Um 3 Uhr morgens, als das Dunkel der Nacht noch auf der Steppe lag,
erwachte die Unruhe des Abends bereits wieder. Deutsche und Türken,
Araber und Tataren drängten sich durcheinander, um die Karawane zum
zeitigen Aufbruch fertig zu machen. Deichseln knarrten, Geschirre
rasselten, Pferde und Maulesel wieherten in der frischen Morgenluft.
Während wir frühstückten, wurden die Packwagen beladen, Kisten und
Kasten mit Riemen festgemacht, und sowie ein Wagen fertig war, fuhr er
auf die Straße hinaus. Dort ordnete sich die Kolonne.
Diesmal nahm ich im Automobil des Herzogs Platz. Am Steuer saß derselbe
Chauffeur Laube, der uns bei meinem Besuch an der Westfront von Bapaume
nach Metz begleitet hatte. Die Straße -- wie meist in Asien eine
Menge parallel laufender Fußwege -- war so glatt, daß man bequem 40
Kilometer in der Stunde fahren konnte. Schwierigkeiten machten nur hin
und wieder einige höchstens 10 Meter tiefe Wadis durch die Steilheit
ihrer Abhänge. Die Landschaft war ziemlich die gleiche wie am Tage
vorher. Nur war die Steppe dichter mit einem Rasen bedeckt, den die
Heuschrecken verschmähen; diese fanden sich daher nur bei Tierkadavern.
Um so häufiger waren die Steppenhühner, die dicht vor unserm
heransausenden Auto in Wolken aufstiegen, mit ihren kurzen pfeifenden
Flügelschlägen uns umschwirrten und sich bald wieder niederfallen
ließen. Wenn wir anhielten, hörten wir das Gackern der Hennen, die um
ihre Küchlein bangten. Mit sicherer Hand erlegte der Herzog neunzehn
Hühner, die eine willkommene Abwechslung unserer Speisenkarte waren,
uns aber auch in den Verdacht der Straßenräuberei brachten. Denn eben
als der Herzog schoß, kam eine unbeladene Kamelkarawane des Weges;
sogleich begannen auch deren Leute zu schießen, um uns zu zeigen, daß
sie nicht unbewaffnet seien. Als sie dann sahen, daß wir friedliche
Europäer waren, kamen sie herangeritten und grüßten „Marhabba“. Auch
graue Antilopen mit weißem Bug zeigten sich in kleinen Herden; aber
ihnen war nicht beizukommen; ehe man sich zum Schuß fertig machen
konnte, waren sie verschwunden.
[Illustration: Begegnung mit einer großen Kamelkarawane.]
[Illustration:
Phot.: Schölvinck.