Zweitens durch _Hetzen_ mit guten, darin geübten Hunden, und

Drittens durch das _Aufsuchen der Stellen_, in welchen er seinen

Winterschlaf hält.

Das Pürschen, so interessant es an und für sich ist, kann übrigens

nur im Spätsommer und Herbst geschehen, in welchen Jahreszeiten der

Bär seine Nahrung in den Früchten des Waldes sucht und sorglos dabei

umhertrollt. In bergigen Gegenden, wo viele Heidelbeeren wachsen, geht

daher die Suche schon im Juli an, da er bis Ende August von diesen

lebt; dann jedoch, sobald die Eicheln der Weißeiche reifen, aber noch

nicht abfallen, ersteigt er diese und bricht oft ziemlich starke Äste

herunter, um von ihnen seine Lieblingsnahrung abzulesen. Sind viele

Bären in einer Gegend, so ist die Jagd in dieser Jahreszeit sehr

interessant, weil man den Bären, sobald er erst einmal anfängt, Zweige

niederzubrechen, eine lange Strecke weit hören und sehr leicht an

ihn heranschleichen kann. Wo sie aber nur selten angetroffen werden,

wäre es freilich ein undankbares Geschäft, nach den wenigen im Walde

herumzusuchen; dazu ist die Hetze und mit einer tüchtigen Meute Hunde,

sicherer Büchse und breitem, kurzem Stahl an der Seite, auf einem guten,

zähen Poney, in gestrecktem Galopp durch den Wald und Sumpf, hinter den

klaffenden, heulenden Hunden her, das ist die Jagd, wo einem das Herz

warm wird und kühner und freudiger in der Brust klopft. Stellt sich

dann der Bär, -- denn nicht immer sucht er auf einem Baum den Feinden

zu entgehen, -- und tritt ihm der Jäger mit dem Messer in der Faust

entgegen, so wird es doch auch eine Jagd, die Ehre bringt und die einen

_Mann_, keinen bloßen Sonntagsjäger erfordert; das Gefühl, mit dem man

nachher den schweißbefleckten Stahl in die Scheide zurückstößt, wiegt

alle anderen Jagden auf. Die letzte Bärenhetze machte ich in Amerika im

Sommer mit.

Wir hatten keinen großen Nutzen von der Bestie; sie war aber zu lüstern

nach »ihres Nächsten Schweinen« geworden, die sie den in Unmasse im

Walde wachsenden Heidelbeeren vorzog, und mußte daher aus dem Walde

geschafft werden. Übrigens zogen wir damals nicht mit der Idee einer

Bärenjagd aus, sondern wollten blos ein Paar Hirsche schießen, um

das Gehirn derselben zum Gerben einiger Wilddecken zu erhalten (die

indianische Art Hirschhäute zu gerben, geschieht nur mit dem Gehirn

des Hirsches selbst und später durch Rauch), als wir, von einem alten

Jagdgenossen, der seine und meines Begleiters Hunde mitgebracht hatte,

überholt wurden. Drei alte Sauen, erzählte dieser, seien ihm in wenigen

Nächten weggeholt, und er dürstete nach Rache, die ihm denn auch im

reichlichsten Maße wurde. Es war jedoch ziemlich trocken und dürr, und

die Hunde, obgleich mit dem rühmlichsten Eifer suchend, konnten in

langer Zeit keine frische Fährte finden; wir hatten sie aber in dem

dichten Unterholz bald aus den Augen verloren und ritten lachend und

erzählend über die Berge; plötzlich riß der Alte sein Pferd zurück

und horchte, sich hoch im Sattel aufrichtend, mit der gespanntesten

Aufmerksamkeit. Ein kurzes, dumpfes Geheul ließ sich hören -- »das

war =Muse=,« rief er -- ein scharfes, kurzes Bellen folgte »das ist

=Watch=.« -- Gleich darauf schlugen zwei der Lieblingshunde zu gleicher

Zeit an. Jetzt aber schwenkte der Alte den Hut -- »sie haben ihn,«

jubelte er, und dem Pferde den einen Sporn in die Seite drückend, flog

er dem Anschlagen der Hunde zu.

Ich ließ ihn nicht die Büsche für mich theilen, sondern brach mit

=Hozart= an seiner Seite ins Dickicht; gleich darauf schlug auch die

ganze Meute -- etwa 15 Hunde, an, daß der Wald widerhallte. Wir ließen

unsere Stimmen lustig drein schallen, und wie die wilde Jagd gings

durch Dorn und Schlingpflanze, über umgestürzte Stämme und losgerissene

Steinmassen fort dem Schalle nach, der in Schlucht und Thal das Echo

erweckte.

Der Bär sah übrigens bald ein, daß er im offenen Wald der verfolgenden

Meute nicht entgehen konnte, und eilte einem alten =Hurricane=[2] zu,

wo die Eichen und Fichten wie Kraut und Rüben durch einander lagen und

die Dornen und Schlingpflanzen und später aufgeschossener Nachwuchs

die Zwischenräume ausgefüllt hatten. Die Jagd wurde toller und toller;

die Pferde, die Begeisterung der Reiter theilend, setzten in fast

unglaublicher Anstrengung über alte Baumstämme und durch Dickichte,

die im ersten Augenblick fast undurchdringlich schienen.

2 =Hurricane=, eine Art Orkan, der in langen Strichen das Land

durchzieht und oft meilenbreit jeden Baum umstürzt.

Im Anfang waren wir drei Reiter beisammen geblieben; der fürchterlich

verwachsene Wald aber hatte später Jeden den besten Durchweg allein

suchen lassen, und bald konnte ich nichts mehr von den beiden Anderen

hören noch sehen, sondern vermuthete nur, daß sie, um dem Bären den Weg

abzuschneiden, vielleicht eine andere Richtung eingeschlagen hätten;

eine plötzliche Wendung des verfolgten Thieres drehte jedoch die Hetze

plötzlich nach meiner Seite; kleffend und jauchzend stellte ihn in einem

entsetzlichen Dickicht die Meute, und durch eine dichte Brombeerhecke

setzend, die das letzte von mir abstreifte, was nicht niet- und

nagelfest war, fand ich mich in Schußnähe des Kampfes. Augenblicklich

aber warf ich mich vom Pferd und sprang der Wahlstatt zu, wo ein

ungeheuerer Bär sich mit der größten Kaltblütigkeit und Tapferkeit

gegen eilf der besten Hunde, die je einer Fährte in Arkansas folgten,

vertheidigte; mein Anblick brachte ihn jedoch außer Fassung und er

wollte Fersengeld geben, die Hunde waren ihm aber zu nahe auf dem Pelz,

und vergebens sah er seine Bemühungen, einen Rückzug zu bewerkstelligen.

Ich hatte mich indessen immer noch gefürchtet zu schießen, da zu

viele Gefahr war, einen der Hunde mit zu treffen; als ich jedoch noch

unschlüssig halb im Anschlag da stand, krachte des Alten wohlbekannte

Büchse und, für einen Augenblick wenigstens, schien der Bär die ihn

umtobenden Hunde ganz vergessen zu haben, denn stöhnend warf er sich zu

Boden und lag im Nu von jenen bedeckt; doch nicht lange verharrte er in

dieser Lage, sondern sprang, mit jeder seiner gewaltigen Branten einen

der Rüden von sich stoßend, wieder in die Höhe.

Als er stürzte, war mirs klar geworden, daß, im Fall ich noch die

mindeste Lust hätte am Gefechte Theil zu nehmen, dies wohl der einzige

Zeitpunkt wäre, in dem ich nützlich sein könnte, und das Messer aus der

Scheide reißend, sprang ich auf den Gestürzten zu, ihm die Klinge durchs

Herz zu jagen. Ich war aber kaum noch zehn Schritte von ihm entfernt,

als er sich, wie schon gesagt, mit einer gewaltigen Kraftanstrengung

befreite, und das erste, was ihm in dieser gerade nicht liebenswürdigen

Situation in die Augen fiel, war meine werthe Person, mit bloßem Messer

und allen Zeichen einer böslichen Absicht auf ihn zuspringend. Er kam

mir auf halbem Wege entgegen, und ich mag gerade kein ganz freundliches

Gesicht geschnitten haben; das weiß ich nur, wie mir der Gedanke durch's

Hirn fuhr, ich hätte mich schon in viel behaglicheren Situationen

befunden. Aus dem einfachen Grunde jedoch hielt ich Stand, weil ich im

ersten Augenblick wirklich gar nichts andres zu thun wußte und begegnete

dem Anlauf des Bären, indem ich ihm mit aller Gewalt mein breites Messer

in die Brust stieß.

Was weiter geschah, kann ich nicht mehr genau sagen; ein schwerer

Schlag, der mich zurückwarf, ein dumpfes, schmerzhaftes Gefühl,

ein bekanntes Gesicht, das ich erblickte, ehe ich stürzte, und ein

erstickendes Gewicht, das auf mir lag, ist Alles, dessen ich mich noch

entsinne.

Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich, wie mir der Alte einen Hut voll

Wasser nach dem andern und zwar mit einem Eifer ins Gesicht goß, der bei

einer Feuersbrunst äußerst lobenswerth gewesen wäre. Ich erholte mich

jedoch bald und fand, mich aufrichtend, daß ich den erlegten Bären

zum Kopfkissen hatte. Als dieser auf mich los stürmte, war der Alte

glücklicher Weise dicht dabei gewesen, und die Hunde konnten zwar nicht

verhüten, daß mich jener zurückwarf, sich aber in grenzenloser Wuth auf

ihn stürzend, überwältigten sie bald den schwer Verwundeten, meines

Alten Stahl dabei nicht zu vergessen, der die Haut mehr einem Sieb als

etwas anderem ähnlich machte.

* * * * *

Es ist übrigens nicht immer der Fall, daß der Bär sich, auf das Äußerste

getrieben, den Hunden auf ebener Erde stellt; gewöhnlich erklettert er,

mit ausgezeichneter Gewandtheit, im Fall ihm nicht eine Vorderbrante

zerschossen ist, wie ich das auch ein Mal gesehen habe, einen Baum,

und kann dann mit geringer Gefahr herunter geschossen werden; einen

gehörigen Schlag aber thut's, wenn solch ein alter Bursche von zwei bis

dreihundert Pfund, achtzig oder hundert Fuß hoch hernieder und zu Boden

schmettert, und es ist schon oft der Fall vorgekommen, daß er im Sturz

einige, der ihn unten zu eifrig erwartenden Hunde erschlagen hat. Steht

er auf ebener Erde, so wirft er sich gewöhnlich, gleich nach empfangener

Kugel, zu Boden und ächzt und stöhnt wie ein Mensch; decken ihn aber

dann die Hunde, so versucht er nicht sie einzeln zurückzuschlagen,

sondern er stemmt wie in diesem letzten Falle erst seine Branten so

gegen sie, daß er sich mit einem gewaltsamen Ruck befreien kann, und

wehe dann dem Jäger, der ihm in diesem Augenblick zu nahe ist! -- ohne

des Alten Hülfe wäre auch ich rettungslos verloren gewesen.

Hat der Bär einen Baum erstiegen und sich oben festgestellt, so können

ihn die Hunde nicht wieder hinunter scheuchen; der Anblick eines

Menschen aber macht ihn unruhig und versagt das Gewehr, so kommt er

gewöhnlich mitten zwischen die Meute hineingefahren und versucht aufs

Neue zu fliehen, doch ist das nicht stets der Fall.

Äußerst interessant ist der Pürschgang auf Bären, wenn man unbeachtet

an einen derselben herankommen kann. Anscheinend sorglos trollt der

schwarze Geselle durch den Wald, und wer ihn so sieht, mit den plumpen,

ungeschlachten Knochen, den Kopf unten, fast auf dem Boden, nachlässig,

scheinbar auch nicht das Mindeste um sich her beachtend, ahnt wohl kaum,

daß eben dieses anscheinend plumpe Geschöpf schneller als ein Pferd

laufen und fast so behende als eine Katze klettern kann; in seinen

Branten hat der Bär übrigens die meiste Gewalt, und selten benutzt er

seine Gefänge, denn ein Schlag mit der Vorderbrante ist hinreichend

einen Hund zu tödten und selbst einen Stier zu betäuben.

So fürchterlich er aber, wenn zum Äußersten getrieben, ist, so harmlos

und unschädlich zeigt er sich auch, wenn nicht belästigt -- man hat noch

nie gehört, daß ein Bär einen Menschen aus freien Stücken angefallen

habe, ausgenommen es war eine Bärin, die ihre Jungen vertheidigte. Auch

der Schaden, den er dem Landmann thut, wäre nicht so bedeutend, wenn er

nicht im Sommer, wo noch keine Beeren im Walde stehen und die Eicheln

noch nicht reif sind, sich an die zahmen Schweine hielte; hat er aber

erst einmal den Geschmack von diesen weg bekommen, dann thut er auch

ungeheueren Schaden, weil er nur gezwungen Aas frißt und sich, wenn er's

irgend haben kann, jede Nacht ein frisches Schwein holt. In diesem Fall

muß er gejagt und erlegt, oder wenigstens aus der Gegend vertrieben

werden, denn nicht immer können die Hunde im Sommer einen mageren Bären

einholen, der ihnen oft im offenen Walde durch seine Schnelle entgeht. --

Der Bär hält aber, wie der Dachs, seinen Winterschlaf, liegt mehre Monat

fest in seinem gewählten Lager, wo er sogar schwer zu erwecken ist; in

dieser Zeit wäre dann Pürschjagd wie Hetze vergebens.

Die Schlafzeit dauert in Arkansas, wo das Klima ziemlich mild ist, von

Weihnachten bis Ende Februar; während dieser ganzen Zeit frißt er weder

noch säuft er, und in dieser Zeit ist sein Magen inwendig mit einer

reinen, öligen Fettigkeit überzogen. Anfang März aber fängt er zuerst

an, den nächsten Bach aufzusuchen, um seinen Durst zu löschen und kehrt

dann immer wieder in das Lager zurück. Sonderbarer Weise tritt er

hierbei stets, so oft er auch gehen mag, in seine zuerst gemachten

Fährten, die dann zuletzt breit und deutlich ausgetreten und =stepping

path= oder Schrittpfad von den Jägern genannt werden. Finden diese in

eben der Jahreszeit eine solche Fährte, so ist der Bär selten weit

entfernt.

Sein Bett wählt er aber sehr verschieden; zeigt sich der Winter streng,

so sucht er in gebirgigem Lande eine Höhle, in sumpfigem einen hohlen

Baum aus, um dort vor der Kälte geschützt zu sein; dabei kratzt und

scheuert er mit merkwürdiger Sorgsamkeit den letzteren inwendig so glatt

und rein, wie es ihm mit seinen gewaltigen Branten, die hierzu gerade

kein schlechtes Handwerkzeug sind, nur irgend möglich ist. Hat er

endlich Alles in Stand, so steigt er langsam und besonnen, daß man kaum

die Spur seiner scharfen Krallen in der rauhen Rinde bemerken kann,

hinauf und dann durch die Öffnung, mit dem Hintertheil zuerst, in

sein vorher bereitetes Lager hinab, wo das faule Holz, das er an den

Seitenwänden herunter gekratzt hat, gewöhnlich ein sehr weiches Bett

bildet. Anders ist es, wenn er von den Hunden verfolgt, einen Baum

ersteigt, und im Hinaufspringen, von den stärksten, härtesten Eichen

ordentliche Stücke Rinde herunterschlägt.

Ist der Winter gelind, so nimmt er sich all' diese Mühe nicht einmal,

sondern geht entweder im sumpfigem Lande in einen Schilfbruch, wo er

von dem hohen, grünen Schilf so viel abreißt, als er zu einem bequemen

Lager nöthig zu haben glaubt, das er sich dann auch in einer der

unzugänglichen Gegenden des Bruches zurecht macht, oder er sucht in

bergigem Lande ein unwegsames Dickicht und bettet sich hier, auf einer

Streu von zusammengetragenen zarten Zweigen, in den Wipfel irgend eines

umgestürzten Baumes.

Die Ranzzeit fällt in den August, und nicht selten gerathen sich dann

ein Paar der schwarzen Burschen auf eben keine freundliche Art in die

Haare. Einen hübschen Zug erzählen dabei die amerikanischen Jäger von

dem männlichen Bären, der, wenn er wirklich wahr ist, einen merkwürdigen

Überlegungsgeist kund thut. Sehr häufig fand ich nämlich in den Wäldern,

besonders an Sassafrasbäumen und Kiefern, die tief eingerissenen Zeichen

des Gefänges und der Krallen von Bären, die stets in größtmöglichster

Höhe an den Stämmen hinauf gelangt hatten; auf meine Anfragen erhielt

ich folgenden Bescheid, in dem die Jäger von Norden bis Süden

übereinstimmen.

In der Ranzzeit folgt der Bär der Fährte der Bärin, wird aber oft, wenn

von einem stärkeren überholt, aus dem Felde geschlagen, von einem

schwächeren, wenn nicht besiegt, doch wenigstens belästigt; um diesem

nun zu begegnen, soll der Bär, so er sich stark und alt genug fühlt

einen Kampf mit Seinesgleichen zu wagen, sobald er die warme Fährte

einer Bärin angenommen hat, sich an einem dicht daneben stehenden Baum

-- am liebsten Sassafras oder Kiefer -- in die Höhe richten und ohne die

Hintertratzen von der Erde zu heben, so hoch hineinbeißen und so hoch

daran hinauf kratzen, als er möglicher Weise kratzen und beißen kann,

worauf er ganz gemüthlich seinen Weg fortsetzt.

Kommt nun nach einiger Zeit ein anderer desselben Weges, auf derselben

Fährte, so findet er natürlich die für ihn zurückgelassenen Zeichen und

mißt nun, sich eben so am Baume emporrichtend, seinen vorangegangenen

Nebenbuhler; -- kann er dessen Merkmale überreichen, oder kommt er ihnen

wenigstens gleich, so folgt er und nimmt die Herausforderung an; kann er

das aber nicht, ist er vielleicht viel kleiner, so klemmt er das kleine

Stückchen Ruthe, was ihm Mutter Natur verstattet hat, zwischen die

Beine, oder macht wenigstens die Bewegung damit, als ob er es thun

würde, wenn sie lang genug wäre, und trollt den eben gekommenen Weg

zurück, um wo möglich eine andere Fährte auszusuchen.

Die Bärin wirft im Februar, oft schon Ende Januar, in einem hohlen Baum

oder in einer Höhle, zwei bis vier Junge, die sie bis zur Ranzzeit

bei sich behält und die sich auch oft noch nach dieser wieder zu ihr

gesellen, doch soll sie dabei die Gesellschaft des alten Bären meiden,

dem nachgesagt wird, er fräße manchmal seine eigenen Jungen, was ich

jedoch, zu seiner Ehre, nicht glauben will.

Die ungeheuere Aufopferung, mit der die Bärin übrigens ihre Jungen

vertheidigen soll, kann nicht als allgemein angenommen werden. Ja, es

giebt Fälle, wo sie ihr Leben im Kampf über dieselben gelassen hat;

aber mit den Bären wird's wie mit den Menschen sein -- bei denen man

oft recht liebe, gute Leute, und dann auch wieder recht schofeles Pack

findet. Ich selbst weiß mehre Beispiele, wo eine Bärin, sowohl in der

Höhle als auch im freien offenen Walde, ihre Jungen, ohne sich weiter

um sie zu bekümmere, schmählich im Stich gelassen hat und nur darauf

bedacht schien, ihren eigenen Pelz, der noch dazu in damaliger Zeit kaum

einen Dollar werth war, in Sicherheit zu bringen.

Die _Höhlenjagd_ ist äußerst interessant, aber dabei auch gefährlich,

und wird etwa folgendermaßen betrieben. In den unwegsamen Gebirgen des

Westens, in die sich der Bär bei einbrechender Kälte zurückzieht, geht

der Jäger und sucht, zwischen den am tollsten und wildesten umher

gestreuten Felsblöcken, an steilen Wänden hinkletternd und Schluchten

und Spalten durchkriechend, nach Höhlen, in die er dann mit angezündeter

Kienfackel oder mit einem aus wildem Wachs gekneteten Lichte eindringt.

Oft verrathen schon die in der Nähe der Höhle abgenagte Büsche den

Besuch, der für einige Zeit in ihnen zu wohnen beabsichtigt, oder der

=stepping path=, der hinein führt, wenn die Jahreszeit schon weit

vorgerückt ist, oder die vor der Höhle umher liegende Losung, den

Eingewinterten; am sichersten ist es aber stets, den Ort selbst zu

untersuchen, und daß diese Jagd dann nicht zu den leichtesten gehört,

ist sehr erklärbar.

Ich weiß mich Tage zu erinnern, in denen ich in funfzehn, sechszehn

Höhlen herumgekrochen bin und mich durch Plätze durchgezwängt habe, von

denen ich mir eigentlich jetzt noch selber nicht erklären kann, wie ich

wieder heraus kommen konnte -- ohne auch nur einer Kralle zu begegnen.

Findet man nun an solchen Ort einen Bären, so muß er beim Lichte der

Fackel geschossen und nachher entweder ganz, oder wenn das nicht möglich

ist, in Stücken zu Tage geschafft werden.

Ich habe übrigens diese Höhlenjagd in meinen »Streif- und Jagdzügen«[3]

sehr ausführlich behandelt und will hier nur, um dem Leser einen kleinen

Begriff von diesen freundlichen Orten zu geben, das Innere derselben ein

wenig beschreiben.

3: Streif- und Jagdzüge durch Nordamerika. Leipzig, Arnoldische

Buchhdl.

Von der Natur gebildet scheinen sie fast alle schon so lange wie die

Erde überhaupt zu bestehen, und finden sich meistens in Kalksteinfelsen,

in die sie manchmal nur zehn bis zwölf Fuß, dann und wann aber auch

4-500 Schritt hinein gehen und an manchen Stellen geräumig genug sind,

daß der Jäger aufrecht in ihnen stehen kann, dann aber auch wieder eng

genug zusammen laufen, um nur mit größter Anstrengung ein Durchpressen

möglich zu machen. Im Innern sind sie an den Seitenwänden glatt, oft von

dem Anstreichen der Raubthiere, die seit Jahrhunderten sie bewohnten,

spiegelblank, oben aber gewöhnlich mit Stücken Tropfstein behangen,

der auch unten, wenn sich nicht weicher, thoniger Boden findet, das

Fortkommen sehr erschwert. In diese Höhlen nun ziehen sich nicht allein

Bären, sondern auch andere Raubthiere, als Panther, Waschbären und

Füchse, wie Schlangen, Eidechsen und Fledermäuse zurück, um ihren

Winterschlaf entweder wie der Bär zu halten, oder in den warmen

Erdgängen gegen die Kälte geschützt zu sein. Die Fledermäuse besonders

hängen an den Hinterbeinen von der Decke herunter und zirpen und

zischen, wenn ihnen die Kienfackel zu nahe kommt. Der Bär selber liegt,

wenn er schläft, auf dem Bauche und hält die Stirn, die Nase an die

Brust gedrückt, mit beiden Tatzen, wie betend, umfaßt. -- Nur wenn er

wacht, saugt er und wahrscheinlich blos aus Spielerei, an den Branten,

Kinder haben das Daumenlutschen ja auch an sich, wobei er ein leises,

winselndes Geräusch von sich giebt.

In der Höhle angegriffen, ist er sehr scheu und versucht stets sein

Bestes, durch die Flucht einer sich nähernden Gefahr zu entgehen; im

Freien dagegen ist er viel heldenmüthiger. Ich selbst habe eine Bärin

in einer der tiefsten Höhlen der Ozarkgebirge angeschossen, und bin,

von ihr gefolgt, zurück gewichen, bis sie einen anderen Zweig der

Höhle annahm und ich im Stande war, mir meine Büchse, die ich hatte

zurücklassen müssen, wieder zu holen und zu laden; die Bärin aber, als

ich ihr nachher aufs Neue zu Pelze rückte, obgleich sie ihre Jungen in

unserer Gewalt wußte, wagte nicht mich anzugreifen, sondern saß, in

wilder Wuth den thonigen Boden vor ihr mit den scharfen Krallen zerhauend,

auf ihrem Hintertheil und schnappte in ohnmächtiger Wuth mit dem Gefänge,

bis sie die zweite, tödtliche Kugel erhielt.

Hat der Bär in einem Baum seine Zuflucht gekommen und wird er vom Jäger

aufgefunden, was dieser aus den freilich nicht sehr deutlichen Zeichen

in der Rinde erkennen muß, so ist sein Loos allerdings kein sehr

beneidenswerthes. Entweder wird der Baum umgehauen und Petz auf diese

Art in seiner besten Ruhe gestört und durch den Sturz betäubt, wenn er

endlich schlaftrunken emportaumelt, von dem ihn Erwartenden mit einer

Kugel und von einer Meute Hunde empfangen, von denen er sich gewöhnlich

gar keine Idee machen kann, wie sie alle da so geschwind hingekommen

sind; oder er wird mit Rauch von unten heraus getrieben, was ihm höchst

fatal ist, so daß er gewöhnlich brummend seinen bisherigen Ruheort

verlassen will, bis ihn auch hier, sobald er sich oben an der Öffnung

zeigt, eine todtbringende Kugel empfängt. --

Am schnellsten und komischesten ist das Heraustreiben desselben mit

einem Feuerbrand; denn wenn die Höhlung des Baumes nicht bis an die

Wurzel geht, daß also der Rauch auch nicht zu dem Schlafenden hinauf

dringen kann, so muß, im Fall die Jäger keine Axt mit haben und der Baum

zu stark ist, um ihn mit den kleineren Tomahawks umzuhacken, Einer von

diesen mit einem Feuerbrand hinauf klettern, den er dann oben in die

Höhlung und dadurch gewöhnlich dem Bären auf den Pelz wirft; kaum spürt

Petz aber die Glut, als er voller Entsetzen in die Höhe fährt und oft

den Erdboden viel früher als der gewiß nicht zögernde Jäger erreicht.

Daß er sich von dem Baum herunter stürzt, ist eine Fabel; er behält

diesen zwischen den Branten und gleitet gewissermaßen daran nieder,

aber so schnell, daß er kaum den Stamm zu berühren scheint, und wie

ein schwarzer Blitzstrahl zwischen die ihn unten erwartenden Hunde

hineinfährt; thun diese dann aber nur im mindesten ihre Schuldigkeit, so

darf er nicht entkommen, denn, noch halb im Schlafe, hat er weder sein

volles Bewußtsein noch seine vollen Kräfte, und wird leicht von ihnen

gestellt und dem herbeieilenden Jäger zur Beute.

Ist der Bär in jagdbarer Zeit, um Nutzen von ihm zu ziehen und nicht des

Schadens wegen, den er thut, erlegt, so wird er gleich an Ort und Stelle

abgestreift, abfließt und dann zerlegt. Das »Abfließen« nennt man das

Ablösen des Fließes (der Speckseiten), die dann in das Innere des Felles

eingeschlagen und auf eins der Pferde befestigt werden; das Wildpret wird

nachher ebenfalls zusammen gebunden und, auf dem Rücken der Lastthiere

hängend, mit fortgenommen. Sind aber die Jäger in einem größeren Lager

und haben sie einen Kessel zum Fettauslassen mitgenommen, dann wird

diese Arbeit gleich im Walde vorgenommen und das ausgeschmolzene

Wildpret bekommen nachher die Hunde, die besseren Stücken behalten

natürlich die Jäger zu ihren eigenen Mahlzeiten. Das Beste am Bären sind

die Federn,[4] und eine recht fette Wand, auf zwei Hölzern am Feuer

geröstet; das herunter träufelnde Fett nachher mit dem trockenen

Bruststück des Truthahns aufgefangen und das Ganze mit einem heißen

Becher starken Kaffees hinunter gespült -- beim Schreiben läuft mir

schon, bei der bloßen Erinnerung, das Wasser im Munde zusammen.

Amerikanische Wald- und Strombilder. Erster Band. · 第 4 / 8 题