne

Jetzt Mariens Altarbild,

Und es deckt mit Glanzeswonne

Nochmals sie der Jungfrau Schild.

Und mit kindlicher Gebärde

Senkt die Magd ihr Lockenhaupt,

Spricht: "Die Schlange tritt zur Erde,

Die dir deine Rosen raubt!"

Und in Tränen ganz zerschwimmend,

Fühlet sie die Gnade mild,

Dennoch in den Tränen glimmend

Sieht sie nur des Jünglings Bild.

Und ihr Herz, sie anzuklagen,

Ewig: "|mea culpa!|" spricht,

Und sie braucht nicht dran zu schlagen,

Weil es schon in Ängsten bricht.

Wie sie auch die Blicke wendet,

Ihn, und immer ihn, sie sieht,

Gleicht dem Auge, das geblendet

Nie dem Sonnenfleck entflieht.

Von des Meßrocks schwarzem Grunde,

Zu des Kelches blankem Gold,

Zu der Kuppel Rosenrunde,

Sie die süßen Augen rollt.

Doch es war ein liebend Schweifen,

Denn sie suchte, was sie floh,

Floh ihn, um ihn zu ergreifen,

Und ward ihrer Sorge froh.

War sie endlich ihm entronnen,

In der Rosen Labyrinth,

Das der Kuppel Fenstersonnen

Wie mit einem Netz umspinnt,

Wo die süß gefangnen Strahlen

Offner Rosen Busen wiegt

Und das Licht, des Duftes Schalen,

Wie ein Schmetterling umfliegt,

Ist die Seele eingeträumet

In des blauen Himmels Aug,

Daß sie selig überschäumet

In des Wohlgeruches Hauch:

Sieh, das rasselt mit der Schelle

Meliore am Altar,

Und sie findet auf der Schwelle,

Dem sie kaum entronnen war.

Also geht des Opfers Feier

Ihr vorüber ohn Gebet,

Und auf ihrem Mund der Schleier

Von den heißen Seufzern weht.

Doch als sich Benone kehret:

"|Ite missa est!|" nun spricht,

Was so ängstlich sie beschweret,

Plötzlich mit ihr niederbricht.

Wie vom Taue überfüllet

Eine Blume niedersinkt

Und ihr Haupt in Staub verhüllet,

Der nun ihre Tränen trinkt,

Also neigt in tiefer Demut

Sie die Stirne voller Schmerz,

Und der Tränenkelch der Wehmut

Sinkt in ihr verwirrtes Herz.

Lämmlein, fromm an sonngen Hügeln,

Stürzt nicht an dem Wasserfall;

Vöglein, unter Mutterflügeln,

Schreckt nicht vor des Sturzes Schall!

Wo auf süß beraster Stelle

Sonst die keusche Hirtin sang,

Da erwühlt sich eine Quelle,

Stürzet von dem Felsenhang.

Und die Lämmer, bunt geflecket,

Stürzet nach dem Abgrund hin,

Aus dem Schlummer aufgeschrecket,

Hält sie nicht die Schäferin.

Hirtin, Hirtin, nach den Höhen

Lenke rettend deine Flucht,

Um der Welle zu entgehen,

Die ja selbst die Tiefe sucht!

Doch sie stehet schon geschürzet

In der heilgen Grotte Raum,

Und die Welle nach ihr stürzet,

Folgend ihres Mantels Saum.

Aber als sie niederknieet

Vor dem kleinen Felsaltar,

In der Höhle Dunkel siehet

Sie gedrängt der Lämmer Schar.

Und sie dankt dem Gnadenbilde

Ihrer Herde Rettung itzt,

Das auch mit dem Wunderschilde

Sie in banger Flucht geschützt.

Und sie findet auf der Schwelle

Ihren Schäferstab und Hut,

Hierher führte ihn die Welle

Von dem Ort, wo sie geruht,

Die nun tiefer ab sich stürzet

Von der steilen Felsenwand,

Wo der Kräuter süß Gewürze

Nun von ihr erquicket stand.

Und die Hirtin tritt ins Freie,

Von den Lämmern bang umdrängt,

Sieht, wie eine neue Weihe

Fels und Tal und Quell empfängt;

Wie der Quell von Felsengipfeln

Stürzt und springt und widerspringt,

In der Schluchten Tannenwipfeln

Sich, ein kühner Jüngling, schwingt;

Wie der Wald sich ihm erbieget

Und in manchen Arm ihn flicht,

Oder wie er stürmisch sieget

Und die Zweige niederbricht;

Und wie heilge Sonnenblicke

Bauen in dem Wasserrschaum

Eine Regenbogenbrücke,

Friede sinket in den Traum.

Und der Adler, den dem Neste

Wild entstürzt die neue Flut,

Staunend ob dem heilgen Feste

Schwebend überm Bogen ruht.

Und es scheut ihn nicht die Taube,

Segelt aus dem Felsenspalt,

Denn ein wunderbarer Glaube

Tuet aller Welt Gewalt.

Und die Lämmer ruhig schauen

Von der steilen Felsenbrust,

Lassen sich ds Vlies betauen

Von des Wasserfalles Lust.

Denn es waltet ein Vertrauen,

Und der Hirtin frommes lied

Tönet durch die selgen Augen,

Bis die Sonne niederzieht.

Solcher Schreck traf Rosablanken,

Solche Ruh hat sie erquickt,

Als aus irdischen Gedanken

Sie ein tief Gebet entrückt.

Als sie wieder sich gefunden,

War schon einsam der Altar,

Und Meliore zeigt die Wunden

Seines Herzen beichtend dar.

An dem Beichtstuhl kniet Meliore,

In der kleinen Sakristei,

Und bekennt des Priesters Ohre,

Welcher Sünd er schuldig sei.

Und erzählt ihm die Geschichte

Dieser wunderbaren Nacht,

Die in einem Traumgesichte

Zu Biondetten ihn gebracht.

Daß die Wunde er empfangen,

Zeigt und fühlte seine Brust,

Was sonst über ihn ergangen

War ihm angstverwirrte Lust.

Und Benone hört mit Schauer

Seiner bangen Worte Hast,

Bis die Tränen seiner Trauer

Lindern seines Herzens Last.

Als der Jüngling lang geweinet,

Da erließ er ihm die Schuld:

"Friede, Herz! Die Sonne scheinet,"

Sprach er: "fühl des Himmels Huld!"

Und zur andern Seite beuget

Rosablanka nun das Knie,

Spricht: "Das Ohr, o Vater, neiget

Einer armen Sündrin hie!"

Sie bekennt ihm die Verirrung

Ihrer Sinne im Gebet,

Wie in seltsamer Verwirrung

Sie seit manchen Tagen geht.

Wie sie in Biondettens Kammer

Heut Verwüstung fand und Schmerz;

Also zeiget sie voll Jammer

Ihm das eigne kranke Herz.

Und vertraut ihm Kosmes Leiden

Und der letzten Nächte Qual,

Bittet ihn, sie zu begleiten

In das stille Tränental.

"Deine Schuld, mein Kind, zu büßen,"

Sprach Benone, "ist genug,

Folgst du fromm mit bloßen Füßen

Rosarosens Leichenug.

Meliore wird dich leiten.

Wenn die Erde sie umschließt,

Will ich dich ins Tal begleiten,

Wo den Vater du verließst."

Ruhig hört sie ihn und weinet,

Da erließ er ihr die Schuld:

"Friede, Herz! Die Sonne scheinet,"

Sprach er, "fühl des Himmels Huld!"

Nun verläßt sie die Kapelle.

An des Weihbrunns Marmorrand

Steht Meliore bei der Schwelle,

Reicht ihr segnend seine Hand.

Abermals die beiden Nonnen

Sieht sie stehn mit tiefem Blick,

Und sie bebt vom Weihebronnen

In erneuter Angst zurück.

Und sie tritt mit dem Gesellen

In den lichten Garten ein,

Und des Lebens rege Wellen

Lachen in dem Sonnenschein.

Und sie fühlen alle beide,

Daß sie ihre Schuld bekannt,

Gehn in Freude sich zur Seite

Durch das blumenvolle Land.

Selig, wer solch Heil gefühlet,

Wer die sündenvolle Brust

In der Beichte hat erkühlet,

In der Reue frommer Lust!

O unendliches Erbarmen,

Ja, ich fühle dich mir nah,

Auch mich trugst du in den Armen,

Daß ich Gottes Antlitz sah!

Zu der Beichte gehn die Sünder,

Schleppend eine tote Welt,

Aus der Buße wie die Kinder

Tummeln sich durchs Blumenfeld.

Alles wird zum Paradiese.

Mensch und Tier versöhnet sind,

Und die Blumen senden Grüße

Von dem süßen Jesuskind.

O, wie lacht der Garten heiter!

Funkeln nicht die Blumen schön?

Und der Himmel scheinet weiter

In der Vögel Lustgetön.

Aber sieh! Zwei Nachtigallen

Flattern bange um sie her,

Wo sie gehen, wo sie wallen,

Und verlassen sie nicht mehr.

Und Meliore bricht das Schweigen:

"Was bedeutet wohl, mein Knd,

Daß die Vögel nicht mehr weichen,

Die doch sonst nicht heimlich sind?"

Rosablanke spricht: "Die beiden

Habe ich wohl gleich erkannt,

Ach, sie klagen uns ihr Leiden,

Haben sich uns zugewandt.

Ihre Herrin ist verschwunden,

Heute früh gab ich sie frei;

Daß sie wieder sie gefunden,

Saget uns ihr Wehgeschrei."

Daß sie von Biondetten spreche,

Wußte zwar Meliore nicht,

Doch es stürzten Tränenbäche

Von dem bleichen Angesicht.

Und sie wagt ihm nicht zu sagen,

Wie sie jener Kammer fand,

Denn schon hatte ihn geschlagen

Allzusehr des Schicksals Hand.

Und sie ließ die Vöglein flehen,

War sie doch wie sie gebannt,

In das Antlitz ihm zu sehen,

Das zur Erde er gewandt.

Meliore sprach: "Ich glaube,

Diese Vögel flehn um Schutz

Vor des wilden Geiers Raube

Oder böser Buben Trutz.

Laß uns ihren Flug begleiten!" --

Ach, er kannte nicht ihr Leiden!

Und hinaus zum Garten schreiten

Ernst und ahnungsvoll die Beiden.

** Romanze XVIII: Biondetta ersticht sich

"Apo, Apo, laß mich ein!"

Rufet aus des Turmes Grunde

Samael, der Herr der Stunde,

Zwölfmal aus kristallnem Munde.

Auf und nieder in dem Turme

Steigt Apone ohne Ruhe;

Weil der König ihn besuchet,

Muß sein Haus geordnet sein;

Seine Kammer macht er rein.

Bibeln, Kreuze, heilger Plunder,

Aller Sprachen Vaterunser,

Lagen da seit seiner Jugend.

Zu den Stufen all hinunter

Stürzet er die heilgen Kunden,

Daß es in dem Turme summet,

Wie zum Brunnen plumpt der Stein.

Alles muß er tun allein,

Und er tut es unter Fluchen,

Daß der untertänge Pudel,

Der abwesend ist zur Stunde,

Daß der Hund im Doktorhute

Seine Kranken jetzt besuchet!

Doch die Not erhält ihn munter

Und des Geistes lautes Schrein.

Seine Kammer schmückt er fein.

Frauenwurz wohl vier Gebunde,

Totenblume, Hundeszunge

Legt er zierlich in die Runde.

Männlein klein von Alraunwurzel,

Ausgerupft im Galgengrunde

Von dem schwer verfluchten Hunde,

Setzt als Wächter er dabei.

Und ein Basiliskenei,

Kinderfinger, einzutunken,

All dem König zum Genusse,

Muß bei diesem Mahle prunken.

Seinen Dolch befleckt mit Blute

Stößt er in die mitte Stube;

An dem Hefte der Karfunkel

Soll des Mahles Fackel sein.

"Apo, Apo, laß mich ein!"

Rufet aus des Turmes Grunde

Samael, der Herr der Stunde,

Zwölfmal aus metallnem Munde.

Apo blickt noch zu dem Buche,

Das ihm Moles aufgefunden:

"Wo verberg ich es jetzunder

Vor dem scharfen, hellen Geist?"

Von dem Pulte er es reißt,

Und an einen Stab gebunden,

Steckt er es hinaus zum Turme

Durch der Kuppel offne Luke,

Daß die Blätter, in dem Sturme

Hin und her geweht, die Wunder

Ihres Inhalts lauf ausrufen,

In dem klaren Sternenschein.

Das könnt ihm verderblich sein;

Doch sie drehen sich so munter,

Eines geht im andern unter,

Und so ists, als wenn es ruhte.

Und der Geist, emporgerufen,

Schwebet leuchtend auf den Stufen,

Und des Turmes Wände funkeln,

Wo sein Silberfittig streift.

Schimmernd durch die Kammer schweift

Dann der Geist und spricht: "Gelungen

Ists dir, Apo, aufzuputzen

Deine Stube zum Besuche!"

An dem golden Weberstuhle

Sitzet Apo, und die Spule

Treibt er hin durch hell und dunkel,

Webt des Geistes Flügel ein.

"Samael, ich webe fein."

Spricht er, "nun erst ists gelungen,

Da ich, Schelm, dich fest gebunden,

Nun entflieht mir nicht die Stunde!" --

Listig hast du mich bezwungen,"

Spricht der Geist und nimmt die Spule,

"Web ich alles dir zum Wunsche,

Läßt du mich dann wieder frei?" --

"Webe bis zum Hahnenschrei!

Ist dir dann das Werk gelungen,

Ist Biondetten mir errungen,

Dann sei Freiheit dir bedungen!" --

"Apo, zähme deine Zunge,"

Spricht der Geist, "du mußt verstummen!

Auf die Spule sieh, und tue,

Was dir mein Gewebe zeigt!"

Apo blicket scharf und schweigt.

Vor ihm fliegt auf dunklem Grunde

Flammend hin und her die Spule,

Seine Sinne gehen unter.

Dunkler bald, bald wieder bunter

Woget er in Traumes Wunder,

Bild und Weber ist verschwunden,

Und er glaubet sich allein.

Sieh! Da springt mit blutgem Schein

Feuerschrift aus dunklem Grunde,

Und die Lettern laufen munter

Wie die Funken an dem Zunder.

Und Apone liest verwundert:

"Fest ist dieser Jungfrau Tugend!

An die Sünde angebunden

Sie wird uns verderblich sein.

Du bist blutig, sie ist rein!

Nur in Blutschuld geht sie unter,

Wenn ein Mann aus ihrem Blute,

Den sie liebt, im Arm ihr ruhte!"

Also las er, und ins Dunkel

Ist die Schrift dann eingesunken.

Schnell greift Apo nun zum Kruge,

Voll von giftgem Zauberwein.

Gießt ein Philtrum noch hinein,

Reißt den Dolch dann aus dem Grunde,

Der im Zauberrunde funklet,

In das Gift ihn tief eintunkend.

Und erinnernd sich des Spruches,

Den er las am Weberstuhle,

Spricht er: "Was auch webt die Spule,

Dennoch lock ich sie herein!

Hat den Jüngling sie allein

An der Türe ruhnd gefunden,

Den ich eile zu verwunden,

Trägt sie ihn gewiß zur Stube!

So mag er im Arm ihr ruhen,

Und verbindend seine Wunde,

Bleiben von dem giftgen Blute

Ihre Hände nimmer rein,

Und sie wird bezaubert mein!

Sicher vor dem kranken Buhler

Bleibt mir ihres Leibes Blume,

Die ich selber will entwurzeln.

Las ich doch in meinem Buche,

Daß ich ihres Vaters Bruder;

Da sie stammt aus meinem Blute,

Sei die Lust der Blutschuld mein!"

Und er folgt dem Feuerschein,

Der noch auf den hundert Stufen

Von des Geistes Flügeln funkelt,

Schleichet murrend aus dem Turme.

Er umgeht das Bild des Brunnens;

Venus dominiert zur Stunde,

Und Maria tut kein Wunder

Freitag nachts im Mondenschein.

An Biondettens Tür allein,

In den Mantel eingewunden,

Sieht er seinen Nebenbuhler

Und versetzt ihm Todeswunden.

Als Meliore hingesunken

Und sein Blut das Gift getrunken,

Eilt Apone zu dem Turme.

Tat ers, war es Zauberei?

Daß er jetzt ein Mörder sei,

Hat er schwerer nicht empfunden,

Als den Weg zum Turm hinunter

Und hinan die hundert Stufen.

In der Kammer sitzt er dunkel;

An dem Dolche den Karfunkel

Traf ein Tropfen von dem Blute,

Und es starb der Edelstein.

"Mag sie nun zu Hause sein?

Ihre Türe hat geklungen!"

Und er blicket von dem Turme

Seufzend nach Biondettens Stube.

Auf Bologna ist die Ruhe,

Mondeskühle hingesunken,

Einsam, nächtlich von dem Turme

Nur der Totenvogel schreit.

Da springt aus der stillen Zeit

Ihre Stimme klangumwunden,

Kerzenhell ist ihre Stube;

Apo sieht das Liebeswunder.

Auf ihr Lager hingesunken

Liegt Meliore, heiß umschlungen

Von Biondetten. Apo fluchet.

"Wehe, wehe!" schreit der Geist,

"Des Gewebes Faden reißt!"

Schreit der Geist am Weberstuhle

Und lebendig schießt die Spule,

Ohne Meister, ungebunden.

"Mußt du Tölpel auch da fluchen,

Da die Arbeit schier gelungen!

Rückwärts fliegt die freie Spule,

Meine Flügel werden frei!" --

"Webe bis zum Hahnenschrei,"

Spricht nun Apo, "wie bedungen!"

Und er hat sich losgerungen

Und gen Morgen hingeschwungen.

Und hineilend durch die Luke,

Riß er gierig in dem Fluge

Aus dem sturmdurchwehten Buche

Wohl der goldnen Blätter drei.

Dann mit einem Jubelschrei

Macht er um den Turm die Runde,

Stürzet jauchzend mit dem Funde

Nieder dann in nächtge Dunkel.

"Soll der Mord mir nun nicht fruchten?

Bleibt Biondette unerrungen?"

Klagt der Meister, und im Turme

Schlägt die Viertelglocke drei.

"Apo zählet eins bis drei:

"Wohl, die dreimal fünf Minuten

Sind mir andre noch gebunden,

Ist der Weber gleich verschwunden."

Nun nimmt aus des Turmes Kuppel

Er die giftig grüne Kugel,

Öffnet sie. Ach! nackend ruhet

Drin ein wächsern Jungfräulein.

Goldner Haare süßer Schein

Fließt ihm von den zarten Schultern,

Türkis sind die Äuglein funkelnd,

Ein Rubin lacht auf dem Munde.

Recht für Engel ein Puppe!

Zwei Rubinen trägt der Busen,

Überm Herzen ihm figuret

Ist ein goldnes Röselein.

Einen roten Faden fein

Schlingt ihm Apo um den runden

Hals und stellt das kleine Wunder

In den Kreis zum Zauberplunder.

Und er betet still mit Murren

In des Zirkels mächtger Runde,

Zieht mit bösen Bannes Zuge

Fremde Gäste in den Kreis.

In das zauberische Gleis

Zieht daher, mit fremdem Schmucke,

Stolz auf des Kameles Buckel,

Sarabot, mit seinem Zuge.

Ihm folgt eine Blume, duftend,

Eine Taube, zärtlich murrend,

Dann wie Sterne rein und funkelnd,

Nackt ein freundlich Geisterweib.

Klar, kristallen scheint ihr Leib;

Aus der Locken tiefem Dunkel

Blicken ihre Augen funkelnd,

Kalt und lachend und betrunken.

Wie der Zug um Apo rundet,

Spricht zu ihm der König murrend:

"Trocken ist mir meine Zunge,

Wer ists, der den Becher reicht?"

Und von dem Kamel steigt

Zürnend er, und mit dem Fuße

Stampft er, daß der Turm im Grunde

Schwanket wie ein Schiff im Sturme.

Und gekrümmt gleich einem Wurme

Beugt sich in des Zirkels Runde

Apo, dunkle Worte summend,

Bis das Schwanken ging vorbei.

Und mit einem lauten Schrei

Klagt das Geisterweib: "Mich dürstet!"

Fragt die Taube nach dem Trunke,

Sprach: "Mich dürstet!" auch die Blume.

Und Apone sprach ermutet:

"Besser wär es, wenn ihr ruhtet,

Von der Eile so durchglutet

Kann der Trunk euch schädlich sein.

Saget erst, nach welchem Wein

Also heftig euch gelustet,

Daß ihr also schreien mußtet?"

Und sie schrieen all: "Nach Blute!" --

"Warum hast du, böser Bube,"

Spricht der König, "mich gerufen,

Da in wenigen Minuten

Schon mein kurzes Reich vorbei?"

Durch das Basilikenei

Bringet Apo sie zur Ruhe,

Und die Taube, schnabelzuckend,

Pickt die Schale schnell hinunter.

Sarabot das Weiße schlucket,

Und das Gelbe zum Genusse

Reicht er, nebst dem Hahnenpunkte,

Hin dem klaren Geisterweib.

Und daß nicht vergessen bleib

Auch die Zauberblume duftend,

Stürzet sie die Schalenkuppe

Über sie gleich einem Hute.

Apo spricht: "Es fehlt am Trunke;

Ach! ein Fäßlein süßen Blutes

Hatt ich halb heraufgewunden,

Als der Strick mir tückisch reißt.

Mir hat Samael, der Geist,

Nicht gehalten, was bedungen,

Hat sich los von mir gerungen

Und gen Morgen hingeschwungen!"

"Und wo ruht der Most jetzunder?"

Fragt der König. "Herr, er ruhet

Unter jenem kühlen Brunnen,

Wo die Sabbatgöttin weilt.

Wollt ihr trinken, o so eilt,

Weil er jetzo gärend sprudelt,

Da der Venusstern noch funkelt

Bis zur mitternächtgen Stunde.

Da ich wußte, was euch munde,

Hängt ich würzend zu dem Spunde

Von Muskaten ein Lunte,

Schwefelglühend, erst hinein!" --

"Wohl, ich sorge für den Wein!"

Spricht der König. "Munter, munter

Sei der Strick hinabgewunden

Aus der Venus Lockendunkel!"

Doch es will das Weib nicht ruhen,

Weil der König heftig rupfet;

Apo gibt ihr drum die Puppe,

Daß sie spielend sich zerstreu.

Und sie treibet Kinderei;

Aus dem Kelch der Zauberblume

Machet sie dem Kindlein Schuhe,

Küßt sie, drückt sie an den Busen.

Doch es glänzt ihr zum Verdrusse

Auf dem Herz der kleinen Puppe,

Und sie riß es gern herunter,

Jenes goldne Röselein.

Und sie drückt das Herz ihm ein

Mit des Fingers hartem Drucke.

So beschäftigt ohne Zucken,

Dient dem Geiste sie zur Kunkel.

Und aus ihren Locken munter

Dreht den Faden er, hinunter

Trägt die Taube ihn die Stufen

Zu Biondettens Kämmerlein.

Dem Kamele an ein Bein

Wird der Faden angebunden,

Und dies macht so lang die Runde,

Bis der Faden aufgewunden.

"Ist das Fäßlein ausgetrunken,

Geb ich dir zum Eigentume

Des Getränkes schönen Brunnen!"

Spricht der König und erbleicht.

Denn schon durch die Kammer streicht

Bang die Taube, und es zucket

Schon der Hammer in dem Turme,

Drohend mit der zwölften Stunde.

Doch es schaukelt mit der Puppe,

Daß gewieget sie entschlummre,

Singt ein Lied, sie einzulullen,

Jetzt das klare Geisterweib:

"Hast du gleich kein Herz im Leib,

Hast du doch zwei ganze Schuhe.

Schlummre, schlummre, ruhe, ruhe,

Träume von der bunten Kuhe!

All die Bienlein, die gesummet

Zu den wunderlichen Blumen,

Belladonna, Frauenschuhe,

Um zu bilden deinen Leib,

Ziehen jetzt zum Zeitvertreib

In die lustge Rockenstube,

Wo die schlanken Wasserjungfern

Drüben bei dem grünen Sumpfe

An des Storches rotem Strumpfe

Stricken, und sie singen Wunder,

Hundert kunterbunte Wunder,

Von dem Meister Langebein.

Wie er holt die Kindlein klein

Aus dem milchgefüllten Brunnen,

Wie dem Mond die karge Mutter

An dem Rock stets tät zu kurze

Und ihm aus dem blauen Schurze

Nimmer ganz die Mütze rundet;

Von des Eichhorns lustgem Sturze

In den kalten Born hinein,

Da sein Schatz im Mondenschein

Wollte lugen in den Brunnen,

Ob sie sehe ihres Buhlen

Abbild in der Wassergrube,

Und um mit hineinzugucken,

Tät er bücken sich und ducken,

Fiel und mußte Wasser schlucken.

Ei, wie lief das Jungfräulein!

Schlaf, mein Püppchen, schlafe ein!

Herdesglut ist eingesunken,

Und das Heimchen grillt im Dunkel

Nun das Märchen von dem Funken,

Der der Köchin, die betrunken

Schlief, eh sie ihr Lied gesungen,

In den wüllnen Rock gesprungen

Und verbrennet ihr den Leib,

Daß sie ward gleich einem Weib;

Und wie aus dem falschen Kruge

Für den Schwulst sie Salbe suchte,

Auf den Besen stieg und fluchte,

Wider Will den Ritt versuchte

Zu der klugen Frauen Runde,

Wo die Hausfrau sie gefunden,

Tanzend um den Bock den Reihn.

Romanzen vom Rosenkranz · 第 11 / 13 段