_J. L. Heiberg_, ~Dr. phil.~
=Hensel, Wilhelm.=
Geb. den 6. Juli 1794 zu Trebbin, Professor an der k. Akademie der
Künste in Berlin, und Historienmaler. Die geist- und tonreiche
Schwester Felix Mendelssohns war seine Gattin. Als junger Mann
trieb er auch Poesie, und mit glücklichem Erfolg. Sein Lustspiel:
„Ritter Hans“ ward beifällig aufgenommen. Mit dem theuren Freunde
Wilhelm Müller und Andern im Vereine gab er (1816) Gedichte heraus
unter dem Titel: Bundesblüthen.
Für die hervorragendsten der von ihm gemalten Kunstwerke werden
„Herzog von Braunschweig vor der Schlacht von Quatrebas“ und sein
„Christus vor Pilatus“ (in der berliner Garnisonkirche) gehalten.
_Berlin_, den 11ten July 1829.
Dieser Brief ist kein Empfehlungsbrief, höchstens einer mich selbst
wieder zu empfehlen nach so langer Zeit, und ich habe die freundliche
Ueberbringerin gebeten, dies besser zu thun. Durch sie hoff’ ich auch
recht viel zu hören von Ihnen, denn sie weiß was man gern hat, und kann
es sagen auch. Jeden der aus Dresden kam hab’ ich ausgefragt, hier
und in Rom, nie aber war mir genug was ich erfuhr. Neulich hatt’ ich
die angenehme Ueberraschung Frau von L. zu sehen, und gleich waren wir
bei Ihnen und Ihrem Kreis. Zu meiner Beruhigung hör’ ich, daß es mit
Ihrer Gesundheit jetzt besser geht, was denn immer ein Vortheil für uns
Alle ist; wodurch die Theilnahme an Ihrem Wohle allerdings egoistisch
erscheint. Indessen wissen Sie doch auch wohl wer Sie nicht blos
Ihrer Werke wegen liebt, und lassen sich auch von mir ferner die alte
Doppelliebe gefallen. Die treuste Anhänglichkeit hab’ ich Ihnen und
den verehrten Ihrigen gewiß stets bewahrt; möcht’ ich dagegen hoffen
dürfen, daß auch in Ihrem Kreise noch mein Andenken lebt!
Ich gebe den Gedanken nicht auf einmal selbst nachzufragen, wollt’ es
auch schon auf der Rückreise von Italien thun, mußte dann aber rasch
meinen Bildern nach. Was sich seitdem in Leben und Kunst mit mir
zugetragen, wissen Sie in den Hauptpunkten durch gemeinschaftliche
Freunde bereits. Wollten Sie Näheres hören kann Fräulein Saling
(Marianne?) meine liebe künftige Cousine, die beste Auskunft geben.
Diese Worte sind in Eil geschrieben, es ist ein Tag voller Sitzungen
heut und morgen früh ist der Brief schon Dresden näher als ich. Dresden
--! wieviel Erinnerungen knüpfen sich an den Namen in mir! Wehmüthige
auch. Aber doch steht er leuchtend in mir, und ich möchte _Sie_
wiedersehn!
Leben Sie wohl und bleiben Sie mir freundlich gesinnt. Ihrem lieben
Kreise den herzlichsten Gruß! Treu und verehrend
ganz Ihr
_Wilhelm Hensel_.
Ihren Herrn Bruder sah ich vor wenigen Tagen recht wohl.
=Hermann, F. R.=
Die zwei Briefe dieses unglücklichen (siehe die Anmerkung in
Büsching’s Schreiben) und gänzlich vergessenen Mannes sind
aufgenommen worden, weil er doch der Erste gewesen ist, der die
seitdem von bedeutenden Dichtern durchgeführte Idee, dramatisirter
Nibelunger, gefaßt und auf seine Weise in’s Werk gesetzt hat, und
weil Tieck ihm ermunternd entgegen gekommen ist.
_Wo_ das Manuskript seiner Dramen -- und _ob_ es noch existirt?
vermochten wir nicht zu erfahren.
Gewiß, eine traurige Empfindung, die aufgeregt wird durch den
Gedanken, daß eine Dichtung, an welche ein Mensch die besten Jahre
seiner Jugend gesetzt, auf welche er Hoffnungen bauete, welche von
bedeutenden Männern mit Theilnahme betrachtet ward... so gänzlich
verschollen ist; daß all’ sein Streben nichtig blieb.
Nun, es ist wohl Manchem so ergangen; nur, daß nicht Alle
wahnsinnig darüber wurden.