C.

=Carové, Friedr. Wilh.=

Geb. den 20. Juni 1789 in Koblenz, 1811 ~Conseiller auditeur~

beim Apellationsgerichtshof zu Trier, 1814 Einnehmer beim

Rheinzollamt in Gernsheim, 1818 Doktor der Philosophie, Hegels

Schüler, 1819 Privatdocent in Breslau, später in Frankfurt,

Heidelberg, München &c. Philosophischer Schriftsteller, Gegner

des Katholicismus, als welcher er sich in „Die allein selig

machende Kirche“ (1826) u. a. Werken ausspricht. Er hat vielerlei

historisch-politische, auch literargeschichtliche Schriften

publicirt.

_Heidelberg_, d. 27. 9. 1820.

_Verehrtester Freund!_

Es freut mich, nun endlich Ihrem Wunsche entsprechen zu können,

indem ich Ihnen den Band alter englischer Schriften, von welchem

ich Ihnen einigemale Meldung gethan, hiermit übersende. Sollten Sie

dessen gelegentliche Benutzung in 3 Monaten beenden können, so würde

es mir angenehm seyn, ihn demnächst durch Buchhändlergelegenheit

zurückzuerhalten, da ich die erste darin enthaltene Abhandlung,

entweder ganz oder im Auszuge, als höchst wichtigen Beitrag zur

Hexengeschichte wie zum Somnabulismus, dem Publikum mitzutheilen

gesonnen bin. --

Von meiner Reise sage ich nur wenig, da Ihnen die Städte und Gegenden,

die ich durchwandert, schon durch Selbstsicht bekannt sind.

In München freute es mich so liberale Anstalten zum Genuß und zum

Studium der Kunstwerke vorzufinden, die man in Dresden einigermaßen

vermißt. Auch scheint der geistvolle Cornelius dort eine freiere

Strebung unter den werdenden Künstlern zu erregen. --

In Tyrol und besonders zu Innsbruck gedachte ich oftmals dankbar Ihres

freundlichen Rathes, auf meiner Wanderung doch nicht die stattlichen

Gebirglagerungen dieses Landes ungesehen zu lassen. Denn, wenn auch die

Schweizer Jungfrau alle anderen jemals gesehenen Naturgrößen überglänzt

und in Dämmerung hinabgesetzt hat, so ragen doch aus dieser auch die

Tyroler Berge noch abendgeröthet hinaus. Wer freilich die Herrlichkeit

der natürlichen Welt in einem einzigen Bilde vereint zu sehen wünscht,

der kann nur auf dem königlichen Rhigi seines Wunsches Ziel erreichen.

--

In Strasburg sah ich den auswandernden Görres. Die alte Welt hilft

ihm die neueste ertragen und tragen. Mögen die Blitze am sonnenhellen

Firmamente seine Feinde zur besseren Gesinnung hinüberschüttern, da das

Wetterleuchten unbeachtet vorübergegangen. -- Auch der bekannte Seher

_Müller_[7] aus hiesiger Umgegend sah schon im vorigen November

gewaltigen Krieg gegen Italien. Dieser soll jedoch, wie ich heute aus

seinem eigenen Munde vernommen, der letzte seyn vor tausendjährigem

Frieden. -- Des Mannes schlichtes unbefangenes Wesen flößt Glauben ein

an seine Worte. (!)

Von meinem Thun und Treiben weiß ich nichts Erhebliches mitzutheilen.

Noch lebe ich nur dem Studium und der Selbstverarbeitung, und ob ich

um Ostern lehrend wieder auftrete, lasse ich für jetzt noch unbestimmt.

Was Noth thut, ist Mehr, als sich in kurzer Frist erarbeiten läßt. --

Nur Schelver, den tieffühligen trefflichen Mann sehe ich oft; ausserdem

einsam. --

Möge Ihnen und Ihren Lieben, die ich freundlichst grüße, Gesundheit

fröhliche Tage bereiten, und mir Ihr freundliches Angedenken unverloren

bleiben.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 162 / 326 题