Das deutsche Expeditionshaus in Assur.]

Wir besuchten auch das Haus der deutschen Archäologen am Ufer, ein

großes, festes Gebäude, auf dessen Innenhof, wie üblich, eine offene

Galerie hinausging. Am Tor trat bei unserer Ankunft die Wache ins

Gewehr. Dann empfing uns ein alter Türke, erzählte von der Zeit, als

Andrae, Jordan, Lührs und Bachmann hier arbeiteten, und zeigte uns die

Zimmer, die jeder von ihnen bewohnt hatte. Jetzt lagen darin vierzehn

englische Soldaten und eine Anzahl schwerkranker Inder, die auf dem

Wege in die Gefangenschaft zusammengebrochen waren.

Später unterhielt ich mich in der Nähe des deutschen Hauses mit einem

dieser Patienten, der sich bereits wieder völlig erholt hatte. Es

war ein Hindusoldat, der fließend Englisch sprach und den Anflug

europäischer Bildung sehr geschickt mit seiner ursprünglichen

orientalischen Weisheit zu verbinden wußte. Auch er hatte anfangs den

Versicherungen der englischen Offiziere geglaubt, Deutschland habe aus

Raubsucht den Krieg begonnen und die Türkei gezwungen, mitzumachen; die

Deutschen seien Barbaren und die Feinde der Menschheit, die Kosaken

aber die Herolde der Zivilisation; Deutschland sei schon so gut wie

vernichtet, und die Türkei verdiene eine exemplarische Strafe, da sie

die Geschäfte der Deutschen besorge. Das alte Lied! Seit dem Fall von

Kut-el-Amara war aber dem Hindusoldaten ein Licht aufgegangen. Von der

Barbarei der Deutschen und Türken hatte er nichts gemerkt, er war im

Gegenteil als Gefangener von den Türken gut behandelt worden. Auch die

Bedrohung Indiens durch Deutschland hatte er als Schwindel erkannt, und

er wußte nun, daß man ihn gezwungen hatte, für ein Land zu kämpfen,

dessen Geschick ihn nichts anging und für das sich zu opfern er und

alle seine Landsleute wahrlich nicht die geringste Veranlassung hatten.

[Illustration:

Phot.: Schölvinck.

Bagdad, Babylon, Ninive · 第 47 / 54 题