Seine Gemahlin aber neigte mehrmals in herablassender Weise das Haupt
und sagte huldvollst:
»Auf Wiedersehen, Frau Walter, auf recht baldiges Wiedersehen.«
Josepha machte tiefe Bücklinge vor der Honoratiorenfamilie, nahm aber
bereits den Gleichgestellten gegenüber wegwerfende Mienen an. Während
des Heimwanderns legte das strenge Schweigen der Tochter auch der
Mutter Schweigen auf; kaum zu Hause angelangt jedoch, öffnete sie die
Schleusen ihrer Beredtsamkeit.
Sie stellte sich mitten ins Zimmer, die Hände an einander gepreßt,
und hörte nicht auf zu fragen, ob es denn eine Frau gebe -- Kaiserin
oder Prinzessin, alles Eins! der eine so große Ehre wie ihrer Marie
widerfahren sei?
Nachmittags betete sie eine Litanei und sprach, nachdem sie damit zu
Ende gekommen:
»Wenn unser Herr Dechant nicht auch einmal dasteht bei den Heiligen,
will ich selber nicht in den Himmel kommen. Was meinst, Marie?«
Marie saß im Fenster, das Gebetbuch im Schoße. Bei der Ansprache der
Mutter fuhr sie ein wenig zusammen, wie aus einem Traum geweckt, und
gab die verkehrte Antwort:
»In den Himmel? Heut' früh hab' ich gemeint, ich bin schon dort und
hör' einen Engel Orgel spielen.«