_Weißenfels_, den 6ten August.
(Ohne Jahreszahl.)
So gern ich Dich, liebster Tieck, noch einmal besucht hätte, so wird
mir doch dieser Wunsch durch eine plötzliche Reise unmöglich gemacht.
Ich bringe einen meiner jüngeren Brüder nach Dresden -- Du kannst
übrigens denken, daß ich nicht böse bin, da ich so meine Julie besuchen
kann -- bey der ich Morgen Abend hoffentlich zu sitzen denke. Unterdeß
hätt’ ich gewünscht, _Dich und_ sie sehn zu können -- doch
weiß ich nicht, ob dies angehn wird, da ich wahrscheinlich über die
Mitte des Monats in Dresden bleiben muß -- und dann bist Du ja fort.
Auf Michaelis hoff’ ich Dich hier zu umarmen. Mutter und Schwester
laden Deine liebe Frau auf das freundlichste ein -- und grüßen Sie
herzlich im voraus. Auch mich empfiehl Ihr herzlich. Auch Deinen
übrigen Verwandten sage, daß ich mich mit Liebe jenes frohen Abends
erinnern werde, den ich unter Ihnen zugebracht habe -- der so reich
an mannichfachen Genüssen war und durch den schöne Art noch schöner
ausgehoben wurde. Eine einfache Beschreibung gäbe ein liebliches
romantisches Bruchstück.
Deine Bekanntschaft hebt ein neues Buch in meinem Leben an. -- An Dir
hab’ ich so manches vereinigt gefunden -- was ich bisher nur vereinzelt
unter meinen Bekannten fand. -- Wie meine Julie mir von allen das
Beste zu besitzen scheint, so scheinst auch Du mir jeden in der Blüthe
zu berühren und verwandt zu seyn. Du hast auf mich einen tiefen,
reitzenden Eindruck gemacht. -- Noch hat mich keiner so leise und doch
so überall angeregt wie Du. Jedes Wort von Dir versteh’ ich ganz.
Nirgend stoß ich auch nur von weiten an. Nichts menschliches ist Dir
fremd -- Du nimmst an allem Theil -- und breitest Dich leicht wie ein
Duft gleich über alle Gegenstände und hängst am liebsten doch an Blumen.
Gehe ja Weißenfels nicht vorbey -- ich freue mich mit der Ernsten jezt
recht weitläuftig von Dir sprechen zu können.
Lebe wohl.
Dein
treuer Freund
_Hardenberg_.
An Grieshammer leg ich hier ein Briefchen bey.