Die Schlacht, die nie aufhören wird. --

Wie im »Kindermord« hat der Schrecken etwas Erstickendes.

In geschlossenen, dichten Reihen schieben sich hinter Schildern wie

Sargdeckeln die Bataillone des Todes vor. Viel kleiner -- und ganz

zerrissen die Schar der Menschen. Die Karren des Todes sind schon voll

bleicher Schädel. -- Weiter hinten tobt in Schluchten eine andere

Schlacht. Nirgends Sicherheit vorm Tod.

Am Horizont rauchende Städte. Im Meer untergehende Schiffe. Auf

der großen Richtstätte gehen Henker ihrer Arbeit nach. Gugelmänner

bestatten die Toten. Alles kahl und kalt. Vorn aber liegt der Kaiser

gleichgültig auf seinem Purpur -- und noch spielt ein Liebhaber im

Schoße einer Buhlerin die Laute.

Spiel und Grausen. Tod und Karneval. Wahrheit und Gleichnis.

In Pisa und Palermo, deren »Todestriumphe« der niederdeutschen Kunst

näher stehen als ähnliche Bilder in Italien, sind die Allegorien

illustrative Paraphrasen alter enger literarischer Themen. Frisch

hat Breughel erfunden, nichts ist Illustration. Breughels Kampf

ist ohnegleichen. Und das Chaotische der Komposition ist auch vom

andern Flamen Rubens bewußt oder unbewußt im »Sturz der Verdammten«

aufgegriffen.

Wenn nach Breughel auch kein Rubens gekommen wäre, Bilder so starker

Art bestimmen die Charakterzeichnung der Rasse.

In Breughel feiert die germanisch-flämische Kunst Höchstes:

»Uns ist nichts häßlich. Verhaßt ist uns nur das Leblose.«

Die tiefere Bedeutung dieser germanischen Begabung wird in Breughels

Werk erschlossen.

Sein Vorgehen muß auch uns Beispiel und Schild bleiben.

Denn wieviel liegt in solchem Bekenntnis!

Der Reichtum aus solcher Anschauung erdrückt allen ästhetischen

Formalismus, er erschließt künstlerische Gebiete von nie geahntem, nie

auszuschöpfendem Erträgnis vom goldnen Überfluß der Welt.

[Illustration: Abb. 27. +Pieter Breughel+, Der Triumph des Todes.

Lichtdruck von Karl Kuhn, München.]

Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst · 第 17 / 24 题