XIII.

Die Vorstellung das »Weib« im Kurtheater ging vor ausverkauftem Hause in

Szene. Nach dem Rennerfolg des Nachmittags war der Züricher

Korrespondent des »Berliner Blattes« im Auto herbeigeeilt, um dem

Schauspiel beizuwohnen und telegraphisch darüber nach Berlin zu

berichten.

»Sensationelle Sache«, sagte er zu Pein. Es war ein dicker jüdischer

Herr mit einer Hornbrille, hinter der zwei grüne Eulenaugen hervorsahen.

»Die Lindquist ist schwer krank. Vielleicht stirbt sie auf der Bühne.

Und dieser olympische Stern am Himmel des Turfs: Sylvester Glonner: als

erstklassiger Dichter, erstklassiger Jockei, erstklassiger Schauspieler,

wie?«

»Na«, sagte Pein und verabschiedete sich, verärgert, daß der

Korrespondent sich nicht mit ihm befaßte.

»Altes Eisen,« sagte der jüdische Herr zu Dr. Buri, als Pein gegangen

war, »ich darf ihn beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen. Als

Schriftsteller meine ich. Als Schauspieler kenne ich ihn ja noch nicht.

Aber diese mystischen Fatzkereien. Ekelhaft.«

»Schmierig«, meinte Dr. Buri. »Sie sind schmierig wie schlecht geputzte

Stiefel. Sie sollen glänzen wie Lack, aber es ist beim Altwarenhändler

billig erstandenes, rissiges Kalbsleder.«

»Übrigens wichst er sie zuviel, seine lyrischen Stiefel«, sagte der

Korrespondent, den es beunruhigte, daß ein anderer in Bildern redete.

»Dagegen der Glonner, mein Lieber: ein Talent. Ein großes Talent. Wir

werden seinen nächsten Roman bringen, denn wir legen Wert auf ein

literarisches Feuilleton.«

Die Krankheit: Eine Erzählung · 第 22 / 32 题