XI.

Für den 19. Februar nachmittag waren auch die diesjährigen Skikjöring-

und Pferderennen angesetzt.

Als Sybil die Ankündigung las, rief sie bei Sylvester telephonisch an:

»Sylvester ...?«

»Sybil?«

»Sie müssen reiten ...«

»Was muß ich?«

»Reiten müssen Sie. Sie sind doch gut zu Pferd.«

»Was soll das?«

»Sie müssen am neunzehnten das Rennen mitreiten.«

»Aber Sybil, welche Idee!«

»Meine Idee natürlich. Ich will, daß Sie den goldenen Davoser Pokal

gewinnen.«

»Was soll ich mit dem goldenen Davoser Pokal? Ich würde nicht aus ihm

trinken dürfen, denn ich bekäme sofort Nierenschmerzen.«

»Scherz beiseite, Sylvester. Ich will, daß Sie das Rennen gewinnen.

Deshalb sollen Sie reiten. Ich werde auf Sie setzen beim Totalisator.«

»Wann ist das Rennen?«

»Am neunzehnten.«

»Aber da müssen wir ja den Abend spielen!«

»Oh, das macht doch nichts! Die Rennen sind um zwei. Um vier Uhr sind

sie spätestens zu Ende. Da haben Sie genug Zeit, sich bis acht

auszuruhen.«

»Sybil, ich bitte Sie, wozu diese Spielerei. Ich habe an dem Schauspiel

schon genug ...«

»Lieber Sylvester ... ich will Sie einmal _handeln_ sehn ... Tun Sie

einmal etwas! Handeln Sie einmal nicht künstlerisch künstlich,

dichterisch, schauspielerisch. Handeln Sie einmal menschlich ...«

»Ich bin krank, Sybil ...«

»Überwinden Sie die Krankheit, Sylvester.« Ihre Stimme klang flehend.

»Ich werde reiten, Sybil.« --

Sylvester ging zu einem Schweizer Offizier, den er kannte und von dem er

wußte, daß er das Rennen nicht reiten würde, der aber zwei Pferde laufen

lassen wollte, und bat ihn, die »Miggi« reiten zu dürfen. In Graubünden

heißen alle Pferde, alle Kühe, alle Katzen und alle Mädchen Miggi.

Als der bulgarische Offizier und Leutnant Rätten von Sylvesters

wahnwitzigem Vorhaben hörten, schüttelten sie den Kopf; bestellten sich

aber sofort telegraphisch Pferde aus Zürich. Auch der kleine Japaner

wollte reiten.

Selbst der Thorax machte einen schwachen Versuch, sich als Jockei

vorzustellen.

»Was meinst du, Grete,« fragte er die Pneumo, »ob ich in vierzehn Tagen

reiten lernte und ob ich es aushielte?«

»Kind,« sagte sie zärtlich, »was du für böse Träume hast. Du leidest

immer häufiger an Alpdrücken. Du mußt abends vor dem Zubettgehen einen

frischen Apfel essen. Komm. Ich mache dir gleich einen zurecht ...«

Die Krankheit: Eine Erzählung · 第 20 / 32 题