6. Kugeln im Leichname

selbst Schrot, müssen sich doch natürlich bei der Section vorfinden

-- sollte man meinen -- wenn der Schuss keinen Ausgang nahm, und

Schrot oder Kugeln nothwendig in den Eingeweiden der Leiche liegen.

Vom Arbeitstisch aus, von welchem die Natur freilich etwas anders

aussieht, als draussen im Leben und in der Wirklichkeit, vollkommen

richtig, und ich kann es dem Referenten einer Medicinal-Behörde nicht

verdenken, wenn derselbe, bei gänzlichem Mangel an eigner Erfahrung

in diesen Gegenständen, die Obducenten in einem wichtigen Falle »nicht

begreift«, wenn sie behaupteten, Stunden lang vergeblich im Leichnam

nach den Schrotkörnern gesucht zu haben, die den _denatus_ getödtet

hatten. Aber man versuche es nur! Zumal bei Kugeln -- vollends gar

bei Schrotkörnern -- die in die Bauchhöhle gedrungen waren, und hier

grosse Zerreissungen, musartige Zerstörungen der Leber oder Milz,

bedeutende Blutergüsse u. dgl. m. verursacht hatten, gelingt es oft

dem mühseligsten Herumgreifen und Durchwühlen nicht, das Projectil

herauszufinden. In geringerm Maasse gilt dies von der Brusthöhle.

Ich glaube mir hier ein Urtheil zutrauen zu dürfen, denn es sind

nicht die oben mitgetheilten drei Fälle von Sectionen nach tödtlichen

Schusswunden allein, die ich zu verrichten Gelegenheit gehabt, wie

schon die Mittheilungen der zweiten Centurie beweisen werden; vielmehr

hat mir das historische Jahr 1848 leider! so viel Erschossene auf

den Secirtisch geliefert, dass wohl selten ein einzelner Arzt eine

so reiche Ausbeute zu gewinnen, und einen so betrübenden Reichthum

von Erfahrungen über Schusswunden am Leichnam zu sammeln in der Lage

gewesen ist!

Gerichtliche Leichen-Oeffnungen. Erstes Hundert. · 第 100 / 118 题