_Prag_, 27/4 XXXVII.
_Hochverehrter Herr und Freund!_
Ich habe seit einer Reihe von Jahren Ihre kostbare Zeit nicht in
Anspruch zu nehmen gewagt, heute aber verleitet mich die Sorgfalt
für ein Kind, dessen _halber_ Vater ich bin, wieder einmahl auf Ihre
Güte und Nachsicht loszusündigen. Von Dresden aus dazu ermuntert,
habe ich, noch ehe das Preislustspiel: „Die Vormundschaft“ in den
Buchhandel gekommen war, desselbe im Manuscript an die königliche
Hoftheater-Direction eingesandt, und harre der Entscheidung, ob
_Sie_ es nicht für unwürdig halten, auf das Repertoire der Hofbühne
einzuwandern; ob Sie auch das Publikum von Dresden als Richter in
dieser theatralischen Streitsache -- denn das ist es geworden --
aufrufen wollen. Ich schmeichle mir nicht mit der Wahrscheinlichkeit;
doch liegt die Sache nicht außer den Grenzen der Möglichkeit, und
für diesen _möglichen_ Fall erlaube ich mir noch eine Bemerkung: So
lohnend sich, wenigstens in pecuniärer Hinsicht, die „Vormundschaft“
meinem Mitarbeiter und mir zu erweisen scheint, möchte ich doch nie
wieder um einen ähnlichen Preis concurriren, überhaupt nie mehr ein
Stück in die Welt hinaus senden, bevor ich es mir, und wäre es nur
auf einem Haustheater, habe vorspielen lassen. Ich hörte wiederhohlt
aus Wien die Klage, daß sich das Ende zu sehr dehne, konnte jedoch
nicht darauf kommen, wie da zu helfen, ohne manche im ersten Acte mit
Absicht angelegte Fäden gewaltsam abzureißen; aber kaum hatte ich
es zum erstenmahle gesehen, als ich das kinderleicht fand, und in
einer halben Stunde die nöthigen Veränderungen fertig hatte. Sollte
also der erwähnte _mögliche Fall_ eintreten, so wage ich die Bitte,
das Manuscript nach dem mitfolgenden Blättchen einrichten zu lassen,
und die beiden Rollen des _Legationsrathes_ von _Morgenstern_ und
_Candidaten Hasper_ aus dem Personale zu streichen, was auch die
Besetzung sehr erleichtert, da Jeder von Beiden nur ein paar Reden hat,
und daher kein Schauspieler selbe gern übernimmt.
Ich habe die Ehre, mich Ihrer Güte und Freundschaft zu empfehlen, und
bin mit der innigsten Hochachtung