II. Chemischer Bericht.

Einem Königl. etc. Stadtgericht zu Charlottenburg berichten wir im

Nachfolgenden ergebenst über das Resultat der von uns angestellten

chemischen Untersuchung in der nebenbezeichneten Obductions-Sache.

Behufs Untersuchung ihres Inhaltes waren dem mitunterzeichneten

Physicus zwei Töpfe zugestellt worden, welche mit Papier überbunden und

versiegelt waren. Der eine war bezeichnet:

»Hierin befindet sich der Mageninhalt des Hutmachermeisters

_Christian Ludwig Schmidt_ aus Charlottenburg.

Charlottenburg, den 13. December 18--.

_Kolk. Böttcher._«

der andere:

»Hierin befindet sich die Speiseröhre, der Magen und der

Zwölffingerdarm des Hutmachermeisters _Christian Ludwig Schmidt_

aus Charlottenburg.

Charlottenburg, den 13. December 18--.

_Kolk. Böttcher._«

Das Siegel war ein Gerichtssiegel.

Nachdem dies als unverletzt anerkannt war, wurden die Gefässe eröffnet,

und der Inhalt beider Töpfe herausgenommen.

In dem erst benannten, welchen wir mit A. bezeichnen, war eine

schwarzbraune, dicke, mit zusammengeballten Stücken gemischte

Flüssigkeit. Auf ein Filtrum gebracht, schied sich nur eine geringe

Menge einer klaren etwas gelbgefärbten Flüssigkeit ab, welche

stark sauer gegen blaues Lacmuspapier reagirte, mit salpetersaurem

Baryt einen nicht sehr bedeutenden, in verdünnter Salpetersäure

unauflöslichen, und mit essigsaurem Bleioxyd gleichfalls einen solchen

Niederschlag erzeugte.

Es wurde demnächst ein Theil der schwarzbraunen Flüssigkeit in eine

porzellanene Schale gegossen, derselben eine Drachme Salpetersäure

hinzugethan, während einer Viertelstunde damit gekocht, und dann

filtrirt.

Die abfiltrirte Flüssigkeit war weingelb, klar und verhielt sich gegen

Reagentien, wie folgt:

1) Schwefelwasserstoffwasser erzeugte keinen Niederschlag weder in

der sauren, noch in der neutralen Flüssigkeit, und wurde überhaupt

nicht verändert.

2) Schwefelwasserstoff-Ammoniak wurde dunkelgrün gefärbt; nach dem

Erwärmen setzte sich ein flockiger schwarzer Niederschlag ab.

3) Chlorbaryum und salpetersaurer Baryt gaben einen reichlichen, in

überschüssiger Salpetersäure unauflöslichen Niederschlag.

4) Essigsaures Bleioxyd erzeugte einen bedeutenden Niederschlag,

der in verdünnter Salpetersäure sich nicht auflöste.

5) Salpetersaures Silberoxyd erzeugte eine opalisirende Färbung,

ein Niederschlag bildete sich nicht.

6) Schwefelsaures Kupferoxyd zu der neutralen Flüssigkeit

hinzugesetzt blieb unverändert. Bei einem Ueberschuss von Ammoniak

und durch Hinzugiessen von Alcohol bildete sich ein reichlicher

blauer crystallinischer Niederschlag.

Gerichtliche Leichen-Oeffnungen. Erstes Hundert. · 第 116 / 118 题