Ew. Wohlgeboren

gehorsamer Diener

_Büsching_.

=C.=

Wer ist diese C? und welchen Sinn haben ihre sublimen Geständnisse,

die für uns Geheimnisse bleiben? Welche Beziehung auf Tieck’s

Verhältniß zu ihr? Lebt noch jemand, der sie zu enträthseln

verstünde? Schwerlich! -- So mögen sie denn gleich einer Blüthe aus

seinem Frühling aufbewahrt werden! Ist ja doch jegliche Blüthe ein

Mysterium!

Ich wollte erst sagen, ich könnte noch nicht schreiben, ich wollte

erst wieder zu mir selbst kommen, -- aber warum das gegen Sie, der

Sie mein Gemüth in seiner Verwirrung besser erklären werden, als es

das gelungendste Bemühen mich auszusprechen, thuen könnte. -- Wie

unaussprechlich hat mich Ihr Brief gerührt. -- Ich bin eigentlich

betäubt und fühle mich recht stumpf in diesem Augenblick, aber doch

lege ich allen Werth des schönsten Andenkens auf ihn und fühle daß

meinem Herzen nichts von der Existenz geraubt werden kann, die in

diesem unbegreiflich schicksalvollen Jahre, wie nach einer Auferstehung

über mich gekommen ist und ich weiß in diesem Augenblick kein anderes

Wort ihm Erlösung zu geben, als Sie meinen theuersten Lehrer zu

nennen. -- Dies ist das Gefühl, was mir im ersten Augenblick Ihrer

Bekanntschaft, so wunderbar gegen Sie erschien, und wovon ich seitdem

die Spur in der schönsten Ruhe meines Gemüthes und in der Art erfahren

habe, womit ich das Leben ergreife -- und laße. -- Ich habe Glauben,

das fühle ich. -- Wenn ich auf meine erste Kindheit und Jugend

zurücksehe, erkenne ich ihn als meinen Engel, ich kann ihm folgen

in alle den Irrthümern von denen er mich nicht retten konnte, und

finde ihn wieder in den tausend Erlösungen, die mir immer das Bild

jener letzten waren, nach der ich mich jetzt mit Liebe und Wonne und

nicht mehr mit Ungestüm sehne. -- Aber daß Sie dies Wort über mich

aussprechen mußten. -- Ich kann nicht sagen wie ich das gegen Sie

empfinde. -- Alles Räthselhafte meines Gemüths, hat sich plötzlich in

mir gelöst, ich fühle daß ich der Verklärung wirklich nahe bin, die

Sie mir verkündigt haben. -- Gleich nach Ihrer letzten Abreise von M.

fühlte ich dies mit einer Gewalt daß ich Unrecht that, Ihnen nicht

damals zu schreiben. -- Jetzt ist mir unter den vielfachen Anfechtungen

der Freude diese unaussprechliche klare Stille entschwunden. -- Aber

ich weiß es, Ihre wohlthätige milde Gegenwart giebt Sie mir wieder und

dann wird es mein Entzücken und meine Heilung seyn, meine ganze Seele

zu Ihnen sprechen zu laßen. --

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 161 / 326 题