Assur von Norden gesehen. Unser Lager bei Kalaat-Schergat.]

Der Inder bat mich noch, ihn in meinen Dienst zu nehmen, in der

Hoffnung, dann früher wieder in seine Heimat kommen zu können. Diesen

Wunsch mußte ich ihm natürlich versagen, und er kehrte wieder zu den

türkischen Wächtern zurück, die ihre Schützlinge frei umherstreifen

ließen. Ich mußte dieser Begegnung noch oft gedenken. Die angeblichen

Vertreter der Zivilisation und des Christentums führten die Orientalen

gegeneinander ins Feld und brachten sie, was noch schlimmer ist, nach

Europa, um gegen Christen zu fechten. Diese Saat Englands wird noch

einmal furchtbar in die Halme schießen! Dann werden Männer wie dieser

Hindusoldat und viele Tausende seiner Leidensgefährten, die nun wissen,

wie man sie betrog, ihren Landsleuten vieles zu erzählen haben!

Am Abend lagen die Hügel von Assur in bleichem Mondschein. Im Lager

verklang der Lärm, die Unterhaltung verstummte, und die Steppe schlief.

Die lautlose Stille war unheimlich. Leise Schritte umschlichen unsere

Betten -- waren es Gespenster, die die Mitternachtsstunde aus den

tausendjährigen Gräbern der Ruinen ringsum heraufbeschwor? Sollten

all der Glanz und die Herrlichkeit der alten Königsstadt doch noch

nicht so ganz verschollen sein und nächtlicher Weile eine geisterhafte

Wiederauferstehung feiern?

In den Ruinen regte sich nichts. Was mich aus dem Halbschlaf

emporschreckte, waren hungrige Hunde aus der Nachbarschaft, die in

unserm Lager nach Beute suchten.

[Illustration:

Phot.: Schölvinck.

Bagdad, Babylon, Ninive · 第 48 / 54 题