III.

_Berlin_, den 11ten April 1833.

Die Ueberbringer dieses, -- mein Vetter, der junge Graf

Pourtales-Gorgier und sein Führer, Herr Godet, beide aus Neuchatel --

wollen die Universitäts-Ferien benutzen, um Dresden’s Kunst-Schätze

und Umgebungen kennen zu lernen. -- Nehmen Sie, werther Herr Hofrath!

dieselben um meinetwillen gütig auf. -- Hr. Godet ist ein sehr

gebildeter Mann und der Deutschen Sprache mächtig.

Bevorstehenden Sommer hoffe ich nach Seifersdorff, folglich auch nach

Dresden zu kommen, un freue mich schon im Voraus recht herzlich darauf,

Sie und alle Ihre lieben Hausgenossen wieder zu sehen.

Seitdem wir uns nicht gesehen haben, war ich unbeschreiblich leidend,

und habe mehreremale an meinem Leben verzweifelt. Seit 5 Wochen habe

ich aber der Fahne der Homöopathie geschworen, und fühle daher schon

meinen Krankheitsstoff bedeutend erleichtert; der Himmel gebe seinen

Seegen weiter. -- Wer so hoffnungslos -- als ich im Laufe verflossenen

Winters -- war, fühlt sich durch jede kleine Hoffnung schon beglückt.

Empfehlen Sie mich, werther Herr Hofrath! Ihrer lieben Familie und

der Gräfin Finkenstein auf das Angelegentlichste, und halten Sie sich

meiner unwandelbaren Hochachtung und freundschaftlichsten Ergebenheit

fest überzeugt.

_Brühl_.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 154 / 326 题