erfahren können, wenn sie sich nur als Punkte darstellen, so daß
also keinerlei besondere Merkmale an ihnen zu erkennen sind, durch
die man sie etwa mit unserer Sonne in Vergleich stellen könnte?
Wieder jenes Wunderinstrument ist es, das wir uns aus einem einfachen
lichtbrechenden Prisma zusammengesetzt haben, das Spektroskop, das den
Forscherblick auch hier bis in das innerste Wesen der Materie trägt,
die sich doch in ganz unausmeßbar großer Entfernung von uns befindet.
Sind die Sterne für uns auch Punkte, so bestehen doch ihre Strahlen aus
einem vielverschlungenen Gefüge von Lichtakkorden, die uns die Art der
dort glühenden Stoffe verraten, so wie wir es bei der Sonne gesehen
haben.
[Illustration: Sternspektren.]
Da tritt nun die wunderbare Tatsache hervor, daß die größte Zahl
der daraufhin untersuchten Sterne ein Spektrum hat, das in allen
seinen Hunderten von Linien mit dem der Sonne völlig übereinstimmt.
Dies bedeutet also, daß dieselben Stoffe unter denselben physischen
Bedingungen jene Sterne zusammensetzen, wie sie unsere Sonne und auch
unsere Erde aufgebaut haben. Das ganze Universum ist, wie sein Name
es sagt, aus _einem_ Wurf entstanden, aus ein und derselben Materie.
Oben sind einige Sternspektren abgebildet. Jede Linie ist erzeugt von
einem dort in Gasform glühenden Stoffe. Das oberste gehört einem jener
»_Sonnensterne_« an, das zweite ist das Sonnenspektrum selbst. Man
sieht, wie fast alle Linien sich in beiden Spektren untereinander
fortsetzen, nur mit verschiedener Stärke.
Nun gibt es freilich auch Sterne mit andern Spektren, anderer
chemischer und physikalischer Beschaffenheit. Man hat sie
dementsprechend in drei spektroskopische Klassen geteilt. Zu der ersten
Klasse gehören die ganz weißen Sterne, nach ihrem hauptsächlichsten
Vertreter auch die Siriussterne genannt. Rigel, Wega, Spika gehören zu
ihnen. Man kann aus ihrem Spektrum ersehen, daß sie noch ganz besonders
heiß sein müssen, heißer als die Sonne. Sie haben sehr große heiße
Atmosphären um sich gebildet, die namentlich aus Wasserstoff und Helium
bestehen, wie die Chromosphäre der Sonne. Im Falle dieser Sterne ist
sie aber so mächtig, daß die vielleicht auch hier darunter liegende
Photosphäre mit ihrem Spektrum metallischer Gase nicht oder nur sehr
schwach durchdringen kann. Es zeigen sich also hauptsächlich nur die
Linien jener Chromosphärengase. Bei der zweiten Spektralklasse aber
treten nun die Metallinien deutlich hervor, wie bei der Sonne. Das
Licht dieser Sterne zeigt einen Stich ins Gelbliche, dadurch andeutend,
daß die hellste Weißglut bei ihnen schon vorüber ist. Auch die Sonne
hat ein etwas gelbliches Licht. Zu diesen Sonnensternen gehört Arkturus
im Bootes, Capella im Fuhrmann und Aldebaran im Stier.
Die dritte Klasse endlich enthält die roten Sterne. Sie sind schon
zur Rotglut herabgesunken. Die beiden untern Spektren unseres Bildes
gehören diesem Typus an. Man sieht, wie hier viele dunkle Linien und
Bänder das Spektrum durchziehen, was eine starke Lichtabsorption in
ihren erkaltenden Atmosphären andeutet. Zu ihnen gehört Beteigeuze im
Orion, dessen rötliches Licht ohne weiteres auffällt.
Wir schlossen hier aus der Farbe der Sterne allein auf ihren
Hitzegrad. Es wäre nun interessant zu erfahren, ob vielleicht neben
den Lichtstrahlen trotz der ungeheueren Entfernung auch noch eine
Wärmestrahlung der Sterne direkt wahrzunehmen sei. In der Tat hat man
eine solche bei einigen Sternen nachweisen können, aber in neuerer
Zeit hat auch hier das Spektroskop tiefere Einblicke gestattet,
indem es auf Grund gewisser Untersuchungen von Lummer und Pringsheim
über die Beziehungen der Lichtverteilung im Spektrum zur Temperatur
des leuchtenden Körpers sogar Grenz-Zahlenwerte der Temperatur der
Fixsterne festzustellen gestattete. Man fand so für Sirius eine
Temperatur zwischen 6000 und 8000 Grad, er ist etwa 2000 Grad heißer
als es sich nach derselben Methode für unsere Sonne ergibt. Wega wäre
danach ungefähr ebenso heiß wie die Sonne, die Temperatur des Arkturus
läge zwischen 2500--2700 Grad, ebenso die des Aldebaran und die des
rötlichen Beteigeuze zwischen 2800 und 3200 Grad, das ist ungefähr die
Temperatur einer elektrischen Bogenlampe.
Unter jenen roten Sternen befinden sich nun viele, deren Licht
Schwankungen unterworfen ist, sogen. _veränderliche Sterne_. Es
gibt davon sehr verschiedene Typen, die ihren Lichtwechsel offenbar
auch sehr verschiedenen Ursachen verdanken. Aber jene roten Sterne
unter ihnen zeigen alle einen gleichen Charakter. Der Stern _Mira_,
der »Wunderbare«, im Walfisch, ist der Hauptvertreter dieser Klasse
offenbar erkaltender Sonnen. Zuzeiten kann dieser Wunderbare zu den
hellsten Sternen zählen, er strahlt dann gelegentlich in 1. bis 2.
Größe. Aber dieser Glanz hält nur wenige Wochen an, dann sieht man ihn
schwächer und schwächer werden, bis er etwa siebzig Tage nach seinem
Maximum für das bloße Auge verschwindet und dann sieben Monate lang
unsichtbar bleibt. In Fernrohren freilich kann man ihn noch weiter
sehen, aber er nimmt doch bis zur 9. bis 10. Größe ab. Nun wächst sein
Licht wieder, und zwar viel schneller als es abgenommen hatte, so
daß von seinem Wiedersichtbarwerden für das bloße Auge bis zu seinem
höchsten Glanz nur noch vierzig Tage verfließen, gegen siebzig bei der
Abnahme. Im ganzen dauert die Periode von einem Maximum zum andern
durchschnittlich 333 Tage oder elf Monate. Aber alle diese Zeiten
werden nur ganz ungefähr innegehalten, der Stern zeigt nichts von der
sonst an den Himmelserscheinungen so sehr bewunderten astronomischen
Pünktlichkeit. Auch sein Glanz kommt nicht immer wieder auf die
gleiche Höhe, er erreicht manchmal nur die vierte Größe, so daß er
ganz unscheinbar bleibt. Dies alles interessiert uns hier besonders.
Wir erinnern uns, daß auch die Fleckenperiode der Sonne ganz ähnliche
Erscheinungen darbietet, wenn auch in sehr abgeschwächtem Maße. Auch
bei der Fleckenperiode ist die Zeit vom Minimum zum Maximum wesentlich
kürzer als die Rückentwicklung, und auch bei der Sonne werden alle
diese Zeiten nicht genau innegehalten. Auch die Größe der Bedeckung
mit Flecken schwankt ja bekanntlich bei jedem Maximum und jedesmal
nach drei Perioden von je 11¹/₃ Jahren; nach 34--35 Jahren treten
also, wie wir sahen, ganz besonders viele Flecke auf. Auch bei Mira
glaubt man eine größere Periode von 40 Jahren erkennen zu können. Die
Sonne ist demnach ein veränderlicher Stern vom Miratypus und deshalb
Mira wahrscheinlich eine Sonne, die sich jedesmal nach elf Monaten mit
sehr vielen Flecken überzieht. Wir haben eine neue Parallele gefunden
zwischen jenen Sternen in der Unendlichkeit und unserer Sonne, die
uns im Vergleich zu ihnen geradezu handgreiflich nahesteht. Mira aber
ist für uns ein Zukunftsbild der Sonne. Es werden Zeiten kommen, wo
ihr Licht und all ihre strahlende Kraft in derart erschreckendem Maße
schwanken wird, zum sicheren Verderben alles Lebendigen.
Und noch eine sehr bezeichnende Ähnlichkeit findet sich zwischen der
Sonne und diesen Mirasternen. Wenn letztere in ihrer Glanzperiode sind,
zeigt ihr Spektrum sehr deutlich helle Wasserstofflinien, dieselben,
die die Protuberanzen, jene riesigen Flammen, aufweisen, die aus
dem Innern der Sonne hervorbrechen und während des Fleckenmaximums
besonders zahlreich und groß sind. Ungleich heftiger als in unserer
Sonne kämpfen also dort in den Mirasternen jene widerstreitenden Mächte
miteinander, auf der einen Seite die unaufhaltsam vorschreitende Kälte
des Weltraums, die alle Sonnen zum Erlöschen zu bringen trachtet,
und auf der andern die immer neue Wärme erzeugende Wirkung der
Massenzusammenziehung, die Verdichtungsarbeit, die, sich im Innern
sammelnd, von Zeit zu Zeit in mächtigen Ausbrüchen dem vordringenden
Verderben Widerstand leistet.
Mira war der erste dieser Art von Sternen, den man entdeckte. Der
Danziger Ratsherr _Hevel_, der zugleich ein trefflicher Astronom war
und eine der bestausgerüsteten Sternwarten seiner Zeit besaß, erkannte
den merkwürdigen Lichtwechsel um die Mitte des 17. Jahrhunderts, und
seither zeigt der Stern immer die gleichen Eigentümlichkeiten.
Inzwischen sind aber noch Hunderte[4] von ähnlichen veränderlichen
Sternen von diesem Typus entdeckt. Merkwürdig ist es, daß diese meist,
wenn sie überhaupt eine Periode verraten, ihr Licht innerhalb 300--400
Tagen wechseln.
Aber einige von diesen Sternen sind überhaupt völlig unregelmäßig. So
zum Beispiel der Stern ~R~ in der Krone. (Man pflegt die veränderlichen
Sterne durch große Buchstaben von ~R~ ab zu bezeichnen.) Dieser Stern
bleibt oft jahrelang unveränderlich, um dann ziemlich langsam ab- und
hierauf wieder zuzunehmen. So schwankt er zwischen 6.5. und 12. Größe.
Irgend eine Periode ist an ihm nicht zu entdecken.
Wieder anders verhält sich ~U~ Geminorum. Auch dieser Stern bleibt
meistens auf der gleichen sehr geringen Lichtstärke (etwa 13. Größe);
diese aber steigt in ganz unregelmäßigen Zwischenräumen mit großer
Schnelligkeit oft innerhalb 24 Stunden um mehrere Größenklassen,
während er viel langsamer wieder abnimmt.
Alle diese Sterne verraten durch ihr eigentümliches Verhalten offenbar
physische Umwälzungen auf ihrer Oberfläche. Diese ist in einigen Fällen
vielleicht schon mit festen Schlacken überzogen, durch die gelegentlich
die feuerflüssige Masse wieder ausbricht.
[Illustration: Lichtkurven veränderlicher Sterne:
I. Algol. II. δ Cephei. III. β Lyrae.]
Auf einer ähnlichen vorgeschrittenen Stufe der Abkühlung befindet sich
wahrscheinlich eine andere Klasse der veränderlichen Sterne, die ihr
Licht in viel kürzeren Zwischenräumen wechseln als die Mirasterne.
Diese andern Sterne, vom _Lyratypus_, nach dem zweiten Sterne (~Beta~)
in der Leier so benannt, zeigen einen viel regelmäßigeren und ziemlich
pünktlich innegehaltenen Lichtwechsel, der aber mehrere verschieden
starke Minima und Maxima zu haben pflegt. Jener obengenannte
Hauptvertreter der Gruppe hat eine Periode von 12 Tagen 21 Stunden 24
Minuten und einer langsam veränderlichen Zahl von Sekunden. Die hier
oben abgebildete Kurve zeigt den Charakter des Lichtwechsels mit den
beiden Nebenmaxima. Man kann die Erscheinung kaum anders erklären, als
daß sich auf diesen Sternen vom Lyratypus schon eine feste Oberfläche
gebildet hat, die teilweise bis unter Rotglut abgekühlt ist, während
an andern Stellen vielleicht noch große glühend-flüssige Meere von
Lava die Oberfläche bedecken. Indem nun die erstarrende Sonne sich um
ihre Achse dreht, wendet sie uns in regelmäßigen Zwischenzeiten ihre
leuchtenden und ihre dunklen Oberflächenteile zu. Die unregelmäßige
Verteilung dieser verschieden hellen Gebiete erklärt die verschiedenen
Maxima.
Zwischen den Veränderlichen dieser beiden Klassen gibt es nun
mancherlei Abstufungen, und es ist deshalb wohl anzunehmen, daß die
herbeigezogenen Erklärungsversuche nicht für alle diese Erscheinungen
unbedingt Gültigkeit haben.
In dieser Hinsicht ist namentlich der Veränderliche ~S~ Cygni
zu nennen, der überhaupt zu den merkwürdigsten dieser Art von
Himmelskörpern gehört. Er bleibt etwa zwei Monate ganz unverändert in
etwa 11. Größe. Dann steigt sein Glanz ähnlich wie bei ~U~ Geminorum
rasch auf 8.5 Grad, das ist das 12- bis 14fache seiner normalen
Helligkeit. Dies geschieht in wenigen Tagen, in der Hauptsache sogar
in etwa 19 Stunden. Nun bleibt er in dieser Helligkeit abwechselnd
fünf Tage oder noch einmal so lange. Es wechseln also kurze mit langen
Perioden ab. Das Minimum ist nach einer Woche wieder erreicht. Nach
einem kurzen Maximum bleibt er dann auch nur kürzere Zeit, 40 Tage,
nach einem langen 45 Tage unverändert. Würde dies nun immer genau
innegehalten, so müßte man an eine Umlaufserscheinung denken, ähnlich
wie die, die wir gleich noch bei den Algolsternen kennenlernen werden.
Nun aber zeigen sich namentlich wieder in neuerer Zeit (1903), wie auch
schon 1897 und 99, seltsame Abweichungen von der Regel. 1897 waren mit
einemmal zwei kurze Maxima aufeinander gefolgt, und darauf dauerte
das Minimum nur 22 Tage, statt 40 oder 45. Kurz, es sind Störungen
eingetreten, für die zunächst noch die Erklärung fehlt.
Völlig auf der Grenze zwischen dieser und der nächsten Klasse von
veränderlichen Sternen steht ~S~ Antliae. Seine Periode beträgt nur 7
Stunden 46.8 Minuten, die er regelmäßig innehält; sein Licht bleibt
aber nicht eine Zeitlang unverändert, um dann schnell auf- oder
abzusteigen, sondern verändert sich ganz allmählich. Auch insofern
weicht der Stern von der Regel ab, als die Lichtzunahme langsamer
erfolgt als die Abnahme.
Vor ganz kurzer Zeit wurde noch ein ähnlicher Stern mit der kürzesten
überhaupt beobachteten Periode von 4 Stunden 0.13 Sekunden entdeckt.
Daß diese Periode etwas mit der Umschwungszeit des Sternes um
seine Achse oder von zwei Sternen umeinander zu tun haben muß, ist
wohl zweifellos. Wir hätten also hier ganz ungewöhnlich schnelle
Umlaufsbewegungen konstatiert.
Unsere aufmerksame Beobachtung hat uns abermals eine Ähnlichkeit
zwischen jenen durchmesserlosen Sternen und der Sonne aufgedeckt, die
Umschwungsbewegung um eine Achse. Die rotierende und kreisende Bewegung
der Weltkörper ist eine ganz allgemeine Erscheinung. Sie ist notwendig,
damit im Rhythmus dieses Umschwungs eine Entwicklung stattfinden kann,
denn nur kreisende Weltkörper können ihresgleichen gebären.
Nun gibt es noch eine Klasse von veränderlichen Sternen, die nicht in
den bisher verfolgten Entwicklungsgang der Sterne durch allmähliche
Abkühlung passen und dies auch schon durch ihr rein weißes Licht
verraten; es sind die Sterne vom _Algoltypus_. Der Vorgang spielt
sich im Gegensatz zu den meisten Veränderlichen der andern Klassen
mit völlig astronomischer Pünktlichkeit ab. Algol, der zweite Stern
im Bilde des Perseus, hat zum Beispiel eine Periode von genau 2 Tagen
20 Stunden 48 Minuten und 55.4 Sekunden. Diese letztere Sekundenzahl
schwankt im Laufe der Jahrzehnte um höchstens 5 Einheiten in offenbar
gesetzmäßiger Weise. Für gewöhnlich ist der Stern zweiter Größe, etwa
so wie der Polarstern, und man kann ihn leicht in dem Sternbilde
finden. So bleibt er nur 2½ Tage unverändert. Dann beginnt er dunkler
zu werden, erst ganz langsam, dann immer beschleunigter, und nach etwa
4½ Stunden ist sein Licht um anderthalb Größenklassen herabgesunken, so
daß er nur noch ein unscheinbares Sternchen 3. bis 4. Größe ist. Nun
nimmt er aber sofort wieder zu und hat in derselben Zeit, die er zur
Abnahme brauchte, seine frühere Helligkeit wieder erreicht.
Es gibt nur eine Erklärung für diesen Vorgang: Es findet jedesmal
eine Verfinsterung dieser Algolsonne für unsern Standpunkt statt,
ein dunkler Körper tritt zwischen sie und uns, wie bei den
Sonnenfinsternissen der Mond. Dieser dunkle Körper umkreist den Algol
offenbar innerhalb jener Periode von weniger als drei Tagen. Er muß
sich deshalb sehr nahe bei ihm befinden und sehr groß sein, da er
soviel Licht von ihm verdecken kann. Die Zeichnung S. 64 drückt diese
Verhältnisse aus.
Wieder haben wir eine Entdeckung gemacht, durch die sich uns eine neue,
bedeutsame Verwandtschaft zwischen den Sternen und der Sonne dartut:
Auch jene Sonnen des fernsten Universums werden umkreist von andern
Körpern, sie haben Planeten um sich versammelt wie unser mütterliches
Gestirn, die sie mit ihren Wohltaten überhäufen können. Freilich ist
dieses Algolsystem doch sehr verschieden von dem der Sonne. Man hat
unter bestimmten Voraussetzungen die wirkliche Größe der beiden Körper
berechnen können und findet, daß der leuchtende Stern im Durchmesser
1700000 Kilometer hält, also nicht viel mehr als unsere Sonne mißt,
und daß der dunkle Begleiter fast genau so groß ist wie sie. Der
größte Planet unseres Systems, Jupiter, aber ist 10mal kleiner als die
Sonne. Ein so großer und seiner Sonne so naher Planet kann Lebendiges
sicher nicht mehr beherbergen. Die beiden Körper müssen sich zu stark
beeinflussen. Es scheint, als ob zwischen ihnen ein furchtbares Ringen
stattfindet, in dem die mächtigere Sonne ihren dunklen Rivalen mit sich
zu vereinigen trachtet.
[Illustration: Das Algolsystem, nach H. C. Vogel.]
Vielleicht besteht dieses Algolsystem sogar aus drei Körpern, die
in großer gegenseitiger Nähe einander umkreisen. Ich habe schon
vorhin gesagt, daß die Sekundenzahl des beobachteten Lichtwechsels
wieder in periodischer Weise schwankt. Diese Sekunden summieren sich
natürlich, und es ergibt sich, daß nach etwa 140 Jahren 173 Minuten
Differenz gegen einen unveränderlichen Umlauf zusammengekommen sind;
dann verändert sich die Periode wieder im umgekehrten Sinne. Immer
aber bleibt die astronomische Genauigkeit bestehen. Ganz ähnliche
langsame Schwankungen der Umlaufsbewegungen nehmen wir auch in unserem
Sonnensystem wahr; sie entstehen dadurch, daß sich die Planeten
gegenseitig durch ihre besondere Anziehung beeinflussen, oder daß zum
Beispiel im Falle unseres Mondes die Abplattung der Erde in solchem
Sinne wirkt. Ähnliches muß notwendig auch im Algolsystem stattfinden.
Wir haben wieder eine neue Verwandtschaft zwischen jenen fernen
Sonnensystemen und dem unsrigen entdeckt.
Veränderliche vom Algoltypus sind sehr selten; es gibt nur etwa
zwanzig. Genau sind solche Zählungen indes nie möglich, da es in
einzelnen Fällen zweifelhaft bleibt, in welche Klasse man den
betreffenden Stern einzuordnen hat. Bei allen spielt sich der
Lichtwechsel in sehr kurzer Zeit ab; die längste Periode beträgt 9½
Tage, bei ~S~ Cancri. Die kürzeste Periode fand man bei ~U~ Ophiuchi
mit 20 Stunden 7 Minuten und 43 Sekunden, wenn man von dem hier nur
zweifelhaft hergehörigen ~S~ Antliae absieht, von dem ich oben sprach.
Daß diese Art von Sternen so selten ist, wird man begreiflich finden,
wenn man überlegt, daß naturgemäß nicht häufig zwei fast gleichgroße
Körper so nahe beisammenstehen werden; dazu kommt die Bedingung einer
bestimmten Lage beider Körper zu uns, damit der eine den andern gerade
für unsern Standpunkt im Weltall verdunkeln kann. Diese Seltenheit
beweist deshalb auch nichts gegen die Ansicht, daß vielleicht sogar
die meisten andern Sonnen am Himmel eine Schar von Planeten um sich
versammelt haben wie die unsrige. Gerade wenn die Verhältnisse
ebenso sind wie bei uns, können wir niemals etwas davon erkennen.
Die dunklen Begleiter selbst zu sehen, ist ganz ausgeschlossen; ihre
Verfinsterungen aber würden wir gleichfalls nicht mehr wahrnehmen
können, weil das abgehaltene Licht einen zu kleinen Teil des ganzen
Sonnenlichtes ausmachen würde, wenn die Größe des Begleiters zu seiner
Sonne im gleichen Verhältnis stände wie Jupiter zu der unsrigen.
In einem besonderen, freilich wieder in anderer Weise von den
Verhältnissen in unserem Sonnensystem abweichenden Falle können wir
nun aber doch direkt sehen, daß die Sonnen Begleiter haben, die in
ähnlichen Größen- und Entfernungsverhältnissen stehen, wie die Planeten
zur Sonne, nämlich sobald diese Begleiter noch selbst leuchten, selbst
also noch Sonnen sind. Solcher Doppel- und vielfachen Sterne gibt
es nun in der Tat viele Tausende am Himmel. Alle Abstufungen sind
vertreten. Bei ganz hellen Sternen stehen ganz schwache, dann sieht
man wieder zwei gleich helle Lichtpunkte nebeneinander, wie bei dem
Stern 61 im Schwan, der nach unserer Kenntnis der drittnächste von
uns ist. Seine Entfernung beträgt nur etwa 7 Lichtjahre, 70 Billionen
Kilometer. Ein dreifacher Stern, Gamma in der Andromeda, gehört zu
den herrlichsten unter den funkelnden Edelsteinen des Himmels.
Schon kleine Fernrohre zeigen ihn in seiner ganzen Schönheit. Der
Hauptstern ist dritter Größe und leuchtet in goldgelbem Lichte, aber
sein Nebenstern, der wieder doppelt ist und fünfter Größe, ist intensiv
blau in wundervollem Kontraste gegen den andern: Ein Topas neben einem
Saphir.
In vielen Fällen können wir nun zwar bei diesen nahe
nebeneinanderstehenden Sternen nicht unterscheiden, ob sie nicht
vielleicht nur zufällig für unsern Standpunkt diese Stellung einnehmen,
in Wirklichkeit aber weit hintereinander stehen. Wir können ja in den
wenigsten Fällen ihre wirklichen Entfernungen ausmessen. Es würde sich
dann nur um _optische_ Doppelsterne handeln, von denen sich ganz gewiß
viele unter den bekannten befinden.
Bei einer ganzen Reihe aber ist kein Zweifel über ihre wirkliche
Zusammengehörigkeit, weil man die Wahrnehmung machte, daß sich einer
der beiden Sterne um den andern bewegt, wie ein Planet um seine
Sonne. Eine neue Übereinstimmung von ganz besonderem Werte für unsere
Betrachtungen, denn wir erkennen daraus zugleich, daß dieselben Gesetze
der Schwerkraft, die die schöne Ordnung in unserem engeren Weltreiche
schuf und festhält, auch dort in derselben Weise dieselbe Materie
beherrscht wie hier.
Unter diesen physischen Doppelsternen haben die beiden Einzelsterne
bei weitem den größten Abstand voneinander bei dem uns zugleich
auch am nächsten stehenden: Alpha im Zentauren. Wir verstehen ohne
weiteres, daß, je näher uns ein solches System ist, wir auch um so
leichter seine einzelnen Teile sehen können. Bei jenem Stern steht
der Begleiter 17.7´´ entfernt. Da seine Parallaxe 0.7´´ ist und wir
wissen, daß dieser Winkel gleich der Entfernung der Sonne von uns, aus
dieser Entfernung gesehen, ist, so brauchen wir nur diese 17.7 durch
0.7 zu dividieren, um zu finden, um wieviel Sonnenentfernungen dieser
leuchtende Planet von seiner Sonne absteht. Das macht also etwa 25
Sonnenentfernungen. Neptun, der entfernteste Planet, befindet sich
30 dieser Einheiten von der Sonne entfernt. Auch hier wieder eine
schöne Übereinstimmung der Verhältnisse. Jener Stern bewegt sich um
den Mittelpunkt seines Systems in 81 Jahren, Neptun braucht dazu 165
Jahre. Da nun die Geschwindigkeit, mit der sich zwei Himmelskörper
umeinander bewegen, außer von ihrer gegenseitigen Entfernung von ihrer
Masse abhängt, so kann man von dem Verhältnis dieser Geschwindigkeiten
in verschiedenen Systemen auf das Verhältnis ihrer Massen schließen.
So findet man, daß die Masse von Alpha Zentauri gleich 2.2 Sonnenmassen
sein muß. Die uns nächste Sonne ist also nicht wesentlich größer als
die unsrige. Ist diese Masse auch ebenso dicht über ihren Körper
verteilt, so kann ihr Durchmesser nur wenig größer sein als der unsrer
Sonne. Es ergibt sich dann, daß jene ferne Sonne von uns aus gesehen
nur noch 0.006 Bogensekunden messen kann. Da unsere besten Fernrohre
kaum eine Scheibe von einigen Zehntel Bogensekunden von einem Punkt
zu unterscheiden vermögen, so begreift man wohl, daß uns die Sterne
durchmesserlos erscheinen.
Die kürzeste bisher berechnete Umlaufszeit von Doppelsternen beträgt
nach neuester Bestimmung von Aitkens 5.7 Jahre, sie ist ungefähr die
Hälfte der des Jupiter. Der Abstand beider Sterne ist aber in diesem
Falle nur noch 0.4´´. Daß wir nicht noch kürzere Umlaufszeiten direkt
wahrnehmen, liegt offenbar daran, daß die Sterne so sehr weit von uns
entfernt sind, während die Größenverhältnisse jener Sternensysteme von
denen unserer Sonnenwelt nicht so sehr abweichen. Die gewiß vorhandenen
noch näheren Begleiter sind eben nicht mehr getrennt zu sehen.
Aber je mehr unsere optischen Mittel verschärft werden, desto mehr
findet man ganz nahe Begleiter bei den Sternen, und es scheint heute
geradezu, daß ein Stern ohne Begleiter zu den Ausnahmen gehört. Fast
alle Sonnen haben Nebenkörper hervorgebracht, die einst, schneller
erkaltend wie sie, zu eigentlichen Planeten werden sollen.