Dieser Rücken, und ebenso auch der Barn und der Flagstaff Hill, ist von

Gängen durchschnitten, von denen viele einen merkwürdigen Parallelismus

in einer nord-nordwestlichen und süd-südöstlichen Richtung bewahren. Die

Gänge bestehn hauptsächlich aus einer Gesteinsart, welche porphyrartig

mit groszen Augitkrystallen ist; andere werden von einem feinkörnigen

und braungefärbten Trapp gebildet. Die meisten dieser Gänge sind mit

einer glänzenden Schicht[68] überzogen von einem bis zwei Zehntel Zoll

Dicke, welche, ungleich dem echten Pechstein, zu einem schwarzen Email

schmilzt; diese Schicht ist offenbar dem glänzenden oberflächlichen

Überzug vieler Lavaströme analog. Die Gänge können häufig sowohl in

senkrechter als wagerechter Richtung auf grosze Strecken hin verfolgt

werden und scheinen eine nahezu gleichförmige Mächtigkeit zu

behalten[69]. Mr. SEALE gibt an, dasz ein Gang in der Nähe des Barn in

einer Höhe von 1260 Fusz nur um 4 Zoll in der Breite abnimmt, -- nämlich

von 9 Fusz am Grunde bis zu 8 Fusz 8 Zoll am Gipfel. Auf dem

Verbindungsrücken scheinen die Gänge in ihrem Laufe in einem

beträchtlichen Grade von den abwechselnden harten und weichen Schichten

geleitet worden zu sein: sie sind häufig innig mit den harten Schichten

verbunden und bewahren ihren Parallelismus auf solch bedeutenden

Strecken, dasz es in sehr vielen Fällen unmöglich war, zu vermuthen,

welche von den Schichten derartige Ausfüllungsgänge und welche Schichten

Lavaströme waren. Obschon die Gänge auf diesem Rücken so zahlreich sind,

so sind sie doch in den Thälern ein wenig südlich von ihm noch

zahlreicher und bis zu einem Grade, den ich nirgendwo anders auch nur

annähernd erreicht gefunden habe: in diesen Thälern ziehn sie sich in

weniger regelmäszigen Linien hin; sie bedecken den Boden mit einem

Spinnengewebe ähnlichen Netze, und einige Stellen der Oberfläche

erscheinen selbst so, als beständen sie vollständig aus Gängen, welche

von andern Gängen durchwoben wären.

Wegen der durch diese Gänge verursachten Complexität, wegen der starken

Neigung und des anticlinischen Einfallens der Schichten der basalen

Reihe, über welchen an den entgegengesetzten Enden des kurzen Rückens

zwei grosze Massen verschiedenen Alters und verschiedener

Zusammensetzung gelagert sind, bin ich darüber nicht überrascht, dasz

dieser merkwürdige Durchschnitt falsch verstanden worden ist. Es ist

selbst die Vermuthung ausgesprochen worden, dasz er einen Theil eines

Craters bilde; aber hieran ist um so weniger zu denken, als vielmehr der

Gipfel des Flagstaff Hill früher einmal das untere Ende eines groszen

Stromes von Lava und Asche gebildet hat, welcher von dem centralen

craterförmigen Rücken her zum Ausbruch gekommen ist. Nach der Abdachung

der gleichzeitigen Ströme in einem angrenzenden und nicht gestörten

Theile der Insel zu urtheilen, müssen die Schichten des Flagstaff Hill

mindestens zwölfhundert Fusz, und wahrscheinlich noch viel mehr,

aufgerichtet worden sein, denn die groszen abgestutzten Gänge an seinem

Gipfel beweisen, dasz er einer starken Denudation unterlegen ist. Der

Gipfel dieses Berges ist in der Höhe jetzt nahezu dem craterförmigen

Rücken gleich; und ehe er der Denudation unterlegen ist, war er

wahrscheinlich höher als dieser Rücken, von welchem er durch einen

breiten Strich viel niedrigeren Landes getrennt ist. Wir sehn daher

hier, dasz das untere Ende einer Gruppe von Lavaströmen bis zu einer

ebenso bedeutenden, oder vielleicht sogar zu einer noch gröszeren Höhe

aufgestülpt worden ist, als der Crater besasz, an dessen Wänden sie

ursprünglich herabgeflossen waren. Ich glaube, dasz Dislocationen in so

bedeutendem Maszstabe in vulcanischen Districten äuszerst selten

sind[70]. Die Bildung solcher Mengen von Ausfüllungsgängen in diesem

Theile der Insel weist darauf hin, dasz die Oberfläche hier in einem

ganz auszerordentlichen Grade gestreckt worden sein musz: diese

Streckung trat an dem Rücken zwischen dem Flagstaff Hill und dem Barn

wahrscheinlich erst ein, nachdem (wennschon vielleicht unmittelbar

darauf) die Schichten aufgerichtet wurden; denn hätten zu jener Zeit

die Schichten in horizontaler Ausdehnung dagelegen, so würden sie aller

Wahrscheinlichkeit nach quer gespalten und injicirt worden sein statt in

der Ebene ihrer Schichtung. Obgleich der Raum zwischen dem Barn und dem

Flagstaff Hill eine deutliche, sich nördlich und südlich erstreckende

anticlinische Linie darbietet, und obgleich die Mehrzahl der Gänge mit

groszer Regelmäszigkeit in dieser selben Linie sich hinziehen, so liegen

doch nur eine Meile gerade südlich von dem Rücken die Schichten

ungestört. Es scheint daher die störende Kraft mehr unterhalb eines

Punktes statt einer Linie entlang gewirkt zu haben. Die Art und Weise,

in welcher sie gewirkt hat, wird wahrscheinlich durch die Structur des

Little Stony-top erklärt, eines 2000 Fusz hohen Berges, welcher einige

wenige Meilen südlich vom Barn liegt; wir sehen dort, selbst von einer

gewissen Entfernung aus, einen dunkelfarbigen, scharfen Keil compacten

säulenförmigen Gesteins und die hellgefärbten feldspathigen Schichten

von seiner unbedeckten Spitze aus nach beiden Seiten hin abfallen.

Dieser Keil, nach welchem der Berg seinen Namen »Stony-top« erhalten

hat, besteht aus einer Gesteinsmasse, welche im verflüssigten Zustande

in die darüber liegenden Schichten injicirt worden ist; und wenn wir

annehmen dürfen, dasz eine ähnliche Gesteinsmasse unter dem, den Barn

und Flagstaff Hill verbindenden Rücken injicirt worden ist, so ergibt

sich hieraus die dort beobachtete Structur.

~Turks' Cap und Prosperous Bays.~ -- Prosperous Hill ist ein groszer,

schwarzer, steil abstürzender Berg, welcher zwei und eine halbe Meile

weit südlich vom Barn liegt und gleich diesem aus basaltischen Schichten

zusammengesetzt ist. Diese liegen an einer Stelle auf den

braungefärbten, porphyrartigen Schichten der basalen Reihe und an einer

andern Stelle auf einer zerklüfteten Masse eines stark schlackigen und

amygdaloiden Gesteins, welches einen kleinen Eruptionspunkt unter der

Meeresfläche, gleichzeitig mit der basalen Reihe, gebildet zu haben

scheint. Prosperous Hill wird, in gleicher Weise wie der Barn, von

vielen Gängen durchsetzt, von denen die gröszere Zahl von Nord nach Süd

hinziehen, und seine Schichten fallen unter einem Winkel von ungefähr 20

Grad ziemlich schräg von der Insel nach dem Meere hin ein. Der Raum

zwischen Prosperous Hill und dem Barn, wie er in beistehendem

Holzschnitt Fig. 9 dargestellt ist, besteht aus hohen, aus den Laven der

oberen oder feldspathigen Reihe zusammengesetzten Klippen, welche,

wenngleich in discordanter Lagerung, auf den basalen submarinen

Schichten ruhen, wie wir es auch am Flagstaff Hill gesehen haben.

Verschieden indessen von ihrem Verhalten an jenem Berge sind hier diese

oberen Schichten nahezu horizontal und erheben sich nur sanft nach dem

Innern der Insel zu; sie bestehen aus grünlich-schwarzen oder noch

gewöhnlicher aus blaszbraunen compacten Laven, statt aus erweichten und

lebhaft gefärbten Massen. Diese braungefärbten compacten Laven bestehen

beinahe gänzlich aus kleinen glänzenden Schuppen oder aus minutiösen

nadelförmigen Krystallen von Feldspath, welche dicht aneinander liegen

und auszerordentlich reich an minutiösen schwarzen Flecken,

augenscheinlich von Hornblende, sind. Die basaltischen Schichten von

Prosperous Hill springen nur wenig über das Niveau der sanft abfallenden

feldspathigen Ströme vor, welche sich an ihre aufgerichteten Enden

anstemmen und um sie herumwinden. Die Neigung der basaltischen Schichten

scheint zu grosz zu sein, als dasz sie durch deren Flieszen einen Abhang

hinab hätte verursacht werden können; sie müssen in ihre jetzige

Stellung schon vor der Eruption der feldspathigen Ströme aufgerichtet

worden sein.

[Illustration: Fig. 9. Die doppelten Linien stellen die basaltischen

Schichten, die einfachen die basalen submarinen Schichten, die

punktirten die obern feldspathigen Schichten dar.]

~Basaltischer Ring.~ -- Geht man rings um die Insel herum, so sieht man

die Laven der oberen Reihe nach Süden von Prosperous Hill in hohen,

steil abstürzenden Klippen in's Meer ragen. Weiter hin wird das, Great

Stony-top genannte Vorland, wie ich glaube, aus Basalt gebildet;

dasselbe ist mit Long Range Point der Fall, an dessen landeinwärts

gelegener Seite die gefärbten Schichten anstoszen. Auf der südlichen

Seite der Insel sieht man die basaltischen Schichten des Süd-Barn schräg

unter einem beträchtlichen Winkel meerwärts einfallen; auch steht dieses

Vorland ein wenig oberhalb des Niveaus der neueren feldspathigen Laven.

Weiterhin ist ein groszer Theil der Küste, auf jeder Seite von Sandy

Bay, bedeutend denudirt worden, und es scheint hier nur der basale Rest

des groszen centralen Craters übrig geblieben zu sein. Die basaltischen

Schichten erscheinen mit ihrer nach dem Meere hin gerichteten Neigung

wieder am Fusze des, Man-and-horse genannten Berges; sie haben überall

dieselbe Neigung nach dem Meere hin und ruhen, wenigstens an manchen

Stellen, auf den Laven der basalen Reihe. Wir sehen in dieser Weise,

dasz der Umkreis der Insel von einem bedeutend durchbrochenen Ringe,

oder vielmehr von einem Hufeisen von Basalt gebildet wird, welches nach

Süden hin offen ist und auf der östlichen Seite von vielen weiten

Durchlässen unterbrochen wird. Die Breite dieses randständigen Saumes

scheint auf der nordwestlichen Seite, wo er allein einigermaszen

vollkommen ist, von einer bis zu anderthalb Meile zu schwanken. Die

basaltischen Schichten fallen ebenso wie diejenigen der darunter

liegenden basalen Reihe mit einer mäszigen Neigung nach dem Meere hin

ein, wo sie nicht später gestört worden sind. Der durchbrochenere

Zustand des basaltischen Ringes auf der östlichen Hälfte im Vergleich

mit der westlichen Hälfte der Insel ist offenbar eine Folge der viel

bedeutenderen erodirenden Gewalt der Wellen auf der östlichen oder der

nach dem Winde hin gelegenen Seite als auf der Seite unter dem Winde,

wie es sich in der gröszeren Höhe der Klippen auf jener Seite zeigt. Ob

der Basaltrand vor oder nach der Eruption der Laven der oberen Reihen

durchbrochen worden ist, ist zweifelhaft; da aber einzelne Partien des

basaltischen Ringes vor jenem Ereignisse aufgerichtet worden zu sein

scheinen, und noch aus andern Gründen, ist es wahrscheinlicher, dass

wenigstens einige von den Durchbrüchen früher gebildet wurden. Stellen

wir im Geiste, so weit es möglich ist, den Ring von Basalt wieder her,

so scheint der innere Raum oder die Höhlung, welche seitdem mit den aus

dem groszen centralen Crater ausgeworfenen Massen erfüllt worden ist,

von ovaler Form gewesen zu sein, acht oder neun Meilen lang, ungefähr

vier Meilen breit und mit seiner Axe in einer nordöstlichen und

südwestlichen Linie liegend, die mit der jetzigen längsten Axe der Insel

zusammenfällt.

[Illustration: Fig. 10. 1. Graue feldspathige Lava. 2. Eine,

einen Zoll mächtige Schicht röthlicher erdiger Substanz. 3.

Breccienartige, rothe, thonhaltige Tuffe.]

~Der centrale gebogene Rücken.~ -- Dieser Bergkamm besteht, wie vorhin

schon bemerkt wurde, aus grauen feldspathigen Laven und aus rothen,

breccienartigen, thonhaltigen Tuffen, wie die Schichten der oberen

gefärbten Reihe. Die grauen Laven enthalten zahlreiche minutiöse

schwarze, leicht schmelzbare Flecken, und nur sehr wenige grosze

Krystalle von Feldspath. Sie sind meistens bedeutend erweicht; mit

Ausnahme dieses Merkmals und des Umstandes, dass sie an vielen Stellen

in hohem Grade zellig sind, sind sie denen jener groszen Lavaflächen

auszerordentlich ähnlich, welche an der Küste von Prosperous Bay die

hohen Klippen bilden. Nach den Anzeichen der Denudation zu urtheilen,

scheinen zwischen der Bildung der einzelnen aufeinanderfolgenden

Schichten, aus welchen dieser Rücken zusammengesetzt ist, beträchtliche

Zeiträume verflossen zu sein. An dem steilen nördlichen Abhange

beobachtete ich an mehreren Durchschnitten eine bedeutend verwitterte

wellenförmige Fläche rothen Tuffs, welcher von grauen, zersetzten,

feldspathigen Laven bedeckt war, mit einer nur dünnen erdigen, zwischen

beide eingelagerten Schicht. An einer in der Nähe gelegenen Stelle

bemerkte ich einen Trapp-Gang, vier Fusz breit, oben abgeschnitten und

von der feldspathigen Lava bedeckt, wie es in dem beistehenden

Holzschnitt dargestellt ist (Fig. 10). Der Bergrücken endet auf der

östlichen Seite in einem Haken, welcher auf keiner der Karten, welche

ich gesehen habe, deutlich genug dargestellt worden ist; nach dem

westlichen Ende hin dacht er sich allmählich ab und theilt sich in

mehrere untergeordnete Kämme. Der am deutlichsten hervortretende Theil

zwischen Diana's Peak und Nest Lodge, welcher die höchsten Bergzinnen

auf der Insel von einer zwischen 2000 und 2700 Fusz schwankenden Höhe

trägt, ist eher etwas weniger als drei Meilen in einer geraden Linie

lang. Über diesen ganzen Raum hin hat der Rücken ein gleichförmiges

Aussehen und gleiche Structur; seine Krümmung ist der dem Küstenzuge

einer groszen Meeresbucht ähnlich, aus vielen kleineren, sämmtlich nach

Süden offenen Bogen zusammengesetzt. Die nördliche, äuszere Seite wird

von schmalen Rücken oder Stützpfeilern unterstützt, welche sich nach dem

angrenzenden Lande abdachen. Die Innenseite ist viel steiler und beinahe

abgrundartig abfallend; sie wird von den Ausstrichenden der Schichten

gebildet, welche sanft nach auszen hin abfallen. Einigen Stellen der

innern Seite entlang, eine kurze Strecke unterhalb des Gipfels, zieht

sich eine flache Schwelle hin, welche in ihrem Umrisse die kleineren

Krümmungen des Kammes nachahmt. Schwellen oder Stufen dieser Art kommen

nicht selten innerhalb vulcanischer Cratere vor; ihre Bildung scheint

die Folge des Einsinkens einer erhärteten Lava zu sein, deren Ränder an

den Seitenwandungen hängen bleiben[71] (wie das Eis rings herum in einem

Tümpel, dessen Wasser abgelassen worden ist).

An einigen Stellen wird der Rücken von einer Mauer oder Brustwehr

überragt, welche auf beiden Seiten senkrecht abfällt. In der Nähe von

Diana's Peak ist diese Mauer auszerordentlich schmal. Auf dem

Galapagos-Archipel beobachtete ich solche Brustwehren, welche eine

völlig übereinstimmende Structur und Erscheinung darboten und mehrere

der dortigen Cratere überragten; eine davon, welche ich besonders genau

untersuchte, war aus glänzenden, rothen, fest mit einander verkitteten

Schlacken gebildet; da sie nach auszen ganz senkrecht war und sich

nahezu rings um den ganzen Umfang des Craters erstreckte, machte sie

denselben beinahe unzugänglich. Der Pik von Teneriffa und der Cotopaxi

sind, der Angabe HUMBOLDT's zufolge, ähnlich gebaut: er gibt an[72],

dasz »an ihren Gipfeln eine kreisförmige Mauer die Cratere umgibt,

welche Mauer von der Entfernung gesehen das Aussehen eines kleinen, auf

einen abgestutzten Kegel gestellten Cylinders hat. Am Cotopaxi[73] ist

dieser eigenthümliche Bau mit bloszem Auge schon in einer Entfernung von

mehr als 2000 Toisen zu erkennen; und noch niemals hat irgend Jemand

seinen Crater erreicht. Am Pik von Teneriffa ist diese Brustwehr so

hoch, dasz es unmöglich wäre, die >Caldera< zu erreichen, wenn nicht auf

der östlichen Seite eine Lücke in derselben existirte.« Die Entstehung

dieser eigenthümlichen Brustwehren ist wahrscheinlich das Resultat der

die Seitenwände durchdringenden und bis zu einer annähernd gleichen

Tiefe erhärtenden Hitze oder Dämpfe und der späteren langsamen

Einwirkung des Wetters auf den Berg, welche die erhärteten Theile in der

Form eines Cylinders oder einer kreisförmigen Brustwehr vorspringend

zurückläszt.

Wegen der einzelnen Punkte der Structur an dem centralen Rücken, welche

nun aufgezählt worden sind, -- nämlich der Convergenz der Schichten der

oberen Reihe nach ihm hin, -- des in hohem Grade Zelligwerdens der Laven

dort, -- der flachen stufenförmigen, sich seiner inneren und steilen

Seite entlang erstreckenden Schwelle, ähnlich der innerhalb mehrerer

noch activer Cratere, -- wegen der brustwehrartigen Mauer auf seinem

Gipfel, -- und endlich wegen seiner eigenthümlichen Krümmung, welche von

der irgend einer andern gewöhnlichen Erhebungslinie verschieden ist,

kann ich nicht daran zweifeln, dasz dieser gebogene Rücken den letzten

Überrest eines groszen Craters bildet. Versucht man indessen, seinen

früheren Umrisz zu verfolgen, so geräth man bald in Verwirrung; sein

westliches Ende fällt ganz allmählich ab und erstreckt sich, sich in

andere Kämme verzweigend, bis zur Meeresküste; das östliche Ende ist

stärker gebogen, aber nur um ein Weniges schärfer bestimmt. Einige

Erscheinungen führen mich zu der Vermuthung, dasz die südliche Wand des

Craters sich mit dem jetzt vorhandenen Rücken in der Nähe von Nest Lodge

verband; in diesem Falle musz der Crater nahezu drei Meilen lang und

ungefähr anderthalb Meilen breit gewesen sein. Wäre die Denudation des

Rückens und die Zersetzung der sie bildenden Gesteinsmassen noch wenige

Schritte weiter gegangen, und wäre dieser Rücken, wie mehrere andere

Theile der Insel, durch grosze Gänge und Massen von injicirter Substanz

durchbrochen worden, so hätten wir vergebens versuchen können, seine

wahre Natur aufzufinden. Selbst jetzt haben wir gesehen, dasz am

Flagstaff Hill das untere Ende und die am weitesten abliegende Partie

eines groszen Feldes ausgeworfner Masse bis zu einer so bedeutenden Höhe

aufgerichtet worden ist, wie sie der Crater, aus dem sie herabflosz,

besasz, und wahrscheinlich sogar zu einer noch gröszeren Höhe. Es ist

interessant, in dieser Weise die Schritte zu verfolgen, auf denen die

Structur eines vulcanischen Districts allmählich undeutlich gemacht und

schlieszlich verwischt wird: St. Helena findet sich in einem dieser

letzten Stufe so nahen Zustande, dasz, wie ich glaube, noch Niemand bis

jetzt vermuthet hat, dasz der centrale Rücken oder die Axe dieser Insel

der letzte Überrest des Craters darstellt, aus welchem die neuesten

vulcanischen Ströme ergossen wurden.

Der grosze ausgehöhlte Raum oder das Thal nach Süden von dem centralen

bogenförmigen Rücken, über die Hälfte von dem sich früher einmal der

Crater erstreckt haben musz, wird von kahlen, vom Wasser abgenagten

Hügeln und Kämmen von rothen, gelben und braunen Gesteinen gebildet,

welche in chaotischer Unordnung durcheinander gemengt, von Gängen

durchsetzt sind und keine irgendwie regelmäszige Stratification zeigen.

Der hauptsächlichste Theil besteht aus rothen, zerfallenden Schlacken,

welche mit verschiedenen Arten von Tuff und gelben, thonartigen

Schichten verbunden sind, voll von zerbrochenen Krystallen, unter denen

die Augitkrystalle besonders grosz sind. Hier und da ragen Massen von in

hohem Grade zelligen und amygdaloiden Laven vor. Von einem der Kämme in

der Mitte des Thals ragt ein conischer, steil abstürzender Hügel,

genannt Lot, kühn hervor und bildet einen äuszerst eigenthümlichen und

auffälligen Gegenstand. Er ist aus Phonolith zusammengesetzt, welcher an

einer Stelle in grosze gebogene Lamellen, an einer andern in winklige

concretionäre Kugeln, und an einer dritten Stelle in nach auszen

ausstrahlende Säulen getheilt ist. An seiner Basis fallen die

Lavaschichten, die Tuff- und Schlackenlager nach allen Seiten hin

ab[74]: der unbedeckte Theil ist 197 Fusz[75] hoch, und sein

horizontaler Durchschnitt zeigt eine ovale Form. Der Phonolith ist von

einer grünlich-grauen Farbe und ist voll von äuszerst winzigen,

nadelförmigen Feldspath-Krystallen; an den meisten Stellen hat er einen

muscheligen Bruch und ist klingend, doch ist er von minutiösen

Lufträumen durchsetzt. In südwestlicher Richtung von Lot finden sich

noch einige andere merkwürdige säulenförmige Berggipfel, aber von einer

weniger regelmäszigen Form, nämlich Lot's Weib und die Eselsohren,

welche aus verwandten Gesteinsarten bestehen. Nach ihrer abgeplatteten

Gestalt und ihrer relativen Stellung zu einander zu urtheilen, stehen

sie offenbar auf der nämlichen Spaltungslinie miteinander in Verbindung.

Es ist überdies merkwürdig, dasz dieselbe nordöstliche und südwestliche

Linie, welche Lot und Lot's Weib miteinander verbindet, wenn sie

verlängert wird, auch den Flagstaff Hill durchschneidet, welcher, wie

vorhin angeführt wurde, von zahlreichen in dieser Richtung verlaufenden

Gängen gekreuzt wird und welcher eine confundirte Structur besitzt; es

wird hierdurch wahrscheinlich gemacht, dasz eine grosze Masse ehemals

flüssigen Gesteins als Erfüllungsmasse unter ihr liegt.

In diesem nämlichen groszen Thale finden sich mehrere andere

kegelförmige Massen injicirten Gesteins (von denen eine, wie ich

beobachtete, aus compactem Grünstein bestand), von denen einige allem

Anscheine nach mit keiner Ganglinie in irgend einer Verbindung steht,

während andere augenfällig eine solche Verbindung besitzen. Drei oder

vier grosze Züge dieser Gänge erstrecken sich quer durch das Thal in

einer nordöstlichen und südwestlichen Richtung, parallel zu dem, welcher

die Eselsohren, Lot's Weib und wahrscheinlich Lot untereinander

verbindet. Die grosze Zahl dieser Massen injicirten Gesteins ist ein

merkwürdiger Zug in der Geologie von St. Helena. Auszer den soeben

erwähnten und der hypothetisch angenommenen unter dem Flagstaff Hill

gehört hieher noch Little Stony-top und, wie ich anzunehmen Grund habe,

noch andere bei dem Man-and-Horse und High Hill. Die meisten dieser

Massen, wenn nicht sämmtliche, sind in einer den letzten vulcanischen

Eruptionen aus dem centralen Crater folgenden Periode injicirt worden.

Die Bildung von kegelförmigen Gesteinshöckern auf Spaltungslinien, deren

Wandungen in den meisten Fällen parallel sind, können wahrscheinlich

Ungleichheiten in der Spannung zugeschrieben werden, welche kleine quere

Spalten verursachen; und an solchen Durchschnittspunkten werden

natürlich die Ränder der Schichten nachgeben und leicht nach aufwärts

gebogen werden. Endlich will ich noch bemerken, dasz Hügel von Phonolith

überall gern eigenthümliche und selbst groteske Gestalten, wie die

Lot's, annehmen[76]: der Pik auf Fernando Noronha bietet ein Beispiel

hiervon dar; indessen haben bei S. Jago die Kegel von Phonolith, obschon

sie zugespitzt sind, eine regelmäszige Form. Nimmt man an, wie es

wahrscheinlich der Fall gewesen ist, dasz alle derartige Hügel oder

Obelisken ursprünglich noch in flüssigem Zustande in eine von

nachgebenden Schichten gebildete Form injicirt worden sind, wie es mit

Lot der Fall gewesen ist, wie können wir die häufige Steilheit und

Eigenthümlichkeit ihrer Umrisse erklären, im Vergleich mit ähnlich

injicirten Massen von Grünstein und Basalt? Kann dies wohl die Folge

eines weniger vollkommenen Grades von Flüssigkeit sein, welcher, wie

allgemein angenommen wird, für die verwandten trachytischen Laven

characteristisch ist?

~Oberflächliche Ablagerungen.~ -- Weicher kalkiger Sandstein kommt in

ausgedehnten, wenn schon dünnen, oberflächlichen Lagern sowohl auf den

nördlichen als südlichen Ufern der Insel vor. Er besteht aus sehr

minutiösen, gleich groszen, abgerundeten Schalenstückchen und andern

organischen Körpern, welche zum Theil ihre gelben, braunen und rosa

Färbungen beibehalten und gelegentlich auch, wenngleich sehr selten,

eine undeutliche Spur ihrer ursprünglichen äuszeren Formen darbieten.

Ich habe mich vergebens bemüht, auch nur ein einziges nicht abgerolltes

Fragment einer Schale aufzufinden. Die Farbe der Theilchen ist der

augenfälligste Character, aus welchem ihr Ursprung erkannt werden kann;

die Farbentöne werden durch mäszige Hitze in der nämlichen Weise

afficirt (und auch ein Geruch hervorgebracht), wie bei frischen

Muscheln. Die Theilchen sind miteinander verkittet und mit etwas erdiger

Substanz vermengt: die reinsten Massen enthalten nach der Angabe

BEATSON's 70 Procent kohlensauren Kalk. Die in ihrer Mächtigkeit

zwischen zwei oder drei und fünfzehn Fusz schwankenden Schichten

überziehen die Oberfläche des Bodens; sie liegen meistens an derjenigen

Seite des Thales, welche gegen den Wind geschützt ist, und kommen in der

Höhe von mehreren Hundert Fusz über dem Meeresspiegel vor. Ihre Lage ist

die nämliche, welche Sand, wenn er von den Passatwinden angetrieben

würde, einnehmen würde; und ohne Zweifel entstanden sie auch auf diese

Weise, was auch die gleiche Grösze und Winzigkeit der Schalenstückchen

und gleichfalls auch die gänzliche Abwesenheit ganzer Muscheln oder

selbst nur mäszig groszer Fragmente erklärt. Es ist merkwürdig, dasz

sich heutigen Tags keine muschligen Strandpartien an irgend einem Theile

der Küste finden, von denen aus kalkiger Staub fortgetriftet und

gesichtet werden könnte: wir müssen daher nach einer früheren Periode

zurückblicken, wo eine leicht abfallende Küste wie die auf Ascension die

Ansammlung muschlichen Detritus begünstigte, ehe noch das Land in die

jetzigen steil abfallenden Küsten abgenagt war. Einige von den Schichten

dieses Kalksteins finden sich zwischen 600 und 700 Fusz über dem Meere;

aber ein Theil dieser Höhe dürfte möglicherweise Folge einer Erhebung

des Landes nach der Anhäufung des kalkigen Sandes sein.

Das Durchsickern von Regenwasser hat Theile dieser Schichten zu einem

festen Stein consolidirt und hat Massen eines dunkelbraunen

stalagmitischen Kalksteins gebildet. In dem Sugar-Loaf-Steinbruch sind

Fragmente von Gestein an den anstoszenden Abhängen[77] dick von

aufeinanderfolgenden feinen Lagen einer kalkigen Substanz überzogen

worden. Es ist eigenthümlich, dasz viele von diesen Geschiebestücken

ihre ganze Oberfläche überzogen haben, ohne dasz irgendwo ein

Berührungspunkt unbedeckt gelassen wäre; es müssen daher diese

Rollsteine durch die langsam zwischen sie erfolgende Ablagerung der

aufeinanderfolgenden Niederschläge von kohlensaurem Kalk in die Höhe

gehoben worden sein. Massen von weiszem, fein oolithischem Gestein

hängen der Auszenseite einiger dieser überzogenen Geschiebesteine an. L.

VON BUCH hat einen compacten Kalkstein von Lanzarote beschrieben,

welcher der eben erwähnten stalagmitischen Ablagerung vollständig

ähnlich zu sein scheint: er überzieht Geschiebesteine und ist

stellenweise fein oolithisch; er bildet eine weit ausgedehnte Schicht

von einem Zoll bis zu zwei oder drei Fusz an Mächtigkeit und kommt in

einer Höhe von 800 Fusz über dem Meeresspiegel, aber nur an der Seite

der Insel vor, welche den heftigen Nordwest-Winden ausgesetzt ist. L.

VON BUCH bemerkt[78], dasz er nicht in Vertiefungen gefunden wird,

sondern nur an den nicht unterbrochenen und geneigten Oberflächen des

Berges. Er ist der Meinung, dasz er von dem Flugwasser abgesetzt wird,

welches von jenen heftigen Winden über die ganze Insel getragen wird. Es

erscheint mir indessen viel wahrscheinlicher, dasz er, wie auf St.

Helena, durch das Durchsickern von Wasser durch fein zerkleinerte

Schalthiergehäuse gebildet worden ist; denn wenn Sand auf eine bedeutend

exponirte Küste geweht wird, strebt er sich immer auf breiten, ebenen

Flächen anzuhäufen, welche den Winden einen gleichmäszigen Widerstand

darbieten. Überdies findet sich auf der benachbarten Insel

Fuerteventura[79] ein erdiger Kalkstein, welcher, der Angabe L. VON

BUCH's zufolge, Handstücken von St. Helena, welche er gesehen hat,

völlig ähnlich ist, und welcher, wie er meint, durch die Antrift

muschligen Detritus gebildet worden ist.

Die oberen Schichten des Kalksteins in dem oben erwähnten Steinbruche am

Sugar-Loaf-Berge sind weicher, feinkörniger und weniger rein als die

tiefern Schichten. Sie sind auszerordentlich reich an Fragmenten von

Landmuscheln und enthalten einige vollkommene; sie enthalten auch

Knochen von Vögeln und die groszen Eier[80], allem Anscheine nach von

Wasservögeln. Wahrscheinlich haben diese oberen Schichten lange in einer

nicht consolidirten Form bestanden, während welcher Zeit diese

terrestrischen Erzeugnisse eingeschlossen wurden. Mr. G. R. SOWERBY ist

so freundlich gewesen, drei Species von Land-Schalthieren, welche ich

aus dieser Schicht erhalten habe, zu untersuchen; seine Beschreibungen

sind im Anhange mitgetheilt. Eine derselben ist eine _Succinea_,

identisch mit einer noch jetzt in auszerordentlicher Menge auf der Insel

lebenden Art; die zwei andern, nämlich _Cochlogena fossilis_ und _Helix

biplicata_ sind nicht in lebendem Zustande bekannt; die letztere Art

wurde auch noch an einer andern, verschiedenen Örtlichkeit gefunden, in

Gesellschaft mit einer Species von _Cochlogena_, welche unzweifelhaft

ausgestorben ist.

~Schichten ausgestorbener Landschalthiere.~ -- Landschnecken, welche

sämmtlich zu jetzt ausgestorbenen Species zu gehören scheinen, kommen,

in Erde eingeschlossen, an mehreren Stellen der Insel vor. Die Mehrzahl

derselben ist in einer beträchtlichen Höhe um Flagstaff Hill gefunden

worden. Auf der Nordwest-Seite dieses Berges bietet ein Regen-Rinnsal

einen Durchschnitt von ungefähr zwanzig Fusz Dicke dar, dessen oberer

Theil aus schwarzer vegetabilischer Dammerde, offenbar von den

darüberliegenden Höhen herabgewaschen, und dessen unterer Theil aus

weniger schwarzer Erde besteht, welche auszerordentlich reich an jungen

und alten Schneckenschalen und deren Fragmenten ist: ein Theil dieser

Erde ist durch kalkige Substanz leicht consolidirt worden, welche

augenscheinlich von einer theilweisen Zersetzung einiger dieser

Schneckenschalen herrührt. Mr. SEALE, ein intelligenter Bewohner der

Insel, welcher zuerst die Aufmerksamkeit auf diese Schalthiergehäuse

lenkte, gab mir eine grosze Sammlung von einer andern Örtlichkeit, wo

die Schalen augenscheinlich in sehr schwarzer Erde eingeschlossen

gewesen sind. Mr. G. R. SOWERBY hat diese Schalen untersucht und sie in

dem Anhange beschrieben. Es sind dies sieben Species, nämlich eine

_Cochlogena_, zwei Species von _Cochlicopa_ und eine von _Helix_: keine

derselben ist im lebenden Zustande bekannt oder in irgend einem andern

Lande gefunden worden. Die kleineren Arten sind von der Innenseite der

groszen Schalen der _Cochlogena auris-vulpina_ herausgeholt worden.

Diese letztgenannte Species ist in vielen Beziehungen eine sehr

merkwürdige; sie wurde, selbst von LAMARCK, in eine marine Gattung

gestellt; und da man sie hiernach irrthümlich für eine Seeschnecke

hielt, und die kleineren begleitenden Species übersehen wurden, so masz

man genau die Höhe ihrer Fundorte und leitete daraus die Erhebung dieser

Insel ab! Es ist sehr merkwürdig, dasz sämmtliche von mir an einem Orte

gefundenen Schalen dieser Species eine, nun von Mr. SOWERBY beschriebene

verschiedene Varietät von denen bilden, welche Mr. SEALE von einer

andern Örtlichkeit erhielt. Da diese _Cochlogena_ eine grosze und in die

Augen fallende Schnecke ist, so erkundigte ich mich besonders bei

mehreren intelligenten Einwohnern, ob sie dieselbe jemals lebendig

gesehen hätten; sie versicherten mir alle, dasz sie dies nicht gethan

hätten, und wollten nicht einmal glauben, dasz es ein Landthier wäre:

überdies hat auch Mr. SEALE, der sein ganzes Leben lang Muschelsammler

auf St. Helena gewesen ist, sie niemals lebend gesehen. Möglicherweise

ergibt sich noch, dasz einige von den kleineren Species noch lebenden

Arten angehören; andererseits aber kommen die beiden Landschnecken,

welche jetzt auf der Insel in groszer Menge leben, so weit bis jetzt

bekannt ist, nicht mit den ausgestorbenen Species eingeschlossen vor.

Ich habe in meiner Reise[81] gezeigt, dasz das Aussterben dieser

Landschnecken möglicherweise kein altes Ereignis ist, da eine grosze

Veränderung im Zustande dieser Insel vor 120 Jahren eintrat, indem die

alten Bäume abstarben und nicht durch junge ersetzt wurden; diese wurden

von den Ziegen und Schweinen zerstört, welche seit dem Jahre 1502 in

groszen Mengen verwildert waren. Mr. SEALE gibt an, dasz auf dem

Flagstaff Hill, wo, wie wir gesehen haben, die eingeschlossenen

Landschnecken ganz besonders zahlreich waren, überall Spuren nachweisbar

sind, welche deutlich anzeigen, dasz er früher einmal dicht mit Bäumen

bedeckt war; jetzt wächst nicht einmal ein Busch dort. Die dicke Schicht

schwarzer vegetabilischer Dammerde, welche die Schalenschicht bedeckt,

an den Seiten dieses Berges, ist wahrscheinlich von dem obern Theile

herabgewaschen worden, sobald die Bäume vernichtet waren und der durch

dieselben gewährte Schutz verloren war.

~Erhebung des Landes.~ -- Da ich gesehen hatte, dasz die Laven der

basalen Reihe, welche submarinen Ursprungs sind, über den Spiegel des

Meeres, und zwar an einigen Stellen bis zur Höhe von vielen hundert Fusz

erhoben sind, so suchte ich nach andern an der Oberfläche sich bietenden

Zeichen für die Erhebung des Landes. Der Boden einiger der Klüfte,

welche nach der Küste hinabreichen, ist bis zur Tiefe von ungefähr

einhundert Fusz von undeutlich geschiedenen Schichten von Sand,

schlammigem Thon und fragmentaren Massen erfüllt; in diesen Schichten

hat Mr. SEALE die Knochen des Tropikvogels und des Albatross gefunden;

von ihnen besucht der erstere jetzt nur selten, und der letztere niemals

die Insel. Wegen der Verschiedenartigkeit dieser Schichten und den sich

abdachenden Haufen von Detritus, welche auf ihnen liegen, vermuthe ich,

dasz dieselben zur Ablagerung gelangten, als die Schluchten noch unter

der Meeresfläche standen. Mr. SEALE hat überdies nachgewiesen, dasz

einige der spaltenähnlichen Schluchten[82] allmählich mit einer concaven

Contur am Boden eher weiter werden als am obern Ende; und dieser

eigenthümliche Bau ist wahrscheinlich durch die abnagende Thätigkeit der

Wellen hervorgebracht worden, als sie in den untern Theil dieser

Schluchten eindrangen. In bedeutenderen Höhen sind die Beweise für das

Aufsteigen des Landes selbst noch weniger deutlich; demungeachtet finden

sich in einer buchtartigen Einsenkung auf dem Plateau hinter Prosperous

Bay in der Höhe von ungefähr 1000 Fusz plattgipfelige Felsmassen, von

denen kaum zu begreifen ist, dasz sie durch irgend welche andere Kräfte

von den umgebenden ähnlichen Schichtenlagen inselförmig losgetrennt

worden sind als durch die erodirende Wirkung eines Meeresstrandes. Es

ist in der That ein bedeutender Betrag von Denudation in groszen Höhen

eingetreten, welchen durch irgend welche andere Mittel zu erklären nicht

leicht sein würde: so bietet, dem Berichte Mr. SEALE's zufolge, der

Gipfel des Barn, welcher 2000 Fusz hoch ist, ein vollkommenes Netzwerk

abgestutzter Gänge dar; auf Bergen, welche wie der Flagstaff Hill aus

weichem Gestein bestehen, könnten wir vermuthen, dasz die Gänge durch

meteorische Einwirkungen niedergewaschen und abgestutzt worden seien;

wir können dies aber in Bezug auf die harten basaltischen Schichten des

Barn kaum für möglich halten.

~Denudation der Küste.~ -- Die ungeheuren, an manchen Stellen zwischen

1000 und 2000 Fusz hohen Klippen, von denen diese gefängnisartige Insel

rings umgeben ist (mit Ausnahme von nur wenigen Stellen, wo schmale

Thäler nach der Küste hinabsteigen), ist der am stärksten auffallende

Zug in der Scenerie derselben. Wir haben gesehen, dasz Partien des

basaltischen Ringes gänzlich entfernt worden sind, welche eine

Längenausdehnung von zwei oder drei Meilen, eine Breite von einer oder

zwei Meilen hatten, und von einem bis zweitausend Fusz hoch waren. Es

finden sich auch Stufen und Bänke von Gesteinsmassen, aus äuszerst

tiefem Wasser aufsteigend und von der gegenwärtigen Küste zwischen drei

und vier Meilen entfernt, welche nach Mr. SEALE's Angabe bis zum Ufer

verfolgt werden können und sich als die Fortsetzungen gewisser bekannter

groszer Gesteinsgänge herausstellen. Die Wellenkraft des atlantischen

Oceans ist offenbar bei der Bildung dieser Klippen das wirksame Agens

gewesen: und es ist interessant zu beobachten, dasz die geringere, aber

immerhin noch bedeutende Höhe der Klippen auf der unter dem Winde

gelegenen und theilweise geschützten Seite der Insel (auf der Strecke

von Sugar-Loaf Hill bis zum South-West Point) dem geringeren Grade des

Exponirtseins entspricht. Wenn man die vergleichsweise niedrigen Küsten

vieler vulcanischer Inseln betrachtet, welche gleichfalls ganz exponirt

im offenen Meere stehen und augenscheinlich von beträchtlichem Alter

sind, so schreckt der Geist von dem Versuche zurück, die Anzahl von

Jahrhunderten zu fassen, durch welche notwendigerweise diese Küste

exponirt gewesen sein musz, um die ungeheuren cubischen Massen von

Gestein zu Schlamm zermahlen und zerstreuen zu lassen, welche von dem

Umfange dieser Insel entfernt worden sind. Der Contrast in dem Zustande

der Oberfläche von St. Helena verglichen mit dem der nächsten Insel,

nämlich Ascension, ist sehr auffallend. Auf Ascension sind die

Lavaströme glänzend, als hätten sie sich eben ergossen, ihre Grenzen

sind scharf bestimmt, und sie können oft bis zu vollständigen Crateren

verfolgt werden, aus welchen sie ausgeworfen worden sind; im Verlaufe

der vielen langen Spaziergänge bemerkte ich nicht einen einzigen

Gesteinsgang; die Küste ist beinahe ganz rings um den Umkreis der Insel

niedrig und ist zu einem kleinen Walle von nur zehn bis dreiszig Fusz

Höhe rückwärts abgetragen und niedergewaschen worden (obschon auf diese

Thatsache nicht zu viel Gewicht gelegt werden darf, da die Insel in der

Senkung begriffen gewesen sein kann). Und doch ist während der 340

Jahre, seitdem Ascension entdeckt worden ist, auch nicht einmal das

schwächste Zeichen von vulcanischer Thätigkeit berichtet worden[83].

Andererseits kann auf St. Helena der Lauf auch nicht eines einzigen

Lavastroms verfolgt werden, weder durch die Beschaffenheit seiner

Grenzen noch durch die seiner Oberfläche; das blosze Wrack eines groszen

Craters ist übrig geblieben; nicht allein die Thäler, sondern die

Oberfläche einiger von den höchsten Bergen sind von niedergeriebenen

Gesteinsgängen durchwoben, und an vielen Stellen stehen die denudirten

Gipfel groszer Kegel von injicirter Gesteinsmasse exponirt und nackt da;

endlich ist, wie wir gesehen haben, der ganze Umkreis der Insel zu den

groszartigsten Felsklippen abgetragen und abgenagt worden.

Erhebungs-Cratere.

In Bezug auf den Bau und die geologische Geschichte besteht eine

bedeutende Ähnlichkeit zwischen St. Helena, S. Jago und Mauritius. Alle

drei Inseln sind (wenigstens an den Stellen, welche ich zu untersuchen

im Stande war) von einem Ringe von basaltischen Bergen eingefaszt,

welcher zwar jetzt vielfach durchbrochen ist, aber offenbar früher

zusammenhängend war. Diese Berge haben, oder hatten augenscheinlich

früher, nach dem Innern der Insel zu steile Abdachungen, und ihre

Schichten fielen nach auszen ein. Ich war nur in einigen wenigen Fällen

die Neigungsverhältnisse der Schichten zu ermitteln im Stande; auch war

dies durchaus nicht leicht, denn die Stratification war meistens

undeutlich, ausgenommen, wenn man die Gesteine von fern betrachtete. Ich

zweifle indessen nur wenig daran, dasz, in Übereinstimmung mit den

Untersuchungen ÉLIE DE BEAUMONT's, ihre mittlere Neigung gröszer ist als

eine solche, welche sie in Anbetracht ihrer Mächtigkeit und Compactheit

durch das Hinabflieszen auf einer geneigten Fläche hätten erlangen

können. Auf St. Helena und auf S. Jago liegen die basaltischen Schichten

auf älteren und wahrscheinlich submarinen Schichten verschiedener

Zusammensetzung. Auf allen drei Inseln sind grosze Fluthmassen neuerer

Lava vom Mittelpunkte der Insel aus nach den basaltischen Bergen hin und

zwischen ihnen durchgeflossen; und auf St. Helena ist das centrale

Plateau von solchen erfüllt worden. Alle drei Inseln sind in Masse

emporgehoben worden. Auf Mauritius musz das Meer innerhalb einer späten

geologischen Periode bis an den Fusz der basaltischen Berge gereicht

haben, wie es auf St. Helena noch der Fall ist; und auf S. Jago nagt es

die zwischenliegende Ebene nach ihnen hin nieder. Wenn man auf diesen

drei Inseln, aber besonders auf S. Jago und Mauritius, auf dem Gipfel

einer der alten basaltischen Berge steht, so sucht man nach dem

Mittelpunkte der Insel hin, nach dem Punkte, wohin die Schichten unter

den Füszen des Beobachters und an den Bergen zu beiden Seiten im Groszen

und Ganzen convergiren, -- vergebens nach einer Quelle, aus welcher

diese Schichten hervorgebrochen sein könnten; man sieht dagegen nur eine

ungeheure vertiefte Plattform, die sich zu Füszen hinstreckt, oder

Haufen von Massen viel neueren Ursprungs.

Diese basaltischen Berge gehören, wie ich vermuthe, in die Classe der

Erhebungs-Cratere: es ist von keiner Bedeutung, ob die Ringe jemals

vollständig ausgebildet gewesen sind; denn die Theile davon, welche

jetzt noch existiren, haben eine so gleichförmige Structur, dasz sie,

wenn sie nicht Bruchstücke wirklicher Cratere darstellen, mit

gewöhnlichen Erhebungslinien nicht in eine Classe zusammengestellt

werden können. Was ihren Ursprung betrifft, so kann ich, nachdem ich die

Werke von CH. LYELL[84] und von C. PREVOST und VIRLET gelesen habe,

nicht glauben, dasz die groszen centralen Einsenkungen durch eine

einfache kuppelförmige Erhebung und eine darauffolgende Biegung der

Schichten gebildet worden sind. Andererseits könnte ich nur mit sehr

groszer Schwierigkeit annehmen, dasz diese basaltischen Gebirge blosz

die basalen Fragmente groszer Vulcane sind, deren Gipfel entweder

weggesprengt, oder noch wahrscheinlicher durch Senkung fortgeschwemmt

worden sind. Diese Ringe sind in manchen Fällen so ungeheuer, wie auf S.

Jago und auf Mauritius, dasz ich mich kaum dazu bereden kann, diese

Erklärung anzunehmen. Überdies vermuthe ich, dasz die folgenden

Umstände, wegen ihres häufigen Zusammenauftretens, in irgend einer Weise

mit einander in Verbindung stehen, eine Verbindung, welche durch keine

der oben angeführten Ansichten erklärt wird: nämlich erstens der

durchbrochene Zustand des Ringes, welcher darauf hinweist, dasz die

jetzt getrennt stehenden Partien einer bedeutenden Denudation ausgesetzt

gewesen sind, und, vielleicht in einigen Fällen, es wahrscheinlich

macht, dasz der Ring niemals vollständig gewesen ist; zweitens, die

bedeutende Menge der aus dem centralen Gebiete vor oder während der

Bildung des Ringes ausgeworfenen Masse; und drittens, die Erhebung des

ganzen Gebietes in Masse. Was den Umstand betrifft, dasz die Neigung der

Schichten gröszer ist als diejenige, welche die basalen Fragmente

gewöhnlicher Vulcane naturgemäsz besitzen würden, so kann ich gern

glauben, dasz diese Neigung langsam durch den Betrag von Erhebung

erlangt worden ist, für welche nach ÉLIE DE BEAUMONT die zahlreichen

ausgefüllten Spalten oder Gesteinsgänge den Beweis und den Maszstab

abgeben, -- eine in gleicher Weise neue und bedeutungsvolle Ansicht,

welche wir den Untersuchungen dieses Geologen über den Ätna verdanken.

Eine Vermuthung, welche die oben erwähnten Umstände mit in Betracht

zieht, drängte sich mir auf, als ich, -- nach den 1835 in

Süd-America[85] beobachteten Erscheinungen vollständig davon überzeugt,

dasz die Kräfte, welche Substanz aus vulcanischen Öffnungen auswerfen

und welche Continente in Masse erheben, identisch sind, -- jenen Theil

der Küste von S. Jago betrachtete, wo die horizontal emporgehobene

kalkige Schicht in das Meer einfällt, direct unter einem Kegel von

später ausgeworfener Lava. Diese Conjunctur ist die folgende, dasz

nämlich während der langsamen Erhebung eines vulcanischen Districts oder

einer Insel, in deren Mittelpunkt eine oder mehrere Öffnungen beständig

offen sind und in dieser Weise den unterirdischen Kräften einen Ausweg

bieten, die Ränder mehr erhoben werden als die centrale Fläche, und dasz

die so erhobenen Partien nicht sanft nach der centralen, weniger

erhobenen Fläche abfallen, wie es die kalkige Schicht unter dem

Lavakegel auf S. Jago und wie es ein groszer Theil des Umkreises von

Island[86] thut, sondern dasz sie von derselben durch gebogene

Verwerfungen getrennt sind. Nach dem, was wir an gewöhnlichen

Verwerfungen sehen, dürfen wir erwarten, dasz die Schichten auf der

emporgehobenen Seite, welche bereits wegen ihrer ursprünglichen Bildung

als Lavaströme nach auszen fallen, von der Verwerfungslinie aus

aufgerichtet werden, dasz also hiernach ihre Neigung vermehrt wird.

Dieser Hypothese zufolge, welche ich versucht bin, nur auf einige wenige

Fälle auszudehnen, ist es nicht wahrscheinlich, dasz der Ring jemals

vollständig gewesen ist; und weil die Erhebung langsam war, werden die

emporgehobenen Partien starker Denudation ausgesetzt gewesen, der Ring

dadurch unterbrochen worden sein; wir dürfen auch gelegentlich

Ungleichheiten im Fall der aufgehobenen Massen zu finden erwarten, wie

es auf S. Jago der Fall ist. Durch diese Hypothese werden die Erhebung

der Districte in Masse und das Flieszen ungeheurer Lavafluthen aus den

centralen Plateaus gleichfalls mit einander in Verbindung gebracht. Nach

dieser Ansicht können die randständigen basaltischen Gebirgszüge der

drei vorstehend genannten Inseln noch immer als »Erhebungs-Cratere«

bildend angesehen werden; die dabei in Wirksamkeit gewesene

Erhebungsweise ist langsam vor sich gegangen und die centrale Einsenkung

oder Platform ist nicht durch eine Beugung der Oberfläche, sondern

einfach dadurch entstanden, dasz dieser Theil nur bis zu einer

geringeren Höhe erhoben worden ist.

[66] Governor ~Beatson~'s Account of St. Helena.

[67] »Geognosy of the Island of St. Helena«. Mr. ~Seale~ hat ein Modell

von St. Helena in colossalem Maszstabe angefertigt, welches der

Betrachtung wohl werth, jetzt in Addiscombe College, Surrey, deponirt

ist.

[68] Dieser Umstand ist (~Lyell~, Principles of Geology, Vol. IV.; Chap.

X. p. 9) an den Gängen des Atrio del Cavallo beobachtet worden, ist aber

augenscheinlich nicht von sehr gewöhnlichem Vorkommen. Indessen gibt Sir

G. ~Mackenzie~ an (Travels in Iceland, p. 372), dasz alle Adern auf

Island einen »schwarzen glasigen Überzug auf ihren Seiten haben.« Wo

Capt. ~Carmichael~ von den Gängen auf Tristan d'Acunha, einer

vulcanischen Insel im südlichen atlantischen Ocean, spricht, sagt er

(Linnean Transactions, Vol. VII. p. 485), dasz ihre Seiten, »wo sie mit

den Gesteinen in Berührung kommen, sich ausnahmslos in einem

halbverglasten Zustande befinden.«

[69] Geognosy of the Island of St. Helena, Taf. 5.

[70] ~Constant Prevost~ bemerkt (Mém. de la Soc. géolog., Tom. II): »les

produits volcaniques n'ont que localement et rarement même dérangé le

sol, à travers lequel ils se sont fait jour.«

[71] Ein äuszerst merkwürdiges Beispiel dieses Baues ist in ~Ellis'~

Polynesian Researches (2. Ausg.) beschrieben, wo auch eine sehr schöne

Zeichnung von den aufeinanderfolgenden Stufen oder Terrassen

mitgetheilt wird, welche sich an den Rändern des ungeheuren Craters auf

Hawaii in den Sandwich-Inseln finden.

[72] Personal Narrative, Vol. I. p. 171.

[73] ~Humboldt~'s Atlas pittoresque, folio, pl. 10.

[74] ~Abich~ hat in seinen Ansichten vom Vesuv (Taf. VI) die Art und

Weise nachgewiesen, in welcher unter sehr ähnlichen Umständen Schichten

aufgerichtet worden sind. Die obern Schichten sind stärker aufgebogen

als die unteren, und dies erklärt er damit, dasz sich die Lava

horizontal zwischen die untern Schichten eindrängt.

[75] Diese Höhe gibt ~Seale~ in seiner Geognosie der Insel an; die Höhe

des Gipfels über dem Meeresspiegel soll 1444 Fusz betragen.

[76] ~D'Aubuisson~ bemerkt in seinem Traité de Géognosie (Tom. II. p.

540) besonders, dasz dies der Fall ist.

[77] In dem erdigen Detritus an mehreren Stellen dieses Berges kommen

unregelmäszige Massen von sehr unreinem, krystallisirtem schwefelsaurem

Kalke vor. Da diese Substanz jetzt in auszerordentlich groszer Menge von

der Brandung auf Ascension abgesetzt wird, so können möglicherweise

diese Massen hier in dieser Weise entstanden sein; ist dies aber der

Fall gewesen, so musz es zu einer Zeit geschehen sein, wo das Land ein

viel niedrigeres Niveau hatte. Dieser erdige Selenit wird jetzt in einer

Höhe von zwischen 600 und 700 Fusz gefunden.

[78] Description des îles Canaries, p. 293.

[79] Ebenda, p. 314 und 374.

[80] Colonel ~Wilkes~ gibt in einem mit einigen Handstücken der

Geologischen Gesellschaft übergebenen Cataloge an, dasz bis zu zehn

Eiern von einer Person gefunden wurden. Dr. ~Buckland~ hat Bemerkungen

über diese Eier gemacht (Geolog. Transactions, Vol. V., p. 474).

[81] Reise eines Naturforschers (Übers.), p. 564.

[82] Eine spaltenartige Schlucht in der Nähe des Stony-top soll nach Mr.

~Seale~'s Angabe 840 Fusz tief und nur 115 weit sein.

[83] Im Nautical Magazine für 1835, p. 642, und für 1838, p. 361, und in

den Comptes Rendus, April, 1838, werden Berichte über eine Reihe von

vulcanischen Erscheinungen mitgetheilt, -- Erdbeben, -- unruhiges Wasser,

-- schwimmende Schlacken und Rauchsäulen, -- welche in Zwischenräumen

seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf einer Fläche des offnen

Meeres zwischen dem 20. und 22. Grade westlicher Länge und ungefähr

einen halben Grad südlich vom Äquator beobachtet worden sind. Diese

Thatsachen scheinen darauf hinzuweisen, dasz eine Insel oder ein

Archipel in der Mitte des atlantischen Oceans in der Bildung begriffen

ist: eine St. Helena und Ascension verbindende Linie durchschneidet,

verlängert, diesen im Entstehen begriffenen Heerd vulcanischer

Thätigkeit.

[84] Principles of Geology (5. edit.), Vol. II. p. 171.

[85] Ich habe ausführliche Schilderungen dieser Erscheinungen in einem

vor der Geological Society im März 1838 gelesenen Aufsatze gegeben. In

dem Augenblicke, wo ein ungeheures Gebiet erschüttert und ein

bedeutender Landstrich emporgehoben wurde, blieben die, mehrere der

groszen Auswurfsöffnungen in der Cordillera unmittelbar umgebenden

Districte ruhig; die unterirdischen Kräfte wurden augenscheinlich durch

die Eruptionen erleichtert, welche dann mit groszer Heftigkeit wieder

begannen. Ein Ereignis von ziemlich derselben Art, aber in einem

unendlich kleineren Maszstabe scheint der Angabe ~Abich~'s in zufolge

(Ansichten vom Vesuv, Taf. I. und IX.) innerhalb des Craters des Vesuv

stattgefunden zu haben, wo auf der einen Seite einer Spalte ein Plateau

in Masse zwanzig Fusz erhoben wurde, während auf der andern Seite eine

Reihe kleiner Vulcane in Eruption ausbrachen.

[86] Aus einer mir in der dankenswerthesten Weise gemachten Mittheilung

des Mr. ~E. Robert~ geht hervor, dasz die den Umkreis der Insel

bildenden, aus alten basaltischen, mit Tuff abwechselnden Schichten

zusammengesetzten Theile von Island landeinwärts einfallen und so eine

colossale untertassenförmige Gestalt bilden. Mr. ~Robert~ fand dies

Verhalten, mit einigen wenigen und völlig localen Ausnahmen, über eine

Küstenstrecke von mehreren hundert Meilen Länge. Ich finde diese Angabe,

in Bezug auf eine Stelle, bestätigt von ~Mackenzie~ in seinen Reisen (p.

377) und in Bezug auf einen andern Ort in einigen handschriftlichen

Bemerkungen, welche mir Dr. ~Holland~ freundlichst geliehen hat. Die

Küste ist tief von Buchten eingeschnitten, an deren oberem Ende das Land

meistens niedrig ist. Mr. ~Robert~ theilt mir mit, dasz sich die nach

innen einfallenden Schichten bis zu dieser Linie zu erstrecken scheinen

und dasz ihre Neigung gewöhnlich der Abdachung der Oberfläche

entspricht, von den hohen Küstenbergen an bis zu dem niedrigen Lande am

obern Ende dieser Buchten. In dem von Sir ~G. Mackenzie~ beschriebenen

Durchschnitt beträgt der Einfall 12°. Die inneren Theile der Insel

bestehen, so weit es bekannt ist, hauptsächlich aus neueren

ausgeworfenen Massen. Indessen sollte vielleicht die bedeutende Grösze

von Island, welche dem umfangreichsten Theile von England gleichkommt,

die Insel von der Classe von Inseln, die wir hier betrachten,

ausschlieszen; ich kann aber die Vermuthung nicht unterdrücken, dasz,

wenn die Küstenberge, anstatt sanft sich nach dem weniger erhobenen

centralen Gebiete abzudachen, von diesem durch unregelmäszige gekrümmte

Verwerfungen getrennt wären, dann die Schichten nach dem Meere hin

aufgerichtet worden wären und ein »Erhebungs-Crater« gebildet worden

wäre, wie der von S. Jago oder von Mauritius, und von viel ungeheureren

Dimensionen. Ich will nur noch weiter bemerken, dasz das häufige

Vorkommen ausgedehnter Seen am Fusze groszer Vulcane und die häufige

Vergesellschaftung von vulcanischen und Süszwasser-Schichten anzudeuten

scheint, dasz die Gebiete rings um Vulcane gern unter das allgemeine

Niveau des umgebenden Landes niedergedrückt sind, und zwar entweder,

weil sie weniger hoch emporgehoben worden sind, oder in Folge der

Wirkung einer Senkung.

Fünftes Capitel.

Galapagos-Archipel.

Chatham-Insel. -- Aus einer besondern Art von Tuff zusammengesetzte

Cratere. -- Kleine basaltische Cratere mit Höhlen an ihren Basen. --

Albemarle-Insel, flüssige Laven, ihre Zusammensetzung. --

Tuff-Cratere, Neigung ihrer äuszeren divergirenden Schichten, und

Structur ihrer inneren convergirenden Schichten. -- James-Insel,

Segment eines kleinen basaltischen Craters; Flüssigkeit und

Zusammensetzung ihrer Lava-Ströme und der von ihr ausgeworfenen

Fragmente. -- Schluszbemerkungen über die Tuff-Cratere und über den

durchbrochenen Zustand ihrer südlichen Seiten. -- Mineralogische

Zusammensetzung der Felsarten des Archipels. -- Erhebung des

Landes. -- Richtung der Eruptionsspalten.

Dieser Archipel ist unter dem Äquator gelegen, in einer Entfernung von

zwischen fünf- und sechshundert Meilen von der Westküste von America. Er

besteht aus fünf Haupt-Inseln und mehreren kleinen, welche in

Flächenausdehnung[87], aber nicht an Ausdehnung trocknen Landes,

Sicilien in Verbindung mit den Jonischen Inseln entsprechen. Sie sind

sämmtlich vulcanisch; auf zweien sind Cratere in Eruption gesehen

worden, und auf mehreren von den andern Inseln haben Lava-Ströme ein

recentes Aussehen. Die gröszeren Inseln bestehen hauptsächlich aus

solidem Gestein, und sie steigen mit einem sanften Umrisz bis zu einer

Höhe von zwischen ein- und viertausend Fusz aus dem Meere auf. Auf ihrer

höchsten Spitze findet sich zuweilen, aber nicht allgemein, eine

Hauptöffnung. Die Cratere schwanken in der Grösze von bloszen

Spaltöffnungen bis zu ungeheuren, mehrere Meilen im Umfang messenden

Kesseln; sie sind auszerordentlich zahlreich, so dasz ich glaube, wenn

sie gezählt würden, würden sich mehr als zweitausend herausstellen: sie

sind entweder aus Schlacken und Lava oder aus einem braun gefärbten Tuff

zusammengesetzt; und diese letzteren Cratere sind in mehreren

Beziehungen merkwürdig. Die ganze Gruppe wurde von den Officieren des

>Beagle< vermessen. Ich selbst habe vier von den Haupt-Inseln besucht

und Handstücke und Exemplare von sämmtlichen übrigen erhalten. Unter der

Überschrift der verschiedenen Inseln will ich nur das beschreiben, was

mir der Beachtung werth zu sein scheint.

[Illustration: Fig. 11. Galapagos-Archipel.]

_Chatham-Insel._ ~Aus einer eigenthümlichen Art von Tuff

zusammengesetzte Cratere.~ -- Nach dem östlichen Ende dieser Insel hin

kommen zwei Cratere vor, welche aus zwei Arten von Tuff zusammengesetzt

sind; die eine Art ist zerreiblich, wie leicht zusammengesinterte Asche,

und die andere compact und von Allem, wovon ich bis jetzt eine

Beschreibung gelesen habe, ihrer Beschaffenheit nach verschieden. Diese

letztere Substanz ist da, wo sie am characteristischsten auftritt, von

einer gelblich-braunen Farbe, durchscheinend und mit einem, etwas an

Harz erinnernden Glanze; sie ist zerbrechlich, mit einem winkligen,

rauhen und sehr unregelmäszigen Bruche, zuweilen indessen unbedeutend

körnig und selbst undeutlich krystallinisch; sie kann leicht mit einem

Messer geritzt werden, doch sind manche Stellen gerade hart genug, um

gewöhnliches Glas eben zu zeichnen; sie schmilzt mit Leichtigkeit zu

einem schwärzlich-grünen Glase. Die Masse enthält zahlreiche zerbrochene

Krystalle von Olivin und Augit und kleine Stückchen schwarzer und

brauner Schlacken: sie wird häufig von dünnen Säumen kalkiger Substanz

quer durchsetzt. Sie bietet meistens eine knotige oder concretionäre

Structur dar. In einem Handstück würde man diese Substanz sicher

irrthümlich für eine blasse und eigenthümliche Varietät von Pechstein

halten; sieht man sie aber in Masse, so geben ihre Schichtung und die

zahlreichen Lagen von basaltischen Fragmenten, sowohl eckigen als

abgerundeten, sofort ihren unter Wasser erfolgten Ursprung deutlich zu

erkennen. Eine Untersuchung von einer Reihe von Handstücken zeigt, dasz

diese harzähnliche Substanz das Resultat einer chemischen Umwandlung an

kleinen Stückchen blasser und dunkel gefärbter schlackiger Gesteine ist;

diese Veränderung konnte man deutlich in verschiedenen Stufen rings um

die Ränder selbst eines und des nämlichen Stückchens verfolgen. Die Lage

in der Nähe der Küste von allen aus dieser Art von Tuff oder Peperino

zusammengesetzten Crateren, ebenso wie ihr durchbrochener Zustand machen

es wahrscheinlich, dasz sie sich alle in's Meer eingetaucht gebildet

haben; in Anbetracht dieses Umstandes, in Verbindung mit der

merkwürdigen Abwesenheit groszer Schichten von Asche im ganzen Archipel,

halte ich es für in hohem Grade wahrscheinlich, dasz bei weitem der

gröszere Theil des Tuffs aus der Zerkleinerung der grauen basaltischen

Laven in der Mündung der im Meere stehenden Cratere hervorgegangen ist.

Es kann gefragt werden, ob das erhitzte Wasser innerhalb dieser Cratere

diese eigenthümliche Veränderung in den schlackigen Stückchen

hervorgebracht und ihnen ihren durchscheinenden, harzartigen Bruch

gegeben hat? Oder hat der in Gemeinschaft auftretende Kalk irgend einen

Theil an dieser Veränderung gehabt? Ich stelle diese Fragen auf, weil

ich auf S. Jago, in den Capverdischen Inseln, gefunden habe, dasz da, wo

ein groszer Strom geschmolzener Lava über einen kalkigen Boden in das

Meer geflossen ist, der alleräuszerste Überzug, welcher an andern

Stellen Pechstein ähnlich ist, augenscheinlich in Folge seiner Berührung

mit dem kohlensauren Kalke in eine harzähnliche Substanz umgewandelt

worden ist, genau den am characteristischsten ausgeprägten Stücken Tuff

von diesem Archipel gleich[88].

Um nun zu den beiden Crateren zurückzukehren: einer von ihnen steht in

einer Entfernung von einer Stunde von der Küste; der zwischenliegende

Strich Landes besteht aus einem kalkigen Tuff von augenscheinlich

submarinem Ursprung. Dieser Crater besteht aus einem Kreise von Hügeln,

von denen einige gänzlich isolirt stehen, welche aber sämmtlich ein sehr

regelmäsziges, nach auszen gerichtetes Fallen der Schichten mit einer

Neigung von zwischen dreiszig und vierzig Graden zeigen. Die untern

Schichten, in einer Mächtigkeit von mehreren hundert Fusz, bestehen aus

dem harzähnlichen Steine mit eingeschlossenen Fragmenten von Lava. Die

oberen Schichten, welche eine Mächtigkeit von zwischen dreiszig und

vierzig Fusz haben, sind aus einem dünn geschichteten, feinkörnigen,

harten, zerreiblichen, braun gefärbten Tuff oder Peperino[89]

zusammengesetzt. Eine centrale Masse ohne irgend welche Stratification,

welche früher die Höhlung des Craters eingenommen haben musz, jetzt aber

nur einigen wenigen der im Umkreise stehenden Berge angeheftet ist,

besteht aus Tuff, welcher in seinem Character zwischen dem mit einem

harzartigen und dem mit einem erdigen Bruche mitten inne steht. Diese

Masse enthält weisze kalkige Substanz in kleinen Flecken. Der zweite

Crater (520 Fusz hoch) musz bis zur Eruption eines neueren groszen

Lavastroms als eine besondere Insel existirt haben; ein schöner, vom

Meere ausgewaschener Durchschnitt zeigt eine groszartige trichterförmige

Masse von Basalt, umgeben von steilen geneigten Seitenwänden von Tuff,

welcher an einigen Stellen einen erdigen, an andern einen halbharzigen

Bruch hat. Der Tuff ist von mehreren breiten, senkrechten Gängen mit

glatten und parallelen Seiten quer durchsetzt, von denen ich anfangs

nicht zweifelte, dasz sie aus Basalt beständen, bis ich thatsächlich

Fragmente losbrach. Indessen bestehen diese Gänge aus Tuff ähnlich dem

der umgebenden Schichten, nur ist er compacter und von glätterem Bruch;

wir müssen daher schlieszen, dasz Spalten gebildet und mit dem feineren

Schlamm oder Tuff aus dem Crater erfüllt wurden, ehe sein Inneres, wie

es jetzt der Fall ist, von einem erstarrten See von Basalt eingenommen

wurde. Andere Spalten, parallel diesen eigenthümlichen Gängen, sind

später noch gebildet und blosz mit losem Abfall ausgefüllt worden. Die

Umwandlung der Gesteinsmasse von gewöhnlichen schlackigen Stückchen an

bis zur Substanz mit einem halbharzigen Bruche konnte an einzelnen

Partien des compacten Tuffs dieser Gänge deutlich verfolgt werden.

[Illustration: Fig. 12. Der Kicker-Felsen.]

In einer Entfernung von einigen wenigen Meilen von diesen beiden

Crateren steht der Kicker-Felsen oder -Insel, wegen seiner

eigenthümlichen Form merkwürdig. Er ist nicht geschichtet und besteht

aus compactem Tuff, welcher stellenweise den harzähnlichen Bruch hat.

Wahrscheinlich hat diese amorphe Masse, wie jene ähnliche Masse in dem

zuerst beschriebenen Falle früher einmal die mittlere Höhlung eines

Craters erfüllt, dessen Seiten oder sich abdachenden Wandungen seitdem

von dem Meere, in welchem sie ganz exponirt dasteht, weggewaschen worden

sind.

~Kleine basaltische Cratere.~ -- Ein kahler, wellenförmig bewegter

Strich Landes am östlichen Ende von Chatham-Insel ist merkwürdig wegen

der groszen Zahl, groszen Nähe und Form der kleinen basaltischen

Cratere, mit denen er dicht besetzt ist. Sie bestehen entweder aus einem

bloszen conischen Haufen oder, indessen weniger häufig, aus einem Kreise

von schwarzen und rothen, glänzenden Schlacken, welche theilweise

miteinander verkittet sind. Sie schwanken im Durchmesser von 30 bis 150

Yards und erheben sich von ungefähr 50 bis 100 Fusz über das Niveau der

umgebenden Ebene. Von einer kleinen Erhöhung aus zählte ich sechzig

solcher Cratere, von denen alle näher als eine Drittel-Meile aneinander

standen, und viele waren einander noch näher. Ich masz die Entfernung

zwischen zwei sehr kleinen Crateren und fand, dasz sie von dem

Gipfelrande des einen bis zum Rande des andern nur dreiszig Yards

betrug. Kleine Ströme schwarzer, basaltischer Lava, welche Olivin und

viel glasigen Feldspath enthält, sind von vielen, aber nicht von allen

diesen Crateren ausgeflossen. Die Oberflächen der neueren Ströme waren

auszerordentlich zerrissen und waren durch grosze Spalten quer

durchsetzt; auch waren sie sämmtlich in vollständiger Confusion

miteinander verschmolzen und durcheinander gemengt. Indessen bezeichnete

das verschiedene Wachsthum der Bäume auf den Strömen deutlich ihr

verschiedenes Alter. Ohne diesen letzteren Umstand hätten die einzelnen

Ströme nur in wenig Fällen unterschieden werden können; in Folge dessen

könnte man diesen weiten wellenförmigen Strich (wie es wahrscheinlich

bei vielen solchen Strichen geschehen ist) irrthümlich als von einer

einzigen groszen Überfluthung von Lava gebildet betrachten, anstatt von

einer Menge kleiner, aus vielen kleinen Öffnungen ausgebrochener Ströme.

An mehreren Stellen dieses Landstrichs, und ganz besonders am Fusze der

kleinen Cratere finden sich kreisförmige Gruben mit senkrechten

Wandungen und von zwanzig bis vierzig Fusz tief. Am Fusze eines kleinen

Craters waren drei solcher Gruben vorhanden. Sie sind wahrscheinlich

durch das Einstürzen des Dachs kleiner Höhlen gebildet worden[90]. An

andern Stellen finden sich halbkuglige Hügel, welche groszen Lavablasen

ähnlich sind, und deren Gipfel von unregelmäszigen Sprüngen gespalten

sind; diese scheinen, nach dem Versuch in sie einzudringen, sehr tief;

Lava ist aus diesen Hügeln nicht ausgeflossen. Es finden sich auch noch

andere sehr regelmäszige halbkugelige Hügel, die aus stratificirter Lava

zusammengesetzt sind und auf deren Gipfel kreisförmige Höhlen mit

steilen Seiten sich finden, welche, wie ich vermuthe, durch eine

Gasmasse gebildet worden sind, welche zuerst die Schichten zu einem

blasenähnlichen Hügel aufwölbten und dann ihren Gipfel absprengten.

Diese verschiedenen Arten von Hügeln und Gruben, ebenso wie die

zahlreichen kleinen, schlackigen Cratere, alles dies weist darauf hin,

dasz dieser Strich Landes beinahe wie ein Sieb durch den Austritt

erhitzter Dämpfe durchlöchert worden ist. Die regelmäszigeren Hügel

können nur aufgehäuft worden sein, während sich die Lava in einem

erweichten Zustande befand[91].

~_Albemarle-Insel._~ -- Diese Insel besteht aus fünf groszen,

platt-gipfeligen Crateren, welche, zusammen mit dem einen auf der

benachbarten Insel Narborough, einander in eigenthümlicher Weise in Form

und Höhe ähnlich sind. Der südliche ist 4700 Fusz hoch, zwei andere sind

3720 Fusz hoch, ein dritter nur 50 Fusz höher, und die noch übrigen dem

Anscheine nach von derselben Höhe. Drei von diesen sind in einer Linie

gelegen, und ihre Cratere erscheinen in nahezu der nämlichen Richtung

verlängert. Der nördliche Crater, welcher nicht der gröszte ist, ergab

durch Triangulation für seinen äuszern Durchmesser ein Masz von nicht

weniger als drei und ein Achtel Meilen. Über die Mündungsränder dieser

groszen, breiten Kessel und aus kleinen Öffnungen in der Nähe ihrer

Gipfel sind grosze Fluthen schwarzer Lava ihre nackten Seiten hinab

geflossen.

~Flüssigkeitszustand verschiedener Laven.~ -- Aus der Nähe von Tagus

oder Banks' Cove untersuchte ich einen dieser groszen Ströme von Lava,

welche wegen der deutlichen Beweise für den hohen Grad ihrer früheren

Flüssigkeit, besonders wenn man ihre Zusammensetzung in Betracht zieht,

merkwürdig ist. In der Nähe der Meeresküste ist dieser Strom mehrere

Meilen breit. Die Lava besteht aus einer schwarzen compacten Basis,

welche leicht zu einer schwarzen Perle schmilzt, winklige und nicht sehr

zahlreiche Luftblasen enthält und dicht mit groszen, zerbrochenen

Krystallen von glasigem Albit[92], die im Durchmesser von einem Zehntel

bis zu einem halben Zoll schwanken, durchsetzt ist. Obgleich diese Lava

auf den ersten Blick auffallend porphyrartig zu sein scheint, so kann

sie doch nicht eigentlich als solche angesehen werden, denn die

Krystalle sind offenbar von der Lava eingehüllt, abgerundet und

durchdrungen worden, wie Bruchstücke eines fremdartigen Gesteins in

einem Trappgange. Dies war sehr deutlich an einigen Handstücken einer

ähnlichen Lava von Abingdon-Insel, an welcher der einzige Unterschied

der war, dasz die Bläschen sphärisch und zahlreicher waren. Der Albit in

diesen Laven findet sich in einem ähnlichen Zustande wie der Leucit vom

Vesuv und wie der Olivin, welchen L. VON BUCH[93] als in groszen Kugeln

aus dem Basalt von Lanzarote vorspringend beschreibt. Auszer dem Albit

enthält diese Lava zerstreute Körner eines grünen Minerals ohne

deutliche Spaltflächen und dem Olivin auszerordentlich ähnlich[94]; da

es aber leicht zu einem grünen Glase schmilzt, gehört es wahrscheinlich

zur Familie des Augit: indessen enthält auf der James-Insel eine

ähnliche Lava echten Olivin. Ich erhielt Handstücke von der wirklichen

Oberfläche und aus einer Tiefe von vier Fusz; sie waren aber in

keinerlei Beziehung verschieden. Der beträchtliche Grad von Flüssigkeit

dieses Lavastroms gieng sofort daraus hervor, dasz seine Oberfläche

glatt und sanft abfallend war, ferner aus der Art und Weise, in welcher

der Hauptstrom durch kleine Unebenheiten in kleine Bäche getheilt war,

und besonders aus der Art, in welcher seine Ränder, eine grosze Strecke

weit unterhalb seiner Ausgangsquelle und wo er schon in einem gewissen

Grade abgekühlt gewesen sein musz, sich zu fast gar Nichts verdünnten:

der Rand selbst bestand factisch aus losen Fragmenten, von denen wenige

gröszer als ein Mannskopf waren. Der Contrast zwischen diesem Rande und

den steilen, über zwanzig Fusz hohen Wänden, welche viele von den

basaltischen Strömen auf Ascension begrenzen, ist sehr merkwürdig. Es

ist allgemein angenommen worden, dasz Laven, welche auszerordentlich

reich an grossen Krystallen sind und winkelige Höhlungen enthalten[95],

nur geringe Flüssigkeit besessen haben; wir sehen aber, dasz sich die

Sache auf der Albemarle-Insel verschieden verhalten hat. Der

Flüssigkeitsgrad bei verschiedenen Laven scheint keiner ~anscheinenden~

entsprechenden Grösze der Verschiedenheit in ihrer Zusammensetzung zu

entsprechen: auf Chatham-Insel sind einige, viel glasigen Albit und

etwas Olivin enthaltende Ströme so zerklüftet, dasz sie mit einem

während eines Sturmes gefrornen Meere verglichen werden können; während

der grosze Strom auf der Albemarle-Insel beinahe so glatt ist, wie die

Oberfläche eines durch eine leichte Brise gekräuselten Sees. Auf

James-Insel bietet schwarze basaltische Lava, die sehr reich an kleinen

Olivin-Körnern ist, einen mittleren Grad von Rauhheit der Fläche dar;

ihre Oberfläche ist glänzend und die losgelösten Fragmente sind in einer

höchst merkwürdigen Weise Faltungen einer Draperie, Tauen und Stücken

von Baumrinde ähnlich[96].

~Tuff-Cratere.~ -- Ungefähr eine Meile südlich von Banks' Cove liegt ein

schöner elliptischer Crater, ungefähr 500 Fusz tief und drei Viertel

Meile im Durchmesser. Seinen Grund nimmt ein See von Salzwasser ein, aus

welchem einige kleine craterförmige Hügel von Tuff hervorragen. Die

untern Schichten werden aus compactem Tuff gebildet, welche wie eine

unter Wasser erfolgte Ablagerung erscheinen, während die obern

Schichten, rings um den ganzen Umfang, aus einem harten, zerreiblichen

Tuff von geringem specifischen Gewicht bestehen, aber häufig

Gesteinsfragmente in Lagern enthalten. Dieser obere Tuff enthält

zahlreiche pisolithische Kugeln, ungefähr von der Grösze kleiner

Flintenkugeln, welche von der umgebenden Substanz nur darin verschieden

sind, dasz sie unbedeutend härter und feinkörniger sind. Die Schichten

fallen sehr regelmäszig nach allen Seiten hin ab, unter Winkeln, welche,

wie ich durch Messung gefunden habe, zwischen 25 und 30 Grad schwanken.

Die äuszere Oberfläche des Craters dacht sich mit einer nahezu ähnlichen

Neigung ab; sie wird aus unbedeutend convexen Rippen gebildet, ähnlich

denen auf den Schalen einer Kamm- oder Pilgrimsmuschel, welche in dem

Masze, als sie sich von der Mündung des Craters nach seiner Basis hin

erstrecken, breiter werden. Diese Rippen sind meist von acht bis zwanzig

Fusz breit, zuweilen sind sie aber selbst vierzig Fusz breit; sie sind

alten, mit Mörtel beworfenen, stark abgeplatteten Gewölben ähnlich, von

denen sich der Mörtel in Platten abschält: sie sind durch Hohlkehlen von

einander getrennt, welche durch alluviale Einwirkung weiter vertieft

sind. An ihrem obern und schmälern Ende in der Nähe der Mündung des

Craters bestehen diese Rippen häufig aus wirklichen hohlen Gängen,

ähnlich denjenigen, aber im Ganzen kleiner als die, welche häufig durch

das Abkühlen der Rinde eines Lavastroms gebildet werden, während die

innern Theile noch weiter geflossen sind: -- Beispiele einer derartigen

Structur habe ich viel auf Chatham-Insel gesehen. Es kann daran kein

Zweifel sein, dasz diese hohlen Rippen oder gewölbten Stellen in einer

ähnlichen Weise gebildet worden sind, nämlich durch das Sich-setzen und

Erhärten einer oberflächlichen Rinde auf Schlammströmen, welche vom

obern Theil des Craters herabgeflossen sind. An einer andern Stelle

desselben Craters sah ich offene concave Canäle, zwischen einem und zwei

Fusz breit, welche augenscheinlich durch das Hartwerden der unteren

Fläche eines Schlammstroms, anstatt wie im vorhergehenden Falle der

oberen Fläche, gebildet worden sind. Nach diesen Thatsachen ist es, wie

ich meine, sicher, dasz der Tuff als Schlamm geflossen sein musz[97].

Dieser Schlamm kann sich entweder innerhalb des Craters oder aus

Aschenmassen gebildet haben, welche an seinen obern Theilen abgelagert

und später von Regenströmen nach unten gewaschen worden sind. Die

erstere Bildungsart scheint in den meisten Fällen die wahrscheinlichere

zu sein; indessen erstrecken sich auf James-Insel einige Schichten der

zerreiblichen Tuffart so continuirlich über eine unebene Oberfläche,

dasz sie sich wahrscheinlich durch das Fallen von Aschenschauern

gebildet haben.

Innerhalb dieses nämlichen Craters stoszen Schichten eines groben,

hauptsächlich aus Lavafragmenten zusammengesetzten Tuffs, wie eine fest

gewordene Böschung, an die inneren Wandungen. Sie erheben sich bis zu

einer Höhe von zwischen 100 und 150 Fusz über die Oberfläche des inneren

Salzwasser-Sees; sie fallen nach innen ein und sind unter einem von 30

bis 36 Grad schwankenden Winkel geneigt. Sie scheinen unter Wasser

gebildet worden zu sein, wahrscheinlich zu einer Zeit, wo das Meer die

Höhlung des Craters einnahm. Es überraschte mich zu beobachten, dasz

Schichten, welche eine solche bedeutende Neigung haben, sich, so weit

sie verfolgt werden konnten, nach ihrem untern Ende zu nicht verdickten.

~Banks' Cove.~ -- Dieser Hafen nimmt einen Theil des Innern eines

zertrümmerten Tuff-Craters ein, der gröszer als der zuletzt beschriebene

ist. Der ganze Tuff ist compact und schlieszt zahlreiche Bruchstücke von

Lava ein; er sieht aus wie eine unter Wasser erfolgte Ablagerung. Der

merkwürdigste Zug in der Erscheinung dieses Craters ist die grosze

Entwickelung von nach einwärts convergirenden Schichten, welche, wie im

letzten Falle, unter einer beträchtlichen Neigung fallen und häufig in

unregelmäszigen, gekrümmten Lagern abgesetzt sind. Diese inneren,

convergirenden Schichten, ebenso wie die eigentlichen, divergirenden

craterförmigen Lager sind in der beistehenden flüchtigen,

durchschnittsartigen Skizze der Vorlande (Fig. 13), welche diese Bucht

bilden, dargestellt. Die inneren und äuszeren Schichten sind in ihrer

Zusammensetzung nur wenig verschieden; die ersteren sind offenbar das

Resultat der Abnutzung und Wiederablagerung der, die äuszeren,

craterförmigen Schichten bildenden Gesteinsmasse. Wegen der bedeutenden

Entwickelung dieser inneren Schichten könnte sich Jemand, welcher an dem

Rande dieses Craters herumgeht, auf einen kreisförmigen anticlinischen

Sattel von geschichtetem Sandstein und Conglomerat versetzt vorstellen.

Das Meer nagt sowohl die inneren als äuszeren Schichten weg, besonders

die letzteren, so dasz die nach innen convergirenden Schichten

vielleicht in einer künftigen Zeit allein stehen gelassen werden, ein

Fall, welcher einen Geologen anfangs verwirren dürfte[98].

[Illustration: Fig. 13. Eine durchschnittartige Skizze der Banks' Cove

bildenden Vorberge, um die divergirenden craterförmigen Schichten und

die innere convergirende geschichtete Böschung zu zeigen. Der höchste

Punkt dieser Berge ist 817 Fusz über dem Meeresspiegel.]

~_James-Insel._~ -- Zwei Tuff-Cratere auf dieser Insel sind die einzig

übrigen, welche irgend einer Erwähnung bedürfen. Einer derselben liegt

anderthalb Meile landeinwärts von Puerto-Grande; er ist kreisförmig,

ungefähr eine Drittel Meile im Durchmesser und 400 Fusz tief. Er weicht

von allen Tuff-Crateren, welche ich untersucht habe, darin ab, dasz der

untere Theil seiner Höhlung, bis zu einer Höhe von zwischen 100 und 150

Fusz, von einer steil abfallenden Mauer von Basalt gebildet wird, was

dem Crater das Ansehen gibt, als sei er durch solide Felsflächen

durchgebrochen. Der obere Theil dieses Craters besteht aus Schichten des

umgewandelten Tuffs mit harzähnlichem Bruche. Seinen Boden nimmt ein

seichter See von Salzlake ein, Schichten von Salz bedeckend, welche auf

tiefem, schwarzem Schlamm aufliegen. Der andere Crater liegt einige

wenige Meilen davon entfernt und ist nur wegen seiner Grösze und seines

vollkommenen Zustandes merkwürdig. Sein Gipfel ist 1200 Fusz über dem

Meeresspiegel hoch, und die innere Höhle ist 600 Fusz tief. Seine

äuszere abfallende Fläche bot wegen der Glätte der weiszen

Tuffschichten, welche einem ungeheuren gypsbekleideten Fuszboden ähnlich

waren, einen merkwürdigen Anblick dar. Brattle Island ist, glaube ich,

der gröszte aus Tuff gebildete Crater im Archipel; sein innerer

Durchmesser beträgt nahezu eine nautische Meile. Gegenwärtig ist er in

einem zerstörten Zustande, nach Süden hin offen und besteht aus wenig

mehr als einem halben Kreise; seine bedeutende Grösze ist wahrscheinlich

zum Theil das Resultat einer inneren Zerstörung durch die Einwirkung des

Meeres.

[Illustration: Fig. 14. Segment einer sehr kleinen Eruptionsöffnung am

Strande der Süszwasser-Bucht.]

~Segment eines kleinen basaltischen Craters.~ -- Die eine Seite der

Süszwasser-Bucht (Freshwater-Bay) wird von einem Vorgebirge gebildet,

welches den letzten Überrest eines groszen Craters darstellt. Am

Strandende dieses Vorgebirges ist ein quadrant-förmiges Segment eines

kleinen untergeordneten Eruptionspunktes bloszgestellt. Es besteht aus

neun einzelnen kleinen, aufeinander gehäuften Lavaströmen und aus einer

unregelmäszigen, ungefähr fünfzehn Fusz hohen Säule eines röthlich

braunen, blasigen Basalts, welcher auszerordentlich reich an groszen

Krystallen glasigen Albits und an geschmolzenem Augit ist. Diese Säule

und einige benachbarte Gesteinshügel am Strande stellen die Axe des

Craters dar. Die Lavaströme können in einer kleinen, senkrecht zur Küste

stehenden Schlucht zwischen zehn und fünfzehn Yards lang verfolgt

werden, bis sie unter Detritus verborgen werden; dem Strande entlang

sind sie in einer Länge von nahezu achtzig Yards sichtbar; ich glaube

auch nicht, dasz sie sich viel weiter erstrecken. Die drei unteren

Ströme sind mit der Säule in Verbindung und sind an dem

Vereinigungspunkte (wie in der beistehenden, an Ort und Stelle gemachten

flüchtigen Skizze zu sehen ist) unbedeutend gebogen, als wären sie

gerade im Begriffe, über den Rand des Craters überzuflieszen. Die oberen

sechs Ströme waren ohne Zweifel ursprünglich mit dieser selben Säule

verbunden, ehe dieselbe vom Meere abgenagt wurde. Die Lava dieser Ströme

ist von einer ähnlichen Zusammensetzung wie die der Säule, ausgenommen,

dasz die Albitkrystalle stärker zertrümmert sind und dasz die Körner von

geschmolzenem Augit fehlen. Jeder Strom ist von dem darüber liegenden

durch eine, einige wenige Zolle bis höchstens einen oder zwei Fusz

mächtige Schicht loser, bruchstückartiger Schlacken getrennt, welche

allem Anscheine nach von einer Abreibung der Ströme, wie sie über

einander hingiengen, herrühren. Diese sämmtlichen Ströme sind wegen

ihrer Dünne sehr merkwürdig. Ich habe mehrere von ihnen sorgfältig

gemessen; einer derselben war acht Zoll dick, war aber oben drei Zoll,

unten gleichfalls drei Zoll, fest von einem rothen schlackenartigen

Gestein überzogen (was bei allen den Strömen der Fall ist); und dies

ergibt eine Gesammtdicke von vierzehn Zoll: diese Länge wurde völlig

gleichmäszig der ganzen Länge des Durchschnitts nach eingehalten. Ein

zweiter Strom war nur acht Zoll dick, mit Einschlusz der oberen und

unteren schlackigen Fläche. Bis ich diesen Durchschnitt untersucht

hatte, hatte ich es nicht für möglich gehalten, dasz Lava in solch

gleichförmig dünnen Schichten über eine durchaus nicht glatte Fläche

hätte flieszen können. Diese kleinen Lavaströme sind in ihrer

Zusammensetzung jener groszen Überfluthung von Lava auf Albemarle-Insel

äuszerst ähnlich, welche gleichfalls einen hohen Grad von

Leichtflüssigkeit besessen haben musz.

~Scheinbar fremdartige Auswürflinge.~ -- In der Lava und in den

Schlacken dieses kleinen Craters fand ich mehrere Bruchstücke, welche

wegen ihrer eckigen Form, ihrer körnigen Structur und ihres Freiseins

von Luftblasen, sowie wegen ihres zerbrechlichen und verbrannten

Zustandes jenen Bruchstücken von primären Gesteinsarten auszerordentlich

ähnlich waren, welche gelegentlich, wie auf Ascension, von Vulcanen

ausgeworfen werden. Diese Fragmente bestehen aus stark abgeriebenem,

glasigem Albit mit sehr unvollkommenen Spaltflächen, untermischt mit

halb abgerundeten Körnern eines stahlblauen Minerals mit trübe

glänzender Oberfläche. Die Albitkrystalle sind von einem rothen

Eisenoxyd überzogen, welches wie eine niedergeschlagene Substanz

aussieht; auch ihre Spaltungsebenen sind zuweilen durch äuszerst feine

Schichten dieses Oxyds getrennt, was den Krystallen das Ansehen gibt,

als wären sie mit Linien eingetheilt wie ein Glas-Micrometer. Es war

kein Quarz vorhanden. Das stahlblaue Mineral, welches in der Basaltsäule

auszerordentlich reichlich vorhanden ist, aber in den von der Säule

ausgehenden Strömen verschwindet, hat ein geschmolzenes Ansehen und

bietet nur selten auch nur eine Spur von Spaltung dar; es gelang mir

indessen, eine Messung zu machen, aus welcher hervorgieng, dasz es Augit

war; und an einem andern Fragmente, welches von den andern darin abwich,

dasz es unbedeutend zellig war und allmählich in die umgebende

Grundmasse übergieng, waren die Körner des Minerals ziemlich gut

krystallisirt. Obgleich ein so groszer Unterschied in der äuszern

Erscheinung zwischen der Lava der kleinen Ströme und besonders ihres

rothen, schlackenartigen Überzugs, und diesen eckigen, ausgeworfenen

Fragmenten besteht, welche auf den ersten Blick leicht für Syenit

gehalten werden können, so glaube ich doch, dasz die Lava durch das

Schmelzen und Fortbewegen einer Gesteinsmasse entstanden ist, welche

eine absolut ähnliche Zusammensetzung wie diese Fragmente besessen hat.

Auszer dem oben erwähnten Exemplar, an welchem wir sehen, wie ein

solches Fragment unbedeutend zellig wurde und in die umgebende

Grundmasse übergieng, wird auch bei manchen Körnern des stahlblauen

Augits die Oberfläche sehr fein blasig und ihre Beschaffenheit geht in

die der umgebenden Masse über; andere Körner befinden sich in einem

intermediären Zustande. Die Grundmasse scheint aus Augit zu bestehen,

welcher vollkommener geschmolzen oder, noch wahrscheinlicher, nur durch

die Bewegung der Masse in seinem erweichten Zustande aufgerührt und mit

dem Eisenoxyd und fein zerkleinerten glasigen Albit untermengt ist.

Wahrscheinlich rührt es daher, dass der geschmolzene Augit, welcher in

der Basaltsäule so reichlich vorhanden ist, in den Strömen

verschwindet. Der Albit ist in der Lava und in den eingeschlossenen

Fragmenten in genau demselben Zustand, ausgenommen, dass die meisten

Krystalle kleiner sind; in den Bruchstücken erscheinen sie aber weniger

reichlich: dies wird indessen die natürliche Folge des Aufschwellens der

augitischen Grundmasse und ihrer davon abhängigen scheinbaren

Massenzunahme sein. Es ist interessant, in dieser Weise die Schritte zu

verfolgen, durch welche ein compactes, körniges Gestein in eine blasige,

scheinbar porphyrartige Lava und schlieszlich in rothe Schlacke

umgewandelt wird. Die Structur und Zusammensetzung der eingeschlossenen

Fragmente zeigen, dasz sie Theile sind entweder von einer Masse primären

Gesteins, welches durch vulcanische Einwirkung einer bedeutenden

Veränderung unterlegen hat, oder noch wahrscheinlicher, von der

Rindenschicht einer abgekühlten und krystallirten Lavamasse, welche

später zerbrochen und wieder flüssig gemacht wurde: die Rinde wird von

der sich erneuernden Hitze und Bewegung weniger beeinfluszt worden sein.

~Schluszbemerkungen über die Tuff-Cratere.~ -- Diese Cratere bieten

wegen der eigenthümlichen Beschaffenheit der harzartigen Substanz,

welche in groszem Umfang sich an ihrer Zusammensetzung betheiligt, wegen

ihrer Structur, ihrer Grösze und Anzahl einen der allerauffallendsten

Züge in der Geologie dieses Archipels dar. Die grosze Mehrzahl derselben

bildet entweder besondere Inseln oder an gröszere Inseln angeheftete

Vorgebirge; und diejenigen unter ihnen, welche jetzt in einer geringen

Entfernung vom Ufer liegen, sind abgerieben und durchbrochen, so wie es

durch die Einwirkung des Meeres geschieht. Nach diesen allgemeinen

Verhältnissen ihrer Lage und nach der geringen Menge von ausgeworfener

Asche auf allen Theilen des Archipels werde ich zu der Folgerung

geführt, dass der Tuff hauptsächlich durch das gegenseitige Abreiben von

Lavafragmenten innerhalb activer Cratere, welche mit dem Meere

communicirten, hervorgebracht worden ist. In der Entstehungsweise und

der Zusammensetzung des Tuffs und in dem häufigen Vorkommen eines

centralen Sees von Salzlauge oder von Salzschichten sind diese Cratere,

obschon in einem colossalen Maszstabe, den »Salsen« oder Schlammhügeln

ähnlich, welche in einigen Theilen von Italien und in andern Ländern

häufig vorkommen[99]. Indessen wird ihr innigerer Zusammenhang mit

gewöhnlicher vulcanischer Thätigkeit auf diesem Archipel durch die

Lachen von festgewordenem Basalt erwiesen, von denen sie zuweilen

erfüllt sind.

Es erscheint auf den ersten Blick sehr merkwürdig, dasz bei den

sämmtlichen aus Tuff gebildeten Crateren die südlichen Seiten entweder

ganz niedergebrochen und vollständig entfernt, oder viel niedriger sind

als die andern Seiten. Ich habe achtundzwanzig solcher Cratere gesehen

und Beschreibungen von ihnen erhalten; von diesen bilden zwölf besondere

Inseln[100] und existiren jetzt nur noch als blosze halbmondförmige,

nach dem Süden offene Bogen, gelegentlich mit einigen vorragenden

Felsspitzen, welche ihren früheren Umfang andeuten; von den übrigen

sechszehn bilden einige Vorgebirge und andere stehen in einer geringen

Entfernung vom Ufer landeinwärts; bei allen aber ist die südliche Seite

entweder die niedrigste oder sie ist gänzlich zusammengebrochen. Bei

zweien von diesen sechszehn war indessen auch die nördliche Seite

niedrig, während die östliche und westliche Seite vollständig waren. Ich

habe auch nur von einer einzigen Ausnahme von der Regel, dasz diese

Cratere auf der Seite, welche nach einem zwischen Südost und Südwest

gelegenen Punkte des Horizontes hingerichtet ist, eingestürzt oder

niedrig sind, weder etwas gesehen noch gehört. Diese Regel gilt nicht

für Cratere, welche aus Lava und Schlacke zusammengesetzt sind. Die

Erklärung ist einfach: auf diesem Archipel fallen die durch die

Passatwinde hervorgerufenen Wellen und der von den weiter entfernten

Theilen des offenen Oceans fortgepflanzte Wogenschwall in der Richtung

zusammen (was an vielen Stellen des stillen Oceans nicht der Fall ist),

und beide greifen nun mit verbundenen Kräften die südliche Seite

sämmtlicher Inseln an; in Folge dessen ist der südliche Abhang, selbst

wenn er gänzlich aus hartem, basaltischem Gestein gebildet wird,

ausnahmslos steiler als der nördliche Abhang. Da die Tuff-Cratere aus

einem weichen Material zusammengesetzt sind und da wahrscheinlich alle,

oder beinahe alle, in einer gewissen Periode im Meere eingetaucht

gestanden haben, so dürfen wir uns nicht wundern, dasz sie auf ihren

stärker exponirten Seiten ausnahmslos die Wirkungen dieser mächtigen,

denudirenden Kraft darbieten. Nach dem stark abgenutzten Zustande vieler

dieser Cratere zu urtheilen, ist es wahrscheinlich, dasz manche ganz und

gar fortgewaschen worden sind. Da wir keinen Grund haben, zu vermuthen,

dasz die aus Schlacken und Lava gebildeten Cratere zur Eruption

gelangten während sie im Meer standen, so können wir auch einsehen,

weshalb jene Regel nicht für sie gilt. Auf Ascension zeigte es sich,

dasz die Mündungen der Cratere, welche dort sämmtlich terrestrischen

Ursprungs sind, von den Passatwinden afficirt worden sind. Dieselbe

Kraft könnte auch dazu beitragen, die nach dem Winde zu gelegene und

exponirte Seite einiger dieser Cratere ursprünglich zur niedrigsten zu

machen.

~Mineralogische Zusammensetzung der Gesteine.~ -- Auf den nördlichen

Inseln scheinen die basaltischen Laven allgemein mehr Albit zu

enthalten, als in der südlichen Hälfte des Archipels; es enthalten aber

beinahe sämmtliche Ströme etwas. Der Albit ist nicht selten mit Olivin

verbunden. An keinem einzigen Exemplar beobachtete ich deutlich

unterscheidbare Krystalle von Hornblende oder Augit; ich nehme dabei die

geschmolzenen Körner in den ausgeworfenen Bruchstücken und in der

Basaltsäule des oben beschriebenen kleinen Craters aus. Ich bin auf kein

einziges Exemplar echten Trachyts gestoszen; es sind zwar manche von den

blässeren Laven, wenn sie sehr reich an groszen Krystallen des harten

und glasigen Albits sind, in einem gewissen Grade diesen Gesteinen

ähnlich; aber in allen Fällen schmilzt die Grundmasse zu einem schwarzen

Schmelz. Schichten von Asche und weit ausgeworfenen Schlacken fehlen,

wie früher angegeben wurde, beinahe ganz; auch habe ich nicht ein

Bruchstück von Obsidian oder Bimsstein gesehen. L. VON BUCH[101] glaubt,

dasz das Fehlen von Bimsstein am Aetna eine Folge davon ist, dasz der

Feldspath zu der Varietät des Labrador-Feldspaths gehört; wenn das

Vorhandensein von Bimsstein von der Zusammensetzung des Feldspaths

abhängt, so wäre es merkwürdig, dasz er auf diesem Archipel gar nicht,

und auf der Cordillera in Süd-America so reichlich vorhanden ist, da in

diesen beiden Gegenden der Feldspath zu der Varietät des

Albit-Feldspaths gehört. In Folge des Fehlens von Aschenmassen und wegen

des im Allgemeinen unzersetzlichen Characters der Lava auf diesem

Archipel werden die Inseln nur langsam mit einer ärmlichen Vegetation

bekleidet und die ganze Scenerie hat ein desolates und schauriges

Ansehen.

~Erhebung des Landes.~ -- Beweise für das Emporsteigen des Landes sind

dürftig und unvollkommen. Auf Chatham-Insel beobachtete ich einige

grosze Lava-Blöcke, welche durch kalkige Substanz verkittet waren und

recente Muscheln enthielten; sie kamen aber nur in der Höhe von einigen

wenigen Fuszen oberhalb der Fluthgrenze vor. Einer von den Officieren

gab mir einige Muschelfragmente, welche er mehrere hundert Fusz über dem

Meeresspiegel in dem Tuff von zwei, von einander entfernt liegenden

Crateren eingeschlossen gefunden hatte. Es ist möglich, dasz diese

Fragmente in ihre gegenwärtige Höhe mit einer Schlammeruption gebracht

worden sind; da sich aber in einem Falle zerbrochene und beinahe eine

Schicht bildende Austernschalen in ihrer Gesellschaft fanden, so ist es

wahrscheinlicher, dasz der Tuff mit den Muscheln in Masse emporgehoben

wurde. Die Exemplare sind so unvollkommen, dasz sie nur als zu recenten

marinen Gattungen gehörend wiedererkannt werden können. Auf

Charles-Insel beobachtete ich eine Reihe groszer abgerundeter Blöcke,

welche auf dem Gipfel einer verticalen Klippe in der Höhe von fünfzehn

Fusz oberhalb der Linie, bis zu welcher die Wirkung des Meeres während

der heftigsten Stürme reicht, aufgehäuft waren. Dies schien auf den

ersten Blick einen guten Beweis zu Gunsten der Ansicht von der Erhebung

des Landes darzubieten; es war dies aber eine völlige Täuschung; denn

später habe ich an einem benachbarten Theile dieser nämlichen Küste

gesehen und es von Augenzeugen gehört, dasz überall da, wo ein neuer

Lavastrom eine glatte geneigte Fläche bildet, welche in das Meer

eintritt, die Wellen während der Stürme die Kraft haben, ~abgerundete

Blöcke~ bis zu einer bedeutenden Höhe ~aufzurollen~, höher als die Linie

ihrer gewöhnlichen Wirkung liegt. Da die kleine Klippe in dem

vorliegenden Fall von einem Lavastrom gebildet wird, welcher, ehe er

durch Abnagen mit seinem Ende zurücktrat, in das Meer mit einer sanft

abfallenden Fläche eintrat, so ist es möglich, oder vielmehr

wahrscheinlich, dasz die abgerundeten, jetzt auf seinem Gipfel liegenden

Blöcke einfach die Überreste von denen sind, welche während der Stürme

bis zu ihrer gegenwärtigen Höhe ~hinaufgerollt~ wurden.

~Richtung der Eruptionsspalten.~ -- Man kann die vulcanischen Mündungen

auf dieser Gruppe nicht als ganz ordnungslos zerstreut betrachten. Drei

grosze Cratere auf Albemarle-Insel bilden eine wohlausgeprägte Linie,

welche sich von Nordwest bei Nord nach Südost bei Süd erstreckt.

Narborough-Insel und der grosze Crater auf dem rechteckigen Vorsprung

von Albemarle-Insel bilden eine zweite parallele Reihe. Nach Osten hin

bilden Hood's-Insel und die Inseln und Felsen zwischen ihr und

James-Insel eine andere, nahezu parallele Reihe, welche in ihrer

Verlängerung Culpepper und Wenman-Inseln trifft, die siebzig Meilen nach

Norden entfernt liegen. Die andern noch weiter nach Osten liegenden

Inseln bilden eine weniger regelmäszige vierte Linie. Mehrere von diesen

Inseln und die Auswurfsöffnungen auf Albemarle-Insel liegen so, dasz sie

gleichfalls auf eine Gruppe von im Allgemeinen parallelen Linien fallen,

welche die früheren unter rechten Winkeln schneiden, so dasz hiernach

die hauptsächlichsten Cratere augenscheinlich auf den Punkten liegen, wo

zwei Spaltengruppen einander schneiden. Die Inseln selbst sind, mit

Ausnahme von Albemarle-Insel, nicht in derselben Richtung wie die Linien

verlängert, auf welchen sie stehen. Die Richtung dieser Inseln ist

nahezu die nämliche, wie die, welche in einer so merkwürdigen Weise in

den zahlreichen Archipelen des groszen Stillen Oceans vorherrscht.

Endlich will ich noch bemerken, dasz es auf den Galapagos-Inseln nicht

einen einzigen dominirenden Crater gibt, der viel höher wäre als alle

die übrigen, wie man es auf vielen vulcanischen Archipelen beobachten

kann: der höchste ist der grosze Wall am südwestlichen Ende von

Albemarle-Insel, welcher mehrere andere in der Nähe liegende Vulcane um

kaum tausend Fusz überragt.

[87] Bei dieser Messung schliesze ich die kleinen vulcanischen Inseln,

Culpepper- und Wenman-Insel, aus; sie liegen siebenzig Meilen nördlich

von der Gruppe. Cratere waren auf sämmtlichen Inseln des Archipels

sichtbar, ausgenommen auf Towers-Insel, welche eine der niedrigsten ist;

es ist indessen diese Insel aus vulcanischen Gesteinen gebildet.

[88] Die Kalk enthaltenden Concretionen, von welchen ich mitgetheilt

habe, dasz sie sich in einer Schicht von Asche gebildet haben, bieten in

einem gewissen Grade eine Ähnlichkeit mit dieser Substanz dar, haben

aber keinen harzigen Bruch. Auch auf St. Helena habe ich Adern von einer

in gewisser Weise ähnlichen, compacten, aber nicht harzartigen Substanz

gefunden, welche in einer Schicht von Bimsstein-Asche vorkam,

augenscheinlich frei von kalkiger Substanz: in keinem von beiden Fällen

kann Hitze eingewirkt haben.

[89] Diejenigen Geologen, welche den Ausdruck >Tuff< auf Aschenmassen

von weiszer Färbung beschränken, welche das Resultat des Zerkleinerns

feldspathiger Laven sind, werden diese braun gefärbten Schichten

>Peperino< nennen.

[90] ~Élie de Beaumont~ hat (Mém. pour servir etc. Tom. IV. p. 113)

viele »petits cirques d'éboulement« um Ätna beschrieben, unter denen von

einigen der Ursprung historisch bekannt ist.

[91] Sir ~G. Mackenzie~ hat (Travels in Iceland, p. 389 bis 392) eine

Lava-Ebene am Fusze des Hecla beschrieben, welche überall in grosze

Blasen aufgehoben ist. Sir ~George~ gibt an, dasz diese blasige Lava die

oberste Schicht bildet; dieselbe Thatsache ist von ~L. von Buch~ in

Bezug auf den basaltischen Strom in der Nähe von Realejo auf Teneriffa

bestätigt worden (Description des îles Canaries, p. 159). Es erscheint

eigenthümlich, dasz gerade die oberen Ströme cavernös sein sollen, denn

man sieht keinen Grund, warum die oberen und unteren nicht zu

verschiedenen Zeiten gleichförmig afficirt worden sein können; -- sind

die unteren Ströme unter dem Drucke des Meeres geflossen und so nach dem

Austritt von Gasmassen durch sie hindurch später abgeplattet worden?

[92] In der Cordillera von Chile habe ich Lava gesehen, welche dieser

Varietät vom Galapagos-Archipel äuszerst ähnlich war. Sie enthielt

indessen auszer dem Albit gut ausgebildete Krystalle von Augit, und die

Basis (vielleicht in Folge der Aggregation der augitischen Theilchen)

war eine Schattirung heller in der Farbe. Ich will hier bemerken, dasz

ich in allen diesen Fällen die Feldspathkrystalle >~Albit~< nenne, weil

ihre Spaltungsebenen (mit dem Reflexions-Goniometer gemessen) denen

jenes Minerals entsprachen. Da man indessen bei einer andern Species

dieser Gattung neuerdings entdeckt hat, dasz sie sich in nahezu

denselben Ebenen spaltet wie der Albit, so musz jene Bezeichnung nur für

provisorisch betrachtet werden. Ich habe die Krystalle in den Laven

vieler verschiedener Theile der Galapagos-Gruppe untersucht und

gefunden, dasz keine von ihnen, mit Ausnahme einiger Krystalle von einer

Stelle auf James-Insel, Spaltungsflächen von der Richtung zeigte wie

Orthit oder Kali-Feldspath.

[93] Description des îles Canaries, p. 295.

[94] ~Humboldt~ erwähnt, dasz er ein, in den vulcanischen Gesteinen der

Cordillera vorkommendes, grünes augitisches Mineral irrthümlich für

Olivin hielt.

[95] Die unregelmäszige und winklige Form der Bläschen ist

wahrscheinlich durch das ungleiche Nachgeben einer, fast in gleichen

Verhältnissen aus soliden Krystallen und einer zähflüssigen Basis

bestehenden Masse verursacht. Sicherlich scheint es, wie sich auch hätte

erwarten lassen, ein ganz allgemeines Verhalten zu sein, dasz in Lava,

welche einen hohen Grad von Flüssigkeit, ~ebenso wie ein gleichförmiges

Korn~ besessen hat, die Bläschen innen glatt und sphärisch sind.

Geologische Beobachtungen über die Vulcanischen Inseln Mit kurzen Bemerkungen über die Geologie von Australien und dem Cap der guten Hoffnung · 第 17 / 76 题