Ihnen

ergeben.

_Elise Bürger._

(Theodora.)

=Büsching, Johann Gustav Gottlieb.=

Geb. zu Berlin am 19. September 1783, gestorben zu Breslau am

4. Mai 1829. Sohn des Geographen Christ. Friedr. B. begann er

eine amtliche Laufbahn (1806) bei der Regierung in Berlin, hielt

jedoch nicht lange als Referendar aus, und folgte dem Drange

seines Herzens, der ihn zum Studium germanistischer Wissenschaft,

Literatur, Geschichte und Kunst zog. Den Uebergang bildete das

ihm zu Theil gewordene Commissorium bei Inventur der aufgelösten

Stifter und Klöster in Schlesien, wo er so recht in antiquarischen

Schätzen wühlen durfte. 1811 wurde er Archivar, 1816 Privat-Docent,

1817 außerordentlicher, 1823 ordentlicher Professor an der

Breslauer Universität. Unermüdet fleißig, treu im Streben und

Forschen, gut und liebevoll gegen alle Menschen, gewährte ihm sein

redliches Wollen durch niemals rastende Thätigkeit befriedigenden

inneren Ersatz für oftmals zweifelhafte äußerliche Erfolge.

Trotzdem daß das Verzeichniß seiner vielseitigen kunsthistorischen,

literarischen, antiquarischen und belletristischen Schriften zwei

lange Seiten füllt, kam er doch als Autor niemals recht auf einen

grünen Zweig, und blieb fast immer beim ~succès d’éstime~. Das

hielt ihn jedoch nicht ab, unverdrossen seiner guten Sache um ihrer

selbst Willen alle Opfer zu bringen, die ein edler Mensch -- und

nur ein solcher -- zu bringen weiß. Sein Brief an T. ist auch ein

Beleg dafür. Klingt es nicht wehmüthig-naiv, daß der Redacteur

(nicht „auf gemeinschaftliche“) sondern auf _eigene_ Kosten, der

zugleich Herausgeber und Verleger ist, von thätigen Mitarbeitern

träumt, die keinen Anspruch machen wollen honorirt zu werden? --

Guter Büsching!

Er hat unendlich viel durch Editionen schon vergessener Dichtungen,

Urkunden und Kunstsachen, die seine Hand vor Untergang rettete,

gefördert. Das Meiste davon dürfte schwerlich über die Kreise

der Fach-Genossenschaft gedrungen sein. Was aber allgemeinste

Verbreitung fand ist das in jeder Beziehung wichtige Buch

„Lieben, Lust und Leben der Deutschen des 16. Jahrhunderts in den

Begebenheiten des Ritters Hans von Schweinichen.“ (Drei Bände,

Breslau 1820-23.)

Und um Schlesien erwarb er sich noch ein ganz besonderes Verdienst,

indem er die alte Ritterburg bei Kynau (unweit Schweidnitz und

Charlottenbrunn) ankaufte und theilweise restaurirte. Auch für

dieses Opfer ist dem großherzigen Mann geringe Dankbarkeit im Leben

begegnet. Desto näher liegt die Pflicht, Seiner überall in Ehren zu

gedenken.

_Breslau_ d. 9. Weinmonat 1816.

_Wohlgeborener,

Hochverehrter Herr Doktor_.

Schon längst war es mein Wunsch und Wille, mich mit Wiederholung einer

von Ew. Wohlgeboren schon einmal gütigst und freundlich angenommenen

Bitte an Sie zu wenden, es verzögerte sich aber immer, da ich wünschte

Ihnen von demjenigen, wozu ich Sie einzuladen Willens war, mehr zu

übersenden, als ich in früheren Monaten dieses Jahres im Stande war.

Eine Reise und andere Abhaltungen in diesen letztern Wochen verzögerte

wieder die Erfüllung meines Vornehmens, desto lieber ergreife ich aber

die jetzige sich mir darbietende Gelegenheit, Brief und Anlagen sicher

in Ihre Hände zu bringen.

Schon vor 6 Jahren war ich so frei, Sie zu einer Unternehmung

einzuladen, welche kurz darauf, theils durch die Unzulänglichkeit

des Buchhändlers, theils durch meine Versetzung hieher einschlief.

Damals waren Sie so gütig, mir für mein Pantheon gefällige Beiträge zu

versprechen und jetzt nehme ich Ihre Güte wieder in Anspruch, indem

ich mir zu meinen wöchentl. Nachrichten, deren erste neue Hefte ich

das Vergnügen habe, Ihnen beikommend zu überreichen, Ihre gütige Hülfe

erbitte.

Den Umfang, welchen ich dem Ganzen zu geben wünsche, zeigen die bis

jetzt vollendeten Hefte; vieles kann nur Stückwerk, nur hingeworfener

Gedanke sein, die Mangelhaftigkeit des Ueberblicks, der jetzt nur

erlaubt ist, muß es entschuldigen. Nach gediegenen, tüchtigen und

eingreifenden Aufsätzen verlange ich aber sehr und dringend und so

wendet sich denn vorzüglich auch meine Bitte zu Ew. Wohlgeboren:

mich freundlichst mit den schon einmal früher versprochenen

Aufsätzen zu erfreuen.

Besonders würden mich auch Beiträge über Kunst des Mittelalters sehr

erfreuen. Da ich zugleich Herausgeber und Verleger bin, so erlauben

Sie mir, daß ich mich als dieser frei erkläre. Bei der Lauigkeit und

Schlechtigkeit des Buchhandels, besonders hier in Breslau, konnte ich

nicht darauf rechnen, einen Verleger zu finden, der das kostspielige

Unternehmen übernahm. Vielfach herum zu fragen und abschlägige

Antworten zu hören, dazu war ich doch zu stolz. Ich unternahm es

daher auf eigene Kosten und habe gesehen, daß die Liebe zur Vorzeit

noch immer mehr Wort als That ist, indem ich bis jetzt kaum über die

Hälfte der Kosten gedeckt bin. Demungeachtet werde ich, da ich das

Unternehmen für ein ersprießliches halte, es auch im folgenden Jahre

fortsetzen, kann aber freilich Ihnen keinen Ehrensold anbieten (!).

Versichern kann ich indessen, daß, sobald ein Vortheil sich ergiebt,

ich mich auch immer nur als Haushälter ansehen und jeglichem meiner

Herren Mitarbeiter nach Maßgabe des Einkommens auch die gehabte Arbeit

und Mühe vergüten werde.

Erlauben Sie mir noch ein paar Worte über den Brief, der mit diesem

zugleich kommt, oder der vielmehr dies Schreiben nur mitnimmt. Herr

Hermann[6] wünscht und bittet um Ihr Urteil über seine Arbeit. Es ist

ein guter, bescheidener Mann, dem es mit der Sache, welche er treibt,

ernst ist und er fürchtet daher kein Urteil, welches zur Besserung

seines Unternehmens gereichen kann.

Raumer und Hagen werden jetzt in Venedig sein. Von diesem habe ich

erst ein paar Zeilen erhalten, jener ist fleißiger: Beide haben schon

manches Wichtige aufgefunden.

Indem ich mich Ihrer Gewogenheit empfehle, füge ich noch die Bitte

hinzu, mich mit einer gütigen Antwort und wo möglich gleich mit

Beiträgen zu erfreuen und versichere mit größter Hochachtung und

Ergebenheit zu sein

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 160 / 326 题