An einzelnen Stellen lassen Häuser oder Gärten einen schmalen
Uferstreifen frei. Hierhin kommen die Wasserträger, die ihre großen
Säcke aus Ochsenhaut paarweise von Eseln tragen lassen können. Hier
füllen die Frauen ihre Krüge, waschen Kleider oder Kinder; die
Schleier sind zurückgeschlagen, die weiten rockähnlichen Hosen bis
übers Knie heraufgezogen, und barfuß gehts ein Stück in das seichte
Wasser hinein. Dann lassen sie sich in Gruppen am Strande nieder, um zu
schwatzen, und kehren schließlich in ihre Häuser zurück, anmutig ihre
Krüge bald auf den Schultern, bald auf dem Kopf balancierend.
Knaben, Jünglinge und erwachsene Männer benutzen denselben Platz zum
Baden. Schwimmen können sie alle, sie sind ja an dem gewaltigen Strom
geboren, von ihm abhängig, mit ihm vertraut. Geschmeidig wie Katzen
klettern sie am Kai hinauf, springen wieder ins Wasser, schwimmen
umher, tauchen und ringen mit der Strömung, schreien und lachen. Es ist
ein Summen wie im Bienenkorb, ein Spritzen und Plantschen, als zöge
eine Schar Delphine vorüber. Ohne Gefahr ist solch ein Bad nicht; aus
dem Persischen Golf gehen ab und zu Haifische tigrisaufwärts bis nach
Bagdad, ja sogar bis Samarra.
[Illustration: Mariem, 15jähriges chaldäisches Mädchen aus Alkosch.]
[Illustration:
Phot.: Schölvinck.