keine Furcht. Er hat seinen Nachbarn Peter längst durchschaut und weiß,
daß dieser wohl im Blaffen groß, aber kein furchtloser Draufgänger
ist. Für gewöhnlich macht er bei der Annäherung von Hunden kaum einen
Buckel. Dagegen zieht er sich vor einem ausnehmend scharfen Dachshunde,
der mit Schmarren bedeckt ist und um die Ecke wohnt, regelmäßig zurück.
Da August jetzt seiner Herrin in den Keller gefolgt ist, so wollen wir
zunächst uns das, was wir bei ihm erschaut haben, zu erklären suchen.
Hund und Katze sind beide Raubtiere, wie wir wissen. Aber sie wenden
ganz verschiedene Mittel an, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Der Hund
spürt mittels seiner feinen Nase einen Pflanzenfresser auf, wie noch
jetzt seine wilden Verwandten, die Wölfe und andere hundeartige Tiere,
und sucht ihn durch seine Schnelligkeit zu erbeuten. Er ist, wie wir
schon sagten, ein Hetzraubtier.
Ganz anders verfährt die Katze. Ueber ihre Abstammung soll später
gesprochen werden. Jedenfalls gleicht sie heute noch ihrer nahen
Verwandten, der europäischen Wildkatze, fast in allen Stücken.
Gleich dieser hat sie erstens keine feine Nase, um eine Hasenspur
zu verfolgen, wie ein Hund. Sähe sie aber wirklich im Felde einen
Lampe, wie man den Hasen nennt, so denkt sie nicht daran, wie ein Hund
hinterher zu laufen. Dazu ist sie nicht schnell genug. Sie kann zwar
sehr schnell einige Sprünge machen, aber ein Dauerläufer ist sie nicht.
Während also der Hund den Weg der offenen Gewalt einschlägt,
verabscheut die Katze diese Fangart und bekennt sich zur Anwendung der
List. Sie sagt sich: warum soll ich dem Hasen nachlaufen, den ich doch
nicht einhole? Viel einfacher ist es, wenn ich mir den Hasen kommen
lasse.
Und unsere Mieze hat mit ihrer Fangart außerordentlichen Erfolg. Das
weiß jeder Jäger, wie gefährlich gerade wildernde Katzen dem Wildstande
sind.
Man sollte meinen, daß Hasen, Rebhühner und anderes Wild nur die
Stellen zu meiden brauchten, wo eine Katze sitzt. Aber die Katze ist
eine solche Meisterin in ihrer Fangart, daß sie selten ohne Erfolg
bleibt.
Bricht die Dämmerung herein, so verspürt der Hase, der auch ein
nächtliches Tier ist, Hunger im Magen. Er will sich deshalb auf das
Feld begeben, um sich an dem saftigen Klee und anderen Gewächsen
zu laben. Zu diesem Zwecke läuft er gewisse Steige, sogenannte
Pässe, entlang, wie ja auch der Mensch mit Vorliebe Straßen benutzt.
Vorsichtig prüft er erst mit der Nase, ob er nicht irgendeinen Räuber
entdecken kann. Aber seine Nase kann nichts Feindliches feststellen.
Noch mehr verläßt sich der Hase auf sein feines Gehör. Nicht umsonst
hat er die langen Löffel (Ohren). Aber auch die Ohren können ihm keine
Gefahr melden. Nicht das geringste Geräusch ist zu vernehmen.
So hoppelt denn unser Lampe mit Seelenruhe seinen Paß entlang. Trotzdem
ist es sein letzter Weg. Denn hinter einer bewachsenen Erhöhung
überfällt ihn blitzschnell eine verwilderte Katze und trotz seines wie
Kindergeschrei klingenden Quäkens endet er bald sein Leben unter ihrem
Gebiß und ihren Prankenschlägen.
Vergegenwärtigen wir uns diese Räubertätigkeit der Katze als
vollendeter Schleicherin, so wird uns ihre Gestalt und ihr Verhalten
vollkommen klar.
Eine Schleicherin muß scharf sehen können, ob sich das Opfer nähert.
Die Katze ist daher ein Augentier, das ein scharfes Sehvermögen, aber
nur einen mäßigen Geruchssinn besitzt. Die Nase braucht daher nicht so
ausgebildet zu sein wie beim Hunde. Infolgedessen erscheint der Kopf
rund. Das ist für eine im Gebüsch harrende Schleicherin von Vorteil,
denn ein langer Kopf wäre schwerer zu verbergen.
Wer sich ferner nicht verraten will, der muß ganz geräuschlos auftreten
und darf kein Zappelphilipp sein. Die Katze versteht das. Ihr
Auftreten ist so geräuschlos, daß man selbst im Zimmer bei schärfster
Aufmerksamkeit das Gehen einer Katze nicht hört.
Jetzt verstehen wir ihren runden Rücken, der dem Erdboden ganz nahe
ist. Eine solche Körperform verschwimmt mit der Umgebung. Auch ihre
Ruhe ist uns jetzt ganz einleuchtend. Denn Nasentiere sind für
Bewegungen besonders empfindlich.
Eine im Gebüsch oder im Versteck lauernde Schleicherin muß sich mit
dem geringsten Raum begnügen. Folglich ist für ihren langen Schweif
kein Platz da. Demnach muß sie ihn, um ihn unterzubringen, nach vorn
krümmen. An dieses Krümmen des Schwanzes nach vorn ist die Katze seit
Urzeiten so gewöhnt, daß sie den Schweif auch dann so trägt, wenn sie
den weitesten Raum zur Verfügung hat.
Der Hund dagegen, der krumme Wege im allgemeinen nicht liebt und
deshalb auch nicht in engen Verstecken lauert, läßt seinen Schweif beim
Hinsetzen in gerader Linie liegen.
Von der Bedeutung des Schweifes in der Tierwelt werden wir noch
sprechen.
Der Hase war also der Schleicherin zum Opfer gefallen, weil seine
Schutzmittel ihn nicht retten konnten. Seine Schnelligkeit, sein
größter Vorzug, war wertlos wegen des plötzlichen Ueberfalls. Auch
seine feine Nase konnte ihm die Feindin nicht anzeigen, weil diese
sich wohlweislich hinter einer bewachsenen Erhöhung geduckt hatte.
So konnte der Hase sie nicht riechen. Der Hase ist wie der Hund ein
Nasentier. Auch das vielgerühmte Hasenohr konnte die geräuschlose und
unbewegliche Räuberin nicht wahrnehmen.
Trotz ihres Nagergebisses beißen die Hasen nur ausnahmsweise. Aber
selbst wenn sich der Hase gegen die Katze wehren wollte, so war er
gegen die auf dem Rücken festgekrallte und festgebissene Feindin
machtlos.
31. Welchen Zwecken dienen die Schnurrhaare der Katze?
August besitzt, wie uns aufgefallen war, auf der Oberlippe wagerecht
stehende Borsten, sogen. Schnurrhaare. Beim Hunde können wir nur einige
zerstreute Haare dieser Art an dem gleichen Orte entdecken. Es ist
anzunehmen, daß die Schnurrhaare für August bei seinem Räuberhandwerk
irgendeinen Zweck haben. Worin dürfte dieser Zweck bestehen?
Würden wir einer Katze die Schnurrhaare abschneiden, so könnten wir
die Beobachtung machen, daß sie von einer merkwürdigen Unsicherheit
befallen wird. Und das mit Recht. Denn sie, die Schleicherin, liebt es,
alle engen Gänge, alle Höhlungen zu untersuchen, ob nicht irgendwie
etwas Beute für sie abfällt. Das Durchkriechen enger Wege kann aber
leicht gefährlich werden; man kann manchmal weder vorwärts noch
rückwärts. So sind kleine Affen, die in Zoologischen Gärten ausbrechen
und zu diesem Zwecke sich durch enge Röhren durchzwängen wollten,
steckengeblieben und elendiglich verhungert. Das kann einer Katze wie
allen Tieren, die Schnurrhaare tragen, nicht gut passieren. Wird ihr
Weg so eng, daß die Gefahr des Festsitzens droht, so stößt sie mit den
Schnurrhaaren an. Sie fühlt das gleich und weiß: Bis hierhin und nicht
weiter!
Die Schnurrhaare sind also für das Leben der Katze von der größten
Wichtigkeit. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben sie. Selbst junge
Katzen besitzen sie schon, denn auch sie könnten in ihrer Neugierde in
ein Loch hineinkriechen und darin steckenbleiben. Wir ersehen hieraus,
daß die Schnurrhaare, die manche als Schnurrbart bezeichnen, mit
unserem Schnurrbart nicht das mindeste zu tun haben. Unser Schnurrbart
ziert nur Männer, fehlt also den Frauen und allen Jugendlichen. Sodann
hat er nicht die elastische Eigentümlichkeit der Katzenschnurrhaare,
sofort in die alte Stellung zurückzukehren.
Manche nennen diese Schnurrhaare Tasthaare. Das ist keine Verbesserung.
Betrachtet man genau den Kopf einer Katze, so erblickt man oberhalb der
Augen einzelne lange Haare. Das sind reine Tasthaare. Wenn eine Katze
in eine dunkle Höhlung kriecht, so zeigen ihr diese Haare an, daß die
Höhle zu Ende ist. Ohne diese Tasthaare würde also die Katze Gefahr
laufen, mit ihrem Kopfe gegen den Hintergrund anzustoßen. Da der Kopf
aller Katzen sehr fest gebaut ist, so wäre das weiter kein Unglück.
Der Hund kriecht in keine Höhlen von Brettern, Bäumen und dergleichen,
sondern höchstens in Erdhöhlen. Hier kann ihm aber keine Lebensgefahr
drohen. Denn sollte er wirklich einmal festsitzen, so kann er mit Hilfe
seiner Grabpfoten sich leicht wieder befreien, indem er die Höhle
erweitert. Der Hund braucht also keine Schnurrhaare wie die Katze und
besitzt sie deshalb nicht.
Bereits bei Peter (Kapitel 7) wurde erzählt, daß der Hund Grab- und
Rennpfoten hat. Im Gegensatz hierzu hat August als Katze einziehbare
Krallen an seiner Pranke, d. h. seiner bewehrten Pfote. Das Einziehen
der Krallen hat zwar den Vorzug, den Tritt unhörbar zu machen, aber zum
Graben in einem harten Boden sind einziehbare Krallen nicht geeignet.
Obwohl also Hund und Katze beide früher Raubtiere waren, sehen sie
deshalb sehr verschieden aus, weil sie sich auf ganz verschiedene
Art ihren Nahrungserwerb suchen. Der Hund mit seiner offenen Gewalt
erinnert an einen mit dröhnenden Schritten auftretenden Kürassier,
während uns bei der formgefälligen Katze die Gestalt eines Tanzmeisters
einfällt. Auch bei Pferden und Rindern finden wir einen ähnlichen
Unterschied, obwohl beide Geschöpfe friedliche Pflanzenfresser sind und
oft zusammen weiden.
32. Das Schmeicheln der Katze. Ist die Katze falsch?
»Schmeichelkätzchen« ist eine sehr bekannte Bezeichnung für einen
Menschen, der sich wie eine schmeichelnde Katze bei einem anderen in
Gunst setzen will. Bei August haben wir dieses Schmeicheln als Reiben
an den Kleidern seiner Herrin beobachtet.
Ohne Zweifel ist das eine Art der Katzen, sich beliebt zu machen.
Im Zoologischen Garten können wir das gegenseitige Reiben zwischen
Löwe und Löwin oft wahrnehmen, wenn sie aneinander vorüberschreiten.
Da Raubtiere sich mit ihrem großen Rachen nicht küssen können, so
entspräche dieses gegenseitige Reiben einem Kusse. Das merkwürdig feine
Haar der Katzen scheint für solche Zärtlichkeiten besonders geeignet zu
sein.
Der Hund besitzt dagegen dieses feine Katzenhaar nicht. Er wählt daher
einen anderen Weg. Er springt an uns empor. Das ist, wenn der Hund
schmutzige Pfoten besitzt, und der Mensch eine saubere Hose angezogen
hat, was in der Stadt sehr häufig vorkommt, für uns nicht gerade sehr
angenehm. Was bezweckt der Hund mit dem Anspringen? Man geht wohl nicht
fehl, wenn man annimmt, daß der Hund uns noch näher kommen will. Der
eigentliche Mensch sitzt wohl nach seiner Auffassung im Kopfe, denn dem
nähert er sich mit Vorliebe und sucht uns zu belecken. Darin bestärkt
wird er wohl dadurch, daß gerade aus dem Kopfe unsere Stimme ertönt.
Bekannt ist es, daß eine Katze, die einem Menschen ihre Zuneigung durch
Schmeicheln bewiesen hat, wie es August vor unseren Augen getan hat,
nicht selten kurze Zeit darauf denselben Menschen kratzt, wenn dieser
sie neckt. Weil das ein alter Erfahrungssatz ist, so gilt die Katze
allgemein als falsch. Ist das richtig?
Allerdings kann man manchen Hund nach Belieben prügeln, und er wird
trotzdem seinem Herrn anhänglich und treu sein. Man spricht daher von
einer Hundedemut, weil es unseren sonstigen Erfahrungen widerspricht,
daß ein Geschöpf für tägliche Prügel sich noch unterwürfig und ergeben
zeigt. Wer ebenso mit einer Katze verfahren will, der kommt an die
unrichtige Stelle. Der Hund ist allerdings eine Sklavennatur, die
Katze dagegen eine Herrennatur. Sich von dem Menschen prügeln zu
lassen, weil dieser grade schlechter Stimmung ist, fällt der Katze
nicht ein. Sie wehrt sich dagegen und kratzt den Angreifer. Der ist
höchlichst erstaunt, weil er denkt: Was sich ein Hund gefallen läßt,
muß sich doch auch eine Katze bieten lassen. Da das nicht der Fall ist,
so schilt er die Katze als falsch.
Warum ist nun der Hund demütig wie ein Sklave, die Katze dagegen stolz
wie ein Herrenmensch?
Wir wissen schon, daß wir wieder bei den wilden Verwandten nachforschen
müssen, wenn wir Auskunft hierüber haben wollen. Schon früher (vgl.
Kap. 11) wurde davon erzählt, eine wie strenge Zucht der Leiter eines
Rudels bei den Eskimohunden hält. Dieser Leiter, der sogenannte Baas,
straft umgehend durch Bisse jeden, der sich irgendeine Unregelmäßigkeit
zuschulden kommen läßt. Von Wolfsrudeln hören wir genau das gleiche.
Als Beispiel sei folgendes angeführt. Wenn die Wölfe wandern, so
tritt jeder einzelne Wolf jedesmal in die Spuren des Vordermanns,
damit es den Eindruck erweckt, als sei nur ein einzelner Wolf den
Weg entlanggelaufen. Wehe dem Wolfe, der aus Sorglosigkeit oder
Unachtsamkeit daneben tritt. Er wird nach den übereinstimmenden
Berichten von dem Leiter des Rudels, dem stärksten Wolfe, zerrissen.
Der Hund hat also seit Urzeiten einen unbeschränkten Herrn über
sich gehabt, gegen den es keinen Richterspruch gab, und von dem er
widerstandslos alles erdulden mußte. Nur die Gewalt, die Stärke,
vermochte etwas gegen seinen Vorgesetzten anzurichten. So kennt der
Hund es nicht anders, als sich alles von dem Stärkeren gefallen zu
lassen.
Die Wildkatze dagegen lebt nicht in Rudeln, sondern allein. Auch unsere
Katze ist daher eine Einzelgängerin geblieben. Eine Unterordnung unter
einem Vorgesetzten hat sie niemals kennengelernt. Deshalb ist sie eine
Herrennatur geblieben.
Falsch kann also nur der die Katze nennen, der auf dem Standpunkt
steht, daß die Katze sich alles wie ein Hund gefallen lassen müsse.
33. Warum schlingt der Hund, während die Katze gesittet frißt?
Von Peter sahen wir, daß er ein Stück verwestes Fleisch im Nu
hinunterschlang, während August langsam wie ein gut erzogener Mensch
kaut. Für uns Menschen ist es ein naheliegender Gedanke, diese
Verschiedenheit darauf zurückzuführen, daß die Katze das gesittete
Essen dem Menschen abgesehen hat, während der Hund darin ein
unbelehrbarer Tropf geblieben ist.
Diese Ansicht ist schon aus dem Grunde nicht wahrscheinlich, weil die
Katze im Vergleich zu dem Hunde erst ein sehr junges Haustier ist. Auch
hier ist die Lebensweise der Verwandten ausschlaggebend gewesen.
Wer, wie die Wildkatze, einzeln lebt, braucht sich bei der Mahlzeit
nicht zu sputen. Es wird ihm deshalb kein Happen fortgenommen, und die
Beute schmeckt desto besser. Wer dagegen im Rudel schmaust, wie die
Wildhunde, der muß sich sputen. Sonst geht er leer aus.
Hierzu kommt noch die Verschiedenheit des Gebisses. Die Katze mit
ihrem kleinen Gebiß kann gar nicht so schnell schlingen, wie der
Hund mit seinem großen Rachen. Wenn wir nach dem Zoologischen Garten
gehen und uns die Fütterung der Raubvögel ansehen, so können wir bei
ihnen den gleichen Unterschied wahrnehmen. Die Geier mit ihren großen
Schnäbeln schlingen, weil sie in der Freiheit gemeinsam an demselben
toten Tiere sich zu sättigen suchen, dagegen fressen die Falken und
Adler gesittet, weil sie einzeln jagen, wie die Katze, auch nicht den
mächtigen Schnabel der Geier besitzen.
Das vorhin erwähnte Sprichwort: Iß wie eine Katze und trink' wie ein
Hund ist nicht ganz genau. Denn auch die Katze lappt das Wasser genau
wie der Hund. Jedenfalls ist sie keine Säuferin, so daß es einfacher
wäre zu sagen: Nimm dir beim Essen und Trinken die Katze zum Vorbild.
34. Die Katzenwäsche. Sind Katzenhaare giftig?
August hat sich nach dem Essen geputzt. Die Katze gilt als ein sehr
reinliches Tier. Mit dieser Reinlichkeit ist es allerdings schwer zu
vereinigen, daß das Waschen nur mit der beleckten Pfote geschieht. Von
einem Kinde, das sich aus Abneigung gegen das Wasser ganz oberflächlich
reinigt, sagen wir daher, daß es »Katzenwäsche« liebe.
Vergleichen wir damit das Benehmen unserer Sperlinge. Es hat vor
einiger Zeit geregnet, und es sind noch einige Pfützen auf der Straße.
An einer von Menschen nicht begangenen Stelle sehen wir die Sperlinge
sich zu einem Bade drängen. Sie tauchen ordentlich in das Wasser ein
und machen sich manchmal so gründlich naß, daß ihnen das Fliegen schwer
fällt.
Warum nimmt sich August die Sperlinge nicht als Vorbild oder geht wie
der Hund in das Wasser hinein, um ein erquickendes Bad zu nehmen?
Abneigung gegen die Reinlichkeit kann es nicht sein, denn das Putzen
ist bei der Katze so auffällig, daß man einen Menschen, der sehr viel
auf sein Aeußeres verwendet hat, als »geleckten Kater« bezeichnet.
Auch sonst ist die Katze nicht pimplig, was man im Winter, wenn Schnee
und Kälte herrschen, oft genug auf den Feldern beobachten kann.
Stundenlang kann sie trotz starken Frostes regungslos sitzen, so daß
sie gegen Kälte ziemlich unempfindlich sein muß.
Der Grund für das Waschen mit der feuchten Pfote muß also anderswo
liegen. Er dürfte in dem Bau ihrer Haare zu suchen sein. Diese sind so
fein, daß nicht einmal eine Fliege auf ihnen sitzen kann.
Den Landleuten ist es längst aufgefallen, daß Fliegen, die den Hund
furchtbar belästigen, der Katze fast aus dem Wege gehen. Natürlich
versucht auch eine Fliege, sich auf einer Katze niederzulassen. Aber
bald kommt sie dahinter, daß ihr das nicht gelingt, und sie fliegt
weiter.
Bei Landleuten hört man auf Grund dieser auffallenden Erscheinung
vielfach die Ansicht, daß Katzenhaare giftig seien. Das ist entschieden
ein Irrtum. Denn Hunde, die beim Raufen mit Katzen das ganze Maul
voll Katzenhaare bekommen, erleiden keinen Nachteil davon. Auch
werden Katzenfelle in Unmenge getragen, ohne daß man von einem
gesundheitlichen Schaden hört. Im Gegenteil: Katzenfelle gelten als
vortreffliches Mittel gegen allerlei Krankheiten.
Uebrigens sind die Fliegen auch ganz verschieden zudringlich zu zwei
anderen Haustieren, nämlich Kühen und Ziegen. Der Kuhstall wimmelt von
Fliegen, während sich im Ziegenstalle nur wenige aufhalten.
Wegen der Feinheit ihrer Haare scheint das Wasser sehr schnell auf
die Haut der Katzen zu gelangen. Der Hund dagegen, der sein Naturhaar
besitzt, kann stundenlang im Regen weilen, ohne im gleichen Grade
durchnäßt zu werden, da ihn die Unterwolle schützt.
Hiermit steht im Einklang, daß alle Katzen es vermeiden, bei
Regenwetter ins Freie zu gehen. Während ein abgehärteter Hund sich
nicht durch einen strömenden Regen abhalten läßt, seinen Herrn zu
begleiten, sucht die Katze ein schützendes Obdach. Auch unser August
ist wie alle Katzen kein Freund von Regen.
Die Katze kann wohl schwimmen, aber sie tut es nur im Notfalle, denn
sobald sie aus dem Wasser kommt, sieht sie wirklich wie eine »gebadete
Katze« aus.
Von den vielen Beobachtungen auf diesem Gebiete fällt mir gerade
folgende ein. Im Schilfe eines Sees zeterte und verfolgte sich ein
Vogelpärchen. Die Katze von einem benachbarten Besitzer hörte das und
dachte sich: Halt, hier kannst du dir wohl einen leckeren Braten holen.
Mieze kam also ganz leise angeschlichen und wartete, bis die Vögel
nahe genug geflogen waren. Dann sauste sie mit einem Sprunge durch die
Luft. Doch die Vögel hatten im letzten Augenblick die drohende Gefahr
erkannt und sich eiligst davongemacht. Mieze konnte mit ihren Pranken
keinen von ihnen fassen und fiel in den See, der ihre Jagdleidenschaft
etwas abkühlte. Der Anblick der zurückkehrenden Katze mit ihrem
betrübten Gesicht wegen des fehlgeschlagenen Unternehmens und mit dem
pitschenassen Felle ist mir heute noch gewärtig.
Einen untrüglichen Beweis, daß Dauerregen sehr nachteilig auf Katzen
wirkt, liefern uns Länder, die wie Paraguay andauernde Regenzeiten
haben. Es ist in diesen Ländern bekannt, daß verwilderte Katzen während
dieser Zeit sterben.
Uebrigens gibt es auch bei andern Völkern Haustiere, die sehr
empfindlich gegen Nässe sind, z. B. das Kamel. Ein Freund von mir, der
während des Weltkrieges im Orient tätig war, erzählte mir, daß man von
dieser Eigentümlichkeit der Kamele keine Ahnung gehabt hat und sie
deshalb in bester Absicht in die Schwemme getrieben habe. Die Wirkung
sei verheerend gewesen, denn etwa die Hälfte der Kamele sei daran
gestorben.
Das Kamel stammt aus Gegenden, wo es fast niemals regnet. Wasser am
Körper ist ihm deshalb sehr nachteilig.
Aehnlich liegt die Sache bei dem Esel, von dem wir noch später sprechen
werden. Pferde reitet man in die Schwemme, aber Esel nirgends.
Ein Knabe, der sich aus Pimpligkeit nicht waschen will, darf sich also
niemals auf die Katze berufen. Die Katze wäscht sich deshalb nur mit
der feuchten Pfote, weil Nässe ihrem Körper nachteilig ist.
Wenn man bedenkt, daß der Hund ein vortrefflicher Schwimmer ist, der
gern ins Wasser geht, so scheint die Katze mit ihren feinen Haaren als
Raubtier sehr benachteiligt zu sein. Warum hat die Katze nicht auch ein
so vortrefflich schützendes Fell wie der Hund?
Das hat zwei Gründe. Wir haben vorhin geschildert, wie die Katze am
Passe des Hasen auf ihr Opfer wartet und es erbeutet. Besäße die Katze
ein Hundefell, so würde sie wie ein Hund von Fliegen belästigt werden.
Sie könnte unmöglich regungslos bleiben, sondern würde, wie der Hund
es tut, von Zeit zu Zeit nach den Plagegeistern schnappen oder nach
Katzenart sie mit den Pranken zu verjagen suchen. Diese Bewegungen
würden jedoch Geräusche verursachen, die von dem feinohrigen Lampe
schon von weitem wahrgenommen werden würden. Selbst seinem schwachen
Gesicht würden übrigens diese Bewegungen auffallen, da alle Nasentiere,
wie wir wissen, für Bewegungen besonders empfänglich sind. Die lauernde
Katze würde also um ihre Beute kommen.
Der zweite Vorteil, den die Katze von ihrem feinen Haar hat, besteht
darin, daß sie in Dornendickichte eindringen kann, die dem Hund
unzugänglich sind. Die Dornen halten wohl den Hund fest, weil seine
Haare so widerstandsfähig sind, aber nicht die weichen Katzenhaare.
Wir sehen also, daß auch in diesem Falle, wie so häufig im Leben,
Nachteile durch Vorteile auf anderem Gebiete aufgewogen werden. Für die
Nässe sind die Katzenhaare ungeeignet, aber für andere Dinge passen sie
besser als Hundehaare.
Mit dem besonderen Bau der Katzenhaare dürfte es zusammenhängen, daß
sie sich gut zu Versuchen auf dem Gebiete der Elektrizität eignen. Es
dürfte aber übertrieben sein, daß man durch Reibung eines Katzenfells
elektrische Funken hervorrufen kann, wie es in manchen Büchern heißt.
Wenigstens habe ich solche Funkenerzeugung noch nicht beobachten können.
35. Warum hat die Katze eine rauhe Zunge?
Gewöhnlich heißt es, daß die Katze deshalb eine rauhe Zunge besitzt, um
als Raubtier besser das Fleisch zerkleinern zu können. Ob die Stacheln
auf der Zunge wirklich in einem solchen Falle von großem Nutzen sind,
erscheint doch sehr zweifelhaft zu sein.
Sieht man, mit welcher Sorgfalt die Katze ihr Fell leckt, so scheint
es doch wahrscheinlicher zu sein, daß die Katze, da sie Regen wie
überhaupt Wasser meidet, das Fell wenigstens zu kämmen sucht. Die
Stacheln würden hiernach als Ersatz für einen Kamm dienen. Gerade
die Katzen in kalten Ländern brauchen einen reichlichen Haarwuchs,
und dieser muß, wenn schon das Wasser von ihm ferngehalten wird, in
irgendeiner Weise in Ordnung gehalten werden.
Nach unseren Begriffen kann uns das Belecken der Pfote, um damit die
Haut zu bearbeiten, wie es August macht, sehr wenig gefallen. Aber wir
müssen natürlich die Tiere mit einem anderen Maßstab messen als den
Menschen. Wir tauchen unsere Hand in eine Schüssel Wasser und reinigen
die beschmutzte Stelle oder wir nehmen zu diesem Zwecke einen Schwamm.
Der Katze fehlen diese Dinge, und daher wählt sie ihre Zunge als Ersatz.
So halten auch Hundemütter und Katzenmütter ihre Jungen durch Belecken
sauber. Was würde es für Umstände machen, wenn ein Hund oder eine
Katze für jedes Junge -- es sollen nur sechs angenommen werden -- ein
besonderes Bad anrichtete?
Die Zunge hat also, wie wir sahen, bei den Tieren, namentlich bei
Hunden und Katzen eine ganz andere Bedeutung wie beim Menschen. Sie
ersetzt dem Tier häufig die Hand. Wenn ein Hund uns seinen Dank
ausdrücken will, so kann er uns nicht die Hand geben, weil er keine
hat, sondern sucht uns die Hand zu belecken.
36. Das Vorgefühl der Tiere für kommendes Wetter.
Da wir gesehen haben, wie sorgfältig August sein Fell in Ordnung
gebracht hat, so wollen wir bei dieser Gelegenheit etwas näher auf den
Volksglauben eingehen, wonach Besuch zu erwarten ist, wenn die Katze
sich putzt.
Es ist natürlich sehr bequem zu sagen: Das ist ja fürchterlicher
Unsinn. Wie kann ein aufgeklärter Mensch so etwas glauben?
So einfach liegt die Sache nicht. Ich will hier erzählen, was ich mit
eigenen Augen gesehen habe.