Rosatristis spricht voll Wonne:

"O, gesegnet ist der Garten,

O, wie herrlich stehn die Rosen,

Und derHerr wird sich erbarmen!

Aber eine weiße Rose

Muß ich traurend noch erwarten, # trauernd?

Sehen darf ich nicht die Tochter,

Die unschuldge Rosablanke!"

Und nun hat sie aufgeschlossen

Den Bußgürtel, der die Kranke

Noch umgürtete -- da flossen

Ströme Blutes von der Armen.

Stürzend in den Arm Meliores

Aus dem Fenster bei dem Brande,

Hatte von des Gürtels Dornen

Tiefe Wunden sie empfangen!

Rosatristis spricht zum Troste:

"Du stehst recht im Rosengarten,

Den der Herr bei seinem Tode

Für die Märtyrer gepflanzet.

Deines Blutes jeder Tropfen

Fällt auf meine Seele labend;

Heilig hast du es vergossen,

Das in Sünden du empfangen."

Und sie gürtet Rosadoren

Mit des Gürtels scharfen Stacheln:

"Wolle ihn um mich, du Tochter,

Treu wie deine Schwester tragen!

Gebe ihn bei deinem Tode",

Spricht die Nonne, "Rosablanken!"

Peinumgürtet steht die Fromme,

Klaglos für die Marter dankend.

Und nun sinkt sie mit den Worten

Froh in Rosarosens Arme:

"Laß, o Schwester, deinen Odem

Mich von deinen Lippen fangen!" --

"Sei willkommen, Todessonne!"

Spricht die Kranke liebesstammelnd,

"Mir ins Herz mit Siegeswonne

Fallen deiner Augen Strahlen!

Aber, was du mir versprochen,

Singe mir ein Lied zur Harfe,

Daß die Seele vor dem Tode

Auf dem Klang vorüber wandle!"

Da ergreifet Rosadore

Geistberauschet ihre Harfe,

Also süße Töne lockend,

Daß die Nonnen selig schwanken.

Doch es tritt nun Jacopone

Heftig ein mit einem Arzt:

Der unheilige Apone

Folgt ihm stolz und dreist zur Kammer.

Und vom Zug der Tür erloschen,

Starb das Licht der kleinen Lampe.

"Licht her, Licht!" schreit wild Apone,

"Was tun hier die alten Ammen?"

Denn er sieht die beiden Nonnen

Geistig schimmernd bei dem Lager.

Und es eilet Jacopone,

Anzustecken schnell die Lampe.

Und es folgen ihm die Nonnen,

Geistig rauschend durch die Harfe,

Rufen: "Wehe, weh Apone!

Fluch der Schlang und ihrem Samen!"

Und nun griff der Arzt im Zorn, # Zorne?

Und erfasset bei der Harfe

Die versteckte Rosadore,

Und die Jungfrau schreit: "Erbarmen!"

"Ha!" spricht Apo, "sei willkommen,

Schöne Nachbarin! Zu fangen

Solch ein Vöglein ich nicht hoffte

Bei dem Bette einer Kranken!

Hat der kluge Jacopone

Dich zu seinem Trost belanget?

Die Juristen bei den Toten

Gerne sich an Leben halten!"

Und nun will er Rosadoren

Scherzend um die Hüfte fassen;

Doch sie war erstarkt im Zorne,

Reißt ihm schmerzlich an dem Barte.

"Also halt ich dich, du Toller,"

Spricht die Jungfrau, "bis die Lampe

Wiederbringet Jacopone,

Daß er sehe deine Schande!"

Frech erwidert ihr Apone:

"Wenn du mich nicht fester fassest,

Sind mir eine rechte Wonne

Solche Händlein in dem Barte!"

Und nun kehret Jacopone

Mit der Lampe in die Kammer,

Und es läßt den Bart Apones

Rosadore schamhaft fahren.

"Herr," spricht sie, "wie magst du zum Troste

Deines Weibes du den alten,

Ehrvergessnen Buben holen?

Weh mir, daß ich hier gestanden!"

Aber nun zu Jacopone

Spricht mit schwachem Ton die Kranke:

"Um den tröstenden Benone

Bat ich meinen Herrn und Gatten!"

Und er spricht: "Auch er wird kommen,

Jetzt vertrau dem großen Arzte;

Dieser Aesculap Bolognens

Wird dich, Theure, mir erhalten. # Teure?

Conciliator, dich, Apone,

Man ob hoher Weisheit nennet,

Dich versühnend wolle folgen

Der Bedeutung deines Namens."

Aber nun zu Jacopone

Spricht mit schwachem Ton die Kranke:

"Um den tröstenden Benone

Bat ich meinen Herrn und Gatten!"

Und er spricht: "Auch er wird kommen,

Jetzt vertrau dem großen Arzte.

Wolle, daß die Kunst Apones,

Teure, dich mir noch erhalte!" # Theure?

Und zum Arzt spricht er die Worte:

"Herrlicher, vergiß des Kampfes,

Der uns trennte oft im Zorne,

Nimm die Hand zum Friedenspfande!

Dienen will ich deinem Lobe;

Kannst du mir mein Weib erhalten,

Geb ich dir zweitausend Kronen,

Geb ich mehr noch, geb ich alles!"

Und zum Lager tritt Apone,

Reißt die Decke von der Kranken,

Doch es stürzt sich Rosadore

Über sie mit ihrem Mantel.

Und der Arzt spricht wild im Zorne:

"Was soll hier ich besser machen,

Wo man meiner nur will spotten?

Nackt muß ich die Kranke haben!

Über ihrem Herzen drohend

Einen Flecken von dem Brande

Sah ich schwarz. Sie ist des Todes,

Wenn ich sie nicht heilend salbe!"

"Nimmer," spricht nun Rosadore,

"Sollst du sie berühret haben,

Ihres Herzens heilge Rose

Nimmer sehen, böse Schlange!"

Und erbittert flucht Apone:

"Nun, so soll ich sein verdammet!

Schöne Buhlrin, dir zum Hohne

Sollst du mir zur Seite wandeln!

Du sollst deine Jungfraukrone

Selber mir ins Haus eintragen,

In den Spuren meiner Sohlen

Sollst du liebekrank herwandeln! # liebeskrank?

Abends an mein Lager kommen,

Deinen Leib mir anzutragen,

Und mit Füßen weggestoßen

Sollst du in der Brunst verschmachten!

In der Kirche, vor dem Volke,

auf dem offnen vollen Markte

Sollst du mir verbuhlet folgen,

Wie dem Leibe folgt der Schatten!"

Ihm erwidert Rosadore:

"Mein wird sich der Herr erbarmen;

Vor dem Fluch, den du geschworen,

Wird er seine Magd bewahren!

Eher sollen alle Rosen

Mit den Wurzeln abwärts wachsen

Und die vollen Liebeskronen

In der Erde Nacht begraben,

Eher all die bleichen Toten

Aus der Tiefe blühend wandeln

Und was lebet an der Sonne

Fluchend in die Gräber tragen,

Eh der Mond vom Sternendome

Buhlend in ein Nest voll Drachen

Steigen und im keuschen Schoße

Ungeheure Brut empfangen,

Und eh soll die lichte Sonne

Weichen aus des Himmels Bahnen,

Durch der Hölle Tor zu wandeln,

Eh ich tret in deine Pforte.

Ja, eh wird dem Feinde Gottes,

Dem satanschen Sündenvater,

Auch ein Gottsohn ausgeboren,

Keusch von einer Magd empfangen,

Und zu lösen uns vom Tode,

An das heilge Kreuz geschlagen!

Gott verzeihe mir die Worte,

Antwort ungeheurer Fragen!

Nein! nein! nein! Du hast gelogen!

O erscheine, Herr des Gartens,

Tritt den Lügner an den Boden,

Trete auf das Haupt der Schlange!"

"Kind," spricht Apo, "heiße Kohlen

Möchtest auf mein Haupt du sammeln,

Aber mir auch blühen Rosen;

Gut lacht, wer am letzten lachet!"

Doch indes fragt Jacopone

Flehend die geliebte Kranke,

Wie sie so viel Blut vergossen?

Und sie hat es ihm gestanden.

Und nun bietet er Apone,

Daß er helfend ihm mög raten,

Abermals zweitausend Kronen,

Nimmt das Gold gleich aus dem Schranke.

Jener aber spricht: "Die Dornen,

Die ihr schwer den Leib durchstachen,

Wirf in einen tiefen Bronnen

Oder in ein fließend Wasser;

Dann, so wie der Gürtel rostet,

Schließen sich die Wundenmale;

Doch vor allem einen Tropfen

Nehme sie aus dieser Flasche!"

Und nun reichet ihr Apone

Eine Flasche; doch die Kranke

Winkt verneinend mit dem Kopfe,

Und Apone weicht vom Lager;

Denn er höret eine Glocke;

Fackelschein erhellt die Gasse,

Weil begleitet von dem Volke

Sich der Leib des Herren nahet.

Mit dem Sakrament gezogen

Kommt Benone durch die Straße,

Und die Kranke hebt frohlockend

Und getröstet sich vom Lager.

"Bleibe liegen!" sprach Apone.

"Willst du dir dein Weib erhalten,"

Sagt er dann zu Jacopone,

"Hüt sie vor dem Abendmahle!

Sie stirbt eines schnellen Todes

Bei der letzten Ölung Salbe.

Da ich sie hab übernommen,

Werd ich dieses nie gestatten!" --

"Jacopone, Jacopone,"

Seufzt nun angstbewegt die Kranke,

"Willst du mich zur Hölle stoßen?

Hüte mich vor diesem Drachen!"

"Seht, sie raset," spricht Apone,

"Sie ist nicht mehr bei Verstande,

Denn sie spricht verwirrte Worte,

Taugt jetzt nicht zu heilgen Sachen!"

Doch nun tritt herein Benone,

Nahet sich dem Bett der Kranken,

Und sie spricht: "O Herr, willkommen!

Wolle meine Beicht empfangen!"

Und der Priester will, es sollen

Alle nun allein ihn lassen.

"Rosadore, Jacopone

Mögen bleiben," spricht die Kranke.

"Und ich geh nicht," spricht Apone,

"Bis der Gürtel liegt im Wasser,

Bis getrunken sie die Tropfen.

Wer bringt meine Pflicht zu wanken?"

Und zu weichen hat Benone

Nochmals friedlich ihn ermahnet;

Aber höhnisch ihm der Stolze

In das würdge Antlitz lachet.

Nun erst fühlet Jacopone,

Welcher Geist in diesem Arzte,

Und er spricht in schnellem Zorne:

"Weich aus meinem Haus, du Laster!" --

"Hast du mich mit Schmeichelworten

Hergelocket," spricht der Arge,

"Bringst du mich mit bösem Trotze

Wahrlich nimmermehr von hinnen!" --

"Weh uns!" jammert Jacopone,

"Wer mag diesen Teufel bannen!"

Und es nahet Rosadore,

Spricht: "Ich wags in Gottes Namen!"

Und sie zieht gleich einem Dolche

Jene Nadel Rosablankens

Aus dem Haar, das Gold der Locken

Fließt, sie rüstend, von dem Nacken.

Und im heilgen Zorne Gottes

Springt die Kranke von dem Lager,

Und ein Kreuz von rotem Golde

Dienet ihr zur frommen Waffe.

Aber beiden reißt Apone

Von dem Busen die Gewande.

Da er sieht die heilgen Rosen,

Fühlt er seine Sinne wanken.

Und er fluchet: "Moles, Moles!

Dies ist unser Rosengarten.

Daß er ewiglich verdorre,

Mußt du dich zur Arbeit halten!"

Doch am Fenster ruft Benone

Dem Geleite, und mit Fackeln

Dringen sie herauf; Meliore

Tritt einher vor allen andern.

Doch er stehet schwer erschrocken,

Da er Apo sieht, und fraget:

"Meister, lebet ihr hier doppelt?

Eben hab ich euch verlassen!

Pietro kam als schneller Bote

Zu dem Vater Rosablankens,

Der erkrankte, euch zu holen,

Und Ihr seid mit ihm gegangen.

Habt mir selbst die Hand geboten,

Spracht, daß ihr des alten Hasses

Gänzlich nun vergessen wolltet,

Weil ich brav gelöscht beim Brande.

Dann hast du mich angesprochen

Um ein Büschel meiner Haare;

Sprachst: `Aus blondem Haar gesponnen

Wird zur Wundennaht der Faden.'

Und ich gab dir eine Locke --

Sieh, hier fehlt sie mir im Nacken --

Folgte weit dir vor dem Tore,

Bis in meines Bruders Garten,

Wo du eintratst, weiße Rosen

Und Arzneikraut einem Kranken

Zur Erquickung gleich zu holen;

Dorten hab ich dich verlassen.

Denn es war dort bei den Rosen

Solch ein heftger Duft entstanden,

Daß mir schier gebrach der Odem;

Wankend ging ich aus dem Garten.

Jetzt -- wie find ich dich hier oben?"

Doch ihn bei dem Arme fassend

Spricht Apone: "Freund Meliore.

Jetzt geleite mich von dannen!

Denn die Gattin Jacopones

Will das Sakrament empfangen,

Gönnen wir ihr Raum zum Troste!"

Und nun gehen sie zusammen.

Ihnen folgen, die vom Volke

Mit den Fackeln aufwärts drangen.

In den Armen Jacopones

Ruht ohnmächtig noch die Kranke.

Da sie wieder sich erholet,

Segnend ihr der Priester nahet,

Und sie spricht mit leisen Worten,

Matt aufrichtend sich vom Lager:

"Der du an der Stätte Gottes,

Höre, wie ich mich anklage,

Was ich sündlich hab verbrochen,

Seit auf Erden ich gewandelt,

Mit Gedanken, Werken, Worten.

Und zuerst nun mit Gedanken:

Ich gedachte, meinem Gotte

Könnt ich Sünderin gefallen.

Und ich sündigte mit Worten,

Weil ich Gott nicht Wort gehalten,

Als das ja ich Jacopone

Treulos gab an dem Altare.

Und mit Werken," sprach die Fromme,

"Da ich sprang von dem Theater;

Denn ich glaubte fest, des Todes

Würd ich an die Erde fallen;

Glaubt in meinem bösen Stolze

Ohne Sakrament empfangen

Käm ich doch zu meinem Gotte,

Sündigte auf sein Erbarmen.

Doch mich nicht verderben wollend,

Hat er mich zur Buß erhalten,

Die von ihm durch dich, Benone,

Ich zerknirschet nun erwarte!" --

"Rosarosa," sprach Benone,

"Keiner noch trat ohne Makel

Vor den Thron des ewgen Gottes;

Er wird dein sich auch erbarmen!

In des Vaters, in des Sohnes,

In des heilgen Geistes Namen

Sei dir, meine fromme Tochter,

Deine Schuld erlassen! Amen.

Fühlst du jetzt dein Haus geordnet,

Deinen Herren zu empfangen,

Speis ich mit dem Himmelsbrote

Dich zu diesem letzten Pfade." --

"Bis zum neuen Morgenrote

Harret noch", spricht leis die Kranke,

"Einen Bissen weißen Brotes

Aß ich heut von einer Armen,

Der durch dich, mein Jacopone,

Ward ihr kleines Feld erhalten

Gen den Anspruch eines Großen;

Sie bracht mir das Brot zum Danke,

Bat: `O esse von dem Korne

Jetzt aus Liebe zu dem Manne,

Der gerettet mir den Boden

Dem dies Brot für mich entwachsen!'

Aber hört, die elfte Glocke

Schlägt! Noch eine Stunde harret;

Reicht indes zum letzten Troste

Mir des heilgen Öles Salbe!"

Doch nun klaget Jacopone,

Der bis jetzt in stummen Jammer

Saß an ihrem Lager oben:

"Weh, o weh, ich muß dich lassen!

O dich, aller Jungfraun Krone,

Keusch und duldend gleich dem Lamme,

Das die Schuld hat hingenommen,

Das für uns das Kreuz getragen,

Rosarose, heilge Sonne

Meiner irdisch trüben Tage,

Firmament voll Lichtessonne,

Ewig gleiche Friedenswage! # waage?

Herr, was hab ich denn verbrochen,

Daß ich in der Nacht soll wandeln,

Daß aus meines Himmels Dome

Nun erlischt die heilge Lampe?

Weh, o weh, du süße Rose,

Dornen dir das Herz zerbrachen,

Die du fromm vor mir verborgen;

Schuldig muß ich mich anklagen!

Weh, ich bins, der dich gemordet,

Blind an jenem Hochzeitsabend,

Da durch mich du von den Toten

Hast den Dornengurt empfangen!

Und ich habe zu der Oper

Dich geführet heute Abend:

Weh, durch mich wards du durchbohret

Von dem Gürtel bei dem Brande!

Deine letzte Zeit verdorben

Hab ich dir aus falschem Wahne

Durch den Bösewicht Apone,

Hoffend, dich mir zu erhalten!

Ach, ich diene bösem Stolze!

Die ich nie besessen habe,

Die mir ewig war verloren,

Wollt ich mir durch Kunst erhalten!

Weh, mein Weib, du Jugendrose,

Auf dem Wasser der Demanten

Spiegelt deiner Schönheit Sonne

Ihres Abendrotes Flamme!"

Also jammert Jacopone.

Ihm erwidert dann die Kranke:

"Wolle nicht mit harten Worten

Gegen Gottes Willen klagen.

Lasse uns den Herren loben,

Daß er uns zurückgehalten

Von dem Abgrund ewgen Todes,

Von der Blutschuld hartem Laster.

Wenn der Schleier wird gehoben

Über unserm dunklen Stamme,

Singst du bis zu deinem Tode

Gott und seiner Mutter Psalmen.

Seit das Weib den schwer verbotnen

Apfel teilte mit dem Manne,

Bringt das Weib das Kind des Todes

Zu der Welt mit Not und Jammer.

Und wir durch die Güte Gottes

Haben schuldlos uns erhalten,

Und er wird uns nicht verstoßen

Aus des Paradieses Garten.

Auch ich muß von diesem Orte

In den Willen des Erbarmers;

Dich, bei dem so gern ich wohnte,

Muß ich einsam nun verlassen.

Und du sollst, wie Christen sollen,

Deinem irdschen Gut entsagen,

O, mein Bruder, wolle folgen

Eines schwachen Weibes Rate.

Geh in einen frommen Orden;

An die Stelle des Theaters

Laß erbaun ein heiles Kloster;

Dort auch ruhe meine Asche!

Lasse jetzt von armen Volke

Stille mich zu Grabe tragen,

Bis erbauet ist das Kloster

Zur Kapelle bei Sankt Claren.

Und den Schwestern dieses Ordens

Dann das neue Kloster lasse,

Weil sie jetzt nur ärmlich wohnen

Und das Haus sie kaum mehr fasset.

Meinen Sarg, geschmückt mit Rosen,

Laß von armen Jungfraun tragen;

Lasse auch die Kinder folgen,

Die ich stets geliebet habe.

Allen spende aus zum Lohne

Meine vollen Kleiderladen,

Aus dem Tuch, das ich gesponnen,

Lasse allen Hemdlein machen.

Mein Geschmeide, silber, golden,

Alle Perlen und Demanten,

Die mir deine Huld erworben,

Schenke ich zu dem Altare.

Lasse eine Mutter Gottes

Recht vor allen herrlich malen

Und ihr vor dem hohen Chore

Himmlische Musik erschallen.

Mit des Weihrauchs süßen Wolken,

In wollüstger Düfte Kampfe,

Soll ein Wald unzählger Rosen

Um der Kirche Säulen ranken.

Kelche, Lampe, Weihebronnen,

Leuchter, Rauchfaß und Monstranzen:

Alle seien goldne Rosen,

Durch der Künstler Fleiß gestaltet.

Und die groß und kleine Glocke

Und der Taufstein und die Kanzel

Seien Rosen gleich geformet.

O, welche frommer Rosengarten!

Als ich bin getragen worden

Sinnlos weg von dem Theater,

Hat sich ein Gesicht ergossen,

Hab ich diesen Wunsch empfangen.

Unter einem hohen Dome

Sah ich Weihrauchwolken wallen

Und Gesang und Klang der Orgel

Durch die Säulenwälder wachsen.

Und ich sah den Greis Benone

Eine Totenmesse halten,

Aber alles war voll Wonne,

Alles war voll selgen Glanzes!

Und ich sah viel fromme Nonnen

Einsam betend in der Kammer,

Sah sie nächtlich in dem Chore

Himmlische Gebete lallend.

Und vor allen glanzumflossen

Sah ich eine mit der Nadel

Weiße, rote, schwarze Rosen

Wirken in die Meßgewande.

Und das Bild der Mutter Gottes,

Gnädig blickend vom Altare,

Glich dir, meine Rosadore,

Aber heilger, höher strahlend.

Und ich selbst lag eingeschlossen

Kühl in einem Marmorsarge;

Auf der schweren Decke oben

Schlief der Knabe mit dem Lamme.

Rings um mich geliebte Tote

Schlummerten zum letzten Tage;

Doch kein Sinn war mir verschlossen,

Und ich sah und hörte alles.

Ach, wie mag die Visionen

Alle ich in Worte fassen!

Durch der Kirche hohe Bogen

Himmelschöre niederdrangen!"

Und nun sagte Rosadore:

"Ja, des Himmels Tore standen

Über diesem Tempel offen,

Von den Seligen umscharet.

Und es stand die Mutter Gottes

Und der Heiland mit dem Lamme

Ganz bekränzt mit süßen Rosen

In des Lichtes ewgen Glanze.

Und der Engel Legionen

Sangen: Gnade! Gnade! Gnade!

Tausend Kränze heilger Rosen

Sah ich zum Altare fallen.

Und den Schleier einer Nonne

Sah ich nehmen Rosablanken;

Eine Goldflut ihrer Locken

Vor der Schere niedersanken.

Singend stand ich auf der Orgel,

Vor mir stand die goldne Harfe;

Aber stille und gestorben

Lag mein Herz in kalten Banden,

Wie in bösem Traum der Boden

Fliehenden die Füße bannet,

Hilferufenden der Odem

Kämpfend in der Brust erstarret.

Lebend und doch eine Tote,

Sehend und doch dicht umnachtet,

Stumm, doch singend vollen Tones,

War ich wie von Stein umfangen.

Neben mir stand schwarz Apone.

Weh, o weh, was er gesaget,

Was er sprach vorhin im Zorne,

Füllet mich mit tiefem Bangen!

Doch am Altar aufgezogen

Ward ein himmelblauer Mantel,

Und das Bild der Mutter Gottes

Grüßte laut des Volkes Ave.

Und ich hört in meinen Ohren:

Ave, Salve, Mater! schallen,

Und aus meinen Augen quollen

Wieder Tränen auf die Wangen.

In der Kirche hohem Dome

Schmetterten die Nachtigallen,

Ganz durchzucket von dem Tone

Fühlt mein Herz ich wieder schlagen.

Und ich bin emporgeflogen,

Eine Stimme, singend Ave,

Bin des Engels Gruß geworden,

Ave, Salve, Dei Mater!

Dies Gesicht war mir ergossen,

Da ich sinnlos in der Harfe

Ruhete, von Meliore

Fromm gerettet bei dem Brande." --

"Was du sahest, Rosadore,

Sah ich alles," sprach die Kranke,

"Herr! du hast in Visionen

Wunderbar dich uns erbarmet!"

Und in stiller Wonne schlossen

Beide sich in ihre Arme.

Ruhig sprach nun Jacopone:

"Herr, tu mir nach Wohlgefallen!"

Aber nun tritt durch die Pforte

Agnus castus mit dem Lamme,

Knieet betend an dem Boden

Neben Rosarosens Lager.

Nach der Sanduhr sieht Benone,

Eine Schelle rührt der Knabe,

Niederknieet Rosadore,

Jacopone bei der Kranken.

Beim Gesang des frommen Volkes,

In dem Scheine heller Fackeln,

Hat sie leis das Haupt erhoben

Und des Herren Leib empfangen.

Und dann sprach sie noch die Worte:

"Herr, du hast dich mein erbarmet,

Herr, dein Wille sei gelobet,

Meine Seele nun empfange!"

Mit dem heilgen Öl Benone

Haupt und Hand und Fuß ihr salbet.

Und sie sprach: "Des Herzens Rose

Wirft unendlich weiten Schatten!

O der Wonne, o des Trostes,

O des wundersüßen Garten!

Singe, meine Rosadore,

Mit des Himmels Nachtigallen!

In dem Schatten meines Todes

Lasse Gottes Lob erschallen!"

Und es sang nun Rosadore

Zu dem Klang der goldnen Harfe.

Solch ein Lieb, so selgen Tones,

Hat nur da die Luft getragen,

Als der Heiland ward geboren

Und die Engel Gloria sangen.

Also sang des Lichtes Bogen,

Da den Lustkreis aller Farben

Gott durch seinen Raum hinrollte

In dem Glanz des ersten Tages;

Also tönt des Wassers Woge,

Mit dem Rund des Erdenballes

Selig spielend in der Sonne,

Jauchzend an dem ersten Tage.

In so süßen Tones Strome

War die Luft aus Gottes Atem

Um die junge Welt ergossen,

In der Lust des ersten Tages.

Und die neue Erde rollte

Unter also freudgem Klange

In den Kreis von Mond und Sonne,

Jubelnd an dem ersten Tage.

Also sang das Blut, ergossen

Durch des neuen Menschen Adern,

Also sang der Mensch voll Wonne,

Da er zu der Welt erwachte.

Doch annoch viel höhern Tones

Wird das Lied der Selgen schallen,

Wenn sie aus dem Haus des Todes

Zu dem Antlitz Gottes wandeln.

Aber nun zieht mit dem Volke,

Betend bei dem Schein der Fackeln,

Nach dem Kloster hin Benone.

Einsam steht der Toten Lager.

Und es küßt ihr Rosadore

Tränenlos die bleiche Wange,

Grüßet scheidend Jacopone

Und verläßt ihn mit der Harfe.

Einsam sitzet Jacopone

Auf dem stummen Sterbelager,

In der Toten Demantkrone

Mit des Schmerzes Blick hinstarrend.

Keine Träne ihm entrollet;

Seine tiefe Trauer raget

Wie die Wüste öd und trocken

Auf, am Horizont verschmachtend,

Ohne Schatten, und die Sonne

Selbst ein tiefer Feuerschatten,

Der sich wie ein weiter Bogen

Über seinen Scheitel lagert.

Die Gedanken an dem Boden

Schleichend, in dem gleichen Sande,

Alle Spuren von dem Odem

Heißen Sturmes stets verwaschen.

An dem Himmel keine Wolke,

An der Erde keine Pflanze,

Auch kein einzger kühler Tropfen

In dem ungeheuren Plane.

Also sitzet Jacopone

In der Wüste seines Jammers,

In die helle Demantkrone

Der geliebten Leiche starrend.

Aber auf die Schulter klopfet

Agnus castus ihm, der Knabe,

Reicht ihm einen Korb voll Rosen:

"Jacopone, jetzt erwache!

Kränz des Todes Braut mit Rosen;

Sie sind aus demselben Garten,

Wo die Rosen ihr gebrochen

An dem ersten Hochzeitsabend.

Nimm ihr ab die Demantkrone,

Die du ihr hast heute abend

In das Silberhaar geflochten;

Deiner letzten Pflicht gewarte! # gewahre?

Einst werd ich am rechten Orte

Wunderbare Dinge sagen;

Du wirst, die dir war verborgen,

Deines Namens Schuld erfahren."

Sprachs. -- Da jener nahm die Rosen,

Schied er betend aus der Kammer:

"Jesus Christus sei gelobet!"

Jacopone saget: "Amen!"

Als er löst die Demantkrone

Aus dem Strom des Silberhaares,

Ist des Schmerzes Kern gebrochen,

Und des Jammers Quellen sprangen.

Da er ihr den Kranz der Rosen

Legte in die Silberhaare,

Sind die Augen in dem Strome

Heißer Tränen ihm vergangen.

Da der arme Jacopone

Ihr die kalten Hände faltet,

Ist der Trauring roten Goldes

In die Hand ihm schwer gefallen.

Da er ihr das Aug geschlossen,

Brach er aus in lauten Jammer,

Ganz in einem Tränenstrome

Der Geliebten Antlitz badend.

Als die Nacht war hingezogen,

Stand des Morgensternes Fackel

An dem stillen Horizonte,

Wie ein Irrlicht auf dem Grabe.

Wie in eines ausgestochnen

Auges leere Höhle, zagend

Sah des neuen Tages Sonne

In das Herz des armen Mannes.

Und wie an dem Hochzeitsmorgen

Pietro, sie begrüßend, sagte:

Grüßt sie an dem Todesmorgen;

Jacopone, laut aufjammernd:

"Grüß dich, blutge Todessonne,

Grüß dich, Held des Unterganges,

Grüß dich, Heiland voller Dornen,

Grüß dich, Sichel meines Gartens!

Grüß dich, lichter Trauerbote,

Grüß dich, Tauestränensammler,

Grüß dich, Wecker aller Toten,

Grüß dich, Feuerheld des Grabes!

Singt die sieben letzten Worte,

Singt sie mir, ihr grauen Schwalben!

Singt ihn mir, den Schild des Todes,

Singt den Held des Unterganges!"

** Romanze XIV: Apo und Meliore

Durch die stillen Straßen schreiten

Apo und Meliore hin,

Gleiche Pfade führen beide

Zu dem Turm, zur Tänzerin.

Wo das Mondgefild sich breitet

Um des Brandes Trümmer hin,

Ruht ihr Weg, und tief erweitet

Fühlt Meliore seinen Sinn.

Und er spricht zum ernsten Meister,

Den er bei der Rechten nimmt:

"Selig, wer gleich dir die Geister

Leicht nach seinem Willen stimmt.

Spricht, o Herr! auf welche Weise

Reißest du mich jetzt zur dir?

Da du heut im lauten Kreise

Also hart begegnet mir?

Da du zürntest mir im Streite,

Sieh, da scheute ich dich nicht;

Jetzo friedlich dir zur Seite

Alle Kühnheit mir gebricht.

Daß der, den ich erst geleitet

Zu des Pietro Garten hin,

Wieder mir zur Seite schreitet,

Will mir nimmer in den Sinn.

Sprich, wie soll ich nur begreifen

Deiner Künste tiefe List,

Daß ich hier dich kann ergreifen,

Der erst dort vor kurzer Frist.

Meister sprich, und dann verzeihe,

Daß ich also heut mit Schimpf

Traf des hohen Hauptes Weihe;

Zeige deines Herzens Glimpf!

Kenntest du des Jünglings Leiden,

Der so kühn dich heut bestritt,

Ach, du würdest Trost bereiten

Mir, der deinen Zorn erlitt.

Lass mich zum Kerker weichen,

Dem das Feuer mich entriß,

Kannst du mir die Hand nicht reichen,

Daß mir deine Gunst gewiß!"

Apo gab die Hand: "Dein Eifer,"

Spricht er, "wisse, war mir lieb;

Herrlich wirst du, wenn du reifer,

Denn dich treibet hoher Trieb.

Doch es muß vor der Gemeine

Leiden, wer zutage springt,

Daß nicht aus dem Chor alleine

Einer andre Weise singt.

Ob du würdig könntest leiden,

War zu forschen ich gewillt;

Nebst dem Schwerte zu dem Streiten

Führe auch der Mann das Schild.

Und nun nenn ich dich den Meinen,

Zeigte dir mein Doppelbild;

Wird der dritte dir erscheinen,

Ist das Ganze dir enthüllt.

Romanzen vom Rosenkranz · 第 8 / 13 段