bei neugebornen Kindern ist am Leichnam nicht schwer von andern
durch absichtliche und gewaltsame Strangulation erzeugten
Strangulationsrinnen zu unterscheiden, was ungemein wichtig für die
forensische Praxis ist. Sehr häufig kommt es bei den zweifelhaften
Todesarten der Neugebornen vor, dass nach den Umständen des Falles
eine solche verbrecherische Strangulation wahrscheinlich wird,
während es sich später ergiebt, dass die Natur das Kind durch die
Nabelschnur strangulirt hatte. Man wird dann aber in allen Fällen
finden: eine breite, der Breite der Nabelschnur entsprechende, eine
mehr oder weniger, d. h. ganz oder an mehreren einzelnen Stellen
des Halses ächt sugillirte, und rund ausgehöhlte, rinnenförmige und
überall ganz weiche Marke, nicht selten, da die Umschlingung gewöhnlich
keine bloss einfache ist, eine doppelte, ja dreifache Marke von der
beschriebenen Beschaffenheit. Die Strangulationsrinne aber von andern
Strangwerkzeugen verhält sich wie die in allen Lebensaltern; sie
zeigt mehr oder weniger Mumification, pergamentartige Beschaffenheit
der Haut an grösseren oder kleineren Stellen ihres Verlaufs, selten
wirklich sugillirte Flecke oder Stellen, und niemals die Tiefe jener
Nabelschnurmarke. Bei dieser Gelegenheit will ich auf einen Irrthum
aufmerksam machen, den ich nicht selten von Unerfahrenen, wie Zuhörern
oder Examen-Candidaten u. s. w., habe begehen sehen, die etwas bei
dem neugebornen Leichnam für eine Strangrinne halten, was keine ist.
Man untersuche nämlich nur eine kleine Anzahl recht fetter und noch
frischer Kindesleichen, zumal im Winter, so wird man sehen, dass
dieser Irrthum wohl möglich ist, wenn man nämlich die ~Hautfurchen am
Halse, die durch die Biegungen des Kopfs entstehen, und im erkalteten
Fette stehen bleiben~, und welche bei kurzem Halse noch deutlicher
hervortreten, ohne weitere Berücksichtigung der übrigen Criterien
einer Strangmarke, für eine solche hält. Die Berücksichtigung eben
dieser Criterien aber, pergamentartige Härte der Haut, Sugillation,
braungelbliche Färbung, Ungleichheit des Lumens der Rinne u. s. w.
werden sehr bald das Richtige erkennen lassen.
Anhang.