Der lebte nicht auf hohem Schloß -- lebte nur in den Kneipen.
Der war nicht Hofmaler und Galeriedirektor -- sondern ein Lump und
Sumpfgenie, der von den Manieren der guterzogenen Leute nichts wissen
wollte. Rubens Mühe versagte bei ihm.
Ein genialer Mensch war +Brouwer+ und ein genialer Künstler.
Nicht Besteller, nicht Vorteile, Charakter allein machte Brouwer zum
echten flämischen Bauernmaler, reich an Geist und Witz.
»Jeder Zoll ein Künstler, ein malerisches Genie, das neben den größten
genannt zu werden verdient.« »Ein Adonis in Lumpen, ein Philosoph unter
der Narrenkappe, ein Epikuräer mit zynischen Formen« sagt Wilhelm von
Bode.
[Illustration: Abb. 43. +Adr. Brouwer+, Raufende Kartenspieler.]
Sein Atelier -- das waren die Weinspelunken Antwerpens.
Dort waren seine Freunde. Nur dort seine Modelle. -- Wo er her kam,
wissen wir nicht. Daß er ein Flandrer war ist gewiß.
In dem Element, in dem er allein leben konnte und wollte, ging's
polizeiwidrig, ging's animalisch zu, in Spiel und Genuß.
Das Künstlerische und das Volkseigene lassen sich bei Brouwers
Bildern nicht trennen, nicht mit allen Pinzetten und Goldwagen der
Gelehrtentüftelei.
Ob Maler, ob Volk, der Flame liebt die Farben als Farben, ob Kittel,
ob Haar, ob Wein, ob Rauch. Er liebt die Formen des Lebens, also nicht
die hergerichteten, ausgeglichenen, aus Konvention schon genannten.
Konvention und Künstlertum hassen sich.
Wie sehr in Brouwers Kunst auch höchster Volkssinn lebt, zeigt der fast
beispiellose Erfolg des Malers Niemals war ein Erfolg künstlerisch
verdienter. Niemals so frei von allen anderen Einflüssen. Denn
liebenswürdig war Brouwer nicht. Seine kleinen, -- zunächst sehr bunten
-- lokalfarbigen Bilder werden bald so hoch bezahlt, wie die großen des
Rubens. Mit 24 Jahren ist Brouwer berühmt.
[Illustration: Abb. 44. +Hemessen+, Lockere Gesellschaft.