III.

_Darmstadt_, d. 27. Sept. 1842.

_Verehrtester Freund!_

Der wahrscheinliche Ueberbringer dieses Blattes ist der

Landgerichts-Präsident Bessel von Saarbrücken, welcher sich auf seiner

Reise nach Berlin einige Stunden bei uns aufgehalten hat, und den

wir gebeten haben, sich womöglich von Ihrem Befinden persönlich zu

überzeugen, da, nach so vielen guten Nachrichten, plötzlich eine von

einem Ihnen zugestoßenen Unwohlseyn in die Zeitungen übergegangen ist.

Alle Getreuen in D. grüßen Sie herzlichst und laßen Ihnen sagen,

wie sie an allem, was man von Ihnen hört und liest, mit Freude und

Sehnsucht und Bangen, mit vollstem Herzen hängen.

Laßen Sie mich noch mit unseren herzlichen Glückwünschen zur

Verlobung, vielleicht jetzo schon Vermählung, Ihrer lieben Tochter

Agnes die Nachricht verbinden, daß meine Auguste deren Beispiel

schnell gefolgt ist und sich mit einem hiesigen braven Officier, der

zugleich militärischer Schriftsteller ist, Oberlieutnant Scholl,

versprochen hat. Wollen wir nicht etwa beide Hochzeiten zusammen auf

dem Heidelberger Schloß feiern?

Aber ach! der König wird Sie uns nun auf immer entrissen haben!

Möchten Sie doch, indem Sie diese Zeilen fassen, ganz wohl seyn, und

unter den innigsten Begrüßungen der Ihrigen, mit ganz heiterem Auge

zugleich die erneuerte Zusage unserer frischesten Liebe und Verehrung

aufnehmen.

_W. Hallwachs_.

=Hardenberg, Friedrich Freiherr von.=

Novalis.

Geb. am 2. Mai 1772, gest. 1801 als Amtshauptmann zu Weißenfels.

Leider haben sich nur vier Briefe von seiner Hand in T.’s Nachlaß

vorgefunden, die wir unverkürzt geben.

Ihnen folgen deren _sieben_ von seinem jüngeren Bruder _Karl_,

dessen Dichterberuf Friedrich lobend erwähnt, und welcher Freunden

der Poesie unter dem Namen Rostorf erinnerlich sein wird, wenn

gleich sein edles Streben keinen so hohen Flug nahm, daß er neben

Novalis noch genannt würde.

Das Schreiben eines dritten Bruders, Anton, bildet den Schluß.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 280 / 326 题