zerbrochenen Krystallen von Albit, was mir einer der Officiere gegeben
hat, ist vielleicht der Beschreibung werth. Es besteht aus cylindrischen
Ramificationen, von denen einige nur ein Zwanzigstel Zoll im Durchmesser
halten und in die schärfsten Spitzen ausgezogen sind. Die Masse hat sich
nicht nach Art eines Stalactiten gebildet, denn die Spitzen gehen sowohl
nach oben als nach unten aus. Nur ein Vierzigstel Zoll im Durchmesser
messende Kügelchen sind von einigen der Spitzen abgetropft und hängen an
den nächstliegenden Zweigen. Die Lava ist blasig; die Bläschen erreichen
aber nirgends die Oberfläche, welche glatt und glänzend ist. Da
allgemein angenommen wird, dasz Bläschen immer in der Richtung der
Bewegung der flüssigen Masse verlängert sind, so will ich bemerken, dasz
in diesen cylindrischen Zweigen, welche im Durchmesser von nur einem
Zwanzigstel Zoll bis zu einem Zoll schwanken, eine jede Luftblase
sphärisch ist.
[97] Diese Schluszfolgerung ist von einigem Interesse, weil Mr.
~Dufrénoy~ (Mémoires pour servir etc. Tom. IV. p. 274) aus dem Umstande,
dasz Tuffschichten von augenscheinlich ähnlicher Zusammensetzung wie die
hier beschriebenen unter Winkeln von zwischen 18 und 20° geneigt sind,
gefolgert hat, dasz der Monte Nuovo und andere Cratere im südlichen
Italien durch Erhebung gebildet worden sind. Aus den oben angeführten
Thatsachen, dem gewölbten Character der einzelnen Leisten, und dem
Umstand, dasz der Tuff sich nicht in horizontalen Flächen rund um diese
craterförmigen Hügel ausbreitet, wird Niemand folgern, dasz diese
Schichten durch Erhebung hervorgebracht worden sind; und doch sehen wir,
dasz ihre Neigung über 20° beträgt und häufig bis 30° steigt. Auch die
consolidirten Schichten der inneren Böschung fallen, wie sofort
angegeben werden wird, unter einem Winkel von über 30 Graden.
[98] Ich glaube, dasz dieser Fall factisch auf den Azoren vorkommt, wo
Dr. ~Webster~ (Description, p. 185) eine bassinförmige, kleine Insel
beschrieben hat, welche aus nach innen fallenden und nach auszen von
steilen, vom Meer zernagten Klippen begrenzten ~Schichten~ von ~Tuff~
zusammengesetzt ist. ~Daubeny~ (on Volcanos, p. 266) vermuthet, dasz
diese Höhlung durch eine kreisförmige Senkung gebildet worden sein musz.
Es scheint mir viel wahrscheinlicher zu sein, dasz wir hier Schichten
vor uns haben, welche ursprünglich innerhalb der Höhle eines Craters
abgelagert wurden, dessen äuszere Wandungen seitdem vom Meere
weggewaschen worden sind.
[99] ~D'Aubuisson~, Traité de Géognosie, Tom. I. p. 189. Ich will hier
noch erwähnen, dasz ich auf Terceira in den Azoren einen Crater von Tuff
oder Peperino gesehen habe, welcher denen auf dem Galapagos-Archipel
sehr ähnlich war. Nach der in ~Freycinet's~ Reise gegebenen Beschreibung
kommen ähnliche auch auf den Sandwich-Inseln vor; wahrscheinlich finden
sich solche noch an vielen anderen Orten.
[100] Diese sind: die drei Crossman-Inselchen, von denen die gröszte 600
Fusz hoch ist; Enchanted Island (Bezauberte Insel); Gardner Insel (760
Fusz hoch); Champion-Insel (331 Fusz hoch); Enderby-Insel;
Brattle-Insel; zwei Inselchen nahe bei Indefatigable Island, und eines
nahe bei James-Insel. Ein zweiter Crater in der Nähe der James-Insel
(mit einem Salzsee in seinem Centrum) hat eine Südseite, welche nur
ungefähr zwanzig Fusz hoch ist, während die anderen Theile des Umfangs
ungefähr 300 Fusz hoch sind.
[101] Description des îles Canaries, p. 328.
Sechstes Capitel.
Trachyt und Basalt. -- Verbreitung der vulcanischen Inseln.
Das Einsinken von Krystallen in flüssige Lava. -- Specifisches
Gewicht der constituirenden Bestandtheile des Trachyt und Basalt
und ihre spätere Trennung. -- Obsidian. -- Scheinbar nicht
erfolgende Trennung der Elemente der plutonischen Gesteine. --
Ursprung der Trappgänge in der plutonischen Reihe. -- Verbreitung
vulcanischer Inseln; ihr Vorherrschen in den groszen Oceanen. --
Sie sind meist in Reihen angeordnet. -- Die centralen Vulcane L.
VON BUCH's zweifelhaft. -- Vulcanische Inseln Continente umsäumend.
-- Alter vulcanischer Inseln und ihre Erhebung in Masse. --
Eruptionen auf parallelen Spaltungslinien innerhalb einer und
derselben geologischen Periode.
~Über die Trennung der constituirenden Mineralien der Lava je nach ihrem
specifischen Gewicht.~ -- Die eine Seite von Freshwater-Bay auf
James-Insel wird von dem Rest eines im letzten Capitel erwähnten Craters
gebildet, dessen Inneres von einem, ungefähr 2000 Fusz mächtigen
Basaltsee ausgefüllt worden ist. Dieser Basalt ist von einer grauen
Farbe und enthält viele Krystalle von glasigem Albit, welche in dem
unteren, schlackigeren Theile viel zahlreicher werden. Dies steht im
Widerspruch mit dem, was sich hätte erwarten lassen; denn wenn die
Krystalle ursprünglich in gleicher Anzahl verbreitet gewesen wären, so
würde die stärkere Anschwellung dieses unteren schlackigen Theils sie in
einer geringeren Zahl haben erscheinen lassen. L. VON BUCH[102] hat
einen Obsidian-Strom am Pik von Teneriffa beschrieben, an welchem die
Feldspath-Krystalle immer zahlreicher und zahlreicher werden in dem
Masze, als die Tiefe oder Mächtigkeit zunimmt, so dasz in der Nähe der
unteren Fläche des Stroms die Lava selbst einem primären Gestein
ähnlich wird. L. VON BUCH gibt ferner an, dasz DRÉE in seinen
Experimenten über das Schmelzen von Lava gefunden hat, dasz die
Feldspath-Krystalle immer die Neigung haben, sich auf den Boden des
Schmelztiegels niederzuschlagen. In diesen Fällen, meine ich, läszt sich
nicht daran zweifeln[103], dasz die Krystalle in Folge ihres Gewichts
untersinken. Das specifische Gewicht des Feldspaths schwankt[104] von
2,4 bis zu 2,58, während der Obsidian gewöhnlich 2,3 bis zu 2,4 zu
wiegen scheint; in einem verflüssigten Zustande wird sein specifisches
Gewicht wahrscheinlich noch geringer sein, was das Untersinken der
Feldspath-Krystalle erleichtern wird. Auf James-Insel dürften die
Albit-Krystalle, obschon sie ohne Zweifel von geringerem Gewicht sind
als der graue Basalt an den Stellen, wo er compact ist, wohl leicht von
gröszerem specifischen Gewichte als die aus geschmolzener Lava und
Blasen von erhitztem Gas gebildete schlackenartige Masse sein.
Das Untersinken von Krystallen durch eine klebrige Substanz wie
geschmolzenes Gestein, wie es nach unzweideutigen Beweisen in den
Experimenten DRÉE's der Fall gewesen ist, ist noch weiterer Betrachtung
werth, da es Licht wirft auf die Trennung der trachytischen und
basaltischen Reihen von Laven. Mr. P. SCROPE hat Betrachtungen über
diesen Gegenstand angestellt; er scheint aber keine positiven
Thatsachen, solche wie die oben angeführten, gekannt zu haben; er hat
auch ein, wie es mir erscheint, sehr nothwendiges Element in der
Erscheinung übersehen, -- nämlich das Vorhandensein entweder des
leichteren oder des schwereren Minerals in Körnern oder in Krystallen.
Bei einer Substanz von unvollkommener Flüssigkeit, wie geschmolzenem
Gestein, ist es kaum glaublich, dasz die einzelnen, unendlich kleinen
Atome, mögen sie von Feldspath, Augit oder von irgend einem andern
Mineral sein, die Kraft haben werden, durch ihr unbedeutend
verschiedenes specifisches Gewicht die Reibung zu überwinden, welche
durch ihre Bewegung hervorgerufen wird; wenn aber die Atome irgend eines
dieser Minerale, während die übrigen flüssig blieben, zu Krystallen oder
Körnchen verbunden wären, so ist es leicht zu begreifen, dasz in Folge
der verringerten Reibung ihr Vermögen einzusinken oder zu schwimmen
bedeutend vermehrt würde. Wenn aber andererseits die sämmtlichen
Mineralbestandtheile zu derselben Zeit körnig würden, so ist es kaum
möglich, wegen ihres gegenseitigen Widerstandes, dasz dann irgend eine
Trennung eintreten könnte. Eine werthvolle praktische Entdeckung, welche
die Wirkung des Körnigwerdens eines einzelnen Elementes in einer
flüssigen Masse, als dessen Trennung unterstützend, erläutert, ist vor
Kurzem gemacht worden: wenn Blei, welches eine geringe Portion von
Silber enthält, während seiner Abkühlung beständig geschüttelt wird, so
wird es granulirt, und die Körner oder unvollkommenen Krystalle von
nahezu reinem Blei sinken zu Boden, einen Rückstand von geschmolzenem,
an Silber viel reicherem Metall zurücklassend, während, wenn die
Mischung ungestört gelassen, wennschon für eine lange Zeit flüssig
erhalten wird, die beiden Metalle kein Zeichen einer Trennung erkennen
lassen[105]. Der einzige Nutzen des Schüttelns scheint in der Bildung
einzelner Körnchen zu bestehen. Das specifische Gewicht des Silbers ist
10,4, das des Bleis 11,35; das körnig gewordene Blei, welches zu Boden
sinkt, ist niemals absolut rein und die rückständige flüssige
Metallmasse enthält, wenn sie am reichsten ist, nur 1/119 Silber. Da die
durch die verschiedenen Proportionen der beiden Metalle verursachte
Verschiedenheit des specifischen Gewichts so auszerordentlich gering
ist, so wird die Trennung wahrscheinlich in einem bedeutenden Grade
durch die Gewichtsverschiedenheit zwischen dem zwar körnigen, aber noch
heiszen und dem flüssigen Blei unterstützt.
In Übereinstimmung mit den oben angeführten Thatsachen dürfen wir
erwarten, dasz in einer, einige Zeit lang ruhig ohne irgend eine heftige
Störung gelassenen Masse flüssig gewordenen vulcanischen Gesteins, wenn
eines der constituirenden Mineralien zu Krystallen oder Körnchen
aggregirt oder in diesem Zustande aus einer schon früher existirenden
Masse eingeschlossen wird, derartige Krystalle oder Körner ihrem
specifischem Gewicht entsprechend steigen oder sinken werden. Wir haben
nun deutliche Beweise dafür, dasz Krystalle in viele Laven
eingeschlossen worden sind, so lange der Teig oder die Grundmasse
derselben flüssig blieb. Ich brauche nur als Beispiele die verschiedenen
groszen, täuschend porphyrähnlichen Ströme auf den Galapagos-Inseln und
die trachytischen Ströme in vielen Theilen der Welt anzuführen, in
welchen wir Feldspath-Krystalle durch die Bewegung der umgebenden
halbflüssigen Masse verbogen und zerbrochen finden. Laven sind
hauptsächlich zusammengesetzt aus drei Varietäten von Feldspath, welche
in ihrem specifischen Gewicht von 2,4 bis zu 2,74 schwanken, aus
Hornblende und Augit, welche von 3,0 bis 3,4 schwanken, aus Olivin, von
3,3 bis zu 3,4 variirend, und endlich aus Eisenoxyden mit einem
specifischen Gewicht von 4,8 bis 5,2. Es würden daher in eine Masse von
flüssig gewordener, aber nicht stark blasiger Lava eingeschlossene
Feldspath-Krystalle die Neigung haben, nach den oberen Theilen
aufzusteigen, und Krystalle oder Körner der andern Mineralien, in
gleicher Weise eingeschlossen, werden zu sinken neigen. Wir dürfen
indessen in einem so klebrigen und zähflüssigen Material keinen
irgendwie vollkommenen Grad von Trennung erreicht zu sehen erwarten.
Trachyt, welcher hauptsächlich aus Feldspath mit etwas Hornblende und
Eisenoxyd besteht, hat ein specifisches Gewicht von ungefähr 2,45[106],
während hauptsächlich aus Augit und Feldspath, häufig mit viel Eisen und
Olivin zusammengesetzter Basalt ein specifisches Gewicht von ungefähr
3,0 besitzt. Dem entsprechend finden wir, dasz, wo beiderlei Arten
sowohl trachytische als basaltische Ströme aus derselben Öffnung
hervorgegangen sind, die trachytischen Ströme meist zuerst zur Eruption
gelangt sind, wie wir annehmen müssen in Folge des Umstandes, dasz sich
die geschmolzene Lava dieser Reihe in den oberen Theilen des
vulcanischen Herdes angesammelt hat. Diese Reihenfolge des Ausbruchs ist
von BEUDANT, SCROPE und andern Autoren beobachtet worden; auch sind drei
Beispiele hiervon in dem vorliegenden Buche mitgetheilt worden. Da
indessen die späteren Eruptionen aus den meisten vulcanischen Bergen
durch ihre basalen Theile durchgebrochen sind, und zwar in Folge der
vermehrten Höhe und Schwere der innern Säule geschmolzenen Gesteins, so
sehen wir, warum in den meisten Fällen nur die untern Seiten der
centralen, trachytischen Massen von basaltischen Strömen eingehüllt
sind. Die Trennung der Bestandtheile einer Lavamasse dürfte vielleicht
zuweilen innerhalb des Gerüstes eines vulcanischen Berges stattfinden,
wenn er hoch und von groszen Dimensionen ist, anstatt innerhalb des
unterirdischen Herdes; in diesem Falle würden trachytische Ströme
beinahe gleichzeitig oder in kurzen wiederkehrenden Intervallen von
seinem Gipfel aus und basaltische Ströme von seinem Fusze aus ergossen
werden: dies scheint auf Teneriffa stattgefunden zu haben[107]. Ich
brauche nur noch weiter zu bemerken, dasz in Folge heftiger Störungen
die Trennung der beiden Reihen, selbst unter im Übrigen günstigen
Bedingungen, natürlicherweise häufig verhindert und gleichfalls ihre
gewöhnliche Reihenfolge der Eruption umgekehrt werden wird. Wegen des
hohen Grades von Flüssigkeit der meisten basaltischen Laven würden
vielleicht diese in vielen Fällen die Oberfläche erreichen.
Da wir gesehen haben, dasz in dem von L. VON BUCH beschriebenen
Beispiele Feldspath-Krystalle in Obsidian untersinken, in
Übereinstimmung mit ihrem bekannten gröszeren specifischen Gewichte, so
dürfen wir auch in jedem trachytischen District, wo Obsidian als Lava
geflossen ist, zu finden erwarten, dasz er von den oberen oder höchsten
Öffnungen ausgegangen ist. Dies gilt nach der Angabe L. VON BUCH's in
einer merkwürdigen Weise sowohl für die Liparischen Inseln, als auch für
den Pik von Teneriffa; an diesem letzteren Orte ist Obsidian niemals aus
einer geringeren Höhe als 9200 Fusz geflossen. Allem Anschein nach ist
Obsidian auch von den höchsten Piks der Peruanischen Cordillera
ausgebrochen. Ich will nur noch weiter bemerken, dasz das specifische
Gewicht des Quarzes von 2,6 zu 2,8 schwankt, und dasz er daher, wenn er
in einem vulcanischen Herde vorhanden ist, keine Neigung haben wird, mit
den basaltischen Grundmassen zu sinken; dies erklärt vielleicht das
häufige Vorkommen und die auszerordentliche Menge dieses Minerals in den
Laven der trachytischen Reihe, wie in früheren Theilen des vorliegenden
Buches beschrieben wurde.
Ein Einwand gegen die vorstehend entwickelte Theorie wird vielleicht aus
dem Umstande entnommen, dasz die plutonischen Gesteine nicht in zwei
offenbar verschiedene Reihen von verschiedenem specifischem Gewicht
getrennt werden, trotzdem sie wie die vulcanischen flüssig gewesen sind.
Als Antwort darauf mag zuerst bemerkt werden, dasz wir keinen Beweis
dafür haben, dasz die Atome irgend eines der constituirenden Minerale in
der plutonischen Gesteinsreihe aggregirt wurden, während die andern
flüssig blieben, was, wie wir nachzuweisen gesucht haben, eine beinahe
nothwendige Bedingung für ihre Trennung ist; im Gegentheil haben die
Krystalle meist ihre Form auf einander eingedrückt[108].
An zweiter Stelle wird die vollkommene Ruhe, in welcher aller
Wahrscheinlichkeit nach die in ungeheuren Tiefen begrabenen plutonischen
Massen erkaltet sind, äuszerst wahrscheinlich der Trennung ihrer
mineralischen Bestandtheile in hohem Grade ungünstig sein; denn wenn die
Anziehungskraft, welche während der fortschreitenden Erkaltung die
Molecule der verschiedenen Mineralien zusammenzieht, mächtig genug ist,
sie beisammen zu halten, so wird die Reibung zwischen solchen
halbgebildeten Krystallen oder teigigen Kügelchen sehr wirksam die
schwereren am Sinken und die leichteren am Aufsteigen hindern.
Andererseits wird ein geringer Grad von Störung, welcher wahrscheinlich
in den meisten vulcanischen Herden vorkommen wird und welcher, wie wir
gesehen haben, die Trennung von Bleikörnchen aus einer Mischung von
geschmolzenem Blei und Silber oder von Feldspath-Krystallen aus
Lavaströmen, dadurch, dasz er die weniger vollkommen gebildeten
Kügelchen zerbricht und auflöst, nicht hindert, es den vollkommneren und
daher nicht zerbrochenen Krystallen gestatten, zu sinken oder zu steigen
je nach ihrem specifischen Gewicht.
Obgleich unter den plutonischen Gesteinen zwei, der trachytischen und
der basaltischen Reihe entsprechende, verschiedene Species nicht
existiren, so vermuthe ich doch stark, dasz ein gewisser Betrag von
Trennung ihrer constituirenden Bestandtheile häufig stattgefunden hat.
Ich vermuthe dies, weil ich beobachtet habe, wie Gänge von Grünstein und
Basalt weit ausgedehnte Granitformationen und die verwandten
metamorphischen Gesteine durchsetzt haben. Ich habe niemals einen Bezirk
in einer weit ausgedehnten granitischen Gegend untersucht, ohne Gänge
entdeckt zu haben; ich will beispielsweise die zahlreichen Trappgänge in
mehreren Bezirken von Brasilien, Chile und Australien und am Cap der
Guten Hoffnung erwähnen; es kommen gleichfalls viele solche Gänge in den
groszen granitischen Gebieten von Indien, im Norden von Europa und in
andern Ländern vor. Woher ist nun der diese Gänge bildende Grünstein und
Basalt gekommen? Haben wir, wie manche von den älteren Geologen,
anzunehmen, dasz eine Trappzone gleichförmig unter der granitischen
Gesteinsreihe, welche, so viel wir wissen, die Grundlagen der Erdrinde
bildet, ausgebreitet vorhanden sei? Ist es nicht wahrscheinlicher, dasz
diese Gänge in der Weise gebildet worden sind, dasz Spalten in die zum
Theil erkalteten Gesteine der granitischen und metamorphischen Reihe
eingedrungen sind und dasz die, hauptsächlich aus Hornblende bestehenden
flüssigeren Theile aus letzterer ausschwitzten und in derartigen Spalten
eingesogen wurden? Bei Bahia in Brasilien habe ich in einem aus Gneisz
und primitivem Grünstein gebildeten Bezirke viele Gänge eines dunklen,
augitischen (denn ein Krystall war sicher dies Mineral) oder
Hornblende-Gestein gesehen, welche, wie mehrere Erscheinungen deutlich
ergaben, gebildet worden waren, ehe die umgebende Masse fest geworden
war, oder mit dieser zusammen später durchaus erweicht worden
waren[109]. Auf beiden Seiten eines dieser Gänge war der Gneisz bis auf
eine Entfernung von mehreren Yards von zahlreichen, gekrümmt
verlaufenden Fäden oder Streifen einer dunklen Substanz durchdrungen,
welche in ihrer Form den Wolken von der >cirrhi-comae< genannten Classe
ähnlich waren; einige wenige dieser Fäden konnten bis zu ihrer
Verbindung mit dem Gang verfolgt werden. Als ich dieselben untersuchte,
bezweifelte ich es, ob derartige haarähnliche und krummlinige Adern
injicirt worden sein könnten, und ich vermuthe jetzt, dasz sie, anstatt
vom Gange aus injicirt worden zu sein, umgekehrt dessen Nahrungszuflüsse
waren. Wenn die vorstehend angeführte Ansicht von der Entstehung von
Trappgängen in weit ausgedehnten granitischen Gegenden, weit entfernt
von irgend einer andern Formation, als wahrscheinlich angenommen wird,
so können wir, was den Fall betrifft, wo eine grosze Masse plutonischen
Gesteins durch wiederholte Bewegungen in die Axe einer Bergkette
eingetrieben worden ist, noch weiter annehmen, dasz dessen flüssigere,
constituirende Bestandtheile in tiefe und unbekannte Abysse abflieszen
dürften, um vielleicht später unter der Form entweder von injicirten
Massen von Grünstein und augitischem Porphyr[110] oder von basaltischen
Eruptionen an die Oberfläche gebracht zu werden. Ein groszer Theil der
Schwierigkeit, welche Geologen empfunden haben, wenn sie die
Zusammensetzung vulcanischer mit der der plutonischen Formation
verglichen haben, wird, wie ich glaube, beseitigt, wenn wir annehmen
dürfen, dasz die meisten plutonischen Massen bis zu einer gewissen
Ausdehnung jene vergleichsweise schweren und leicht zu verflüssigenden
Elemente durch Ausflieszen verloren haben, welche die trappartigen und
basaltischen Gesteinsreihen zusammensetzen.
~Über die Verbreitung vulcanischer Inseln.~ -- Während meiner
Untersuchung über Corallen-Riffe hatte ich Veranlassung die Schriften
vieler Reisenden zu Rathe zu ziehen; und da wurde ich ausnahmslos von
der Thatsache überrascht, dasz mit seltenen Ausnahmen die unzähligen
über den ganzen Stillen, Indischen und Atlantischen Ocean hin
zerstreuten Inseln entweder aus vulcanischem oder aus neuerem
Corallengestein zusammengesetzt sind. Es würde langweilig sein, einen
langen Catalog von sämmtlichen vulcanischen Inseln zu geben; dagegen
lassen sich die Ausnahmen, welche ich gefunden habe, leicht aufzählen.
Im Atlantischen Ocean haben wir St. Paul's Felsen in diesem Buche
beschrieben, und die Falkland-Inseln, welche aus Quarz und Thonschiefer
zusammengesetzt sind; aber diese letzteren Inseln sind von
beträchtlicher Grösze und liegen nicht sehr weit von der
südamericanischen Küste entfernt[111]; im Indischen Ocean bestehen die
Seychellen (in einer von Madagascar aus verlängerten Linie gelegen) aus
Granit und Quarz: im Stillen Ocean gehört Neu-Caledonien, eine Insel von
bedeutender Grösze, (so weit bis jetzt bekannt ist) in Bezug auf ihre
Gesteine zur primitiven Classe; Neu-Seeland, welches viele vulcanische
Gesteine und einige active Vulcane enthält, kann wegen seiner Grösze
nicht zu den kleinen Inseln gerechnet werden, welche wir jetzt in
Betracht ziehen. Das Vorhandensein von einer geringen Menge nicht
vulcanischen Gesteins, wie Thonschiefer auf dreien unter den
Azoren[112], oder tertiärer Kalk auf Madeira, oder Thonschiefer auf
Chatham-Insel im Stillen Ocean, oder Lignit auf Kerguelen-Land, kann
derartige Inseln oder Archipele, wenn sie hauptsächlich aus erumpirten
Massen gebildet werden, nicht von der Classe der vulcanischen Inseln
ausschlieszen.
Die Thatsache, dasz die Zusammensetzung der zahlreichen, über den
groszen Ocean zerstreuten Inseln mit so seltenen Ausnahmen vulcanisch
ist, ist offenbar eine Erweiterung jenes Gesetzes und die Wirkung jener
nämlichen Ursachen, mögen nun dieselben chemisch oder mechanisch sein,
aus denen hervorgeht, dasz eine ungeheure Majorität der jetzt thätigen
Vulcane entweder als Inseln im Meere oder in der Nähe von dessen Küsten
stehen. Diese Thatsache, dasz die oceanischen Inseln so allgemein
vulcanisch sind, ist auch in Bezug auf die Beschaffenheit der Bergketten
auf unseren Continenten interessant, welche vergleichsweise selten
vulcanisch sind; und doch werden wir zu der Annahme geführt, dasz da, wo
unsere Continente jetzt stehen, sich früher ein Ocean ausbreitete. Wir
können fragen: erreichen vulcanische Eruptionen die Oberfläche leichter
durch Spalten, welche sich während der ersten Stufen der Umwandlung des
Meeresgrundes in einen Landstrich gebildet haben?
Wirft man einen Blick auf die Karten der zahlreichen vulcanischen
Archipele, so sieht man, dasz die Inseln meistens entweder in einfache
und doppelte oder dreifache Reihen, in Linien angeordnet sind, welche
häufig in einem bedeutenden Grade gekrümmt sind[113]. Jede einzelne
Insel ist entweder abgerundet oder, allgemeiner noch, in der nämlichen
Richtung wie die Gruppe, in welcher sie steht, zuweilen aber auch quer
zu dieser verlängert. Einige von den Gruppen, welche nicht bedeutend
verlängert sind, bieten nur wenig Symmetrie in ihren Formen dar; VIRLET
gibt an[114], dasz dies mit dem griechischen Archipel der Fall ist; in
solchen Gruppen vermuthe ich (denn ich bin mir bewuszt, wie leicht man
sich in Betreff dieser Punkte täuscht), dasz die Auswurfsöffnungen
meistens in einer Linie oder in einer Gruppe kurzer paralleler Linien
angeordnet sind, welche unter nahezu rechtem Winkel eine andere Linie
oder Gruppe von Linien durchschneidet. Der Galapagos-Archipel bietet ein
Beispiel dieser Structur dar, denn die meisten Inseln und die
hauptsächlichsten Öffnungen auf der gröszten Insel sind so gruppirt,
dasz sie auf eine Gruppe von Linien, die ungefähr nach Nordwest bei
Nord, und auf eine andere Gruppe von Linien fallen, welche ungefähr nach
Südwest bei West gerichtet sind; im Archipel der Canarischen Inseln
haben wir eine einfachere Structur der nämlichen Art: in der
Cap-Verdischen Gruppe, welche dem Anscheine nach der am wenigsten
symmetrische unter allen oceanischen vulcanischen Archipelen ist, würde
eine von Nordwest nach Südost ziehende, von mehreren Inseln gebildete
Linie in ihrer Verlängerung eine andere gekrümmte Linie unter rechtem
Winkel durchschneiden, welche die übrigen Inseln gestellt sind.
L. VON BUCH hat alle Vulcane in zwei Classen vertheilt[115], nämlich
~Central-Vulcane~, um welche rundum auf allen Seiten zahlreiche
Eruptionen in einer beinahe regelmäszigen Art und Weise stattgefunden
haben, und ~vulcanische Ketten~ oder ~Vulcanreihen~. Nach den von der
ersten Classe gegebenen Beispielen kann ich, soweit die Stellung in
Betracht gezogen wird, keine Gründe sehen, weshalb sie »centrale«
genannt werden; und die Beweise für irgend eine Verschiedenheit in der
mineralogischen Beschaffenheit zwischen ~Central-Vulcanen~ und
~Reihen-Vulcanen~ erscheinen unbedeutend. Ohne Zweifel ist irgend eine
einzelne Insel in den meisten kleinen vulcanischen Archipelen gern
beträchtlich höher als die übrigen, in einer ähnlichen Weise wie auf
einer und der nämlichen Insel, was auch die Ursache immer sein mag, eine
Auswurfsöffnung meistens höher ist, als alle die andern. L. VON BUCH
schlieszt kleine Archipele, in denen die einzelnen Inseln, wie auf den
Azoren z. B., seiner Annahme nach in Linien angeordnet sind, nicht mit
in seine Classe der Vulcan-Reihen ein; wenn man aber auf einer Weltkarte
sieht, was für eine vollkommene Stufenreihe von einigen wenigen in eine
Reihe gestellten vulcanischen Inseln bis zu einem ganzen Zuge linearer,
einander in einer geraden Linie folgenden Archipele und so fort bis zu
einer groszen Mauer wie die der Cordillera von America existirt, so ist
es schwierig anzunehmen, dasz irgend ein wesentlicher Unterschied
zwischen kurzen und langen Vulcan-Reihen existirt. L. VON BUCH gibt
an[116], dasz seine Vulcan-Reihen Bergketten von primären Formationen
krönen oder innig mit solchen in Zusammenhang stehen; wenn aber Züge
linearer Archipele im Verlaufe der Zeiten durch die lange fortgesetzte
Wirkung der hebenden und vulcanischen Kräfte in Bergketten umgewandelt
werden, so wird ein natürliches Resultat hiervon sein, dasz die untern
primären Gesteine häufig emporgehoben und zur Ansicht gebracht werden.
Einige Schriftsteller haben die Bemerkung gemacht, dasz vulcanische
Inseln, wennschon in sehr ungleichen Entfernungen, den Küsten der
groszen Continente entlang zerstreut sind, als wenn sie in irgend
welchem Masze mit ihnen in Verbindung ständen. Was den Fall von Juan
Fernandez betrifft, welches 330 Meilen von der Küste von Chile entfernt
liegt, so bestand hier unzweifelhaft ein Zusammenhang zwischen den
vulcanischen Kräften, welche unter dieser Insel, und denen, welche unter
dem Continent thätig sind, wie es sich während des Erdbebens von 1835
zeigte. Überdies sind die Inseln einiger der kleinen vulcanischen
Gruppen, welche in dieser Weise Continente säumen, in Linien angeordnet,
welche zu der Richtung, in welcher die nächstliegenden Küsten der
Continente hinziehen, in Beziehung stehen; ich will als Beispiele die
Kreuzungslinien auf dem Galapagos und dem Cap-Verdischen Archipel und
die am besten ausgeprägte Linie bei den Canarischen Inseln anführen.
Wenn diese Thatsachen nicht blosz zufällige sind, so erkennen wir
hieraus, dasz viele zerstreute vulcanische Inseln und kleine Gruppen
nicht blosz durch ihre grosze Nähe, sondern auch in der Richtung der
Eruptionsspalten zu den benachbarten Continenten in Beziehung stehen, --
eine Beziehung, welche L. VON BUCH als characteristisch für seine
groszen Vulcan-Reihen betrachtet.
In vulcanischen Archipelen sind die Eruptionsöffnungen selten auf mehr
als einer Insel zu einer und derselben Zeit in Thätigkeit; und die
gröszeren Eruptionen kommen gewöhnlich nur nach langen Zwischenräumen
wieder. Wenn man die grosze Zahl von Crateren, welche gewöhnlich auf
jeder Insel einer Gruppe gefunden wird, und die ungeheure Masse von
Gestein betrachtet, welche aus ihnen zur Eruption gelangt ist, so wird
man darauf geführt, selbst denjenigen Gruppen ein sehr hohes Alter
zuzuschreiben, welche, wie die Galapagos-Inseln, von vergleichsweise
neuerem Ursprung zu sein scheinen. Diese Schluszfolgerung stimmt mit dem
ungeheuren Masze von Zerstörung durch die langsame Einwirkung des Meeres
überein, welche ihre ursprünglich sich abdachenden Küsten erlitten haben
müssen, wo sie, wie es häufig der Fall ist, zu steil abstürzenden und
zurücktretenden Felsen abgenagt worden sind. Wir dürfen indessen kaum in
einem einzigen Falle vermuthen, dasz die ganze, eine vulcanische Insel
bildende Gesteinsmasse auf dem Niveau ausgeworfen worden ist, auf
welchem sie gegenwärtig liegt: die grosze Zahl von Gängen, welche
ausnahmslos die inneren Theile eines jeden Vulcans zu durchsetzen
scheinen, beweisen, nach den von ÉLIE DE BEAUMONT auseinandergesetzten
Grundsätzen, dasz die ganze Masse emporgehoben und gespalten worden ist.
Überdies glaube ich in meinem Buche über die Corallen-Riffe aus dem
häufigen Vorhandensein emporgehobener organischer Überreste und aus der
Structur der benachbarten Corallen-Riffe gezeigt zu haben, dasz ein
Zusammenhang zwischen vulcanischen Eruptionen und gleichzeitigen
Emporhebungen in Masse[117] besteht. Endlich will ich bemerken, dasz in
einem und demselben Archipel innerhalb der historischen Zeit Eruptionen
auf mehr als einer der parallelen Spaltungslinien stattgefunden haben:
so haben auf dem Galapagos-Archipel Eruptionen aus einer Öffnung auf
Narborough-Insel und aus einer auf Albemarle-Insel stattgefunden, welche
Öffnungen nicht in die nämliche Linie fallen; in den Canarischen Inseln
haben Eruptionen stattgefunden auf Teneriffa und Lanzarote, und in den
Azoren auf den drei parallelen Linien von Pico, S. Jorge und Terceira.
Von der Annahme ausgehend, dasz eine Bergkette von einem Vulcan
wesentlich nur darin verschieden ist, dasz plutonische Gesteine injicirt
worden sind, statt dasz vulcanische Masse ausgeworfen worden ist,
scheint mir dies ein interessanter Umstand zu sein; denn wir können
hieraus als wahrscheinlich folgern, dasz bei der Erhebung einer
Bergkette zwei oder noch mehr von den parallelen dieselbe bildenden
Linien innerhalb einer und der nämlichen geologischen Periode
emporgehoben und injicirt werden können.
[102] Description des îles Canaries, p. 190 und 191.
[103] In einer Masse von geschmolzenem Eisen hat man gefunden (Edinburgh
New Philosoph. Journal, Vol. XXIV, p. 66), dasz diejenigen Substanzen,
welche eine stärkere Verwandtschaft zum Sauerstoff haben, als Eisen, von
dem Innern der Masse nach der Oberfläche steigen. Eine ähnliche Ursache
läszt sich aber kaum auf die Trennung der Krystalle dieser Lavaströme
anwenden. Die Abkühlung der Oberfläche der Lava scheint in manchen
Fällen ihre Zusammensetzung beeinfluszt zu haben; denn ~Dufrénoy~
(Mémoires pour servir etc., Tom. IV. p. 271) hat gefunden, dasz die
inneren Theile eines Stromes in der Nähe von Neapel zwei Drittel eines
Minerals enthielten, welches von Säuren angegriffen wurde, während die
Oberfläche hauptsächlich aus einem von Säuren nicht angegriffenen
Mineral bestand.
[104] Das specifische Gewicht der einfachen Mineralien habe ich ~von
Kobell~, einer der neuesten und besten Autoritäten, entnommen, das der
Gesteine aus verschiedenen Autoritäten. Obsidian hat nach ~Phillips~
2,35, und ~Jameson~ sagt, dasz es niemals über 2,4 geht; doch ergab ein
von mir selbst gewogenes Exemplar von Ascension 2,42.
[105] Eine ausführliche und interessante Schilderung dieser Entdeckung,
von ~Pattinson~, wurde der British Association im September 1838
vorgelesen. Bei einigen Legirungen sinkt nach der Angabe ~Turner's~
(Chemistry, p. 210) das schwerste Metall zu Boden und es findet dies
augenscheinlich statt, wenn beide Metalle flüssig sind. Wo eine
beträchtliche Gewichtsverschiedenheit besteht, wie zwischen dem Eisen
und der während des Schmelzens des Erzes sich bildenden Schlacke, dürfen
wir nicht erstaunt sein, dasz sich die Atome trennen, ohne dasz eine von
beiden Substanzen körnig würde.
[106] Das specifische Gewicht von Trachyt aus Java wurde von ~L. von
Buch~ zu 2,47 ermittelt, aus der Auvergne von ~De la Beche~ zu 2,42, von
Ascension von mir selbst zu 2,42. ~Jameson~ und andere Autoren geben dem
Basalt specifisches Gewicht von 3,0; Exemplare aus der Auvergne wurden
aber von ~De la Beche~ nur zu 2,78 und vom Giant's Causeway zu 2,91
ermittelt.
[107] Vergl. ~L. von Buch's~ bekannte und ausgezeichnete Description
physique dieser Insel, welche als Muster der beschreibenden Geologie
dienen kann.
[108] Die krystallinische Grundmasse des Phonolith wird häufig von
langen Hornblende-Nadeln durchsetzt; hieraus geht hervor, dasz die
Hornblende, obgleich sie das leichter schmelzbare Mineral ist, eher als
oder zu derselben Zeit wie eine stärker widerstehende Substanz
krystallisirt ist. Phonolith scheint, so weit meine Beobachtungen
reichen, in allen Fällen ein injicirtes Gestein zu sein, ähnlich denen
der plutonischen Reihe; er ist daher wahrscheinlich, wie diese
letzteren, ohne wiederholte und heftige Störungen abgekühlt. Diejenigen
Geologen, welche daran zweifeln, ob Granit durch feurige Schmelzung
gebildet worden sein kann, weil Mineralien von verschiedenen
Schmelzbarkeitgraden gegenseitig Eindrücke ihrer Formen erhalten, können
die Thatsache nicht gekannt haben, dasz krystallisirte Hornblende den
Phonolith, ein Gestein von unzweifelhaft plutonischem Ursprung,
durchsetzt. Die Zähflüssigkeit, welche, wie jetzt bekannt ist, sowohl
Feldspath als Quarz bei einer weit unter ihrem Schmelzpunkte liegenden
Temperatur behalten, erklärt leicht ihre gegenseitigen Eindrücke. Vergl.
über diesen Gegenstand den Aufsatz von ~Leonard Horner~, Geology of the
environs of Bonn, in: Transact. Geolog. Soc. Vol. IV. p 439, und in
Bezug auf den Quarz: l'Institut, 1839, p. 161.
[109] Theile dieser Gänge sind abgebrochen worden und sind nun von den
primären Gesteinen umgeben, deren Blätter sich in conformer Lage um sie
herum winden. Auch Dr. ~Hubbard~ (Silliman's Journal, Vol. XXXIV. p.
119) hat eine Durchflechtung von Trappgängen im Granit der Weiszen Berge
beschrieben, welche, wie er meint, sich gebildet haben musz, so lange
beide Gesteine noch weich waren.
[110] ~Phillips~ (Lardner's Encyclop., Vol. II. p. 115) citirt L. von
Buch's Angabe, dasz augitischer Porphyr parallel mit groszen Bergketten
sich ausbreitet und beständig am Fusze solcher gefunden wird. Auch
~Humboldt~ hat das häufige Vorkommen von Trappgestein in einer ähnlichen
Lage angegeben, von welchem Verhalten ich viele Beispiele am Fusze der
Chilenischen Cordillera beobachtet habe. Das Vorhandensein von Granit in
der Axe groszer Bergketten ist immer wahrscheinlich, und ich werde zu
vermuthen versucht, dasz die seitlich injicirten Massen von augitischem
Porphyr und Trapp nahezu in demselben Verhältnis zu den granitischen
Axen stehen, in dem die basaltischen Laven zu den centralen
trachytischen Massen stehen, um deren Seiten herum sie so häufig zur
Eruption gelangt sind.
[111] Nach ~Forster's~ unvollständiger Beobachtung zu urtheilen, ist
vielleicht Georgien nicht vulcanisch. Mein Gewährsmann in Bezug auf die
Seychellen ist Dr. ~Allan~. Ich weisz nicht, aus welcher Formation
Rodriguez im Indischen Ocean zusammengesetzt ist.
[112] Dies wird nach der Autorität des Grafen ~V. de Bedemar~ in Bezug
auf Flores und Graciosa angegeben (Charlesworth, Magazine of Nat. Hist.,
Vol. I p. 557). Nach der Angabe des Capitain ~Boyd~ hat Sta. Maria kein
vulcanisches Gestein (~L. von Buch~, Description, p. 365). Chatham-Insel
ist von ~Dieffenbach~ im Geographical Journal, 1841, p. 201 beschrieben
worden. In Bezug auf Kerguelen-Land haben wir bis jetzt nur
unvollständige Mittheilungen von der antarctischen Expedition erhalten.
[113] Die Professoren ~William~ und ~Henry Darwin Rogers~ haben vor
Kurzem in einem vor der American Association gelesenen Aufsatze die
regelmäszig gekrümmten Erhebungslinien in Theilen der Appalachischen
Kette sehr stark betont.
[114] Bullet. de la Soc. Géolog. Tom. III. p. 110.
[115] Description des îles Canaries, p. 324.
[116] a. a. O. p. 393.
[117] Eine ähnliche Folgerung drängt sich uns durch die Erscheinungen
auf, welche das Erdbeben von Concepcion i. J. 1835 begleiteten und
welche in meinem Aufsatze in den Geological Transactions (Vol. V. p. 601
Übers. Werke, Bd. XII) ausführlich beschrieben worden sind.
Siebentes Capitel.
Neu-Süd-Wales. -- Sandstein-Formation. -- Eingeschlossene
Pseudofragmente von Schiefer. -- Stratification. -- Sich kreuzende
Lagen. -- Grosze Thäler. -- Van Diemen's Land. -- Palaeozoische
Formation. -- Neuere Formation mit vulcanischen Gesteinen. --
Travertin mit Blättern ausgestorbener Pflanzen. -- Erhebung des
Landes. -- Neu-Seeland. -- King George's Sound. -- Oberflächliche
eisenhaltige Schichten. -- Oberflächliche kalkige Ablagerungen mit
Abgüssen von Zweigen. -- Ihr Ursprung aus angetrifteten Stückchen
Muscheln und Corallen. -- Ihre Ausdehnung. -- Cap der Guten
Hoffnung. -- Verbindung des Granits und Thonschiefers. --
Sandstein-Formation.
Der >Beagle< berührte auf seiner Fahrt nach der Heimath Neu-Seeland,
Australien, van Diemen's Land und das Vorgebirge der guten Hoffnung. Um
den dritten Theil dieser geologischen Untersuchungen auf Süd-America zu
beschränken, will ich hier in Kurzem alles das der Aufmerksamkeit der
Geologen Werthe beschreiben, was ich an diesen Orten beobachtet habe.
~Neu-Süd-Wales.~ -- Meine Gelegenheiten, Beobachtungen anzustellen,
bestanden in einem Ritt von neunzig geographischen Meilen nach Bathurst,
in einer west-nordwestlichen Richtung von Sydney. Die ersten dreiszig
Meilen von der Küste aus führen über eine Sandsteingegend, welche an
vielen Stellen durch Trapp-Gesteine durchbrochen und durch eine kühne
Böschung, welche das steile Ufer des Flusses Nepean bildet, von dem
groszen Sandstein-Plateau der Blauen Berge getrennt wird. Dieses obere
Plateau ist am Rande der Böschung 1000 Fusz hoch und steigt in einer
Entfernung von 25 Meilen bis zwischen 3000 und 4000 Fusz über dem
Meeresspiegel an. In dieser Entfernung steigt die Strasze in eine im
Ganzen weniger erhobene Gegend nieder, welche zum hauptsächlichsten
Theil aus primären Gesteinen zusammengesetzt ist. Es findet sich viel
Granit, an einer Stelle in einen rothen Porphyr mit octagonalen
Quarz-Krystallen übergehend und an einigen Stellen von Trappgängen
durchsetzt. In der Nähe der Downs von Bathurst kam ich über ein gut
Theil blasz-braunen, glänzenden Thonschiefers, dessen verstörte
Blätterung nördlich und südlich verlief; ich erwähne diese Thatsache,
weil mir Capitain KING mittheilt, dasz in dem Lande hundert Meilen
weiter nach Süden, in der Nähe von Lake George, der Glimmerschiefer so
ausnahmslos nördlich und südlich streicht, dasz die Einwohner hieraus
beim Suchen ihres Weges durch die Wälder Vortheil ziehen.
Der Sandstein der Blauen Berge ist wenigstens 1200 Fusz mächtig und ist
allem Anscheine nach an einigen Stellen von noch gröszerer Mächtigkeit;
er besteht aus kleinen Körnern von Quarz, welche durch eine erdige
Substanz mit einander verkittet und von eisenhaltigen Adern
auszerordentlich reich durchzogen sind. Die unteren Schichten wechseln
zuweilen mit Schiefer und Steinkohle ab; bei Wolgan fand ich in
Kohlenschiefer Blätter der _Glossopteris Brownii_, einem Farnkraute,
welches die Steinkohle von Australien so häufig begleitet. Der Sandstein
enthält Quarzrollsteine; und diese nehmen meistens in den oberen
Schichten an Zahl und Grösze zu (indessen selten einen Durchmesser von
einem oder zwei Zoll überschreitend): ein ähnliches Verhältnis habe ich
in der groszen Sandstein-Formation am Cap der Guten Hoffnung beobachtet.
An der Küste von Süd-America, wo tertiäre und supratertiäre Schichten in
so ausgedehntem Masze emporgehoben worden sind, habe ich wiederholt
bemerkt, dasz die obersten Schichten aus gröberem Material gebildet
worden als die unteren: dies scheint darauf hinzuweisen, dasz in dem
Masze, als das Meer seichter wurde, die Kraft der Wellen oder Strömungen
zugenommen hat. Indessen habe ich auf dem untern Plateau zwischen den
Blauen Bergen und der Küste beobachtet, dasz die oberen Schichten des
Sandsteins häufig in einen thonigen Schiefer übergiengen, --
wahrscheinlich die Wirkung davon, dasz dieser untere Raum während seiner
Erhebung gegen starke Strömungen geschützt war. Der Sandstein der Blauen
Berge ist offenbar mechanischen Ursprungs, und deshalb war ich
überrascht, zu bemerken, dasz in manchen Stücken nahezu sämmtliche
Quarzkörner so vollkommen mit brillanten Facetten krystallisirt waren,
dasz sie offenbar in ihrer ~gegenwärtigen~ Form in keinerlei irgend
früher schon existirendem Gestein aggregirt worden sind[118]. Es ist
schwierig, sich vorzustellen, wie diese Krystalle sich gebildet haben
können; man kann doch kaum annehmen, dasz sie in ihrem jetzigen
krystallisirten Zustande einzeln niedergeschlagen wurden. Ist es
möglich, dasz eine Flüssigkeit, welche ihre Flächen corrodirte, auf die
abgerundeten Quarzkörner eingewirkt und frische Kieselsäure auf sie
abgelagert hat? Ich will bemerken, dasz es bei der Sandstein-Formation
des Caps der Guten Hoffnung offenbar ist, dasz sich Kieselsäure in
überreicher Menge aus wässriger Lösung niedergeschlagen hat.
An mehreren Stellen im Sandstein bemerkte ich Flecken von Schiefer,
welche auf den ersten Blick leicht fälschlich für fremdartige
Einschlüsse hätten gehalten werden können; ihre horizontale Blätterung
indessen, welche mit der des Sandsteins parallel war, zeigte, dasz sie
nur die Überreste dünner, zusammenhängender Schichten waren. Ein
derartiges Fragment (wahrscheinlich der Durchschnitt eines langen
schmalen Streifens), welches in der Wandfläche einer Felsklippe zu sehen
war, war von gröszerer senkrechter Mächtigkeit als Breite, was beweist,
dasz diese Schieferschicht in einem gewissen unbedeutenden Grade
consolidirt gewesen sein musz, nachdem sie abgelagert war und ehe sie
wieder von den Strömungen abgenagt wurde. Auch weist jeder Fleck von
Schiefer darauf hin, wie langsam viele von den aufeinander folgenden
Sandsteinschichten abgelagert worden sind. Diese Pseudo-Fragmente von
Schiefer werden vielleicht in manchen Fällen den Ursprung scheinbar
fremdartiger Fragmente in krystallinischen, metamorphischen Gesteinen
erklären. Ich erwähne dies, weil ich in der Nähe von Rio de Janeiro ein
scharf begrenztes, eckiges, sieben Yards langes und zwei Yards breites
Fragment von Gneisz beobachtet habe, welches, Granaten und Glimmer in
Schichten enthaltend, in dem gewöhnlichen, geschichteten,
porphyritischen Gneisz des Landes eingeschlossen war. Die Blätter des
Bruchstücks und der umgebenden Grundmasse liefen in genau derselben
Richtung, sie fielen aber unter verschiedenen Winkeln ein. Ich will
nicht behaupten, dasz dies eigenthümliche Fragment (so viel ich weisz,
ein einzeln dastehender Fall) ursprünglich in einer Schicht abgelagert
wurde, wie der Schiefer in den Blauen Bergen, zwischen den Schichten
des porphyritischen Gneiszes, ehe dieselben metamorphosirt wurden; es
besteht aber doch eine hinreichende Analogie zwischen den beiden Fällen,
um eine solche Erklärung möglich zu machen.
~Stratification der Böschung.~ -- Die Schichten der Blauen Berge
erscheinen dem Auge horizontal; sie haben aber wahrscheinlich eine
ähnliche Neigung wie die Oberfläche des Plateaus, welches von Westen her
nach der Böschung über den Nepean hin unter einem Winkel von einem Grad,
oder hundert Fusz auf eine Meile abfällt[119]. Die Schichten der
Böschung fallen beinahe übereinstimmend mit deren steil geneigter Fläche
und mit so groszer Regelmäszigkeit, dasz es aussieht, als seien sie in
ihre gegenwärtige Stellung geworfen worden; indessen sieht man bei einer
sorgfältigen Untersuchung, dasz sie sich verdicken und ausdünnen und in
den oberen Theilen von horizontalen Schichten fortgesetzt und beinahe
bedeckt werden. Diese Erscheinungen machen es wahrscheinlich, dasz wir
hier eine ursprüngliche Böschung vor uns haben, welche nicht dadurch
gebildet worden ist, dasz das Meer in die Schichten nagend eingedrungen
ist, sondern dadurch, dasz die Schichten ursprünglich nur so weit sich
erstreckt haben. Wer sich daran gewöhnt hat, sorgfältig ausgeführte
Karten von Meeresküsten zu untersuchen, wo sich Sediment anhäuft, wird
erfahren haben, dasz die Oberfläche der in dieser Weise gebildeten Bänke
meistens von der Küste aus sehr sanft bis zu einer bestimmten Linie im
offenen Meere sich abdacht, jenseits welcher die Tiefe in den meisten
Fällen ziemlich grosz wird. Ich will beispielsweise die groszen
Sedimentbänke innerhalb des westindischen Archipels[120] anführen,
welche in untermeerischen Abhängen enden, welche unter Winkeln von
zwischen 30 und 40 Grad und zuweilen selbst von mehr als 40 Graden
geneigt sind; Jedermann weisz, wie steil ein solcher Abhang auf dem
Lande erscheinen würde. Wenn Bänke von dieser Beschaffenheit
emporgehoben würden, so würden sie wahrscheinlich nahezu dieselbe
äuszere Form wie das Plateau der Blauen Berge haben, wo es plötzlich
über dem Nepean endet.
~Sich kreuzende Lagen.~[A] -- Die Sandstein-Schichten oder -Lagen in dem
niedrigen Küstenlande, und gleichfalls auch in den Blauen Bergen, werden
häufig von queren oder sich kreuzenden Lagen abgetheilt, welche in
verschiedenen Richtungen einfallen, häufig unter einem Winkel von 45
Graden. Die meisten Autoren haben diese sich kreuzenden Lagen auf
hintereinanderfolgende kleine Anhäufungen auf einer geneigten Fläche
bezogen; aber nach einer sorgfältigen Untersuchung einiger Stellen des
Neuen Rothen Sandsteins von England glaube ich, dasz derartige Lagen
meistens Theile einer Reihe von Bogen, ähnlich colossalen Rippelmarken,
bilden, deren Spitze seitdem entweder durch nahezu horizontale Lagen
oder durch eine andere Gruppe groszer Wellenrippeln beseitigt worden
sind, wobei die Falten dieser letzteren nicht genau mit den unter ihnen
liegenden zusammenfallen. Denen, welche den Meeresgrund vermessen haben,
ist es wohl bekannt, dasz Schlamm und Sand während der Stürme noch in
beträchtlichen Tiefen, mindestens von 300 bis 450 Fusz[121] aufgerührt
werden, so dasz selbst die Beschaffenheit des Grundes zeitweise
verändert wird; man hat auch beobachtet, dasz der Boden in einer Tiefe
zwischen 60 und 70 Fusz breit gerippelt war.[122] Nach den oben
erwähnten Erscheinungen im Neuen Rothen Sandstein ist daher wohl die
Vermuthung gestattet, dasz während heftiger Stürme der Meeresgrund in
gröszerer Tiefe in grosze rippelartige Leisten und Vertiefungen
aufgewühlt wird, welche später durch die Strömungen während ruhigen
Wetters abgeflacht und während neuer Stürme von neuem gefurcht werden.
[A] Es ist diese Erscheinung die »Discordante Parallelstructur« ~C. F.
Naumann's.~ Der Übers.
[121] s. ~Martin White~, über Lothungen im Britischen Canal, p. 4 und
166.
[122] ~Siau~, über die Wirkung der Wellen, in: Edinburgh New Philos.
Journal, Vol. XXXI. p. 245.
~Thäler in den Sandstein-Plateaus.~ -- Die groszen Thäler, von welchen
die Blauen Berge und die andern Sandstein-Plateaus dieses Theils von
Australien durchschnitten werden und welche lange Zeit selbst für die
unternehmendsten Colonisten ein unübersteigliches Hindernis bildeten,
das innere Land zu erreichen, bieten den allerauffallendsten Zug in der
Geologie von Neu-Süd-Wales dar. Sie sind von groszartigen Dimensionen
und werden von fortlaufenden Reihen hoher Felswände begrenzt. Man kann
sich nur schwer ein prächtigeres Schauspiel vorstellen als dasjenige,
welches sich Jemandem darbietet, wenn er, auf den Hochebenen hingehend,
ohne irgend ein vorheriges Anzeichen am Rande einer dieser Klippen
anlangt, welche so senkrecht sind, dasz er (wie ich es versucht habe)
mit einem Steine die in einer Tiefe von zwischen 1000 und 1500 Fusz
unter ihm wachsenden Bäume treffen kann; nach beiden Seiten hin sieht er
einen Bergvorsprung hinter dem andern an der zurücktretenden
Klippenreihe; und auf der gegenüberliegenden Seite des Thales, häufig in
der Entfernung von mehreren Meilen erblickt er eine andere Reihe, welche
sich zu derselben Höhe erhebt wie die auf der er steht und welche aus
denselben horizontalen Schichten blassen Sandsteins gebildet wird. Die
Sohle dieser Thäler ist ziemlich eben und der Fall der in ihnen
flieszenden Flüsse ist nach der Angabe Sir TH. MITCHELL's sehr sanft.
Die Hauptthäler senden häufig in das Plateau hinein grosze bay-artige
Arme, welche sich an ihrem obern Ende erweitern; andererseits schickt
auch das Plateau häufig Vorgebirge in das Thal und läszt selbst grosze,
beinahe inselförmig getrennte Massen in ihm stehen. Die das Thal
begrenzenden Klippenreihen sind so continuirlich, dasz es, um in manche
dieser Thäler hinabzusteigen, nothwendig ist, einen Umweg von 20 Meilen
zu machen; in andere sind die Landvermesser erst vor kurzem eingedrungen
und die Colonisten sind noch nicht im Stande gewesen, ihr Vieh in
dieselben zu treiben. Aber der allermerkwürdigste Punkt in der Structur
dieser Thäler ist, dasz dieselben, obgleich sie in ihren oberen Theilen
mehrere Meilen weit sind, sich meistens nach ihrer Mündung zu so
zusammenziehen, dasz sie unpassirbar werden. Der Surveyor-General,
Sir TH. MITCHELL[123], versuchte vergebens, zuerst zu Fusz und
dann kriechend, zwischen den groszen zusammengestürzten
Sandstein-Bruchstücken durch die Felsschlucht aufwärts zu dringen, durch
welche sich der Flusz Grose mit dem Nepean verbindet; und doch bildet
das Thal des Grose in seinem oberen Theile, wie ich gesehen habe, ein
prachtvolles, mehrere Meilen weites Bassin und wird auf allen Seiten von
Felsklippen umgeben, deren Gipfel man nirgends für weniger als 3000 Fusz
über dem Spiegel des Meeres hoch hält. Wenn Vieh in das Thal des Wolgan
auf einem Pfade (auf welchem ich hinabstieg), der zum Theil von den
Colonisten eingehauen worden ist, eingetrieben wird, kann es nicht
entfliehen; denn dies Thal wird an jeder andern Stelle von senkrechten
Klippen umgeben, und acht Meilen weiter abwärts zieht es sich von einer
mittleren Breite von einer halben Meile zu einem bloszen Spalt zusammen,
welcher für Menschen und Vieh gleich unpassirbar ist. Sir TH.
MITCHELL[124] gibt an, dasz das grosze Thal des Cox-Flusses mit allen
seinen Zweigen sich da, wo er sich mit dem Nepean verbindet, zu einer
2000 Yards breiten und ungefähr 1000 Fusz tiefen Schlucht zusammenzieht.
Es könnten noch andere ähnliche Fälle hinzugefügt werden.
[123] Travels in Australia, Vol. I. p. 154. -- Ich bin Sir ~Th.
Mitchell~ für mehrere interessante persönliche Mittheilungen über diese
groszen Thäler von Neu-Süd-Wales sehr verbunden.
[124] a. a. O. Vol. II. p. 358.
Wenn man die Übereinstimmung der horizontalen Schichten auf jeder Seite
dieser Thäler und groszen amphitheatralischen Einsenkungen sieht, so ist
der erste Eindruck der, dasz sie zum hauptsächlichsten Theile wie andere
Thäler durch wässerige Erosion ausgehöhlt worden sind; wenn man sich
aber die ganz enorme Menge von Gestein überlegt, welche nach dieser
Ansicht entfernt worden sein musz, und zwar in den meisten der oben
angeführten Fälle durch blosze Schluchten oder Spalten, so wird man auf
die Frage geführt, ob diese Räume nicht gesunken sein können. Betrachten
wir indessen die Form der sich unregelmäszig verzweigenden Thäler und
die schmalen, in dieselben von den Plateaus aus einspringenden
Vorgebirge, so wird man genöthigt, diese Vorstellung aufzugeben. Diese
Aushöhlungen einer alluvialen Wirkung zuzuschreiben, wäre widersinnig;
auch fällt der Wasserlauf von der Gipfelebene nicht immer, wie ich es in
der Nähe des Weatherboard beobachtete, in das obere Ende dieser Thäler,
sondern in die eine Seite ihrer meerbusenartigen Ausbuchtungen. Einige
der Einwohner machten gegen mich die Bemerkung, dasz sie niemals eine
dieser meerbusenartigen Buchten, mit den zu beiden Seiten hintereinander
liegenden Bergvorsprüngen, ansehen könnten, ohne von deren Ähnlichkeit
mit einer kühn sich erhebenden Meeresküste überrascht zu werden. Dies
ist auch sicherlich der Fall. Überdies bieten auch die zahlreichen
schönen Häfen mit ihren sich weit verzweigenden Armen an der
gegenwärtigen Küste von Neu-Süd-Wales, welche meistens mit dem Meere
durch eine enge, von einer Meile bis zu einer Viertelmeile weite
Mündung, durch die Sandstein-Uferklippen hindurchführend,
zusammenhängen, eine Ähnlichkeit, wennschon in einem Miniatur-Maszstabe,
mit den groszen Thälern des Innern dar. Hier tritt nun aber sofort die
bedenkliche Schwierigkeit entgegen: warum hat das Meer diese groszen,
wenngleich unscheinbaren, Einsenkungen auf einem weiten Plateau
ausgewaschen und blosze Schluchten übrig gelassen, durch welche die
ganze ungeheure Masse von zerkleinerter Gesteinssubstanz entfernt worden
sein musz? Das einzige Licht, was ich auf dieses Räthsel werfen kann,
besteht darin, darauf hinzuweisen, dasz sich allem Anscheine nach in
einigen Meeren Bänke der allerunregelmäszigsten Formen bilden und dasz
die Seitenwände derartiger Bänke so steil sind (wie vorhin angegeben
wurde), dasz ein vergleichsweise geringer Grad von später eintretender
Erosion sie dann zu Klippen machen würde; dasz die Wellen die Kraft
haben, hohe und steil abstürzende Klippen selbst in rings von Land
umschlossenen Häfen zu bilden, das habe ich an vielen Orten in
Süd-America beobachtet. Im Rothen Meer werden Bänke, von einem äuszerst
unregelmäszigen Umrisz und aus Sediment bestehend, von den
allereigenthümlichst gestalteten Canälen mit engen Mündungen durchsetzt:
dies ist gleichfalls, obschon in einem gröszeren Maszstabe, bei den
Bahama-Bänken der Fall. Derartige Bänke sind, wie ich zu vermuthen
veranlaszt worden bin[125], durch Strömungen gebildet worden, welche
Sediment auf einem unregelmäszigen Boden anhäuften. Dasz in einigen
Fällen das Meer, anstatt das Sediment in einer gleichförmigen Fläche
auszubreiten, es rings um unterirdische Felsen und Inseln anhäuft, daran
läszt sich unmöglich zweifeln, wenn man die Seekarten von West-Indien
untersucht hat. Um nun diese Ideen auf die Sandstein-Plateaus von
Neu-Süd-Wales anzuwenden, so stelle ich mir vor, dasz die Schichten
durch die Wirkung starker Strömungen und der Wellenbewegung eines
offenen Meeres auf einem unregelmäszig gebildeten Grunde aufgehäuft
worden sein, und dasz die steil abfallenden Seitenwände der hierbei
unausgefüllt gelassenen thalartigen Räume während einer langsamen
Erhebung zu Klippen ausgewaschen worden sein dürften; der abgewaschene
Sandstein wurde dann, entweder zu der Zeit, wo die engen Schluchten
durch das zurückweichende Meer eingeschnitten wurden, oder erst später
durch alluviale Wirkungen entfernt.
Van Diemen's Land.
Der südliche Theil dieser Insel wird hauptsächlich aus Bergen von
Grünstein gebildet, welcher häufig einen syenitischen Character annimmt
und viel Hypersthen enthält. Diese Berge sind in ihrer untern Hälfte
meistens von Schichten umschlossen, welche zahlreiche kleine Corallen
und einige Schalthiergehäuse enthalten. Diese Muscheln sind von Mr. G.
B. SOWERBY untersucht und im Anhange beschrieben worden; sie bestehen
aus ~zwei Species~ von _Productus_ und aus sechs Species von _Spirifer_;
zwei derselben, nämlich _P. rugatus_ und _S. rotundatus_, gleichen,
soweit ihre unvollkommene Erhaltung eine Vergleichung gestattet,
Muscheln aus dem englischen Bergkalkstein. Mr. LONSDALE hat die
Freundlichkeit gehabt, die Corallen zu untersuchen; sie bestehen aus
sechs unbeschriebenen Species, welche zu drei Gattungen gehören. Species
dieser Gattungen kommen in den silurischen, devonischen und
Steinkohlen-Schichten Europa's vor. Mr. LONSDALE bemerkt noch, dasz
diese sämmtlichen Fossile unzweifelhaft einen paläozoischen Character
haben und dasz sie in Bezug auf ihr Alter wahrscheinlich einer
Abtheilung des Systems oberhalb der silurischen Formationen entsprechen.
Die diese Überreste enthaltenden Schichten sind merkwürdig wegen der
auszerordentlichen Variabilität ihrer mineralogischen Zusammensetzung.
Jede intermediäre Form ist vorhanden zwischen Kieselschiefer, in
Grauwacke übergehendem Thonschiefer, reinem Kalkstein, Sandstein und
Porzellangestein (Kaolin); manche Schichten können nur als aus
kieselig-kalkigem Thonschiefer zusammengesetzt beschrieben werden. So
weit ich es beurtheilen konnte, ist die Formation wenigstens 1000 Fusz
mächtig: die oberen wenig hundert Fusz bestehen gewöhnlich aus einem
kieseligen Sandstein, welcher Geschiebsteine und keine organischen Reste
enthält; die unteren Schichten, in denen ein blasser flinthaltiger
Schiefer vielleicht am reichlichsten vertreten ist, sind die
variabelsten; und diese sind hauptsächlich auszerordentlich reich an
organischen Resten. Zwischen zwei Schichten harten krystallinischen
Kalksteins in der Nähe von Newtown wird eine Schicht weicher, weiszer,
kalkiger Gesteinsmasse abgebaut und zum Abputz der Häuser benutzt. Nach
Mittheilungen, welche mir Mr. FRANKLAND, der Vorstand der
Vermessungsarbeiten, gegeben hat, wird allem Anscheine nach diese
paläozoische Formation an verschiedenen Stellen der ganzen Insel
gefunden; nach derselben Autorität will ich noch hinzufügen, dasz an der
nordöstlichen Küste und in der Bass-Strasze primäre Gesteine in
ausgedehnter Weise vorkommen.
Die Ufer der Storm-Bay sind bis zur Höhe von einigen wenigen hundert
Fusz von Sandsteinschichten eingefaszt, welche Rollsteine der eben
beschriebenen Formation mit ihren characteristischen Fossilien enthalten
und folglich einer spätern Zeit angehören. Diese Schichten von Sandstein
gehen häufig in Schiefer über und wechseln mit Lagern unreiner Kohle ab;
sie sind an manchen Stellen heftig gestört worden. In der Nähe von
Hobart Town beobachtete ich einen Trappgang von nahezu 100 Yards Breite,
an dessen einer Seite die Schichten in einem Winkel von 60 Grad
aufgerichtet und an dessen anderer Seite sie an einigen Stellen
senkrecht und durch die Wirkungen der Hitze verändert waren. Auf der
westlichen Seite von Storm-Bay fand ich diese Schichten überdeckt von
Strömen basaltischer Lava mit Olivin; und dicht dabei fand sich eine
Masse breccienartiger Schlacken, welche Lavageschiebe enthielt und
wahrscheinlich den Ort eines alten submarinen Craters bezeichnete. Zwei
von diesen Basaltströmen waren von einander durch eine Schicht thoniger
Wacke getrennt, deren Übergang in theilweise veränderte Schlacken
verfolgt werden konnte. Die Wacke enthält zahlreiche abgerundete Körner
eines weichen, grasgrünen Minerals mit einem Wachsglanz und an den
Rändern durchscheinend: vor dem Löthrohre wird es augenblicklich
geschwärzt und die Spitzen schmelzen zu einem stark magnetischen
schwarzen Schmelz. In diesen Characteren ist es jenen Massen von
zersetztem Olivin ähnlich, welche von S. Jago in der Gruppe der
Cap-Verdischen Inseln beschrieben wurden; ich würde auch geglaubt haben,
dasz sie in dieser Weise entstanden seien, hätte ich nicht eine ähnliche
Substanz in cylindrischen Fäden innerhalb der Zellen des blasigen
Basalts gefunden, -- ein Zustand, in welchem Olivin niemals erscheint; es
würde diese Substanz[126], wie ich glaube, von den Mineralogen als Bolus
beschrieben werden.
~Travertin mit ausgestorbenen Pflanzen.~ -- Hinter Hobart-Town findet
sich ein kleiner Steinbruch in hartem Travertin, dessen untere Schichten
auszerordentlich reich an deutlichen Blätterabdrücken sind. ROBERT BROWN
hat die Freundlichkeit gehabt, sich meine Exemplare anzusehen; er theilt
mir mit, dasz es vier oder fünf Species sind, von denen er keine als mit
einer existirenden Art zusammenfallend wiedererkennt. Das merkwürdigste
Blatt ist handförmig getheilt, wie das einer Fächer-Palme, und bis jetzt
ist keine Pflanze, welche Blätter dieser Bildungsart besitzt, in Van
Diemen's Land entdeckt worden. Die andern Blätter sind weder der
gewöhnlichsten Form von _Eucalyptus_ (aus welcher Gruppe die hier
existirenden Wälder hauptsächlich gebildet werden), noch jener Classe
von Ausnahmen von der gewöhnlichen Form der Blätter des _Eucalyptus_
ähnlich, welche auf dieser Insel vorkommen. Der, diese Überreste einer
untergegangenen Vegetation enthaltende Travertin ist von blaszgelber
Färbung, hart, und stellenweise selbst krystallinisch; aber er ist nicht
compact und wird überall von sehr feinen, gewundenen, cylindrischen
Poren durchsetzt. Er enthält sehr wenig Quarzgeschiebe und gelegentlich
Lager von Chalcedon-Kügelchen, ähnlich den Hornsteinkörnern im
englischen Grünsandstein. Wegen der Reinheit dieses kalkigen Gesteins
ist an andern Orten nach ihm gesucht worden; man hat es nirgends weiter
gefunden. Wegen dieses Umstandes und wegen des Characters der Ablagerung
ist es wahrscheinlich in der Weise gebildet worden, dasz eine
kalkhaltige Quelle in einen kleinen Teich oder schmalen Canal einflosz.
Die Schichten sind später aufgerichtet und gespalten worden; und die
Oberfläche ist von einer eigenthümlichen Masse bedeckt, auch jene grosze
Spalte mit derselben ausgefüllt worden, welche aus, in einer Mischung
von Wacke und einer weiszen, erdigen, thonigen, kalkigen Substanz
eingeschlossenen Trappkugeln gebildet wird. Hieraus dürfte hervorgehen,
dasz am Rande des Teichs, in welchem die kalkige Masse abgelagert wurde,
eine vulcanische Eruption stattgefunden hat, welche jenen durchbrochen
und abgeleitet hat.
~Emporhebung des Landes.~ -- Sowohl die östlichen als westlichen Ufer
der Bay in der Nähe von Hobart Town sind an den meisten Stellen bis zur
Höhe von 30 Fusz über dem Niveau der Hochfluthgrenze mit zerbrochenen
Muscheln, untermischt mit Geschiebesteinen, bedeckt. Die Colonisten
schreiben das Vorkommen dieser Muscheln hier dem Umstande zu, dasz die
Eingeborenen sie der Nahrung wegen da hinauf gebracht hätten:
unzweifelhaft finden sich viele grosze Hügel, welche, worauf mich Mr.
FRANKLAND aufmerksam gemacht hat, auf diese Weise gebildet worden sind;
aber wegen der groszen Anzahl der Muscheln, wegen ihrer häufig so
geringen Grösze, wegen der Art, in der sie nur dünn zerstreut liegen und
wegen einiger Erscheinungen in der Form des Landes glaube ich, dasz wir
das Vorhandensein der gröszeren Zahl derselben einer geringen Erhebung
des Landes zuschreiben müssen. Am Ufer der Ralph-Bay (welche in
Storm-Bay mündet) beobachtete ich einen continuirlichen, mit Vegetation
bedeckten Strandzug ungefähr 15 Fusz über der Hochfluthgrenze, und als
ich in ihn eingrub, fanden sich mit Serpula-Röhren bedeckte Rollsteine;
auch den Ufern des Flusses Derwent entlang fand ich eine Lage
zerbrochener Seemuscheln über der Oberfläche des Flusses und an einem
Orte, wo das Wasser jetzt viel zu süsz ist, um Seemuscheln darin leben
zu lassen; aber in diesen beiden Fällen ist es eben möglich, dasz, ehe
gewisse Bänke von Schlamm oder Dünen von Sand in Storm-Bay angehäuft
wurden, die Fluthen bis zu der Höhe gestiegen sein könnten, wo wir jetzt
die Muscheln finden[127].
Mehr oder weniger deutliche Beweise für eine Veränderung des Niveaus von
Land und Wasser sind beinahe an allen Landstrecken in jenem Theile der
Erde entdeckt worden. Capt. GREY und andere Reisende haben im südlichen
Australien emporgehobene Schalthiergehäuse gefunden, welche entweder der
jetzigen oder einer späteren tertiären Periode angehören. Die
französischen Naturforscher bei BAUDIN's Expedition fanden Muscheln in
ähnlichen Verhältnissen an der Südwest-Küste von Australien. W. B.
CLARKE[128] findet Beweise für eine Erhebung des Landes bis zum Betrage
von 400 Fusz am Vorgebirge der Guten Hoffnung. In der Umgebung der Bay
of Islands auf Neu-Seeland[129] beobachtete ich, dasz die Küsten bis in
eine ziemliche Höhe mit Seemuscheln überstreut waren wie auf Van
Diemen's Land, was die Colonisten den Eingeborenen zuschreiben. Was auch
immer der Ursprung dieser Muscheln gewesen sein mag, so kann ich,
nachdem ich einen Durchschnitt des Thales des Themse-Flusses (37° s.
Br.), von W. WILLIAMS aufgezeichnet, gesehen habe, nicht daran zweifeln,
dasz dort das Land emporgehoben worden ist; auf den gegenüberliegenden
Seiten dieses groszen Thales entsprechen drei stufenförmige Terrassen,
welche aus einer enormen Anhäufung von abgerundetem Geschiebe gebildet
sind, einander ganz genau; die Böschung einer jeden Terrasse ist
ungefähr 50 Fusz hoch. Wer nur immer die Terrassen in den Thälern von
Süd-America untersucht hat, welche mit Seemuscheln überstreut sind und
während der Perioden der Ruhe in dem langsamen Emporheben des Landes
gebildet worden sind, kann nicht daran zweifeln, dasz die Terrassen auf
Neu-Seeland in ähnlicher Weise gebildet worden sind. Ich will noch
hinzufügen, dasz Dr. DIEFFENBACH in seiner Beschreibung der
Chatham-Inseln[130] (südwestlich von Neu-Seeland) angibt, es sei
offenbar, »dasz das Meer viele Stellen nackt gelassen hat, welche früher
einmal von dessen Wassern bedeckt waren.«
=King Georgs Sound.=
Diese Niederlassung liegt am südwestlichen Winkel des australischen
Continents; die ganze Gegend ist granitisch, die constituirenden
Mineralbestandtheile sind zuweilen undeutlich in gerade oder gekrümmte
Blätter angeordnet. In diesen Fällen würde HUMBOLDT das Gestein
Gneisz-Granit genannt haben, und es ist merkwürdig, dasz die Form der
nackten kegelförmigen Berge, welche dem Anscheine nach aus groszen
gefalteten Schichten bestehen, in einem auffallenden Grade in kleinem
Maszstabe jenen, aus Gneisz-Granit zusammengesetzten bei Rio de Janeiro
und denen von HUMBOLDT in Venezuela beschriebenen ähnlich sind. Diese
plutonischen Gesteine werden an vielen Stellen von trappartigen Gängen
durchsetzt: an einer Stelle fand ich zehn parallele Gänge, in einer
ostwestlichen Linie hinziehend; nicht weit davon war eine andere Gruppe
von acht Gängen, welche aus einer verschiedenen Varietät von Trapp
gebildet waren und rechtwinkelig zu den ersteren hinzogen. Ich habe in
mehreren primären Bezirken das Vorkommen von Gangsystemen beobachtet,
welche dicht nebeneinander und einander parallel waren.
~Oberflächliche eisenhaltige Lager.~ -- Die tieferen Theile des Landes
werden überall von einer, den Unebenheiten der Oberfläche folgenden
Schicht eines wabenartig durchlöcherten Sandsteins bedeckt, welcher an
Eisenoxyd auszerordentlich reich ist. Schichten einer nahezu ähnlichen
Zusammensetzung sind, wie ich glaube, der ganzen westlichen Küste von
Australien entlang und auf vielen der ostindischen Inseln häufig. Am Cap
der Guten Hoffnung ist am Fusze der aus Granit bestehenden und von
Sandstein überlagerten Berge der Boden überall entweder von einer
feinkörnigen, bröckligen, ockerartigen Masse, wie der an King George's
Sound, oder von einem gröberen Sandstein mit Quarzfragmenten bedeckt,
welcher durch einen auszerordentlichen Reichthum an Eisenoxydhydrat hart
und schwer gemacht ist und beim frischen Bruch einen Metallglanz
darbietet. Diese beiden Varietäten haben eine sehr unregelmäszige Textur
und schlieszen entweder abgerundete oder eckige Räume ein, die voll von
losem Sand sind; aus dieser Ursache ist die Oberfläche immer wabenartig.
Das Eisenoxyd ist am reichlichsten an den Rändern der Höhlungen, wo
allein es einen metallischen Bruch mit sich bringt. In diesen
Formationen, ebenso wie in vielen echten sedimentären Ablagerungen, hat
das Eisen offenbar die Neigung, in der Form einer Schale oder eines
Netzwerks aggregirt zu werden. Der Ursprung dieser oberflächlichen
Schichten scheint, obschon er ziemlich dunkel ist, eine Folge der
alluvialen Einwirkung auf einen an Eisen sehr reichen Detritus zu sein.
~Oberflächliche kalkige Ablagerung.~ -- Eine kalkige Ablagerung auf dem
Gipfel von Bald Head, welche verzweigte, von einigen Autoren für die
Überreste von Corallen gehaltene Körper enthält, ist durch die
Beschreibung vieler ausgezeichneter Reisenden berühmt geworden[131]. In
der Höhe von 600 Fusz über dem Meeresspiegel faltet sie sich rings um
unregelmäszige Vorsprünge von Granit und verbirgt dieselben. Sie
schwankt in ihrer Mächtigkeit bedeutend; wo sie geschichtet ist, sind
die Schichten häufig unter groszen Winkeln geneigt, selbst bis zu 30
Graden, und sie fallen nach allen Richtungen hin ein. Diese Schichten
werden zuweilen von schrägen und ebenseitigen Blättern durchkreuzt. Die
Ablagerung besteht entweder aus einem feinen, weiszen, kalkigen Pulver,
in welchem nicht eine Spur von Structur nachgewiesen werden kann, oder
aus äuszerst minutiösen, abgerundeten Körnern von braunen, gelblichen
und purpurnen Färbungen; beide Varietäten sind meistens, aber nicht
immer, mit kleinen Quarzstückchen durchmengt und zu einem mehr oder
weniger vollkommenen Steine verkittet. Wenn die abgerundeten kalkigen
Körner in geringem Grade erhitzt werden, verlieren sie augenblicklich
ihre Farbe; in dieser, wie in jeder andern Beziehung sind sie jenen
minutiösen, gleichgroszen Stückchen von Muscheln und Corallen
auszerordentlich ähnlich, welche auf St. Helena an den Seiten der Berge
hinauf angetrieben worden und dabei aller gröberen Fragmente verlustig
gegangen sind. Ich kann nicht daran zweifeln, dasz die gefärbten,
kalkigen Partikel hier einen ähnlichen Ursprung gehabt haben. Das
unfühlbar feine Pulver rührt wahrscheinlich von dem Zerfall der
abgerundeten Stückchen her; dies ist sicherlich möglich; denn an der
Küste von Peru habe ich ~grosze zerbrochene~ Muscheln allmählich in eine
Substanz zerfallen sehen, die so fein wie zerpulverter Kalk war. Die
beiden oben erwähnten Varietäten von kalkigem Sandstein wechseln häufig
mit dünnen Lagen eines harten, substalagmitischen[132] Gesteins ab und
gehen in sie über, welche selbst da, wo der Stein auf beiden Seiten
Quarz enthält, gänzlich frei von ihnen ist; wir müssen daher annehmen,
dasz diese Lager, ebensowohl wie gewisse aderartige Massen, dadurch
gebildet worden sind, dasz der Regen die kalkige Masse aufgelöst und
wieder niedergeschlagen hat, wie es sich auf St. Helena ereignet hat.
Jede Lage bezeichnet wahrscheinlich eine frische Fläche, wo die jetzt
fest mit einander verkitteten Stückchen als loser Sand existirten. Diese
Lager sind zuweilen breccienartig zerbrochen und wieder verkittet, als
wenn sie durch das Herabrutschen des Sandes im weichen Zustande
zerbrochen worden wären. Ich habe nicht ein einziges Fragment einer
Seemuschel gefunden; aber ausgebleichte Schalen von _Helix melo_, einer
jetzt existirenden Landspecies, kommt auszerordentlich zahlreich in
sämmtlichen Schichten vor; ich habe gleichfalls eine andere _Helix_ und
den Panzer eines _Oniscus_ gefunden.
Die Zweige sind ihrer Gestalt nach von den abgebrochenen und aufrecht
stehenden Strümpfen eines Dickichts absolut nicht zu unterscheiden; ihre
Wurzeln sind häufig unbedeckt und scheinen nach allen Seiten hin zu
divergiren; hier und da liegt ein Zweig ausgestreckt nieder. Die Zweige
bestehen meistens aus dem Sandstein, nur eher etwas fester als die
umgebende Masse; ihre centralen Theile sind entweder mit zerreiblicher
kalkiger Substanz oder mit einer substalagmitischen Varietät angefüllt;
dieser centrale Theil wird auch häufig von linearen Spalten
durchbrochen, welche zuweilen, wenngleich selten, eine Spur von holziger
Substanz enthalten. Diese kalkigen, sich verzweigenden Körper haben sich
allem Anscheine nach dadurch gebildet, dasz feine kalkige Substanz in
die Abgüsse oder Höhlungen hineingewaschen worden ist, welche nach dem
Zerfall von Zweigen oder Wurzeln von Dickichten, die unter Sand begraben
waren, übrig geblieben sind. Die ganze Oberfläche des Berges erleidet
gegenwärtig eine Zersetzung, und daher werden die Ausgüsse, welche
compact und hart sind, vorspringend übrig gelassen. In kalkigem Sand am
Vorgebirge der Guten Hoffnung fand ich die von ABEL beschriebenen
Abgüsse denen von Bald Head ganz ähnlich; aber ihre Centren sind noch
häufig mit schwarzer, kohlenhaltiger Substanz erfüllt, welche noch nicht
entfernt ist. Es ist nicht überraschend, dasz die holzige Substanz aus
den Abgüssen von Bald Head beinahe gänzlich entfernt worden ist; denn
gewisz ist es, dasz viele Jahrhunderte vergangen sein müssen, seitdem
die Dickichte begraben wurden; gegenwärtig wird in Folge der Form und
Höhe des schmalen Vorgebirges kein Sand angetriftet und die ganze
Oberfläche wird, wie ich schon bemerkt habe, abgenagt. Wir müssen uns
daher nach einer Zeit umsehen, wo das Land auf einem niedrigeren Niveau
stand und in welcher der kalkige und quarzige Sand auf Bald Head
angetriftet wurde und in Folge dessen die Pflanzenreste begraben wurden,
wofür die französischen Naturforscher[133] Beweise in emporgehobenen
Schalen jetzt lebender Thierarten fanden. Nur eine Erscheinung liesz
mich Anfangs in Betreff des Ursprungs dieser Abgüsze zweifeln, --
nämlich, dasz die feineren, von verschiedenen Stämmen ausgehenden
Wurzeln zuweilen zu aufrecht stehenden Platten oder Adern vereinigt
wurden; wenn man sich aber der Art und Weise erinnert, in welcher feine
Wurzeln häufig Spalten in harter Erde ausfüllen, und dasz diese Wurzeln
ebensogut zerfallen und Höhlungen hinterlassen werden wie die Stämme, so
liegt keine wirkliche Schwierigkeit in diesem Falle vor. Auszer den
kalkigen Zweigen vom Cap der Guten Hoffnung habe ich Abgüsse von genau
denselben Formen von Madeira[134] und von den Bermudas gesehen; auf den
letzteren sind, nach den von Lieut. NELSON gesammelten Exemplaren zu
urtheilen, die umgebenden kalkigen Gesteine gleichfalls ähnlich, wie es
auch ihre oberflächliche Bildung ist. Bedenkt man die Stratification der
Ablagerung von Bald Head, -- die unregelmäszig abwechselnden Lager
substalagmitischen Gesteins, -- die gleichförmig groszen und
abgerundeten Partikel, augenscheinlich von Seemuscheln und Corallen, --
den auszerordentlichen Reichthum von Landmuscheln durch die ganze Masse,
und endlich die absolute Ähnlichkeit der kalkigen Abgüsse mit den
Stümpfen, Wurzeln und Zweigen jener Art von Pflanzenwuchs, welcher eben
auf Sandhügeln wachsen dürfte, so, meine ich, läszt sich, trotz der
verschiedenen Meinung mancher Autoren, vernünftigerweise nicht daran
zweifeln, dasz eine richtige Ansicht von ihrem Ursprung hier gegeben
worden ist.
Kalkige Ablagerungen, gleich denen von King George's Sund, sind an den
australischen Küsten in ungeheurer Ausdehnung vorhanden. Dr. FITTON
macht die Bemerkung, dasz »recente, kalkige Breccie (unter welchem
Ausdruck diese sämmtlichen Ablagerungen eingeschlossen werden) während
BAUDIN'S Reise über einen Raum hin von nicht weniger als 25
Breitengraden und in einer gleichen Längenausdehnung an den südlichen,
westlichen und nordwestlichen Küsten gefunden wurde.«[135] Aus PÉRON's
Angaben, mit dessen Beobachtungen und Ansichten über den Ursprung der
kalkigen Substanz und der sich verzweigenden Abgüsse die meinigen
gänzlich übereinstimmen, geht auch hervor, dasz die Ablagerung meist
viel continuirlicher ist, als in der Nähe von King George's Sound. Beim
Swan-Flusz gibt Archdeacon SCOTT an[136], dasz sie sich an einer Stelle
zehn Meilen weit landeinwärts erstreckt. Überdies theilt mir Captain
WICKHAM mit, dasz während der kürzlich von ihm vorgenommenen Vermessung
der Westküste der Meeresgrund, wo nur immer das Fahrzeug vor Anker
gieng, aus weiszer kalkiger Substanz bestand, wie durch Hinablassen von
Brecheisen ermittelt wurde. Es scheint daher, als wären dieser Küste
entlang, wie auf den Bermudas und am Keeling Atoll, untermeerische und
oberflächliche Ablagerungen gleichzeitig in Folge des Zerfallens mariner
organischer Körper im Processe der Bildung begriffen. Die Ausdehnung
dieser Ablagerungen ist in Anbetracht ihres Ursprungs sehr auffallend;
sie können in dieser Beziehung nur mit den groszen Corallenriffen des
Indischen und Stillen Oceans verglichen werden. In andern Theilen der
Welt, beispielsweise in Süd-America, finden sich ~oberflächliche~
kalkige Ablagerungen von groszer Ausdehnung, in welchen nicht eine Spur
organischer Structur zu entdecken ist; diese Beobachtungen dürften zu
der Untersuchung veranlassen, ob derartige Ablagerungen nicht auch aus
zerfallenen Muscheln und Corallen gebildet worden sind.
Cap der Guten Hoffnung.
Nach den von BARROW, CARMICHAEL, BASIL HALL und W. B. CLARKE über die
Geologie dieses Districts gegebenen Schilderungen werde ich mich auf
einige wenige Bemerkungen über die Verbindung der drei hauptsächlichen
Formationen beschränken. Das fundamentale Gestein ist Granit[137],
überlagert von Thonschiefer; der letztere ist meistens hart und in Folge
des Einschlusses minutiöser Glimmerschuppen glänzend; er wechselt mit
Schichten unbedeutend krystallinischen, feldspathigen, schieferigen
Gesteins ab und geht in solche über. Dieser Thonschiefer ist deshalb
merkwürdig, weil er an einigen Stellen (wie an dem Lion's Rump), selbst
bis zur Tiefe von 20 Fusz zu einem blasz gefärbten, sandsteinartigen
Gestein zersetzt ist, welches, wie ich glaube, von mehreren Beobachtern
irrthümlich für eine besondere Formation gehalten worden ist. Ich wurde
von Dr. ANDREW SMITH zu einer schönen Verbindung zwischen Granit und
Thonschiefer am Green Point geführt; der letztere wird in der Entfernung
von einer Viertel-Meile von dem Orte, wo der Granit am Strand erscheint
(obgleich der Granit wahrscheinlich viel näher unter der Oberfläche
liegt), compacter und krystallinischer. In einer geringeren Entfernung
sind einige von den Thonschieferschichten von homogener Textur und
undeutlich mit verschiedenen Farbenbändern gestreift, während andere
undeutlich gefleckt sind. Innerhalb hundert Yards von der ersten
Granitader besteht der Thonschiefer aus mehreren Varietäten; einige sind
compact mit einem Stich ins Purpurne, andere glänzen von zahlreichen
minutiösen Schuppen von Glimmer und unvollkommen krystallisirtem
Feldspath; einige sind undeutlich körnig, andere porphyrartig mit
kleinen, verlängerten Flecken eines weichen weiszen Minerals, welches
wegen der Leichtigkeit, mit der es corrodirt wird, dieser Varietät ein
blasiges Ansehen gibt. Dicht am Granit ist der Thonschiefer in ein
dunkelfarbiges blätteriges Gestein mit einem körnigen Bruch verwandelt,
welch' letzterer Folge des Vorhandenseins unvollkommener Krystalle von
Feldspath ist, die von minutiösen, glänzenden Glimmerschuppen überzogen
sind.
Die factische Verbindung zwischen den granitischen und
Thonschiefer-Districten erstreckt sich über eine Breite von ungefähr 200
Yards und besteht aus unregelmäszigen Massen und zahlreichen Gängen von
Granit, welche von dem Thonschiefer eingewickelt und umgeben sind; die
meisten Gänge liegen in einer nordwestlichen und südöstlichen Linie,
parallel zu der Spaltungsebene des Schiefers. Wenn man die Verbindung
verläszt, werden dünne Schichten und zuletzt blosze Säume des
veränderten Thonschiefers sichtbar, völlig isolirt, als schwämmen sie in
dem grob krystallisirten Granit; obschon sie aber vollständig getrennt
sind, behalten sie doch alle noch Spuren der nordwestlich-südöstlichen
Spaltung. Diese Thatsache ist in anderen ähnlichen Fällen beobachtet
worden, und ist von mehreren ausgezeichneten Geologen[138] als eine
bedeutende Schwierigkeit in Bezug auf die gewöhnlich verbreitete
Theorie, dasz der Granit im flüssigen Zustande injicirt worden sei,
vorgebracht worden; wenn wir uns aber den wahrscheinlichen Zustand der
untern Oberfläche einer geblätterten Masse, wie Thonschiefer, nachdem
sie durch eine Masse geschmolzenen Granits gewaltsam emporgewölbt worden
ist, vergegenwärtigen, so können wir wohl schlieszen, dasz sie voll von
Spalten, die den Spaltungsebenen parallel sind, sein werde, dasz diese
ferner mit Granit erfüllt sein werden, so dasz, wo nur immer die Spalten
dicht bei einander liegen, blosze getrennte Lagen oder Keile des
Schiefers in den Granit hinein hängen werden. Würde daher später die
ganze Gesteinsmasse abgewaschen und denudirt werden, so werden die
untern Enden dieser herabhängenden Massen oder Keile von Granit völlig
isolirt im Granit übrig bleiben; und doch würden sie ihre eigenen
Spaltungslinien behalten, weil sie, so lange der Granit noch flüssig
war, mit einer zusammenhängenden Decke von Thonschiefer in Verbindung
gestanden hatten.
Als ich in Gesellschaft des Dr. A. SMITH der Verbindungslinie zwischen
dem Granit und dem Schiefer folgte, wie sie sich in einer südöstlichen
Richtung landeinwärts erstreckte, kamen wir zu einer Stelle, wo der
Schiefer in einen feinkörnigen, vollkommen characterisirten Gneisz
verwandelt war, der eine Zusammensetzung aus gelblichbraunem Feldspath,
auszerordentlich reichlichem, schwarzem, glänzendem Glimmer und einigen
wenigen dünnen Quarzblättern erkennen liesz. Aus dem auszerordentlich
reichlichen Vorhandensein von Glimmer in diesem Gneisz, im Vergleich zu
der geringen Menge und den äuszerst minutiösen Schuppen, in denen er in
dem glänzenden Thonschiefer existirt, müssen wir schlieszen, dasz er
sich hier in Folge einer metamorphischen Einwirkung gebildet hat -- ein
Umstand, welcher unter nahezu ähnlichen Verhältnissen, von manchen
Autoren bezweifelt wird. Die Lamellen des Thonschiefers sind gerade; und
es war interessant zu beobachten, dasz sie in dem Masze, als er den
Character des Gneiszes annahm, wellenförmig wurden, wobei manche der
kleinen Biegungen, wie die Lamellen vieler echten metamorphischen
Schiefer, winklig wurden.
~Sandstein-Formation.~ -- Diese Formation bildet den imposantesten Zug
in der Geologie von Süd-Africa. Die Schichten sind an vielen Stellen
horizontal und erreichen eine Mächtigkeit von ungefähr 2000 Fusz. Der
Sandstein schwankt im Character: er enthält wenig erdige Substanz, ist
aber häufig mit Eisen gefärbt; einige der Schichten sind sehr feinkörnig
und vollständig weisz, andere sind so compact und homogen wie
Quarzgestein. An einigen Stellen bemerkte ich eine Quarzbreccie, deren
Fragmente in einer Kieselpaste beinahe gelöst waren. Breite Adern von
Quarz, oft grosze und vollkommene Krystalle einschlieszend, sind sehr
zahlreich; und an all diesen Schichten ist es offenbar, dasz Kieselsäure
aus einer Lösung in merkwürdiger Weise abgelagert ist. Viele von den
Varietäten des Quarzits erscheinen völlig wie metamorphische Gesteine;
da aber die oberen Schichten so kieselhaltig sind wie die untern, und
wegen der ungestörten Verbindungen mit dem Granit, die an vielen Stellen
untersucht werden können, kann ich kaum glauben, dasz diese
Sandsteinschichten der Hitze ausgesetzt gewesen sind[139]. An den
Verbindungslinien zwischen diesen beiden groszen Formationen fand ich an
mehreren Stellen den Granit bis zur Tiefe von einigen wenigen Zollen
zerfallen; ihm folgte entweder eine dünne Schicht eisenhaltigen
Schiefers oder eine vier oder fünf Zoll dicke Lage wieder verkitteter
Granitkrystalle, auf welcher die grosze Masse des Sandsteins unmittelbar
ruhte.
Mr. SCHOMBURGK hat eine grosze Sandsteinformation im nördlichen
Brasilien beschrieben[140], welche auf Granit ruht und in einem
merkwürdigen Grade, in ihrer Zusammensetzung und der äuszeren Form des
Landes, dieser Formation am Cap der Guten Hoffnung ähnlich ist. Die
Sandsteine der groszen Plateaus im östlichen Australien, welche auch auf
Granit ruhen, weichen darin ab, dasz sie mehr erdige und weniger
kieselige Substanz enthalten. Keine fossilen Reste sind in diesen drei
ungeheuern Ablagerungen entdeckt worden. Endlich will ich noch
hinzufügen, dasz ich irgend welche erratische Blöcke von weither
transportirten Gesteinen weder am Cap der Guten Hoffnung, noch an den
östlichen und westlichen Küsten von Australien, noch auf Van Diemen's
Land gesehen habe. Auf der nördlichen Insel von Neu-Seeland bemerkte ich
einige grosze Blöcke von Grünstein; ob aber ihr Muttergestein weit
entfernt war, hatte ich keine Gelegenheit zu ermitteln.
[118] Ich habe vor Kurzem in einem Aufsatze von ~Will. Smith~ (dem Vater
der englischen Geologen) in dem Magazine of Natural History gesehen,
dasz die Quarzkörner im Millstone-grit von England häufig krystallisirt
sind. Sir ~David Brewster~ gibt in einem vor der British Association,
1840, gelesenen Aufsatze an, dasz in altem zersetzten Glase die
Kieselsäure und Metalle sich in concentrischen Ringen scheiden und dasz
die Kieselsäure ihre krystallinische Structur wieder erlangt, wie es aus
ihrer Wirkung auf das Licht hervorgeht.
[119] Dies wird nach der Autorität von Sir Th. ~Mitchell~ angegeben: s.
seine Travels, Vol. II. p. 357.
[120] Ich habe diese sehr merkwürdigen Bänke im Anhange zu meinem Buche
über die Structur der Corallen-Riffe beschrieben (Übers. p. 206). Ich
habe die Neigung der Ränder der Bänke nach Mittheilungen, welche mir
Capitain B. ~Allen~, einer der vermessenden Officiere, gegeben hat, und
nach sorgfältigen Messungen der horizontalen Abstände zwischen der
letzten Lothung auf der Bank und der ersten im tiefen Wasser bestimmt.
Weit ausgedehnte Bänke in allen Theilen West-Indiens haben dieselbe
allgemeine Oberflächenform.
[A] Es ist diese Erscheinung die »Discordante Parallelstructur« ~C. F.
Naumann's.~ Der Übers.
[121] s. ~Martin White~, über Lothungen im Britischen Canal, p. 4 und
166.
[122] ~Siau~, über die Wirkung der Wellen, in: Edinburgh New Philos.
Journal, Vol. XXXI. p. 245.
[123] Travels in Australia, Vol. I. p. 154. -- Ich bin Sir ~Th.
Mitchell~ für mehrere interessante persönliche Mittheilungen über diese
groszen Thäler von Neu-Süd-Wales sehr verbunden.
[124] a. a. O. Vol. II. p. 358.
[125] s. den Anhang (Übers. p. 201 und 206) zu dem Buche über
Corallen-Riffe. Die Thatsache, dasz das Meer Schlamm um einen
untermeerischen Kern anhäuft, verdient die Beachtung der Geologen: denn
es werden hierdurch im Meere auszen liegende Bänke von derselben
Zusammensetzung wie die Küstenbänke gebildet; und wenn dann beide
emporgehoben und zu Klippen ausgewaschen werden, würde man natürlich
meinen, dasz sie früher einmal im Zusammenhang gestanden hätten.
[126] Chlorophaeit, welcher von ~MacCulloch~ (Western Islands, Vol. I.
p. 504) als in einem basaltischen Mandelstein vorkommend geschildert
wird, weicht von dieser Substanz dadurch ab, dasz er vor dem Löthrohr
unverändert bleibt und sich schwärzt, wenn er der Luft ausgesetzt wird.
Dürfen wir annehmen, dasz Olivin beim Erleiden jener merkwürdigen, von
S. Jago beschriebenen Veränderung mehrere Stufen durchläuft?
[127] Es möchte fast scheinen, als wären irgend welche Veränderungen
gegenwärtig in Ralph Bay im Fortschreiten; denn ein intelligenter Farmer
versicherte mir, dasz früher Austern sehr reichlich in ihr vorhanden
gewesen wären, dasz sie aber um das Jahr 1834 ohne irgend eine
augenscheinliche Ursache verschwunden wären. In den Transactions der
Maryland Academy (Vol. I. P. I. p. 28) findet sich ein Bericht von
~Ducatel~ über ungeheure Lager von Austern und Klaffmuscheln, welche
durch das allmähliche Auffüllen der engen Lagunen und Canäle an den
Ufern der südlichen Vereinigten Staaten zerstört worden sind. Auf Chiloë
in Süd-America hörte ich von einem ähnlichen Verlust, den die Einwohner
durch das Verschwinden einer eszbaren Species von Ascidien von einem
Theile der Küste erlitten haben.
[128] Proceedings of the Geological Society, Vol. III. p. 420.
[129] Ich will hier ein Verzeichnis der Gesteinsarten geben, welche ich
in der Nähe der Bay of Islands in Neu-Seeland gefunden habe: -- 1. Viel
basaltische Lava und schlackenförmige Gesteine, distincte Cratere
bildend; -- 2. einen thurmartigen Hügel mit horizontalen Schichten eines
fleischfarbigen Kalkes, welcher beim Zerbrechen deutliche
krystallinische Facetten zeigte: der Regen hat auf dies Gestein in einer
merkwürdigen Art eingewirkt, indem er die Oberfläche zu einem
Miniatur-Modell einer Alpen-Landschaft corrodirte: ich beobachtete hier
Lagen von Hornstein und von Thoneisenstein und im Bette eines Flusses
Geschiebe von Thonschiefer; -- 3. die Ufer der Bay of Islands werden von
einem feldspathigen Gestein von einer bläulich-grauen Färbung gebildet,
das häufig stark zersetzt ist, einen winkligen Bruch hat und von
zahlreichen eisenhaltigen Bändern durchsetzt wird, aber ohne deutliche
Stratification oder Spaltung. Manche Varietäten sind in hohem Grade
krystallinisch und würden sofort für Trapp erklärt werden; andere waren
in auffallender Weise Thonschiefer ähnlich, der leicht durch Hitze
verändert ist; ich bin nicht im Stande gewesen, mir irgend eine
bestimmte Ansicht über diese Formation zu bilden.
[130] Geographical Journal, Vol. XI. p. 202, 205.
[131] Ich besuchte diesen Berg in Gesellschaft des Capt. FITZ ROY und
wir kamen beide zu einem ähnlichen Schlusse in Bezug auf diese sich
verästelnden Körper.
[132] Ich nehme diesen Ausdruck an aus Lieut. ~Nelson's~ ausgezeichnetem
Aufsatze über die Bermuda-Inseln (Geolog. Transactions, Vol. V. p. 106)
für den harten, compacten, rahmfarbigen oder braunen Stein ohne irgend
welche krystallinische Structur, welcher so häufig oberflächliche
kalkige Anhäufungen begleitet. Ich habe derartige oberflächliche, mit
substalagmitischem Gestein bedeckte Schichten am Cap der Guten Hoffnung,
in mehreren Theilen von Chile und über weite Räume in La Plata und
Patagonien beobachtet. Einige von diesen Schichten sind aus zerfallenen
Muscheln gebildet worden, aber der Ursprung der Mehrzahl derselben ist
ziemlich dunkel. Die Ursachen, welche es bestimmen, dasz Wasser Kalk
auflöst und denselben bald wieder niederschlägt, sind, wie ich meine,
nicht bekannt. Die Oberfläche der substalagmitischen Schichten erscheint
immer vom Regenwasser corrodirt. Da sämmtliche obengenannten Länder
eine, im Vergleich zur Regenzeit lange trockene Jahreszeit haben, so
würde ich geglaubt haben, dasz das Vorhandensein des substalagmitischen
Gesteins mit dem Clima im Zusammenhang stehe, hätte nicht Lieut.
~Nelson~ gefunden, dasz sich diese Substanz unter Seewasser bildet.
Zerkleinerte Schalensubstanz scheint äuszerst löslich zu sein; hiervon
fand ich einen deutlichen Beweis an einem merkwürdigen Gestein bei
Coquimbo in Chile, welches aus kleinen, durchscheinenden, leeren, mit
einander verkitteten Hülsen bestand. Eine Reihe von Exemplaren zeigte
deutlich, dasz diese Hülsen ursprünglich kleine abgerundete
Schalenstückchen enthalten hatten, welche von kalkiger Substanz umhüllt
und mit einander verkittet waren (wie es häufig an Strandbildungen
vorkommt), später dann zerfallen und von Wasser aufgelöst worden waren,
welches durch die kalkigen Hülsen durchgedrungen sein musz, ohne sie zu
corrodiren, von welchem Vorgange jede einzelne Stufe zu sehen war.
[133] s. ~Péron~'s Reisen, Tom. I. p. 204.
[134] Dr. J. ~Macaulay~ hat die Abgüsse von Madeira ausführlich
beschrieben (Edinburgh New Philos. Journal, Vol. XXIX, p. 350). Er
betrachtet (verschieden von Mr. ~Smith~ von Jordan Hill) diese Körper
als Corallen und hält die kalkige Ablagerung für unter Wasser
entstanden. Seine Gründe stützen sich hauptsächlich (denn seine
Bemerkungen über die Structur derselben sind sehr unbestimmt) auf die
grosze Menge kalkiger Substanz und darauf, dasz die Abgüsse thierische
Substanz enthalten, wie es sich aus der Entwickelung von Ammoniak aus
ihnen ergibt. Hätte Dr. ~Macaulay~ die ungeheuren Massen abgerollter
Stückchen von Muscheln und Corallen am Strande von Ascension und
besonders an Corallen-Riffen gesehen, und hätte er über die Wirkungen
lange anhaltender, mäsziger Winde in Bezug auf das Antreiben feiner
Stückchen nachgedacht, so würde er kaum das Moment der Menge betont
haben, welches in der Geologie selten zuverlässig ist. Wenn die kalkige
Substanz aus zerfallenen Muscheln und Corallen herrührt, so hätte sich
das Vorhandensein von thierischer Substanz erwarten lassen. Mr.
~Anderson~ hat für Dr. ~Macaulay~ ein Stück eines Abgusses analysirt und
folgende Zusammensetzung gefunden:
Kohlensaurer Kalk 73,35
Kieselsäure 11,90
Phosphorsaurer Kalk 8,81
Thierische Substanz 4,25
Schwefelsaurer Kalk eine Spur
------------
98,11.
[135] Wegen ausführlicher Einzelnheiten über diese Formation vergl. Dr.
~Fitton~'s Anhang zu Capt. ~King~'s Reise. ~Fitton~ ist geneigt, den
verzweigten Körpern einen concretionären Ursprung zuzuschreiben: ich
will bemerken, dasz ich in Sandschichten in La Plata cylindrische Stämme
gesehen habe, welche ohne Zweifel in dieser Weise entstanden sind; sie
waren aber in ihrer Erscheinung von denen am Bald Head und an den andern
oben einzeln angeführten Örtlichkeiten verschieden.
[136] Proceedings of the Geological Society, Vol. I. p. 320.
[137] An mehreren Stellen beobachtete ich im Granit dunkelgefärbte
Kugeln, die aus minutiösen Glimmerschuppen in einer zähen Grundmasse
zusammengesetzt waren. An einer andern Stelle fand ich Krystalle von
schwarzem Schörl, die von einem gemeinsamen Centrum ausstrahlten. Dr.
~Andrew Smith~ fand in den inneren Theilen des Landes wundervolle
Exemplare von Granit mit silberglänzendem Glimmer, der von centralen
Punkten aus ausstrahlte oder sich vielmehr wie Moos verästelte. In der
Geologischen Gesellschaft finden sich Handstücke von Granit mit
krystallisirtem Feldspath, der in gleicher Weise verzweigt und strahlig
angeordnet ist.
[138] s. ~Keilhau's~ Theorie über den Granit; übersetzt in: Edinburgh
New Philosoph. Journal, Vol. XXIV, p. 402.
[139] ~W. B. Clarke~ gibt indessen zu meiner Überraschung an (Geologic.
Proceedings, Vol. III. p. 422), dasz der Sandstein an manchen Orten von
Granitgängen durchsetzt wird; derartige Gänge müssen durchaus einer auf
diejenige Periode, wo der geschmolzene Granit auf den Thonschiefer
wirkte, folgenden Zeit angehören.
[140] Geographical Journal, Vol. X. p. 246.
Anhang.