Phot. F. Bruckmann A.-G., München.]

Doch Besitz galt ihm nichts. Der floß in die Kehle.

Als er mit 33 Jahren stirbt, hinterläßt er an Wäsche nur einen Kragen,

fünf Manschetten und -- kein Hemd.

Wer Belgiens Geschichte und Belgiens Kunstgeschichte nur in den

Höhepunkten vergleicht, wird finden, daß die Kurve dieser meist hoch

steht, wenn die Höhe jener sich senkte oder noch kaum wieder sich zu

heben anfing.

So wird Brouwers Schicksal zur Allegorie: Die Kunst Belgiens ist häufig

genug ein Phönix aus der Asche.

Man hat in Brouwers Malerei viel Holländisches festgestellt.

Aber vergleicht den größten Holländer neben ihm: den Franz Hals, der

vielleicht sein Lehrer war. -- Das, was flämisch ist, hat nur Brouwer.

Hals aus Antwerpen ist auch Maler des Lachens und Genießens. Aber er

ist doch mehr, er ist am größten, unvergleichlich im +feinen+ Lächeln.

Die lachenden Genießer des Holländers sind zudem meist gesittete,

wohlgekleidete Leute. --

[Illustration: Abb. 45. +Joos van Craesbeeck+, Die Kurtisane.]

Die ganze Schule geht von Brouwer aus. Von Antwerpen nach Haarlem,

Delft, Amsterdam, Leiden.

Brouwers tüchtigster Schüler war +Joos van Craesbeeck+. Im bürgerlichen

Leben kein ganz sauberer Mensch. -- Auch er ein Kneipenmaler mit Zank

und Rauferei. Lehrer und Schüler lebten in der Kneipe und nahmen's mit

dem weiblichen Mein oder Dein nicht genau.

Craesbeecks Bilder spielen bezeichnenderweise nicht nur in Kneipen

und -- was bei Brouwer nie der Fall, eine zweifelhafte Weiblichkeit

gibt den Mittelpunkt. (Abb. 45.) Er malt schon recht gern Soldaten und

Herren bei Dirnen in Freudenhäusern.

Das Thema war keine neue Erfindung. Es konnte in der genußsüchtigen,

lebenslustigen Welt Antwerpens nicht fehlen. Doch erst Craesbeeck

hatte Erfolg. Aertsen und Hemessen, die hundert Jahre früher Ähnliches

malten, fanden für diese Psychologie noch wenig Verständnis. Das

ist begreiflich. Beide sind nicht fest. Ihr Leben wechselt zwischen

Belgien und Holland, wie ihre künstlerische Anschauung, die, weil sie

schwächlich, nicht kurz zu charakterisieren ist.

In Aertsens ruhigen Bildern aus öffentlichen Häusern lebt nicht die

starke, zugreifende, rasch handelnde Begierde. In seinen zarten,

oft bleichen Gestalten fühlt man das Zittern verhaltenen sinnlichen

Verlangens. Das widerspricht flämischer Rasse. --

Denn allen Flämischen sind »~naturalia non turpia~«.

Hemessens »Lockere Gesellschaft« (Abb. 44) ist nur negativ vielsagend.

In den Bildern der wahrhaft großen Belgier, ist die starke,

lebensbejahende Physiognomie des belgischen Volkes ganz anders und ohne

alle Zweideutigkeit gezeichnet.

So ein ganz unverblümter Schilderer der rassigen, flämischen

gutgestellten Familie ist +Jakob Jordaens+.

Auch ein echter Sohn seiner Rasse, der nicht nach Italien ging. Der

die Götter Griechenlands -- wie Rubens -- ganz so malt wie die Kinder,

die Männer und Frauen seiner gesegneten Heimat. Kräftige Körper,

schwellende, milchstrotzende Brüste und leuchtende Augen, rotes Haar

und rosiges Fleisch, runde Gesichter mit feuchten Lippen, die gern

essen und schlürfen, die tüchtig singen und breit lachen können und

wollen. (Abb. 46 und 47.)

Die Familien Jordaens' sind immer bei voller Tafel versammelt

-- irgendein Fest gab's immer zu feiern. Die Bohnenfeste, die

Martinsfeste, den Dreikönigstag, wie oft hat sie Jordaens gemalt in

gesunden Farben beim fast blendenden Licht. So strahlt das grelle

Fleisch fast hart wie die Pokale der vollen Tafel.

Es muß sehr laut zugegangen sein bei solchen Festen. Das hört man

aus allen Bildern dieses Malers familiären Genusses. Es lacht alles.

Alles singt und fiedelt durcheinander. Rommelpot und Dudelsack und

Kinderschreien und lauter Schabernack, Gläserklirren und Hochs ohne

Anlaß und ohne Ende geben die dissonante Musik dieser unvergleichlich

ausgelassenen Familienfeste.

Ein Bild dieser Art hat Jordaens unzählige Male wiederholt. »Wie die

Alten sungen, so zwitschern die Jungen.«

Alt und jung singt lustige Lieder. Der Bub auf Großvaters Schoß flötet,

und das Muttersöhnchen tut desgleichen.

»Wie die Alten -- so die Jungen.«

Das Sprichwort ist echt belgisch. Und immer hat's den gleichen Sinn

behalten, ohne Moralität das Leben stark bejahend.

Gut essen und gut trinken, zumal bei Festen, ist flandrische Tradition.

Ist's Zufall, daß das Thema in der belgischen Kunst so beliebt und daß

es immer üppig schmausende, singende, lachende, lärmende Menschen zeigt

aus allen Altersstufen vom Säugling bis zum Greis?

Jedenfalls läßt sich die malerische Ergiebigkeit aus solcher Anschauung

nicht begrenzen.

Dieser, durch alle guten und schlechten Zeiten, ganz besonders

gepflegte Sinn trug der Kunst Belgiens reifste Früchte.

Die Stillebenmalerei hat, schon immer durch die lebhafte Freude

aller Niederländer am Stofflichen genährt, die Maler Burgunds und

Belgiens besser und früher als andere Maler erzogen zur möglichst

treuen, malerisch-täuschenden Wiedergabe aller Dinge, aller Stoffe und

Erscheinungen, aller Tiere und Speisen. --

In den großen Stilleben Franz Snyders äußert sich des Volkes starker

Materialismus geradezu monumental.

Auch hierzu gaben schon sehr früh belgische Maler den Weg.

Pieter Aertsen, der Maler der Köchinnen und der Küchen, darf nicht

vergessen werden. Und Rubens selbst, seine ganze Schule hat wieder auf

unzählige Maler weiter gewirkt. Auch auf die Kunst der Kupferstecher.

Unsere Abb. 48 ist nach dem unerreicht schönen Schabkunstblatt Earloms

gefertigt, der das Glänzende und Schlüpfrige, das Glatte der Aale und

Schüsseln, das Harte der Krebse und Hummern, das Blanke des Messers,

diese ganze wunderbare tote Natur, schwarz-weiß greifbar wiedergegeben

hat.

[Illustration: Abb. 46. +Jak. Jordaens+, Der König trinkt.]

Wie die Sitten des Volkes sind die Themen der Künstler bezeichnend für

Rasse und Art, Ideale und Wirklichkeit.

Mag die große griechische plastische Kunst nur die Sehnsucht nach

vollkommener Menschheit verbildlichen -- die Belgier fühlen sich

vollkommen, vollkommen in ihrer Art. Ihre Kunst ist vollkommen, wie

alles Autochthone -- sie bleibt groß und wird stark bleiben, solange

sie wie Antäus aus der Heimat ewiger Erde neue Kraft gewinnt.

Nur der Tod flämischen Geistes würde das Ende bedeuten belgischer Kunst.

Den Bahnbrechern echter Rassekunst blieben, mit der erwähnten kurzen

Unterbrechung durch eine landfremde Renaissance, Belgiens fernere

Künstler treu durch die Jahrhunderte.

Und wenn auch in der neueren belgischen Kunst -- ganz wie in der

deutschen -- manche Malerei gerade wegen ihrer Heimatlosigkeit den

einen mißliebig auffällt, den andern schmeichelt, -- man denke auch an

den charakterlosen pariserischen Belgier Alfred Stevens, -- es sind

doch in Belgien bis auf heute kräftige Stammhalter genug der echten

flämischen Rasse am Werk.

[Illustration: Abb. 47. +Jak. Jordaens+, Wie die Alten sungen, so

piepen die Jungen.]

Ein solcher Stammhalter ist Jef Lambeaux, den wir weniger kennen als

andere, die viel, viel schwächer, aber sensationeller.

Wie wundervoll verkörpert Lambeaux in seinen prächtigen, üppiggesunden,

starken Göttern und Menschen (Abb. 49) alles das, was Belgiens Kunst

groß gemacht, alles das, woraus Belgiens Künstler das Beste ihrer

Schöpferkraft gezogen und genährt.

Die belgische Kunst nahm, wie Rooses gesagt, aus dem Leben das

Fröhliche, Lachende, Genießbare. Sie ist eine menschliche Kunst.

Lambeaux »Freude« braucht keine Benennung. Es ist die starke Freude

aller Gesunden.

Auch hier ein Vergleich mit einem französischen Werk, das kaum älter:

mit Carpeaux' echt +französischer+ Gruppe »Der Tanz«, an der Schauseite

der Großen Oper zu Paris.

Nicht der Taumel bacchischer Lust macht Lambeaux Gruppe zum belgisch

bedeutenden Werke. Auch Carpeaux Gestalten tanzen in solchem Rausch.

Diese Gestalten, dieser Tanz sind echt französisch.

Aber wie diese nur echt französisch, geschmeidig und elegant wie die

Figuren schon des Primaticcio oder Goujon -- so sind Lambeaux Götter

und Menschen gestaltet wie die Bauernweiber Breughels, wie die Götter

des Rubens, die Gattinen des Jordaens.

Sie sind so echt flämisch -- wie echt deutsch sind die Engel und Bengel

des Altdorfer und Richter, wie die derben Frauen des Baldung, wie

Schongauers eckige, geistdurchwühlte Jünger, wie Schwindsche Märchen,

wie alle Menschen des Mathias Grünewald auf dem Isenheimer Altar, wie

so viele markige, ganz vom Gedanken beherrschte, unscheinbare Gestalten

Rembrandts, wie Dürers monumentale Apostel, seine ewig-deutsche

Melancholie.

* * * * *

»Wie die Alten -- so die Jungen« (Abb. 47). Das war das Leitmotiv

belgischer Kunst. Das war ihr Segen.

Das sang man in Flandern.

Weshalb nur blieb deutsche Kunst nicht immer deutsche Kunst?

Werde sie endlich frei vom Wahne des alleinselig-, alleinschönmachenden

antikisch-italischen Formalismus.

Der bleibt unserer Rasse fremd. Dieses Fremde werde uns unerträglich,

wie die Lobpreisung französischer Maltradition!

Der Niederlande, des Rubens und noch mehr Rembrandts unsterbliche Kunst

unterstreicht dies Verlangen -- zeigt Künstlern deutscher Rasse den Weg.

Denn trotz so vieler großer Meister, trotz des tieferen, gemütvolleren,

trotz des nur künstlerisch immer gefahrvollen sentimentalen Gehalts

deutscher Art -- hat die Geschichte deutscher Kunst bisher nicht die

Festigkeit der Physiognomie, nicht die zähe Treue der belgischen Kunst

gezeigt.

[Illustration: Abb. 48. +Richard Earlom+ nach Frans Snyders:

Fischmarkt.]

Die belgischen Maler waren treu ihrer Rasse, treu dem Lichte und

der Luft ihrer Heimat, treu ihren Farben, treu ihren Gestalten, ihren

Menschen, ihrem Allzumenschlichen.

[Illustration: Abb. 49. +Jef Lambeaux+, Die Freude.]

Nie und nie haben sich die +großen+ Maler dieses Landes einer noch so

viel geltenden rassefremden Kunstform unterworfen, nie unterwarfen sie

sich der verführerischen italienischen »Schönheit« -- die auch uns

gefährlicher als irgend eine andere. Sie lebt nicht uns.

[Illustration: Abb. 50. +Frank Brankwyn+, St. Nikolauskirche in

Dixmuiden.]

+Es gibt keinen edleren Realismus als den, geboren aus der Luft, der

Erde, dem Fleische, der inneren und äußeren Heimat des Künstlers.+

Solches Schöpfen aus unveränderlichen Tatsachen eroberte der Kunst der

Niederlande einen Thron, der um keine Stufe niederer steht als der

jener anderen Rasse und jener anderen Welt.

Nur Heimattreue und Rassezähigkeit macht populär. Volkstümlich,

national war immer die Kunst der großen Belgier.

[Illustration: Abb 51. +D. Y. Cameron+, Der Belfried von Brügge.]

Nur Blick und Geist, nur Herz, in denen sich alles was landeseigen ist,

kristallisiert, schafft Werte von Rasse, von Weltdauer.

Belgiens Künstler wissen sehr gewiß von sich: sie bleiben und wollen so

bleiben und schaffen, wie sie waren und schufen.

Die Belgier wollen sich gar nicht ändern. Nicht im Schlechten, nicht im

Guten. Sie können nicht anders.

Rechnen wir mit dem bleibenden Charakter des Volkes. -- Lernt, deutsche

Künstler, von der sieghaften Treue der belgischen Kunst.

[Illustration: Abb. 52. +Jer. Duquesnoy+, Das Manneken pis in Brüssel.]

Anmerkungen zu den Abbildungen.

=Abb. 1. Aug. Coppens, Der große Platz in Brüssel= nach seiner

fast vollständigen Zerstörung durch die Franzosen 1695. Das

Blatt (182×150 ~mm~) ist von R. van Orley nach A. C. radiert.

Es gehört zu dem Werke: »~Perspectives des Ruines de la

Ville de Bruxelles~«. Der Generalstatthalter Max Emmanuel,

Kurfürst von Bayern, stellte damals seine eigenen Mittel

zur Verfügung, um die Schönheit der alten Stadt bald wieder

erstehen zu lassen.

=Abb. 2. Franz Hoogenbergh, Der Brand des Rathauses= von

Antwerpen 1576. Radierung (208×276 ~mm~) aus dem Werk: Mich.

Aitsingers: »~De leone belgico Topographia~«. Cöln 1583. --

Der Plünderung durch die Spanier fielen an 7000 Menschen

zum Opfer. Das Rathaus war nur 10 Jahre früher durch Corn.

de Vriendt vollendet worden. 5 Jahre später wurde es wieder

hergestellt.

=Abb. 3. David Vinckboons, Der alle ereilende Tod.= 1610.

Kupferstich von B. A. Bolswerd. Ausschnitt im Original

202×375 ~mm~. (Le Blanc 27~a~).

=Abb. 4. Adriaen Brouwer, geb. 1605/6 in +Flandern+, gest. 1638

in Antwerpen, Das Gehör.= Original in der K. ält. Pinakothek

zu München. Ölgemälde auf Holz. (23×20 ~cm~.) Die Abbildung

nach der Lithographie mit Tonplatte von R. Strixner. --

Die größte Zahl (18) von Brouwerschen Gemälden besitzt die

Münchener ältere Pinakothek. Über Brouwer schrieb das Beste:

W. von Bode in »Rembrandt und s. Zeitgenossen«. Leipzig 1907.

(E. A. Seemann.)

=Abb. 5. Constantin Meunier (1831--1904), Hafenarbeiter.=

(Bronze-Original vorm Museum in Antwerpen.) Die Abb. nach der

Heliogravüre in C. Lemonnier, Constantin Meunier. Paris 1904.

Constantin Meunier fand viel eher in Deutschland als daheim

Erfolg. Bezeichnend ist's für seine Kunstauffassung, daß er

nichts vom Rompreis wissen wollte.

=Abb. 6. Adriaen Brouwer, Der singende Bauer.=

Originalradierung. (W. 3.) (116×88 ~mm~.)

=Abb. 7. Dierick Bouts, Martertod des heil. Hippolytus.=

Originalgemälde in der Erlöserkirche zu Brügge. Mittelbild

eines dreiteiligen Altars. 91×90 ~cm~. Das Bild gehörte

ursprünglich der Zunft der Kalkbrenner. Es galt früher als

ein Werk des Memling, wird jetzt von einigen, wie Reylaender,

(1911) dem »Meister der Perle von Brabant«, also einem

Schüler des Bouts zugeschrieben. -- Als Landschafter folgt

Bouts der holländischen Anschauung. »Er wird in Löwen zum

Gründer der Landschaftsmalerei.« (Johanna de Jongh). -- Bouts

war ein Holländer (geb. in Haarlem, vor 1410). Vor 1450 läßt

er sich in Löwen nieder. Wird dort Stadtmaler. Starb 1475.

-- »Bouts scheint durch den Tod an der Vollendung des Altars

verhindert worden zu sein.« (Friedländer).

Die Stifter des Altars sind Hippolyte de Berthoz und sein

Weib Elisabeth de Keverwyck. -- Nach Detzel wurde 1551 eine

frühchristliche Statue des Heiligen in Rom aufgefunden.

In der Kunst sein Bild meist nur als stehende Figur. Ein

Martyriumbild (um 1200) soll sich in Breuweiler befinden.

-- Der Artikel »Bouts« im Künstlerlexikon Thieme-Becker

sagt: B. suche durch Schönes und Mildes das Gruseliche zu

paralysieren!?

=Abb. 8. P. P. Rubens, Der Martertod des heil. Livinus.= Nach

dem Kupferstich des Corn. van Caukercken 1657. (575×435 ~mm~)

(B. S. 106, 108 I) Gemalt um 1635. Jetzt im K. Museum zu

Brüssel. Gemalt für die Jesuitenkirche in Gent. Auch Jak.

Burckhardt nennt Rubens einen der allergrößten Meister des

Dämonischen im Menschenleben. Das Gemälde mißt 4,50×3,35 ~m~.

Der Stich zeigt das Bild im Gegensinn.

=Abb. 9. P. P. Rubens, Der enthauptete heil. Justus hält seinen

Kopf.= Holzschnitt Josef Middeleers in Jules du Jardin's

»~L'art Flamand~« Brüssel 1897. Das Bild (1,89×1,32),

jetzt im Museum zu Bordeaux, wurde für die Antwerpener

Klosterkirche der Annunziaten gemalt, weil dort der Kopf des

Heiligen bewahrt wird. Von Rubens Hand nur diese furchtbar

wirkende Figur des jungen Heiligen. Eine ähnliche Darstellung

auf einem Glasgemälde des 16. Jhds. im Chor der Kathedrale

von Beauvais.

=Abb. 10. Pieter Breughel, Der Kindermord zu Bethlehem.=

Originalgemälde im K. K. Hofmuseum in Wien. Vom Künstler

signiert. (Holz, 116×160 ~cm~) Mehr als 150 kaum 15 ~cm~

große Figuren. Aus dem Besitz des Kaisers Rudolf II. Kopien

in den Museen zu Brüssel, Hermannstadt i/S., Würzburg u. a.

=Abb. 11. Rubens, Der Kindermord zu Bethlehem.= Nach dem

Stiche des Car. Dupuis von 1709. (319×465 ~mm~) Das Original

(1,98×3,02 ~m~) in der K. ält. Pinakothek in München,

fast ganz von Rubens Hand (um 1635). Zum Vergleich mit

Breughel noch: B. gibt alles in flämischem Dorf. Rubens

in großer antiker Welt. Die Engel in der Luft bei Rubens

bezeichnend für ein gewisses Schwächegefühl, das Breughel

nicht kannte. Vergl. hiermit Callots Stich, der das ganze in

eine Kulissenstraße verlegt. Der stärkste von allen bleibt

Breughel.

=Abb. 12. Ph. Galle (?) nach Pieter Breughel d. Ä.

»Gerechtigkeit«.= Kupferstich aus der Stichfolge der 7

Tugenden (225×290 ~mm~). Wohl aus Breughels letzter Zeit.

Den großen kulturhistorischen Wert des Blattes erhärtet die

Feststellung Romdahls, daß z. B. die Foltermethode mit dem

Trichter in dem 1553 erschienenen Werke »~Praxis Criminalium

Rerum~« des niederländischen Rechtsgelehrten Josse van

Damhouder als die wirksamste und üblichste empfohlen wird.

Anregungen zu diesem Bild fand Breughel auch in der deutschen

Kunst, z. B. in dem Augsburger Laienspiegel von 1512 u. a.

Doch macht er erst aus einer Illustration eine überlegene

Schöpfung tieferer Bedeutung. Von B. führt mehr als ein Weg

zu Goya.

=Abb. 13. Rubens, Sturz der Verdammten= nach dem Stich von

Richard van Orley nach Zeichnung Jan van Orleys. (Lichtdruck

von Karl Kuhn in München in Bredt: »Häßliche Kunst?«) Das

Original (2,86×2,24) in der K. alten Pinakothek in München.

Um 1615 ganz von Rubens Hand gemalt! -- Ursprünglich in Gent.

1677 an den Herzog von Richelieu verkauft, dann kurfürstl.

bayer. Besitz.

Zu der Zeit, als Rubens dies Bild malte, war, nach dem Bericht

des Lord Dudley Carleton, Antwerpen eine verödete Stadt. In

den Straßen wuchs vielfach Gras »und das ganze Land gleicht

dieser Stadt: eine glänzende Armut, schön aber elend.«

Antwerpen bekam durch den Frieden von Münster den Todesstoß.

Übrigens war Rubens der Hofmaler des Bezwingers Belgiens,

des Al. Farnese von Parma, dann des Statthalters Erzherzogs

Albert.

=Abb. 14. Hans Memling=, Ausschnitt aus der Hölle von M's

»Jüngstem Gericht« in der Marienkirche zu Danzig (80 ~cm~

breit). Der Besteller des Altars war ein Vertreter der Medici

in Brügge! Bezeichnend für den Handelsruf der Stadt, den

Kunstruhm Flanderns. Das Schiff mit dem Bild wurde auf dem

Weg nach Italien von einem Danziger Schiff gekapert. Das

Bild, um 1471 gemalt, wurde 1807 nach Paris entführt. Ist

seit 1816 wieder in Danzig. Lafenestre sagt von Memling, der

vom Mittelrhein stammt, »in Flandern und unter dem Einfluß

flandrischer Maler hat sich Memlings Genie entwickelt.«

Über den großen Ruhm der belgischen Malerei jener Zeit und

Art, zumal in Italien, vergl. Kraus, Gesch. v. Chr. Kunst

II, 2. S. 189. Burckhardt, Cicerone III, 716. ~Fétis, Les

artistes belges à l'étranger~ 1857. Bode, Holl. Malerei.

Floerke, Kunsthandel u. a. Niederländische Gemälde an den

Höfen Italiens damals italienischen weit vorgezogen. Gründe:

Technik, Realismus, Phantasie. Lies dagegen Michelangelos

Gespräche und gegen diesen wieder Schopenhauer, Welt als

Wille I, 3, 48. -- Das erwähnte Brüsseler Bild »Marter des h.

Sebastian« wird von anderen dem Memling jetzt abgesprochen.

Vgl. Frz. Bock, Memling-Studien, Düsseldorf 1900.

=Abb. 15. Hieronymus Bosch, Die Hölle.= Rechter Flügel des

dreiteiligen Bildes: »Der Heuwagen« im Eskurial. Nach 1500

gemalt. Original 1,62 h. -- Nach der Photogravüre in: P.

Lafond »Hieronymus Bosch«. Bruxelles u. Paris. G. van Oest &

Co. Hierzu noch Abb. 24.

=Abb. 16. Alaart du Hameel, »Das Jüngste Gericht«= nach Hieron.

Bosch. Kupferstich. Originalgröße 240×350 ~mm~. Die Laster

als Tiere ist uralte Allegorie. In der deutschen Kunst der

Zeit wirkte kein Blatt auch auf den jungen Michelangelo

mehr als Schongauers: Versuchung des h. Antonius. Flämische

und rein germanische Phantastik sind noch nicht getrennt.

Lionardos »Wollust und Schmerz«, abgeb. in Bredt, »Sittliche

oder unsittliche Kunst?«

=Abb. 17. Gerard David, Die Schindung des ungerechten

Richters Sisamnes.= Original im Städt. Museum in Brügge.

(182×159). Hierüber orientiert gründlichst Eberhard Freih.

von Bodenhausen: Gerard David u. s. Schule. München 1905.

F. Bruckmann. Davids Bild charakterisiert durch seine

Auftraggeber den belgischen Charakter. Ähnliche Aufträge

noch an Rogiers für Brüssel und Bouts für Löwen. David kam

wie fast alle großen in Flandern tätigen Maler aus Holland.

Über die Kunstgeographie der Niederlande orientiert sehr

übersichtlich Friedländer in »Kunst und Künstler« XIII,

2. Heft. Die Individualitäten als Stammesrepräsentanten

aufzufassen -- wie das Heidrich nicht gerade geschickt

versucht hat -- geht nicht an. Aber die Aufträge

unterscheiden sich gar sehr da und dort. David wurde 1484

Meister in Brügge und starb dort 1525. -- Schindungen malten

auch andere -- aber die Bilder des Ribera sogar haben nicht

diese furchtbare Kälte. Anders wirkt auch Riberas Radierung:

Schindung des h. Bartholomäus, durch den fanatischen wilden

Henker, durch die sich abwendenden Zuschauer. Auch dies

Bild ist Zeugnis +französ.+ Kunsträuberei. 1794 nach Paris

entführt, 1815 erst zurückgegeben. -- Unsere Abbildung nach

der Photogr. von F. Bruckmann A. G. München.

=Abb. 18. Dierick Bouts, Martertod des heil. Erasmus.=

Originalgemälde in der St. Peterskirche in Löwen.

Mittelbild eines Flügelaltars. (82×80 ~cm~) »Das Bild ist

nicht urkundlich als Schöpfung des Bouts beglaubigt. Die

Durchbildung aller Einzelheiten, namentlich der Köpfe und

Stoffe von einer frommen Gewissenhaftigkeit sondergleichen.

Die peinliche und mit krasser Deutlichkeit geschilderte

Marterszene steht in eigentümlichem Widerspruch zu der

stillen Würde, die Bouts über diese, wie über alle

Gestalten breitet.« (Friedländer). -- Vergleiche hiermit

den Kupferstich des unbekannten »Meisters des Erasmus«, den

Lehrs im Katalog der Kupferstiche des German. Museums (Nr. 8)

zuerst veröffentlichte.

Die Reliquien des h. Erasmus, eines der 14 Nothelfer, ruhen in

Gaeta. Das Bild, durch den Dachstuhlbrand der Peterskirche

gefährdet, wurde durch deutsches Militär in das Löwener

Rathaus übertragen und steht noch heute unter der Aufsicht

des Bürgermeisters von Löwen.

=Abb. 19. »Brügger Meister der Ursulalegende«. Tod der heil.

Ursula.= (Ein Bild von 8 Szenen). Original in Brügge (48×30

~cm~) im Kloster der schwarzen Schwestern. Der Meister war

um 1470--90 viel für florentinische Kaufleute tätig. Das

Bild ist vor dem Ursula-Schrein Memlings gemalt. -- Über die

sehr kriegerischen Volksübungen berichtet Mokes: ~Moeurs et

usages, Fêtes et solennités des Belges~. (Brüssel.)

=Abb. 20. Ambros. Francken, Martertod der heiligen Crispinus

und Crispinianus.= -- Original im Museum zu Antwerpen

(2,69×2,17). Ursprünglich für den Altar der Schuhmacher

(deren Schutzpatrone die Heiligen sind) in Antwerpen gemalt.

Francken -- kein großer Maler, starb 1618.

=Abb. 21. Antoine Wiertz, Das Erwachen des Scheintoten.=

=Abb. 22. Ders., Die Ohrfeige einer belgischen Dame.= Beide

Bilder im Wiertz-Museum zu Brüssel. Wiertz starb, wahnsinnig,

1865.

=Abb. 23. Felicien Rops=, Titelbild zu Péladans »~Vice

suprême~« Paris 1884. P. schildert den Tod der lateinischen

Rasse; Barbey d'Aurevilly sagte über Peladan: Er trage in

sich die Dinge, die von allen am meisten gehaßt werden, den

Aristokratismus, die Originalität.

=Abb. 24. Hieronymus Bosch, Der Heuwagen.= Hauptbild des

Triptychons im Eskurial. (1,62×1,05.) Hierzu: Lafond,

Hieronymus Bosch, und Dollmayer, Bosch und die Darstellung

der vier letzten Dinge. Jahrbuch der K. K. Sammlungen des ah.

Kaiserhauses XIX. (Wien.)

=Abb. 25. Hieronymus Bosch, »Die Freuden der Welt«.= Mittelteil

eines Triptychons. Originalgemälde im Eskurial (2,20×1,95).

Wohl aus Bosch's letzten Jahren. Varianten des Bildes in der

Sammlung Cardon in Brüssel und in der Sammlung Moreno, Paris.

=Abb. 26. James Ensor, Der Krieg.= E. geb. 1800 in Ostende.

Sein Vater Engländer, seine Mutter eine Belgierin. Wie

Schongauer und Bosch, sind Ensor und Kubin Rasse- und

Zeitverwandte. E. ist auch als Kolorist höchst interessant.

P. Buschmann nennt ihn in jeder Hinsicht eine der

differenziertesten und originellsten Persönlichkeiten der

heutigen belgischen Schule. Die Abb. nach dem Werke: Herbert

von Garvens-Garvensburg: James Ensor. Hannover 1913. Ludwig

Ey.

=Abb. 27. P. Breughel d. Ä., Der Triumph des Todes.= Original

im Pradomuseum, Madrid. (Holz: 117×162 ~cm~.) Gemalt um

1565/66. Maeterlinck: »~attristé par les malheurs de la

patrie il sentait déja sa fin prochaine~«. Kopien des Bildes

in der Galerie Fürst Liechtenstein in Wien und beim Baron

de Fierlant in Brüssel (? von Vinckboons). Nach Karl Kuhns

Lichtdruck (München 1912.)

=Abb. 28. P. Breughel d. Ä., Ein Dorf in Brabant.= Kupferstich

im Verlage H. Cocks. Blatt 11 aus der Folge: »~Praediorum

villarum~«. (Bastelaer, ~Les estampes de B.~ Brüssel 1908.

44.) Den flandrischen Charakter in den Landschaften Boschs,

des Vorläufers Breughels, rühmt Lafond.

=Abb. 29. Pieter Breughel d. Ä., Das Hochzeitsmahl der Bauern.=

Originalgemälde im K. K. Hofmuseum in Wien. (114×163

~cm~.) Mehr als 40 Figuren von etwa ⅓ ~m~ Größe. Das Bild

befand sich schon 1659 in der Galerie des Großherzog

Leopold Wilhelm. Es geht hier bei aller nicht gefühlten

Unbequemlichkeit kulinarisch so üppig zu, daß die Schüsseln

gleich auf ausgehängten Türen herbeigetragen werden.

Obwohl doch das Derbe zu betonen nahegelegen hätte, zeigt

sich Breughel gerade hier als ein Maler frei von jeder

Übertreibung. Er ist hier nur Tatsachenschilderer. Seine

Bauernmalerei -- also auch die der Kirmessen -- ist frei von

jeder Karikatur, von jeder sozialen Tendenz, frei von jeder

Sentimentalität. Man darf nicht vergessen, wie groß der

Abstand des jüngeren Teniers vom älteren Breughel. Vgl. R.

van Bastelaer und de Loo, P. Bruegel d. Ä.

=Abb. 30. Pieter Breughel d. Ä., Blinde, Blinde führend.=

Das Gleichnis nach Matth. XV, V. 14. Originalgemälde im

Nationalmuseum zu Neapel. Signiert Bruegel ~M. D. LXVIII.~

-- (86×154 ~cm~.) Das gleiche Thema malten schon Massys und

Bosch vor Breughel. Aber mit Recht nennt Bastelaer dies

Bild das höchste Kunstwerk B.'s; Romdahl stellt es neben

Lionardos Abendmahl. Der Sinn dieser monumentalen Schöpfung

hat doppelte Tiefe: Es ist eine Allegorie auf die verworrene

Zeit -- es verbildlicht den ewigen Wahn in uns nicht sehenden

Menschen, die doch wähnen Ziele zu sehen und führen zu können.

=Abb. 31. Miniatur aus dem Turiner Gebetbuch.= (Die Landung

Wilhelms VI. von Bayern-Straubing-Holland. 1416.) Über die

Landschaft am besten: Dr. Johanna de Jongh, Die holländische

Landschaftsmalerei. Deutsch von Dr. Jeltes bei B. Cassirer,

Berlin 1905.

=Abb. 32. Jan van Eyck, Adam und Eva.= 2 Flügelbilder vom

Genter Altar. Die Originale im K. Museum in Brüssel

(168×38 ~cm~). Diese Bilder gaben dem ganzen Altar den

volkstümlichen Namen. Das Bild wurde von Anfang an als

Wunderwerk angestaunt. Es wurde nur hohen Herren enthüllt

oder gegen schweres Trinkgeld gezeigt. -- Die Inschrift,

die Hubert größer nennt als Jan, ist aber doch eines der

häufigen Beispiele aus der Kunstgeschichte, die die Größe der

eigentlichen, starken Neuerer selten voll gewürdigt findet.

-- Vom Genter Altar in Gent jetzt nur die Mittelbilder von

Huberts Hand. Die anderen Originale in Berlin und Brüssel.

Die Bilderstürmer hätten das Werk beinahe zerstört. Kaiser

Josef II. war entrüstet über die zwei nackten Gestalten. Sie

wurden nun verschlossen gehalten. Die Mitteltafeln wurden --

wie so vieles -- 1794 von den Parisern entführt. 1816 erwarb

das »barbarische« Berliner Museum die 6 Flügel rechtmäßig für

410000 Frcs. von einem Privatmann. -- Das erste Lobgedicht

nennt den Altar treffend: »eine Himmelsgabe für das teure

Flandern«. -- Um das naturalistisch-oppositionelle für die

Zeit zu empfinden, vergleiche man diese Akte mit denen der

Brüder Limburg in den »~Très riches heures du duc de Berry~«.

Auch dort wohl der modische dicke weibliche Bauch. Aber die

Bewegungen sind geziert, die Glieder zierlich. Alles ist

dort gerade im Akt auf den höfischen, verfeinerten Geschmack

berechnet.

=Abb. 33. Meister von Flémalle, Madonna.= Original in der

Sammlung de Somzée in Brüssel. (62×49 ~cm~.) (Flémalle in

der Provinz Lüttich.) Der Meister war um 1432 in Arras und

Brügge tätig. Vgl. Friedländer, Die Ausstellung in Brügge

1902 (München 1913). -- Eine Abb. der Madonna Foucquet's in

Woermann, Geschichte der Kunst II.

=Abb. 34. Ausschnitt aus dem Altar »des Bürgermeister Rollin«

von Jan van Eyck.= Die Landschaft ähnelt der bei Lüttich (F.

Rosen, Die Natur in der Kunst, Leipzig 1903.) Original im

Louvre, Paris. -- Rosen findet in den Landschaften des Bouts

(München) die Felsen von Marche aux Dames an der Maas.

=Abb. 35. Die Maas bei Dinant.= Radierung von D. Y. Cameron

(1907). (R. 390.) (Originalgröße 165×377 ~mm~.) »Das Maastal

ist der klassische Boden der flandrischen Kunst« (Crowe und

Cavalcaselle). Die englischen modernen Radierer, Whistler,

Cameron, Brangwyn haben sich sehr viel Motive aus Belgien

geholt. Von neueren deutschen und holländischen Künstlern

sind mir belgische Landschaften in Erinnerung von Achener,

Anderson, von Bartels, Bertlings, Beyer, Eder, Gaisser,

Großmann, von Hayek, Heesch, von Leuxden, M. Liebermann,

Lynch von Town, Mackowsky, Oppler, Orlik, Paulsen, Schrag,

Schülein, Schumacher, Seyler, Storm vans Gravesande,

Westendorf. -- Die Mappen der belgischen Radiervereine

geben eine Fülle gerade jener so feuchten Landschaften

zwischen Schelde und Meer wieder, die der Schauplatz unserer

Schlachten. Der moderne belgische Maler-Radierer Lüttichs ist

Maréchal.

=Abb. 36. Quinten Massys und Joachim Patinier, Die Versuchung

des h. Antonius.= Original im Prado, Madrid. Patinier ist

in Dinant geboren. Massys kam von Löwen nach Antwerpen.

-- Photographie von F. Bruckmann A.-G., München. -- Eine

Porträtlandschaft: Das Schloß Walzin an der Lesse 7 ~km~ von

Dinant auf dem Bild in der Liller Galerie: Predigt Johannes

des Täufers von Pieter Coecke.

=Abb. 37. P. P. Rubens, die flämische Kirmes.= Original im

Louvre, Paris. Um 1636 ganz von Rubens eigener Hand gemalt.

(149×261 ~cm~.) --

=Abb. 38. Pieter Breughel d. Ältere, Der Tanz unterm Galgen.=

Originalgemälde im Großherzogl. Museum in Darmstadt. (45×50

~cm~.) Gemalt i. J. 1568, im Alter von etwa 43 Jahren, ein

Jahr bevor der Unsterbliche starb. Van Mander erzählt, der

Künstler habe dies Bild seiner Frau vermacht mit dem Hinweis

auf die schwatzhafte Elster auf dem Galgen, die all die

bösen Zungen bedeutet, die er zum Teufel wünscht. -- Die

wundervolle Landschaft, ausnahmsweise nicht so breit, nimmt

wieder alte alpine Erinnerungen auf, sie gab dem Sohne den

stärksten Einfluß für dessen ganz andere landschaftliche

Gabe. -- Freier ist Rubens flandrische Landschaft beim

Schlosse Steen, zwischen Mecheln und Vilvorde, in der

Nationalgalerie London.

=Abb. 39. Pieter van der Heyden, Die St. Georgs-Kirchweih

nach Pieter Breughel d. Älteren.= Kupferstich (340×530

~mm~.) Nach dem Original in der K. Graphischen Sammlung,

München. (Bastelaer 207 I.) Sehr instruktiv für die Art

der Kirchweihbelustigungen und die volkstümlichen Übungen

und Spiele in Flandern. Abgesehen von den hier nur etwas

derberen Vergnügungen, die dem Volk überall angehören, sind

bezeichnend für flämische Kirmessen: der Schwerterreigen

und das Bogenschießen nach einem auf dem aufrechten

Windmühlflügel befestigten Ziele (auf dem Hügel, ganz

hinten links). Eine Erklärung aber zu den grotesken, teils

maschinell wirkenden Figuren des Bosch und des Breughel,

(auch noch des Callot), geben die etwas karnevalistischen

Aufführungen »Wie St. Georg den Drachen tötet« in der Mitte

des Bildes vor der Kirche. -- Die primitive Bühne, auf Tonnen

aufgebaut, läßt die großartige, theatralisch-wirkliche Welt

in den Höllen des Bosch, mit ihren brennenden Burgen, ihrem

illusorisch plastischen Kulissenwerk besonders stark fühlen.

Der Künstler steht als Realist auf dem Boden seiner Zeit,

als Phantast eilt er ihr weit voraus -- in die Zeit des

Illusions-Theaters, das überwunden werden soll. -- Wie St.

Martin seinen Mantel teilt, wie David den Goliath besiegt u.

v. a. wurde auf den Kirmessen drastisch gezeigt.

=Abb. 40. Felic. Rops, Frühling.= Lithographie. (Mascha 176)

(412×588 ~mm~).

=Abb. 41. David Teniers d. J., Das Fest im Hofe des

Wirtshauses.= Originalradierung. (195×233 ~mm~).

=Abb. 42. Adr. Brouwer, Das Gefühl. (Der Dorfbader.)= Original

in der K. ält. Pinakothek, München. (Holz 23×20 ~cm~.)

Nach der Tonlithographie des Rep. Strixner im »K. bayer.

Gemäldesaal zu München und Schleißheim«. -- Hofsteede de

Groot, der Brouwer unter die holländischen Maler aufgenommen,

sagt doch, daß Holland um 1623 eine eigentliche Bauernmalerei

noch nicht gekannt habe, während in Flandern der alte

Breughel bahnbrechend wirkte. Brouwer war in Antwerpen seit

1631.

=Abb. 43. Adriaen Brouwer, Streitende Bauern beim Kartenspiel.=

Holzschnitt von Middeleer nach dem Originalgemälde in der

K. Galerie in Dresden (26,5×34,5). -- Die Kirche sagte:

»Häßlich ist das Böse«. Der Genius der germanisch-nordischen

Kunst antwortet darauf: Das Übel aller Kunst fängt an

mit der Herrschaft des konventionell Schönen. Über den

beständigen Kampf der Künstler gegen diese Herrschaft habe

ich ausführlich in m. Buche »Häßliche Kunst?« berichtet.

=Abb. 44. Jan Sanders van Hemessen. Lockere Gesellschaft.=

Original im Gh. Museum zu Karlsruhe (81×110). Hemessen bei

Antwerpen geboren (um 1504) zog später nach Haarlem († 1566).

Das Lob seiner Zeitgenossen als »holländischer Raffael«

trifft die üble Zwiespältigkeit seiner Kunst. Es gibt kein

schlechteres »Lob« für einen Nordischen.

=Abb. 45. Joos van Craesbeeck= († 1654 in Brüssel). =Die

Kurtisane.= Original im Museum zu Lille. (Holzschnitt von

Middeleer.)

=Abb. 46. Jakob Jordaens= († 1678). =Der König trinkt.= Nach

dem Stich des P. Pontius »Der Bohnenkönig«.

=Abb. 47. Derselbe: Wie die Alten sungen so zwitschern die

Jungen.= Original im Museum Antwerpen (120×192).

=Abb. 48. Richard Earlom, Schabkunstblatt nach Franz Snyders'

»Fischmarkt«= (Earlom 1822 †.) »Keine Schule, auch die

holländische nicht, hat das animalische Leben so künstlerisch

verherrlicht, wie die flämische. Deren große Kämpfe, Jagden

und Stilleben sind unvergleichliche Triumphe malerischer

Kühnheit und Lebendigkeit.« (~Wauters, La peinture

flamande, Paris 1883.~) -- Neben Rubens' Schlachten ist die

Anghiari-Schlacht ruhig.

=Abb. 49. Josef Lambeaux, Die Freude.= (Marmor.) Lambeaux

geb. 1852 in Antwerpen, ist bekannt als Schöpfer des

»Brabo«-Brunnens auf dem Rathausplatz in Antwerpen.

=Abb. 50. Frank Brangwyn, Die St. Nikolauskirche in Dixmuiden.=

Radierung. Nach dem Original in der K. Graphischen Sammlung,

München.

=Abb. 51. D. Y. Cameron, Der Belfried von Brügge.= (1907.)

Radierung und Kaltnadel (380×134 ~mm~.) (N. 392.)

=Abb. 52. Jerome Duquesnoy d. Ä. Das Manneken pis in Brüssel=

(1619). -- Jerome D. ist der Vater des berühmten Franz D.,

dessen Arbeiten in St. Peter in Rom, dessen Putti in aller

Welt bekannt waren. -- Diese Brunnenfigur wäre nach ihrem

uralten Motiv gewiß kein besonderes Charakteristikum für

irgendein Volk. Auch die prüdeste Stadtgemeinde würde keinen

Anstoß dran nehmen, jede sie gern aufstellen. Was aber

doch dies Buberl von Duquesnoy gerade zu einer Idealfigur

flämischen Volkscharakters macht, das ist die Art, wie sie

von allen Ständen des Volks als Wahrzeichen durch alle

Jahrhunderte in guten und bösen Tagen verehrt und geschmückt

wurde. Sie ist mit Recht von J. W. Wolf (Niederländische

Sagen. 1843) die populärste Statue von Europa genannt worden.

An Festtagen mit Blumen und Kränzen geschmückt, von allen

fürstlichen Besuchern Brüssels mit Kleidern beschenkt, hat

sie sogar Testatoren gefunden, die Summen zur Erhaltung,

Summen für die Anstellung eines besonderen Pflegers

gestiftet. -- Alle politischen Wandlungen hat das Buberl zur

Schau tragen müssen. Ja Kurfürst Maximilian schenkte ihm 1698

das Ritterband seiner Orden und Ludwig XV. schmückte es mit

dem Ordenskreuze des h. Ludwig. 1831 bekam es die Uniform der

Brüsseler Bürgergarde. -- Öfters geraubt von fremden Truppen

hat man es immer wieder zu finden gewußt. -- Kann eine

harmlose Statue nur wegen eines guten alten echt menschlichen

Motivs des Wasserspendens mehr verehrt werden? Das Manneken

pis ist ein Charakteristikum des lebensfrohen belgischen

Volkes, dem kein anderes sich vergleichen läßt. -- Auch wir

wollen ihm als köstlichen flämischen Volks-Genius nie Respekt

versagen.

=Abb. 53.= (Auf Seite 8.) =H. Paillard, Der große Platz in

Brüssel.= Holzschnitt.

=Abb. 54.= (Auf dem Umschlag.) =Chr. Jegher nach Rubens=,

Holzschnitt (605×360). Herkules tötet Neid und Zwietracht.

(Nach dem Deckengemälde in Whitehall in London.)

Anmerkungen zu den Abbildungen:

Durch ein Versehen blieben nach notwendigem Umstellen von Bildern im

Text in den Anmerkungen falsche Numerierungen stehen:

Abb. 4 im Text ist in den Anmerk. Abb. 6

" 5 " " " " " " " 4

" 6 " " " " " " " 5

" 7 " " " " " " " 13

" 8 " " " " " " " 9

" 9 " " " " " " " 7

" 10 " " " " " " " 8

" 11 " " " " " " " 10

" 12 " " " " " " " 11

" 13 " " " " " " " 12

" 37 " " " " " " " 38

" 38 " " " " " " " 37

Weitere Anmerkungen zur Transkription.

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten. Der Schmutztitel

wurde entfernt.

Die Abb. 54 (Umschlag) fehlt.

Korrekturen:

S. 9: Kapitelüberschrift ergänzt

Belgiens Volkscharakter -- Belgiens Kunst

S. 36: Einsetzen → Entsetzen

sie auch sonst sein mögen, kaum ein leises {Entsetzen}

Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst · 第 24 / 24 题