Ihr bereitwilligster

_Gerle_.

=Gerstenbergk, Friedrich von.=

Als erklärter Günstling des damaligen Erbgroßherzogs, Karl August’s

einzigen Sohnes; als vertrauter Hausfreund der allverehrten Johanna

Schopenhauer, stand G. in Weimar doch eigentlich isolirt, was wohl

aus seinem sarkastischen Wesen, aus seiner Neigung für satyrische

Schärfe erklärlich wird. Schade daß die von ihm gedichteten:

Kaledonischen Erzählungen, (leider von Druckfehlern förmlich

entstellt,) nicht später in die Lesewelt traten, nachdem dieselbe

durch Walter Scott schon in jene Gegenden eingeführt war! Dieses

Buch hätte verdient großes Aufsehen zu machen. Selten wird man so

lebensfrische Schilderungen unmittelbarer Eindrücke genießen. Es

ist spurlos verschwunden. Fast erging es dessen hochbegabtem Autor

nicht anders. Wie sein hoher Gönner, sein vertrauter Freund, zur

Regierung gelangte, wurde G., in welchem viele Weimaraner schon den

künftigen Staatslenker geahnt, als Kanzler nach Eisenach versetzt.

Es _war_ eine Beförderung, doch in ganz anderm Sinne. Zuletzt

haben wir ihn, nachdem er in Pension getreten war, bei Tieck in

Dresden gesehen. Seine frühere Schärfe hatte sich in resignirende

Milde umgewandelt, und diese kleidete ihn sehr gut.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 232 / 326 题