Kupferstich nach P. Breughel.]

Wild und sinnlich sind auch die Kirmessen des Breughel, des Vinckboons,

des Jordaens. Aber nur Rubens prägt und stilisiert das Bild, das

hundert andere gemalt, zu einem Rassezeichen, zum Signum seines Volkes

voll künstlerischer Klarheit und Kraft.

In der Darmstädter Galerie hängt ein Bild Breughels, das vielleicht am

ehesten neben die Rubenssche Kirmes gehört. Wie die Bauern sogar noch

unterm Galgen tanzen. (Abb. 37.)

Bei Rubens meint man, das müßte so sein. Bei Breughel erlebt man erst

dies wundervolle »Und doch, und doch« der uralten flämischen Lebenslust

trotz aller Widerwärtigkeiten des Daseins.

Rubens Kirmes ist tatsächlich Signum -- Breughels Bild aber ist die

Allegorie eines Malerphilosophen sondergleichen.

Beide Künstler sind wahr und überzeugt vom Werte ihrer Art.

Rubens zumal ist selten so wahrhaftig, so mitfühlend, so ganz derselbe

wie die, die er malt. Der Hofmann konnte ganz Bauer sein.

Bei den Märtyrerszenen ist er lieblos -- hier wird seine Liebe auch

ohne »Theater« Leben! Ja die Übertragung ins »Stilvolle« kommt durch

Verzicht auf jeden szenischen Apparat.

[Illustration: Abb. 40. +Fel. Rops+, Der Frühling im Städtchen.]

Die +St. Georgskirchweih des Pieter Breughel+ (Abb. 39) will etwas

anderes sein. Eine recht getreue Erinnerung an übermütige Stunden. Alle

Belustigungen, alle sportlichen Veranstaltungen, alle Aufführungen

werden gezeigt. So ein Stich in der Bauernstube an die Wand genagelt,

hat jeden echten Flamen die Tage bis zur nächsten Kirchweih

herbeisehnen lassen. Wie's da zuging, das war Vorbild für den nächsten

Freudenrausch.

Rops, der Wallone, hat einmal »den Frühling« gezeichnet -- (Abb. 40),

nicht wie ein Ludwig Richter, nicht wie ein Schwind oder Thoma. Nein,

ganz wie ein echter alter, von niederländischer Volkstümlichkeit

strotzender Belgier.

Hier wird die Schilderung freilich witzig -- aber im einzelnen und

im ganzen ist's das alte lustige Getriebe, sind's die alten feisten

Breughelschen Gestalten, die sich necken, lieben, schlagen, drehen.

Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst · 第 21 / 24 题