_Heidelberg_, den 31. März.
Ich überschicke Ihnen, geehrter Freund, die ersten Bogen meiner
Zeitung; auf _Zimmers_ Verantwortung habe ich ein Stück aus
dem König Rother genommen, das mir gar wohl gefiel, er hat es auch
übernommen den schuldigen Ehrensold dafür zu entrichten: Er wartet
sehnlich auf Briefe von Ihnen. -- Geben Sie mir einen Ueberblick Ihrer
Untersuchungen über die Nibelungen! -- Von Görres folgen in den
nächsten Blättern merkwürdige Resultate über denselben geschichtlichen
Kreis, denken Sie wieviel Vorarbeiten Sie den Freunden alter Literatur
ersparten, wie die dann lustig auf Ihrem Grunde fortbauen könnten;
die schlimmsten Sünden in unsrer Zeit sind die Unterlassungssünden.
-- Meinen Wunsch aus der Fortsetzung des Sternbald, aus dem Faust
eine recht sonnenbeleuchtete Stelle zu besitzen, habe ich, denk ich,
in meinem letzten Briefe ernstlich vorgetragen, ich bitte nicht für
mich allein, ich bitte mit für viele Freunde ihrer Werke und sie haben
hier sehr viele. Es wird manche fromme Erzählung aus alten Chroniken
folgen, ich würde Ihre ernsten musikalischen Gedichte wohl anbringen,
daß der Nachbaren Handwerk Sie nicht störte. So leicht meine Zeitung
aussieht und beginnt, ich wünsche viel Ernsthaftes damit und fühle
mich rein von leerer Sonderbarkeit und parteyischer Begrenztheit, auch
Arbeiten Ihrer Freunde von Mad. Bernhardi von Schütz, Schierstädt u. a.
werden mir willkommen seyn, was Sie billigen ist mir gerecht: Kritik
allein gestatte ich nur als Scherz oder über Zeiten, die vor unseren
Augen durch veränderte Sprache und Seltenheit der Ueberbleibsel fast
verschlossen. Neuigkeiten erscheinen eben so nur als Scherz und sind
mit sympathetischer Tinte geschrieben, die nicht jedem erscheint. --
Brentanos verzweiflungsvoll elende Heiraths und Ehestandsgeschichte
macht mir Kummer und religiöse Zweifel über den Ehestand, sie stecken
da wie im geläbberten Meere und können nicht zu einander und nicht von
einander. -- Der Himmel erhalte Sie.
_Achim Arnim._