4: Für den Nicht-Jäger »Rippen.«

Das sind übrigens die Lichtseiten der Bärenjagd -- die Schattenseiten

aber schauen viel düsterer d'rein. -- Wochenlang in Sturm und Regen den

Wald durchzogen, Jäger und Hunde halb verhungert -- (denn ist man einmal

ausgegangen, um Bären zu schießen, so läßt man sich nicht gern mit

geringerem Wild ein.) -- Alle zu Tode erschöpft und immer noch keine

warme Fährte -- endlich werden die Hunde lebendig, sie wittern den

Feind, sie wissen, daß ihrer, mit dessen Erlegung, Ruhe und Stärkung

wartet; sie strengen ihre letzten Kräfte an und fort geht die Jagd, über

Stock und Stein -- sie überholen ihn, werfen sich in blinder Wuth auf

ihn -- aber der Jäger hat durch die Dickichte oder steilen Schluchten

nicht so schnell mit seinem Pferde folgen können; der Bär, ein alter

erfahrener Bursche, -- nicht gerade mager, aber doch nur feist genug,

um tüchtig laufen zu können, schlägt die Hunde zurück, tödtet drei

oder vier, verkrüppelt andere und ist, wenn trübe Dämmerung den rasch

nahenden Abend verkündet, fern von aller Gefahr und von der für ihn

sorgsam aufgesparten Kugel unerreicht, -- das sind Schatten-, das sind

Nachtseiten, die leider nur zu oft vorkommen. Am Lagerfeuer herrscht

dann sehr üble Laune, und den nächsten Tag ist der Jäger äußerst

zufrieden, wenn er nur noch so glücklich ist, einen Hirsch zu erlegen,

um mit seinen übrigen Hunden, wieder eine Mahlzeit halten zu können. --

Der Bär, obgleich zu den Raubthieren gehörig, nährt sich doch nur,

ausgenommen im äußersten Nothfall, von Früchten und Insekten, und greift

nur im Sommer, wo er seine Nahrung zu sparsam zusammen suchen muß,

Schweine und fast _nur_ Schweine an, zwischen denen er dann freilich

oft recht arge Verwüstung anrichtet. Hauptsächlich lebt er von Eicheln,

anderen Waldfrüchten und Beeren, und wird in fruchtbaren Jahren oft

so feist, daß er fünf bis sechs Zoll Feist ansetzt. Ein ordentliches

Bärenmesser darf daher auch eigentlich nicht weniger als 9 Zoll in der

Klinge haben, wenn es in allen Fällen gerecht sein soll.

Zu dem jagdbaren Wilde Nordamerika's gehören auch einige Raubthiere, die

eine zu wichtige Rolle im Walde spielen, um ganz unerwähnt zu bleiben.

Der _Panther_ muß mit Recht an die Spitze kommen, denn er ist der

stärkste und gefährlichste Gegner des Menschen, und auch wohl das

einzige Raubthier in dem weiten Urwald, das der Jäger zu fürchten hat,

da es Nachts die Lager umschleicht und in manchen, aber doch sehr

seltenen Fällen schon dem sorglos Schlummernden gefährlich geworden ist.

Heerden und Schweine und Kälber, Fohlen, und selbst erwachsene Pferde

fallen seinem Blutdurst. Hauptsächlich nährt er sich jedoch von Hirschen

und kleinerem Wild, beschleicht Nachts die Salzlecken oder lauert, im

Laub der Bäume versteckt, auf die ruhig darunter hin Äsenden. Von den

Hunden gehetzt, bäumt er am Tage sehr leicht auf, Abends und Nachts aber

verläßt er sich lieber auf seine Gewandtheit und List, bringt die Hunde

durch falsche Sprünge von der Fährte ab und entgeht ihnen meistens.

Er wird etwa so groß wie ein tüchtiger Fleischerhund, ist ziemlich von

der Farbe des Rothwildes und färbt, wie dieses, im Winter; sein Fell hat

keinen großen Werth und die Jagd auf ihn wird daher auch nicht, wenn er

sich nur irgend entfernt von den Ansiedelungen hält, besonders lebhaft

betrieben. Sonderbar ist es, wird aber allgemein behauptet, daß er,

so scheu er auch am Tage den Menschen flieht, mit wilder Blutgier

schwangere Frauen anfalle und zerreiße.

Der _Wolf_ steht dem europäischen an Größe bedeutend nach, lebt aber

wie dieser in Rudeln zusammen und geht gemeinschaftlich auf Raub aus;

doch nur fürchterlicher Hunger könnte ihn dazu zwingen, einen Menschen

anzugreifen, denn er ist feig und flieht bei dem leisesten Geräusch. Im

Mai wirft die Wölfin 3-6 Junge, unter denen, wie die Sage geht, jedesmal

ein Wolfshund sein soll, der später der grimmigste Feind der Wölfe wird.

-- Diesen nun aufzufinden, führt die Wölfin die Jungen, sobald sie

laufen können, an ein Wasser, um sie zu tränken. Hier verräth sich der

Wolfshund, der nach Hundeart _leckt_, während die wirklichen, ächten und

treuen Wölfe _saufen_, und augenblicklich wird der junge, bis dato noch

unschuldige Verräther, zu Tode gebissen.

Nicht so schlau als der unsere, fängt man ihn häufig in Fallen, die

gemeiniglich aus einem, aus schweren rohen Baumstämmen zusammengefügten

Kasten bestehen, in dem zuerst, ehe er ganz beendigt ist, das Gescheide

eines Hirsches oder anbrüchiges Fleisch geworfen wird, das er sich

gemeiniglich bald holt, dann auch später den aufgerichteten Deckel nicht

scheut und sich plötzlich gefangen sieht. Da er, in Fuchsfallen oder

Ottereisen erhascht, gewöhnlich den fest gehaltenen Lauf abbeißt, so

läßt der amerikanische Jäger die Falle unbefestigt stehen, hat aber eine

drei bis vier Fuß lange, schwache Kette daran, an der ein vierhakiges

Eisen hängt; dieses faßt überall, wenn der Wolf mit der Falle zu

entfliehen sucht, hinter Büsche und Wurzeln, wird aber stets wieder von

dem darin Sitzenden losgemacht, der sogar schon den Haken in's Gesänge

genommen und zu entziehen versucht hat; aber nie greift er zum äußersten

Mittel, sich den Lauf abzubeißen, so lange er noch eine Hoffnung auf

Entkommen hat und wird nachher leicht mit dem Hunde ausgemacht.

In Canada hörte ich von sehr vielen Farmern, daß sein Biß, selbst bei

einer leichten Verwundung, tödtlich sein solle; das ist aber wohl nur

Fabel. Thatsache ist es übrigens, daß Jahre vergingen, ehe sich die

Wölfe an die dortigen Landgüter hinanwagten, als zuerst auf ihnen

-- Schafe aus Europa eingeführt wurden. -- Sie kannten die rauhen

wolligen Thiere nicht und fürchteten sie ungemein -- wie sie aber erst

einmal, durch Zufall oder peinlichen Hunger getrieben, den Geschmack

derselben weg bekamen und sie als harmlose, nicht gefährliche Geschöpfe

kennen lernten, räumten sie fürchterlich zwischen ihnen auf. In seiner

Naturgeschichte ähnelt er sonst den europäischen Wolfe in allen Stücken,

nur ist er bedeutend kleiner und schwächer als dieser. --

Der graue oder Prairiewolf ist eine Abart, sieht hellgrau aus, ist noch

kleiner und furchtsamer als der schwarze, und lebt meistentheils in den

Steppen.

Der _Fuchs_. Es wäre nicht halbrecht, Reinecken auszulassen, wo von Wild

die Rede ist, obgleich er in Amerika eine ziemlich untergeordnete Rolle

spielt. Erstlich ist er bedeutend kleiner als der unsere, giebt ihm aber

wohl kaum an Schlauheit nach und weiß tausend Mittel und Wege, die Hunde

von seiner Spur abzubringen. Eine Eigenthümlichkeit hat er übrigens vor

dem europäischen voraus -- er bäumt auf, was fast unglaublich klingt;

ich selbst wollte aber auch meinen Augen nicht trauen, als ich zum

ersten Male den Hunden zueilte, deren wildes Bellen und Klaffen zeigte,

daß sie ihn gestellt oder, wie ich damals glaubte, in seinen Bau gejagt

hatten; ich wußte jedoch wahrlich kaum, was ich sagen sollte, als ich

den rothen Schelm ganz gemüthlich in einem jungen Baum, etwa 12 Fuß

von der Erde, erblickte, wo er sich in die ersten auszweigenden Äste

eingeklemmt hatte und, vor den Hunden wenigstens, geschützt war; er

schnitt aber ein Gesicht wie eine Katze, die beim Milchnaschen ertappt

wird, als er mich kommen sah, denn an Fliehen war nicht mehr zu denken,

da zwölf rüstige Hunde den kleinen Baum umtobten.

In Amerika bäumt übrigens fast alles Wild auf, Büffel, Hirsche und Wölfe

ausgenommen; selbst die Kaninchen kriechen wenigstens inwendig in hohlen

Bäumen hinauf und die Rebhühner, vom Hunde verfolgt, fallen fast stets

in die Bäume ein; es ist einmal die Natur des Wildes dort, in dem

ungeheueren Wald auch die Bäume zum Zufluchtsort zu wählen. Der Fuchs

lebt übrigens in hohlen Bäumen, kann aber nicht etwa klettern, sondern

wirft sich nur, in äußerster Noth mit Springen und Anklammern, zwischen

die niederen Äste eines jungen Stammes und bleibt da eingeklammert

sitzen.

Den Schluß mögen zwei ächte Amerikaner machen, der Waschbär (=racoon=)

und das Opossum oder die Beutelratze.

Der Waschbär, dessen Fell unter dem Namen »Schuppen« eine bedeutende

Rolle auf den deutschen und russischen Märkten spielt, findet sich,

besonders in den sumpfigen Thalländern des Mississippi und anderer

großen Ströme, in ungeheuerer Menge, und wird dort an Ort und Stelle

wenig oder gar nicht geachtet. Die Krämer bezahlen sein Fell in jener

Gegend mit etwa vier guten Groschen. Der Waschbär ist übrigens an und

für sich ein sehr liebes, possirliches Geschöpf, und ähnelt, obgleich er

nie größer als ein starker Dachshund wird, in sehr vielen Stücken dem

Bär, zu dem er auch, dem Geschlechte nach, gehört. Er lebt von Beeren,

Waldfrüchten und Insekten, und liegt, wenn ruhend, in der nämlichen

Stellung wie sein vierschrötigerer Vetter. Den Namen _Waschbär_ hat

er mehr von seiner Neigung zu nassen Nahrungsmitteln als wegen seiner

Reinlichkeit, denn das, was die Leute bei ihm _waschen_ nennen, ist doch

nichts mehr als ein Anfeuchten seines Fraßes. Er kann leicht gezähmt und

zu allen möglichen Kunststücken abgerichtet werden; sein Fleisch ist

dabei delikat und hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Bärenwildpret, nur

daß es nicht wie dieses, wenn es anbrüchig wird, leichenähnlich, sondern

wie anderes Wildpret riecht.

Das Weibchen wirft 3-5 Junge und thut im Sommer den Maisfeldern

ungeheueren Schaden, weshalb ihm auch die Landleute schon aus diesem

Grunde sehr nachstellen. Sein Fell ist grau und sein buschiger Schwanz

mit schwarz und gelben Ringen umzogen. Im Winter wird er mit Hunden

gehetzt und zu Baume gejagt.

Das _Opossum_, oder die Beutelratze, steht an Größe dem Waschbären kaum

nach, sieht aber ganz grau und ratzenartig aus und hat, wenn man es an

einem regnerischen Tage durch den Wald trollen sieht, in der That die

wirkliche Gestalt einer kolossalen Ratze, die über irgend etwas sehr

erschrocken und blaß geworden ist. Besonders geben ihm der kahle, dicke

Schwanz, wie die fingerartigen Krallen, ein außerordentlich widerliches

Ansehen.

Äußerst komisch aber schaut es drein, wenn man ihm im Wald plötzlich

begegnet und dicht zu ihm hinan geht. Zusammenfahrend legt es sich

dann halb auf die Seite und ängstlich, mit weit aufgerissenem scharfen

Gefänge, in die Höhe blickend, zieht es die Lefzen so weit zurück, daß

es gerade so aussieht, als ob es den Störer seiner Ruhe angrinze und

sich unendlich über seinen Besuch freue; es macht dann auch nicht den

mindesten Versuch zu entgehen, und läßt sich nur mit einiger angewandten

Vorsicht, wobei man sich besonders nicht so schnell nach ihm hinunter

bücken darf, sogar hinter dem Gehör kratzen, was ich oft versucht habe,

denn es hat keinesweges einen bissigen und bösartigen Charakter; schlägt

man es aber mit einem Stocke, und sei es noch so leise, oder sieht es

mehre Hunde (_einem stellt es sich_) kommen, so fällt es auf einmal

um und ist anscheinend todt. Diese mögen es nachher beißen, daß ihm

die Rippen krachen -- der Jäger mag es in die Höhe nehmen und wieder

hinwerfen -- es ist todt und rührt sich nicht, und erst im wirklichen

Todeszucken oder in tiefes Wasser geworfen, wo es seine Rolle vergißt

und schnell zu schwimmen anfängt, zeigt es Bewegung.

Dieses kleine Thier beweist dabei, während der fürchterlichsten Qualen,

die es doch nothwendiger Weise unter den wüthenden Bissen der Hunde

ausstehen muß, selbst noch im Tode eine solch merkwürdige Geistesstärke,

mit der es das Schlimmste erträgt und nicht zuckt, ja selbst keinen Laut

von sich giebt -- daß ich mich später, als ich seine Eigenthümlichkeiten

recht kennen lernte, nie mehr entschließen konnte, eins _umzubringen_,

denn unter diesen Verhältnissen erschien es mir ein wirklicher Mord.

Äußerst komisch sieht es aber aus, wenn man es hinter einem Baume vor

beobachtet, wie es aus seinem anscheinenden Tode wieder erwacht.

Zuerst, wenn Alles ruhig und still ist, und es sich fest überzeugt

glaubt, daß sein Feind den Platz verlassen hat, öffnet es leise die

kleinen Lichter und äugt -- so wenig als möglich den Kopf dabei

bewegend, überall umher; kann es nichts weiter erspähen, so streckt es

behutsam die winzigen Lauscher vor und horcht -- Alles ruhig; jetzt hebt

es den Kopf, blinzt rings im Kreise umher, liegt noch ein Weilchen ganz

ruhig, wo es beim geringsten Geräusch wieder in seine vorige Stellung

und Leblosigkeit zurücksinkt, und richtet sich zuletzt, wenn es den

Frieden völlig wieder hergestellt glaubt, auf und trollt ab.

Wird es verfolgt und kann in der Geschwindigkeit einen Baum erreichen,

so bäumt es auch auf, wobei es mit ungemeiner Gewandtheit klettert, doch

benutzt es, um an starken Bäumen emporzuklimmen, gewöhnlich die herunter

hängenden, wilden Weinreben. Sein Fleisch, das zart und schön aussieht,

wird von Vielen leidenschaftlich gegessen, die dann behaupten, es

schmecke wie junge Ferkel; ich konnte aber nie meinen Ekel vor seiner

häßlichen Gestalt so weit überwinden, davon zu kosten. Seine nackten

Jungen trägt es, wie das Känguruh, nach der Geburt noch eine lange Zeit

in einem sich unter dem Bauche befindenden Beutel umher; in den sie sich

auch, wenn sie schon herumlaufen können, bei jeder nahenden Gefahr

hineinflüchten.

Das ist etwa der Urwald mit seinen Bewohnern, der nun freilich noch

durch unzählige kleinere Vögel belebt wird. Schaaren von Tauben und

kleinen Papageien durchschwärmen die Luft, und im Herbst und Frühjahr

füllen unzählige Völker von wilden Enten und Gänsen die fließenden

Wasser und einsamen Waldseen des gewaltigen Reiches, deren Jagd

besonders in den südlichen Staaten, in Louisiana, wo sie, aus dem

hohen Norden kommend, überwintern, äußerst interessant ist.

Louisiana kann ich aber nicht erwähnen, ohne der Schnepfenjagd dabei zu

gedenken, die ich dort von Anfang Februar bis Mitte März getrieben. Fast

fürchte ich jedoch hier in Deutschland, wo die Schnepfe eigentlich zu

den Seltenheiten gehört, keinen Glauben zu finden, wenn ich die Zahl

angebe, die ich jede und jede Nacht erlegt habe; ich will aber die Sache

erzählen, wie sie wirklich ist, und derjenige, welcher je die Ufer des

Mississippi nach mir betritt und in dem flachen Lande, das an seinen

Ufern, zwischen diesen und den weiter zurückliegenden Sümpfen liegt,

jagt, wird finden, daß ich nicht übertrieben habe, denn jene Massen

können nicht vernichtet werden.

Die ungeheueren Schilf- und Sumpfdickichte dienen der amerikanischen

Waldschnepfe und Becassine den Tag über, zum Aufenthalt, und mit

Dunkelwerden, wie bei uns, streichen sie in die offen liegenden nassen

Wiesen und Baumwollenfelder. Nun könnte man sich zwar anstellen und sie

auf dem Strich schießen, denn _Tausende_ schwärmen aus den schützenden

Büschen in's Freie; die Bäume sind aber dazu zu hoch und eine viel

bequemere, Kraut und Blei sparende Jagd betreibt der Creole dort, zu

dessen Lieblingsgerichten die Schnepfe gehört. Auf ähnliche Art habe

auch ich _jede_ Nacht -- über sechs Wochen hinter einander, gejagt,

wobei ich selten und nur dann, wenn das Wetter ungünstig war, nach

zweistündigem Umherwandern weniger als zwölf bis achtzehn Schnepfen

hatte.

Die Schnepfe wird aber hier, wie der Hirsch im Walde, bei Fackellicht

geschossen. Mit eben solcher Pfanne versehen, wie ich sie für die

Feuerjagd des Rothwildes beschrieben habe, betritt der Jäger Abends nach

Dunkelwerden, wenn der Wind nicht zu stark bläst und der Mond nicht zu

hell scheint, die feuchten Wiesen. Ein Sack mit feingespaltenem Kienholz

hängt an seiner Seite oder wird besser von einem ihm dicht folgenden

Begleiter nachgetragen, der dann auch das Wiederauflegen des herunter

gebrannten Kiens besorgen muß, um stets eine recht helle, lebhafte

Flamme zu unterhalten, und jetzt, in der rechten Hand die leichte

Doppelflinte, in deren Rohren sich nur eine Viertelladung befindet,

um die kleine Schnepfe (sie sind bedeutend kleiner als bei uns, den

deutschen sonst aber ziemlich ähnlich) nicht zu sehr zu zerschießen,

wandert der Jäger leise und höchst aufmerksam, das kurze Gras der Wiesen

überschauend, an kleinen, feuchten Gräben und nassen sumpfigen Stellen

entlang. Auf dreißig Schritt schon kann er, wenn er eine recht gute

Flamme führt, die Schnepfe erkennen, die, entweder das Feuer gar nicht

beachtend, sorglos weiter läuft und den langen Schnabel in den weichen

Erdboden hineindrückt, oder mit auf den Rücken gelegtem Kopf, den

Schnabel vor sich hinausstreckend, stehen bleibt und den Herankommenden

ruhig erwartet.

Auf zehn bis zwölf Schritt habe ich gewöhnlich geschossen und natürlich

nur selten gefehlt, was aber dennoch manchmal vorfällt, da das Feuer

oft auf dem hellen Lauf, den man bei einer Schrotflinte übersehen muß,

blendet, und man beim Abdrücken schon hinan zu sein glaubt, die Schnepfe

aber dennoch unterschießt. Durch den Schuß oder auch durch den ihr

zu nahe auf den Leib rückenden Jäger aufgescheucht, steigt sie mit

schwirrendem Laute gerade in die Höhe, fällt aber auch augenblicklich

in einem kleinen Bogen und fast stets noch im Bereich des Feuerscheins

wieder ein, und kann schnell auf's Neue gefunden werden.

So wenig scheut sie die Flamme, daß viele Neger, deren Herr ihnen

nicht erlaubt, eine Flinte zu führen, Nachts mit der Fackel und lang

abgeschnittenen Zweigen hinausgehen und sie zu Boden schlagen. In der

einen Ansiedelung, =Pointe Coupée= am Mississippi, die sich etwa zwei

englische Meilen in das Land erstreckt und zwei und zwanzig englische

Meilen am Fluß hindehnt, werden doch in jedem Jahre, (d. h. in den

sechs Wochen, denn im Herbst läßt sie sich nicht in den Wiesen sehen)

wenigstens 10,000 Schnepfen und Becassinen erlegt und theils nach

New-Orleans und in die kleinen Städte auf den Markt gebracht, theils

selbst verzehrt. Bei dieser Nachtjagd, zwischen den zahlreichen

Lagunen der Niederung umher, schoß ich denn auch sehr häufig dort

eingefallene Enten, ja einmal selbst eine wilde Gans, für die ich jedoch

besonders laden mußte; auch Kaninchen und Rebhühner, die man in den

Baumwollenfeldern auftreibt, halten, und ich glaube gewiß, daß man eben

dieselbe Jagd hier in Deutschland, wenigstens auf Enten und Hühner,

betreiben könnte; denn Schnepfen sind doch dazu zu selten; -- es kommt

natürlich nur einmal auf einen Versuch an.

Die Bewaffnung eines Bärenjägers in Arkansas, der sich nicht fortwährend

in drei und vier Meilen um sein Haus herum treibt, sondern längere Züge

in die Waldung unternimmt und oft wochenlang keine Wohnung, außer der,

die er sich selber aus Rindenstücken aufbaut, zu sehen bekommt, ist etwa

die folgende. Eine gute einläufige Büchse und ein Bärenmesser -- etwa

9 Zoll lang in der Klinge und zwei und einen halben breit, mit der

gehörigen Schwere, um nicht allein kleine Lagerstangen, sondern auch

beim Zerlegen des Wildes das Schloß ohne Mühe durchschlagen zu können,

dazu ein kleineres, kurzes Messer (Scalpirmesser) ausschließlich für

das Zerwirken und Essen bestimmt und dann ein Tomahawk (indianisches

Beil) im Gürtel, um im Nothfall stärkere Bäume umhauen, Kienholz

spalten und ein tüchtiges Lager bauen zu können, ist Alles, was er

als Vertheidigungs- und Angriffswaffen bei sich führt; zu seiner

Bequemlichkeit trägt er aber noch eine wollene Decke zusammengerollt

auf dem Rücken, und einen Blechbecher an einem Henkel im Gürtel, um

in diesem Abends, wenn er seine Decke aufgespannt oder ein Rindendach

erbaut hat, etwas von dem gebrannten Kaffee, den er in einem ledernen

Säckchen in die Decke gewickelt mit sich führt, erst mit dem Stiel

seines Tomahawks im Becher zu stoßen und dann in diesem zu kochen.

Die Bekleidung besteht fast ganz aus Leder, was die Unzahl von dornigen

Schlingpflanzen, die überall den Wald durchziehen, nöthig machen. Ein

ordentlicher Jäger muß aber nicht allein sein eigener Schneider und

Schuster sein, sondern er gerbt auch die Häute, die er verwenden will,

selber, und nur dann kann er sich in jenen gewaltigen Wäldern unabhängig

fühlen, wenn er aus sich selbst sich zu erhalten, zu nähren und zu

bekleiden vermag.

Doch ich bin weitläufiger geworden, als im Anfang meine Absicht war,

und muß schließen, um nicht zu breit und dadurch langweilig zu werden,

glaube aber in dieser kleinen Skizze einen ungefähren Umriß von der

nordamerikanischen Jagd, wie ich sie durch sechsjährige Erfahrung und

fast vierjährigen, ununterbrochenen, praktischen Betrieb kennen gelernt,

gegeben zu haben. Die Jagd ist jedoch in den endlosen, wilden Wäldern

des noch neuen Landes kein Vergnügen mehr, das man sich zur Erholung

gestattet, sondern es ist eine Arbeit, die, weil man einmal darin ist

und leben muß, vollzogen sein will, verliert daher vieles von ihrer

Annehmlichkeit.

Dabei verringert sich, durch das rücksichtslose Jagen, das Wild mit

jedem Jahre, die Mühe wird daher immer größer, der Erfolg immer weniger

belohnend; dennoch aber ist's ein eigenes herrliches Gefühl, ganz so auf

sich und seine eigene Kraft angewiesen zu sein und frei, ungehindert

wie der Vogel in der Luft, den Wald durchziehen zu können. Hat dann der

einsame Jäger Abends sein Feuer angezündet, sein schnell errichtetes

Dach über sich ausgespannt, so ist er auch zu Hause, denn der Wald ist

ja seine Heimath und jedes dichte Laubdach seine Schlafkammer.

Wer freilich mit der Idee nach Amerika geht, dort Geld zu verdienen, ja

der soll um Gottes willen die Flinte an den Haken hängen, denn wenn er

auch hören mag, daß die Gallone Bärenfett 1-1/2 Dollar gilt und ein

recht tüchtiger, feister Bursche oft funfzehn, ja zwanzig Gallonen mit

sich trägt, so ist das Alles recht schön und gut -- er trägt sie eben

mit sich und der Jäger kann ihn vielleicht -- wenn er rechtes Glück

hat -- nach Monate langer Jagd auffinden und erlegen, und dann ist er

gewöhnlich immer in einer Gegend, wo er vor allen Dingen, wenn er das

Fett wirklich auslassen kann, dieses in erst gemachte Hirschhautschläuche

füllen und dann noch, wer weiß wie weit, zum Verkaufe transportiren muß;

Hirschdecken gelten im Sommer kaum acht bis zwölf gute Groschen -- das

Wildpret hat fast gar keinen Werth.

Nein, zu verdienen ist nichts auf der Jagd; wer jedoch einmal ein Paar

Jahre seines Lebens dran wenden will, nun dem bleibt in späteren Zeiten

wenigstens die Erinnerung. Es ist aber auch recht so, denn wollte man

das edle Waidwerk nur um schnöden Gewinnstes willen treiben, wie im

Norden und Westen Amerika's die großen Pelzcompagnieen thun, so würde es

zum schändlichsten Morden herabgewürdigt und verlöre all das Schöne und

Männliche, das ihm jetzt solch unendlichen Reiz verleiht. --

Doch genug hiervon; ich habe aus meinem Leben, nicht wie ich es von

Anderen erzählen gehört oder in Büchern gelesen, sondern wie ich es

selbst erfahren und beobachtet, das beschrieben, was in den Urwäldern

Nordamerika's innerhalb der vereinigten Staaten lebt und gejagt wird,

und bin ich ein wenig weitläufiger dabei geworden, als es Manchem recht

erscheint, so mag er bedenken, daß ein Jäger, der von seinen erlebten

Jagden erzählt, selten das Ende finden kann.

Amerikanische Wald- und Strombilder. Erster Band. · 第 5 / 8 题