Er lüftete den Cylinder von Anno siebenundvierzig. »Adieu, Frau Walter!«

Seine Gemahlin aber neigte mehrmals in herablassender Weise das Haupt

und sagte huldvollst:

»Auf Wiedersehen, Frau Walter, auf recht baldiges Wiedersehen.«

Josepha machte tiefe Bücklinge vor der Honoratiorenfamilie, nahm aber

bereits den Gleichgestellten gegenüber wegwerfende Mienen an. Während

des Heimwanderns legte das strenge Schweigen der Tochter auch der

Mutter Schweigen auf; kaum zu Hause angelangt jedoch, öffnete sie die

Schleusen ihrer Beredtsamkeit.

Sie stellte sich mitten ins Zimmer, die Hände an einander gepreßt,

und hörte nicht auf zu fragen, ob es denn eine Frau gebe -- Kaiserin

oder Prinzessin, alles Eins! der eine so große Ehre wie ihrer Marie

widerfahren sei?

Nachmittags betete sie eine Litanei und sprach, nachdem sie damit zu

Ende gekommen:

»Wenn unser Herr Dechant nicht auch einmal dasteht bei den Heiligen,

will ich selber nicht in den Himmel kommen. Was meinst, Marie?«

Marie saß im Fenster, das Gebetbuch im Schoße. Bei der Ansprache der

Mutter fuhr sie ein wenig zusammen, wie aus einem Traum geweckt, und

gab die verkehrte Antwort:

»In den Himmel? Heut' früh hab' ich gemeint, ich bin schon dort und

hör' einen Engel Orgel spielen.«

Gesammelte Schriften von Marie von Ebner-Eschenbach (2/10) · 第 22 / 34 题