Sylvester gewann mit Miggi I den goldenen Pokal von Davos.
Der Ausgang des Rennens rief beim Publikum eine ungeheure Aufregung
hervor.
Sybil wurde halb ohnmächtig vom Platz getragen und mußte mit drei
Flaschen Eau de Cologne bespritzt werden, ehe sie wieder zu sich kam.
Sylvester hob man auf die Schulter und trug ihn im Triumph in seine
Pension.
Der Thorax war heilig beglückt.
Die Pneumo weinte Freude.
»Die reine Fata Morgana!« sagte Herr Klunkenbul und wußte wohl selbst
nicht, was er meinte.
Sybil hatte ihr ganzes Geld beim Totalisator auf Sylvester gesetzt.
Leider fiel die Quote sehr niedrig aus: 17:10, denn man hatte, nicht aus
Sportlichkeit, aber aus Sensation oder Schwärmerei, auf den Dichter
gesetzt.
Der Bulgare und der kleine Japaner gratulierten Sybil. Der Japaner
überreichte ihr eine Orchidee.
»_Sie_ haben das Rennen gewonnen«, sagte der kluge, kleine Japaner.
Sybil zuckte die Achseln.
* * * * *
Sylvester lag angekleidet auf seinem Bett. Graues Schicksal: dem Wort zu
dienen. Dem schwesterlichen Chaos. Den torkelnden Träumen. Als ob ich
ein lebendiger Mensch würde, wenn ich auf einem lebendigen Pferd reite.
Pferde tragen auch Schatten, oder, im Zirkus, hold uniformierte Affen
auf ihrem Rücken. Was wiege ich eigentlich? Hundertacht Pfund. Das
richtige Jockeigewicht. Was Sybil sich bei diesem Sieg denkt? Was habe
ich gewonnen? Ein paar sensationelle Notizen in der Tagespresse. Mein
Bild als Reiter in der »Woche«, der »Berliner Illustrierten Zeitung« und
im »Weltspiegel«. Seewald wird mich als Reiter ernstkomisch in Holz
schneiden und das schwarze Bild farbig betupfen. Denn man muß mich erst
künstlich bunt machen. Ich bin so ermüdet, als hätte man mich zu
Graubündner Fleisch geritten. Ich wage diesen Wahnsinn des heutigen
Rittes, den Wahnsinn des abendlichen Schauspiels vor den erglühten
Rampen. Würde ich wagen, Sybils Hand zu küssen? Nie.