_Seifersdorf_, 20. September 1829.
Meine Abreise ist durch einen höchst unangenehmen Vorfall verzögert
worden nehmlich durch den plötzlichen Todt meines Pachters so daß ich
nun erst in einigen Tagen meinem lieben, stillen, Seifersdorf Valet
sagen werde. --
Diese Verzögerung verschafft mir indeß das Vergnügen Ihnen werther Herr
Hofrath noch von hier aus den verbindlichsten Dank im Nahmen des Herzog
Carl von Meklenburg, für gütige Uebersendung des Prologs zu Faust
-- auszudrücken. -- Vor einigen Tagen erst habe ich ein sehr langes
Schreiben von ihm gehabt, in welchem er viel über Faust, und deßen
Ausführbarkeit und Aufführbarkeit spricht, -- sich aber vorzüglich
günstig und außerordentlich beyfällig über Ihren Prolog ausdrückt. --
Vieleicht schreibt er Ihnen noch selbst über diesen Gegenstand! --
Bey dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, wie der Schüler im Faust,
Ihnen werthester Herr Hofrath beyfolgend mein Stammbuch zu übersenden
mit der dringenden Bitte Ihren Nahmen hineinzuschreiben.
Lachen Sie nicht über mich -- ich habe aber gleichfalls wie jener
Primaner, eine große Vorliebe für Stammbücher. -- Da ich nur noch
bis Sonnabend hier bleibe, so muß ich so unbescheiden seyn, -- nicht
allein um _Erfüllung_ meiner Bitte, sondern auch um _baldige_ Erfüllung
derselben dringend zu ersuchen! -- Am nächsten Freytage kömmt ein
Bote in die Stadt und wird -- wenn Sie es erlauben -- das Buch wieder
abhohlen.
Indem ich mich, werther Herr Hofrath, Ihrem und der Ihrigen gütigem
Andenken dringend empfehle bitte ich Sie, die Versicherungen meiner
aufrichtigsten Hochachtung und freundlichsten Ergebenheit empfangen zu
wollen.
_Brühl_.
Würde vieleicht Gräfin Finkenstein als eine so vieljährige Bekannte,
gleichfalls so gütig seyn sich in das Stammbuch einzuschreiben?