_Stockholm_ den 25. October 1844.
_Theuerster Freund!_
Im Januar Monat dieses Jahrs sandte ich Dir von Rom aus einen Brief,
den Du, wie ich vermuthe, richtig empfangen hast. Ich hatte damals die
Hoffnung auf meiner Rückreise den Weg über Berlin nehmen zu können.
Späterhin eingetroffene Umstände, (worunter das Hinscheiden des
damaligen Königes und der bald darauf zusammenberufene Reichstag)
nöthigten mich indessen die Reise nach dem Vaterlande zu beschleunigen
und den Weg über Paris zu nehmen. Die Freude Dich wiederzusehen mußte
daher bis zu meiner nächsten Reise ins Ausland aufgeschoben werden, und
damit, hoffe ich, wird es nicht gar zu lange dauern. Unterdessen ist
es mir ein Vergnügen, Dir zu der Ehrenbezeugung, welche unser jetziger
König Dir bey seiner Krönung durch das Nordstern-Kreuz ertheilt
hat, Glück zu wünschen. Es ist dieselbe Zierde welche Linné und
Haller getragen haben, und welche bey uns die größten Litterarischen
Verdienste auszeichnet, weshalb sie auch nicht unter den vielen
Beweisen von der Achtung der Zeitgenoßen fehlen mußte, welche Dir von
so vielen Ländern aus dargereicht wurden.
Auch ist es mir eine Freude gewesen, durch den berühmten Jakob Grimm,
der uns vor einiger Zeit besuchte, Dein Wohlbefinden zu erfahren.
Wenn Du Grimm siehst so grüße ihn herzlich von mir. Meine Frau, deren
Gesundheit während des Aufenthalts in Italien beträchtlich gewonnen
hat, bittet um ihren freundschaftlichsten Gruß an Dich und an die
Gräfinn, welcher Du auch meine ehrerbietige Empfehlung machen wirst.
Lebewohl, theuerster Freund, und bewahre stets im wohlwollendem Andenken