8) Aetzerde und kohlensaure Alkalien veränderten die Flüssigkeit
gar nicht.
9) Kaliumeisencyanür zu der neutralen Flüssigkeit hinzugesetzt,
erzeugte einen hellblauen Niederschlag.
Da durch diese Reagentien ad 3), 4) und 6) die Gegenwart der
Schwefelsäure nachgewiesen war, so wurden die Substanzen, welche in
dem anderen Topfe eingeschlossen waren, die wir mit B. bezeichnen, der
Untersuchung unterworfen.
Der darunter befindliche Magen war kaum erkenntlich, indem die Wände
desselben ganz schwarz, wie verkohlt waren; die Speiseröhre hatte das
Ansehen, als ob dieselbe der Länge nach gefurcht sei.
Die sämmtlichen Substanzen wurden demnächst mit einem Messer
zerschnitten, in eine porzellanene Schale gethan, mit destillirtem
Wasser, dem eine halbe Unze verdünnter Salpetersäure hinzugesetzt war,
übergossen und auf einer Spirituslampe eine Viertelstunde hindurch
gekocht. Nach dem Kochen wurden die festen Theile mittelst eines
Colatoriums von der Flüssigkeit getrennt, und letztere auf ein Filtrum
gebracht. Die abfiltrirte klare weingelbe Flüssigkeit wurde, wie die in
dem Topfe _A._ enthalten gewesene, mit den oben angegebenen Reagentien
geprüft, welche sich gegen dieselbe eben so, wie bereits angeführt,
verhielten, nur dass die Reaction ad 3), 4) und 6) noch bedeutendere
Niederschläge erzeugten.
Um nunmehr die Ueberzeugung zu erhalten, ob die ermittelte
Schwefelsäure im freien Zustande vorhanden sei, wurden vier Unzen
der letzteren Flüssigkeit, welche im Ganzen 20 Unzen wog, in eine
glühende Retorte gegossen, und einer Destillation bis zur Trockene
unterworfen. Das übergegangene Destillat war gelblich gefärbt, reagirte
gegen Lacmuspapier stark sauer, hatte einen scharfen, stechenden
Geruch. Salpetersaurer Baryt und essigsaures Bleioxyd erzeugten einen
bedeutenden, in verdünnter Salpetersäure unauflöslichen Niederschlag.
Durch Schwefelwasserstoffwasser erzeugte sich ein milchichtweisser
Niederschlag von ausgeschiedenem Schwefel.
Hierdurch war nun die Gegenwart der Schwefelsäure in ungebundenem
Zustande nachgewiesen.
Um nun noch zu ermitteln, wie viel Schwefelsäure wohl in den
untersuchten Substanzen enthalten sei, obgleich das Resultat keinen
sicheren Anhaltspunkt über die wirklich verschluckte Säure gab, da
ein Theil derselben durch Erbrechen, welches dem Tode vorangegangen
war, entfernt worden ist, wurde zu 4 Unzen der Flüssigkeit, die 20
Unzen gewogen hatte, so lange Chlorbaryum hinzugegossen, als noch ein
Niederschlag sich bildete. Dieser wurde auf einem Filtrum gesammelt,
mit destillirtem Wasser, dem etwas Salpetersäure zugesetzt war,
sorgfältig ausgewaschen, getrocknet, und dann in einem Platintiegel
geglüht. Der hierdurch erhaltene schwefelsaure Baryt wog 36 Gran; es
wären also aus den 20 Unzen 180 Gran gewonnen worden, welche gleich
sind 77,_{26} Gran concentrirter Schwefelsäure.
Die Untersuchung hat also nachgewiesen, ~dass in den Substanzen 1
Drachme 17-1/4 Gran freier Schwefelsäure enthalten waren~.
Berlin, den 29. December 18--.
_Casper. C. F. Baerwald._
Inhalts-Register.
(Die beigesetzten Zahlen beziehen sich auf die Seiten.)
_Anencephalus_, Fall eines 103.
Aortenbogen, Stichwunde in denselben 12.
_Arteria iliaca externa_, tödtliche Verletzung derselben 21.
_Arteria interossea_, Verletzung derselben 37.
_Atelectasis pulmonum_, Würdigung ders. für die Athemprobe 100.
Athemprobe, über die Beweiskraft derselben 97. -- Ihre negative
Beweiskraft 100. 109.
Bajonettstichwunde, anscheinend lethale, hat gar keinen Antheil am
Tode 33.
Belladonna, angebliche Vergiftung durch dieselbe 123.
Bewusstlosigkeit der Gebärenden 103.
Blut, seine Beschaffenheit nach Vergiftung durch Schwefelsäure 117.
118. 120.
-- Nach Verbrühung 148.
Blutflecke, Ermittelung derselben auf einem Messer 44.
Brandblasen, ob sich dieselben noch nach dem Tode erzeugen lassen?
143.
-- Versuche darüber 145.
Brustbein, penetrirende Stichwunde desselben 12.
Brustwirbel, _Process. spinos._ des ersten abgebrochen 25.
Schusswunde in den dritten 28., in den achten 29.
_Carotis_, Stichwunde in dieselbe 14. 16.
-- Schnittwunde 20.
Chemischer Bericht, betreffend eine Schwefelsäure-Vergiftung 165.
_Colon descendens_, Stichwunde in dasselbe 31.
_Condyli_, beide des rechten Oberschenkels abgebrochen 37.
Darm, Dolchstichwunde in denselben 30.
Einblasen von Luft in die Lungen Todtgeborner, ein nichtiger
Einwand gegen die Beweiskraft der Athemprobe 98.
Einsturz eines Hauses tödtet drei Menschen 77.
Ellenbogengelenks-Verletzung, tödtliche 36.
_Emphysema pulmonum_, s. Lungenemphysem.
Entbindung, schwere, Veranlassung zum Tode 133.
Entbindung, bei Bewusstlosigkeit 103.
Erdrosselung eines Neugebornen, ob im Leben oder nach dem Tode
erfolgt? 104.
Erdrosselung, ob Selbsterdrosselung oder Mord? 79.
Erdrosselungstod, über denselben 76.
Erhängungstod, über denselben 86.
Erstickung, drei Fälle durch Einstürzen eines Hauses 77.
Erstickung, kleiner Kinder in den Betten der Mütter, fünf Fälle 83.
Erstickung, Tödtungen durch dieselbe 76.
Erstickung im Menschenkoth 91.
Erstickungstod, neues Zeichen desselben bei kleinen Kindern 84.
Erstickungstod, sein zuverlässigstes Kennzeichen 78.
-- die eingeklemmte Zunge kein characteristisches Kennzeichen 24.
78. 113. 120. 155.
Ertrinkungstod, sechs Fälle 87.
-- Kein einziges Zeichen constant 87.
Ertrinkungstod eines Neugebornen, zweifelhafter 110.
Ertrinken in Koth und Urin 91.
Extremitäten, Fälle von Verletzung ders. 10. 21. 36. 37. 38.
Fäulniss in den Lungen, frühes Eintreten ders. bei Neugebornen 113.
Fäulniss der Lungen, als Einwand gegen die Beweiskraft der
Athemprobe 99.
Fäulniss, s. Verwesung.
Feuertod, Fall desselben 149.
_Foramen ovale_, bei zwei zweimonatlichen Kindern noch offen 85.
Fragen, die drei des §. 169 der Preussischen Criminalordnung, s.
Lethalitätslehre.
Fusstritte, forensisch gewürdigt 64. 66.
Gänsehaut, als Zeichen des Ertrinkungstodes 89.
Gebären in Bewusstlosigkeit 103.
Gebärmutter, die, verwest am spätesten unter allen Weichtheilen 156.
Gebärmutter, Form ders. im dritten Monate der Schwangerschaft in
der Leiche 149.
Geburt, Sturz des Kindkopfs bei beschleunigter 101.
Geburt, schwere, tödtet das Kind 112.
Gehirneiterung nach Kopfverletzung 48. 52. 53.
Gehirnhämorrhagie nach Misshandlungen 74.
Gewicht des Neugebornen, als Zeichen der Reife 97.
Halsschnittwunden 14. 16. 17. 20.
Harnblase, leere bei einem Todtgebornen 111.
Herz, durch Verletzung ganz abgerissen 24.
Herzbeutel, Verletzung desselben 23. 25.
Herzwunde, tödtliche 24.
Homöopathie, als angeschuldigte Veranlassung zum Tode 130.
Hydrostatische Lungenprobe s. Schwimmprobe.
Immunität mancher Organe gegen Verletzungen 7.
Institut für den practischen Unterricht in der Staatsarzneikunde 1.
Jugularvenen durchschnitten 16. 17. 20.
Kindermord, ein zweifelhafter Fall durch Erdrosselung 104.
Kindermord, durch Stichwunden 14.
Kopfverletzung, tödtliche (mit Trepanation) 46. (ohne Trepanation)
11. 48. desgl. 52. desgl. 53. desgl. 56. desgl. 58. 60.
Kugeln, im Leichnam oft schwer zu finden 156.
Kunstfehler der Medicinal-Personen, über die Beurtheilung ders.
127. 129.
Leber, Schusswunde derselben 28.
Leber, Messerstichwunde derselben 30.
Leber, Riss derselben 9. 10. 26. 61.
Lethalitätslehre, Absurdität derselben 35. 47. 50.
Luftröhre, verfärbt sich schon früh bei eintretender Verwesung 89.
Luftröhre, Durchschneidung derselben 17.
Lungen der Neugebornen, zwei Fälle von selten früher Verwesung 113.
Lungenabscess in Folge einer Lungenstichwunde 54.
Lungenemphysem, ein nichtiger Einwand gegen die Athemprobe 98.
Lungenentzündung, bei Neugebornen 101. 103.
Lungenfäulniss, frühes Eintreten ders. bei Neugebornen 113.
Lungenfäulniss, in Beziehung zur Athemprobe 99.
Lungenprobe, s. Athemprobe und Schwimmprobe.
Lungenwunden, tödtliche, 23. 28. 54.
Lungen, Riss in gesunde 25.
Maass, des Neugebornen, als Zeichen der Reife 97.
Magen, Stichwunde in denselben 30.
Meconsäure, ihre chemische Ermittelung 126.
Messerklinge, auf Blutflecke untersucht 44.
Milz, Schusswunde derselben 26.
Missgeburt, gerichtliche Obduction 103.
Misshandlungen, neun Fälle von tödtlichen 60.
Mord, durch Messerstiche 12. 23. 24. 30.
Mord, durch einen Pfriem 24.
Mord, durch Schusswunde 28.
Mord, durch Dolchstich 31.
Mord, durch einen Hammer 56.
Mord, durch ein Beil 58.
Mord, durch Erdrosselung 79.
Mord, durch Verbrennung 136.
Mord, durch Vergiftung 116.
_Morphium_, seine chemische Ermittelung 125.
Nabelschnur, umschlungene, macht eine eigenthümliche Strangmarke
157.
Nabelschnur, nach ihren Rändern wurde der Mord vom Todtschlag
unterschieden 15.
Neugeborne, zweifelhaftes Leben derselben nach der Geburt,
einundzwanzig Fälle 96.
Neugeborne, Maass und Gewicht als Zeichen der Reife 97.
Nieren, Blutüberfüllung derselben als Zeichen des Erstickungstodes
78. 81.