Der Krebs ist oft unheilbar, weil man seine Ursache nicht genau

entdekken konnte, oder weil es zu weit damit gekommen war, und man die

rechte Zeit zu der Operazion ungenüzt verstreichen ließ. Der Wundarzt

begnügt sich in diesen Fällen, die Zufälle zu lindern, welche am

dringendsten sind: er erneuert zu dem Ende öfters den Verband, und

reinigt das Geschwür mit Alaunwasser, Chinadekokt oder mit Kalchwasser.

Die Reinigungswasser kann man mit einer Feder, oder wo nicht gut

beizukommen ist, mittelst einer Sprizze anbringen, aber beide Arten der

Anwendung müssen mit der leichtesten Hand geschehen, damit nicht die

Geschwüre gereizt, und der Pazientin die Schmerzen vermehrt werden.

Der Breiumschlag aus gelben Rüben, oder ein Kataplasma aus Kartoffeln,

um die Unebenheiten des Geschwürs zu bedekken, sind zuträgliche

Mittel; sie beugen öfters dem abscheulichen Gestank oder den faulen

Ausdünstungen vor, welche den Pazienten so wie den Umstehenden äußerst

beschwerlich sind. Die äußerliche Anwendung des Bilsenkrauts oder

der Schierlingsblätter fruchtet hingegen nichts. Wenn große Massen

des Geschwürs blau und brandig werden, so muß sie der Wundarzt ganz

sanft hinwegnehmen, indem er sie mit der Zange faßt, und von ihren

Verbindungen absondert. Blutungen in dem Krebsgeschwür lassen sich

gemeiniglich durch einen gelinden Druk oder durch zusammenziehende

Mittel stillen, z. B. durch das Auflegen von Kompressen, welche mit

ätherischem Terpentinöl oder mit Salpetergeist befeuchtet worden. In

der Krankenstube muß die Luft, so oft als nur möglich ist, erneuert,

und mit den Dämpfen von Essig, oder von aromatischen Kräutern durch das

Verbrennen gereinigt werden. Innerlich wird nun ebenfalls die Kranke

nach Beschaffenheit der Umstände zwekmäßig behandelt. Man muß dabei

jenen dringenden Zufällen, die sich hier einfinden, der Mattigkeit, dem

hektischen Fieber und den Schmerzen zu begegnen suchen, und daher seine

Zuflucht hauptsächlich zu dem Gebrauch der Chinarinde und des Opiums

nehmen. Besonders ist das leztere, indem man nach und nach mit der Gabe

desselben steigt, ein unvergleichliches Mittel, ja das einzige Labsal

für die unglüklichen Kranken der Art.

§. 87.

Vorurtheile und Charlatanerien in der Kur des Brustkrebses.

Es gieng dem Brustkrebs, wie vielen andern Krankheiten, deren Heilung

selten gelingt: gerade gegen diese hat man die meisten Mittel. Man bat

gegen denselben die seltsamsten Besprechungen, Anhängsel und Exorzismen

angewandt; oder Sprüche aus der Bibel, die man in frommer Absicht in

Papier wikkelt, und nahe an dem krankhaften Theil trägt; das Auflegen

der Hand eines sterbenden Menschen, oder eine Kröte, ein Stükchen rohes

Kalbfleisch, die hornigte Substanz von dem Schenkel eines Pferdes, oder

den Urin eines mit lauter Ziegenmilch sich nährenden Kindes; und was

dergleichen ungereimte Dinge mehr sind. Es haben sich zu allen Zeiten

Leute gefunden, welche vorgaben, Mittel wider den Krebs zu besizzen.

Alle großen Städte werden von dergleichen Großsprechern heimgesucht,

und diese sind entweder vorsezliche Betrüger, oder es sind gutmeinende

Personen, welche in ein gewisses Familienarkanum ein großes und

unbedingtes Zutrauen sezzen. Durch die Kur solcher Fälle, welche doch

von den wahren krebsartigen Übeln ganz verschieden waren, haben Ärzte

sowohl, als auch unkräftige und ganz unnüzze Mittel große unverdiente

Lobsprüche erhalten. Ohne die Verschiedenheit der Geschwülste in

der Brust zu kennen, oder zu verstehen, ob sie wirklich krebsartig

waren, oder nicht, hat man manche glükliche Heilung für eine Krebskur

ausgegeben, unbedeutende oder gar schädliche Mittel eingeführt, und

dadurch verhindert, daß die wahren und vernünftigen Kunstregeln

angewendet werden konnten. Ärzte oder Wundärzte von rechtschaffenem

Karakter sind in ihren Versprechungen, wenn sie über Fälle von

Krebskrankheiten zu Rathe gezogen werden, höchst behutsam, indem sie

die großen Schwierigkeiten, welche die Kunst, nur einige zu heilen, zu

übersteigen hat, und die gänzliche Unmöglichkeit mehrere zu heben, nur

gar zu gut kennen. Der Geheimnißkrämer verspricht kühner Weise eine

Kur, zieht den Pazienten mit seinen schmeichelhaften Vorspiegelungen

auf seine Seite, wendet Drohungen oder Besänftigung an, erregt Furcht

oder Hoffnung, je nachdem es die Umstände für ihn erfordern, -- und so

werden die Kranken das Opfer ihrer unbedachtsamen Leichtgläubigkeit.

§. 88.

Schlußbemerkung.

Warum ich meinen Lesern hier auch die Ursachen und Gefahren jener

fürchterlichen Krankheit, des Brustkrebses, zu schildern versuchte,

das geschah vorzüglich deswegen, daß sie sich vor ihren Ursachen,

vor ihrer Entstehung hüten könnten; daß sie sich bei der Entdekkung

eines Knotens in der Brust, auch des geringsten, sogleich darüber mit

Beiseitsezzung aller unzeitigen Schaamhaftigkeit Raths erholen sollten,

und daß sie sich nie einem unberufenen Laien, nie einem Quaksalber

anvertrauen möchten: So wie ich bei der ganzen Schrift überhaupt nur

die Absicht haben konnte, über die verschiedenen Übelseynsformen an

den weiblichen Brüsten, die Kranken selbst aufzuklären, ihnen die

sichersten Verhütungsweisen zur Beherzigung vorzulegen, und sie zu

überzeugen, daß die Behandlung der schon vorhandenen Krankheiten nur

von dem ächten Heilkünstler erwartet werden könnte.

XI.

Beobachtungen.

§. 89.

Mangel an Milch.

Frau K., gebohrne B. verlebte ihr jugendliches Alter in häuslicher

Eingezogenheit, ohne andern Krankheiten, als etwa nur krampfhaften

Beschwerden in dem Magen und Unterleibe, und einer scharf nässenden

Entzündung der Hautdrüsen in dem Gesichte ausgesezt gewesen zu seyn. In

ihrem fünf und dreißigsten Jahre verheirathete sie sich, und man hatte

ihr Hoffnung gemacht, daß mit dieser Veränderung ihre vorigen Leiden

aufhören sollten. Sie ward bald Mutter und gebahr einen Sohn vollkommen

natürlich, den sie selbst zu ernähren entschlossen war. Allein zu

meinem größten Erstaunen zeigte sich auch gar kein Tropfen Milch in den

Brüsten, ohngeachtet diese ihrem Bau und Ansehen nach gesundheitsgemäß

beschaffen waren, und ohngeachtet der neugebohrne Knabe mit allen

Kräften an der ausgebildeten Warze sog. Man verschaffte dem Kinde eine

Säugamme von dem Lande, in deren Redlichkeit man die wenigsten Zweifel

sezzen konnte, und für die Mutter verlief die Zeit des Wochenbettes

ohne alle weitere Beschwerden. Bald darauf ward sie zum zweitenmal

schwanger, und brachte diesesmal nach mancherlei glüklich überstandenen

Ungemächlichkeiten Zwillinge zur Welt, und zwar abermals zwei Knaben.

Früh und hungrig genug fielen diese über den Busen der Mutter her,

aber ohne auch nur etwas der Nahrung ähnliches zu erhalten. Die Brüste

schwollen nicht auf, und schmerzten nicht, die Wochenreinigung floß

wie gewöhnlich, die Mutter blieb gesund, und den Kindern mußte man

anderweitige Nahrung verschaffen. Nach dieser Zeit bekam sie keine

Kinder mehr, und genoß einer so ziemlich dauerhaften Gesundheit.

§. 90.

Eiterung der Brüste.

Eine arme Frau, K., sechs und zwanzig Jahr alt, mager und schwächlich,

Mutter von zwei Kindern, begehrte den 24. Julius 1792 meine Hülfe. Sie

hatte seit ihrem lezten Kindbette vor acht Wochen eine böse Brust,

welche jedoch in der Zeit wieder besser geworden war. Diese Person war

öfters rothlaufartigen Krankheiten, auch einmal seit dem Wochenbette

einem dreitägig intermittirenden Fieber unterworfen, welche aber bei

der richtig angewandten Hülfe bald wieder verschwanden. Ich fand die

linke Brust roth, hart gespannt, geschwollen, nach der Achselhöhle zu

besonders schmerzhaft, und nebst der Narbe eines zugeheilten Geschwürs

noch ein offenes, aus welchem viel Eiter sich ergoß. Sie klagte über

öfteres Schaudern, mit abwechselnder Hizze, über Nachtschweise,

Mattigkeit, Schwere in den Gliedern, und Trokkenheit in dem Munde. Sie

hatte wenig Appetit, einen kleinen, ziemlich geschwinden Puls, und

ihre Nahrung bestand meistens in schwachem Kaffee. Ihr Kind, welches

sie aus der rechten ganz gesunden Brust selbst schenkte, schien seit

einiger Zeit aus Mangel an Nahrung abzunehmen, war schwach und weinte

oft. Ich ließ die Schmierereien von alten Weibern, von denen sie

Gesundheit erwartete, weglegen, und verordnete einen Breiumschlag mit

Leinsaamen überzuschlagen, und die Wunde mit ungesalzener Butter auf

Karpei zu verbinden. Der Schlaf war ziemlich gut; die Öffnung selten,

hart und trokken. Sie bekam auf eine Salzmixtur den 25. Julius mehrere

Stuhlgänge. Den 30. Julius. Die Brust wurde röther, es zeigten sich

hier und da mehrere weiße Erhabenheiten, welche endlich aufplazten;

dabei verlohr sich der Schmerz sowohl als die Geschwulst derselben,

und an dem Rand auch die Härte, nachdem aus drei Öffnungen viel Eiter

geflossen war. Innerlich reichte ich der Kranken einen Absud von

Quekken, Löwenzahn, Cichorien, Bittersüß und Fenchel. Den 5. August

fand sich nur oben an der Brust noch eine harte Stelle, die ich jezt

allein mit dem Kataplasma bedekken ließ; unten herum war alles weich

geworden, und hier schikten sich schon die Öffnungen zu der Heilung an.

Pazientin klagte sehr über Mattigkeit; um ihr zuvorzukommen, um die

Kräfte zu unterstüzzen, gab ich ihr ein konzentrirtes Dekokt von der

Bruchweidenrinde. Den 15. August. Keine Beschwerden mehr. Die Brust

war in ihrem ganzen Umfange kleiner und weicher geworden, eine ganz

unbedeutende Härte war noch in deren Mitte überblieben, auf welche,

wenn man drükte, noch Eiter aus den obern Löchern hervorkam. Noch

hatte sie den besondern Umstand bemerkt, daß ihr etwas weniges Milch

aus der Warze derselben kranken Brust geflossen; dieses hielt ich für

ein gutes Zeichen, daß nämlich in den Milchgefässen keine Stokkungen

und Hindernisse mehr waren. Sie durfte indessen natürlicherweise

doch auf dieser Seite das Kind nicht anlegen, welches ohnehin auch

jezt Nahrung genug aus der gesunden Brust hatte. Den 30. August. In

der kranken Brust fand sich nur noch eine Öffnung, wenig des besten

gekochten Eiters und viele Milch, welche man durch den Druk des Fingers

herauspressen konnte. Sie war weich, und der gesunden an Größe gleich.

Den 10. September war die Kranke vollkommen geheilt.

§. 91.

Eiterung der Brust.

+Caroline K+, gebohrne N, hatte den 19. August 1798 zum erstenmal

einen muntern Knaben gebohren, welcher gleich nachher mit sehr vielem

Appetit die Brust seiner Mutter tapfer anzog. Indessen schwoll ihr

doch der Busen den 23. und 24. August sehr stark an; es entstanden

hier und da, besonders in der rechten, fühlbare Knoten: weil aber für

den Abfluß der Milch theils durch das Kind selbst, theils durch die

Anwendung der elastischen Zugflaschen hinlänglich gesorgt war, so

wollte ich nur den Zufluß vermindern, und erlaubte nur eine ganz dünne

Diät für diese Tage, und zwar mit dem besten Erfolg. Den 26. August

waren die Brüste ganz in Ordnung; die Warzen, für welche in den lezten

Schwangerschaftsmonaten gehörig mit dem Auflegen des Franzbranntweins

gesorgt war, blieben ohnehin gesund. Den 26. aß die Wöchnerinn mit

sehr gutem Appetit, vielleicht nur etwas zu viel. Den 27. Abends

bekam sie auf einmal einen heftigen Frost, welcher zwei Stunden

dauerte, darauf Hizze mit Irrereden, Durst, schnellen vollen Puls,

Trokkenheit, und Schmerz in der rechten Brust. Den 28. Sehr dünne Diät,

die strengste Ruhe, ein Abführungsmittel, Dampfbäder von Hollunder-

und Malvenblüthen-Absud an die leidende Brust, Aussaugen derselben

durch das Kind, welches sich dazu bereitwillig fand. Abends darauf

bekam die Kranke einige Stühle, an der Brust hatte sich unten alles

zusammengezogen, sie war roth, heiß, bei der Berührung und bei dem

Milcheinschuß sehr schmerzhaft. Ich ließ sie mit einem Kataplasma aus

Milch und Wek bedekken, in einem oben in dem Nakken zusammengebundenen

Tuch tragen, und das Kind nur an der linken Seite anlegen. Darauf zog

sich in der darauf folgenden Nacht die Milch hierher, und die rechte

Brust wurde kleiner und weniger schmerzhaft. Den 29. folgte darauf

Besserung in jedem Betracht. Den 31. August. In der Nacht hatte die

Wöchnerinn ohne alle Veranlassung starken Frost, und mäßige Hizze

gehabt; dieser ganze Vorfall war indessen nur von kurzer Dauer und

endigte sich mit einem leichten Schweise. Oben auf der kranken Brust

waren noch einige harte Knoten fühlbar, die mit Breiumschlägen belegt

wurden. Bald darauf trank der Junge wieder aus beiden Brüsten, und

somit gieng denn alles nach Wunsch bis den 14. September, wo plözlich

in der rechten Brust Schmerzen, eine starke Geschwulst nahe an der

Warze, ein Brennen bei der Berührung und bei dem Stillen entstanden.

Ich suchte nun nicht allein den Zufluß zu vermindern, sondern auch

die Milch abzuleiten, und verordnete zu dem Ende die dünneste Diät,

abermals ein Abführungsmittel, und alle Viertelstunden einen neuen

Breiumschlag. Troz allem dem nahmen die Schmerzen zu, besonders bei

dem Saugen des Kindes; der Appetit verlohr sich ganz und gar. Den

17. September. Die Brust war von Milch sehr ausgedehnt, die Knoten

größer und weicher; ich sezte alle meine Hoffnung auf die Ausleerung

derselben, und schaffte zu dem Ende noch zwei fremde ausgehungerte

Säuglinge herbei, welche auch, nachdem ich die Warze mit der

elastischen Flasche hervorgezogen hatte, ziemlich viel wegtranken, und

darauf erfolgte wirklich eine merkliche Besserung. Den 22. September

hatte Pazientin wieder starken Schmerz; neben der Warze rechterseits

fand sich auf der Brust aufsizzend ein kleiner Hügel von der Größe

einer Haselnuß, glänzend roth, und weich. Den ganzen Tag lief die Milch

ohne Zuthun von selbst aus. Dem Breiumschlage wurde Safran beigemischt.

Den 23. anhaltende Schmerzen, die Geschwulst wurde immer erhabener,

begränzter, und enthielt Eiter. Die auslaufende Milch war ganz rein.

Die Kranke hatte heute schon etwas Fleisch gegessen und Wein getrunken.

Abends, da die Schmerzen auf das höchste gestiegen waren, bekam sie

eine kleine Gabe Opium, welche schnell wirkte, ein kleines Irrereden

und dann Schlaf machte. Den 24. war endlich die Geschwulst geborsten,

und wir hatten einen reinen, von der Natur geöffneten, Abszeß vor uns,

welcher mit Eigelb und Terpentinöl auf Charpie gestrichen, verbunden

wurde. Die Schmerzen ließen nach. Den 25. Pazientinn war wohl und

munter, aus dem Geschwür ergoß sich wenig blutiger Eiter. Den 29.

immer besser, sie aß und trank mit Appetit, der Abszeß näherte sich

der Heilung, die kranke Brust war ganz ohne Schmerzen, und aus der

andern wurde der Junge hinlänglich genährt. Schon den 4. Oktober war

alles geheilt, dabei verlohr sich die Milch aus dieser Brust gänzlich,

sie wurde kleiner und schief nach außen gezogen. Die Paar darinn

zurükgebliebene Knoten hatten sich bis zu Ende des Oktobers durch die

beständig hier unterhaltene Wärme auch zertheilt. Zwei Jahre nachher

konnte unsere Genesene aus derselben Brust, so gut wie aus der andern,

ein zweites Kind stillen.

§. 92.

Eiterung der Brust.

Frau S., 39 Jahr alt, welcher ich sechs Wochen zuvor bei einer schweren

Geburt Hülfe geleistet, ließ mich den 14. Januar 1799 rufen. Das

Kind war gesund. Schon seit mehreren Tagen, so erzählte sie, hätte

sie Röthe und Schmerz an der Brust bemerkt, darauf die Milch mit

Flaschen ausgezogen; sie hätte sich erkältet, einen Rothlauf u. s. w.

Ich entdekte bei näherer Untersuchung auf der linken Brust eine große

harte, rothe und ekkichte Geschwulst, welche Eiter enthielt, wie sich

aus der deutlich wahrzunehmenden Fluktuazion ergab. Die Kranke gieng

dabei herum, und klagte sonst über nichts. Ich legte das mit Gummi

bereitete Diachylonpflaster auf und den 17. Januar hatten sich zwei

Öffnungen untereinander formirt; dort war die Haut faul und schwarz, es

floß ein dünner, stinkender Eiter aus, und rundum war die Brust sehr

hart; weswegen ich einen Breiumschlag anwandte, und den Abszeß mit

Digestivsalbe verband. Den 19. hatten sich die Öffnungen erweitert, der

Eiter wurde dikker und besser; die Person blieb dabei munter und gieng

fortdauernd ihren Geschäften nach. Das Kind blieb auch gesund, und fand

in der heilen Brust mit Hülfe der Suppen und etwas Thiermilch seine

Nahrung. Von nun an verminderte sich die Härte und Geschwulst, so wie

der Eiterausfluß immer mehr und mehr, so daß ich den Verband seltener

wechselte, und den 4. Februar war die Kranke vollkommen genesen.

§. 93.

Eiterung der Brust während der Schwangerschaft.

M. Pächtersfrau auf dem ***hof, 24 Jahr alt, zart gebaut, blond von

Haaren, war eben jezt zum zweitenmal schwanger, und spürte seit

sechs Wochen die Bewegung des Kindes, hatte auch wegen Anfällen von

Schwindel, Kopfschmerzen u. dgl. schon zur Ader gelassen. Ihr erstes

Kind war nunmehro anderthalb Jahre alt, und sie hatte es gerade sechs

Monate gestillt, als sich die Milch aus den Brüsten ganz unvermerkt

verlohr. Nachdem sie sich erkältet, und darauf Schmerzen in der

Brust bekommen, aus welcher in dieser Schwangerschaft sich viele

lymphartige Feuchtigkeit ergossen hatte, sah ich sie den 2. Februar

1800 zum erstenmal. Die ganze linke Brust war dik, heiß, hart und rund

ausgespannt, und eine Stelle über der Warze erhaben und roth. Ich ließ

sie sogleich kataplasmatiren, mit Milch, Wek und Safran, sie blieb

bei ihrer gewohnten Diät, und trank etwas Wein. Den 4. bemerkte ich

Fluktuazion der dikken Haut ungeachtet. Den 6. fand ich zwei Stellen

über der Warze, wie weiße Knöpfchen, da nämlich, wo der Eiter sich

vorzüglich herausdrängen wollte, und wo die Haut dünner geworden war.

Die Brust war noch sehr roth, hart und groß, halbrund aufsizzend.

Bei einer etwas stärkern Berührung des einen von jenen weißen Hügeln

mit dem Finger, plazte derselbe auf, und nach und nach ergoß sich

eine erstaunliche Menge, wenigstens ein Pfund, Eiter mit Blut und

Jauche vermischt. Während dem ich den Eiter auspreßte, ließ ich der

Pazientinn immer Zeit sich zu erholen, gab ihr Wein zu trinken, und

etwas Starkriechendes, weil ihr eine Ohnmacht drohete. Die Brust nahm

hierauf wieder ihre natürliche Größe an, und wurde ganz weich. Ich

bedekte die kleine Wunde mit einem Klebepflaster. Den 7. fand ich

bei dem Verband eine kleine runde Öffnung, die mit einem koagulirten

Blutpfropf verstopft war. Ich preßte ihn heraus, und es folgte ihm

sehr viel Eiter, welches auch immer in den folgenden Tagen, wo die

Wunde mit Digestivsalbe verbunden wurde, der Fall war. Den 11. war

die Wunde zugeheilt, und den 12. verspürte vorübergehend die Kranke

einige flüchtige Stiche in der Brust, ohne daß sie übrigens in ihrer

Gesundheit gestört worden wäre; sie war munter, aß, trank und schlief.

Indessen schwoll die Brust wieder auf. Den 13. entstanden Schmerzen,

Hizze und Fieber. Den 14. öffnete sich auch diese neuentstandene

Geschwulst, und es ergoß sich hier abermals eine ungeheure Menge

aus einer größern gequetschten Wunde. Während dem das Ganze mit

Digestivsalbe immerfort verbunden wurde, und der Eiterausfluß auch

fortwährte, entstand den 20. Februar eine zweite Öffnung neben der

alten, und sogar späterhin noch eine dritte. Die Menge des Eiters blieb

sich immer gleich, er wollte gar nicht abnehmen, und kam oft ganz aus

der Tiefe, aus den Milchgefäßen hervor, so daß man ihn heraussprizzen

konnte. Dabei war er von der besten Konsistenz und ganz ohne Geruch.

Die Brust fand ich immer weich, schmerzenlos, und die Frau nahm ehender

an Gesundheit zu als ab, und verrichtete sogar alle ihre Geschäfte mit

Leichtigkeit. Ich mußte mich daher begnügen, das Geschwür durch einen

einfachen, aber sorgfältigen Verband der offenen Stellen immer rein zu

erhalten. Zu meinem größten Erstaunen verzog sich die Heilung desselben

außerordentlich lang, nämlich den ganzen Monat Merz und April hindurch.

Endlich wurde die Kranke den 11. Mai von einem gesunden Mädchen leicht

und glüklich entbunden, den 13. erfolgte das gewöhnliche Milchfieber.

Ich ließ das Kind nur an die linke Brust legen, und die Wöchnerinn an

der eiternden rechten eine Glasflasche tragen. Den Verband erneuerte

ich jezt öfters. Der abfließende Eiter näherte sich an Beschaffenheit

immer mehr der Milch, und nahm aus den kleinen frischrothen Öffnungen

an Menge ab, weil aus der Warze zu viel in das Glas lief. Den 21.

Mai kam viel Blut aus der Wunde; allein bis zum 26. verminderte sich

indessen dieses auch, so wie noch mehr der Eiter aus der Wunde. Sie

heilte nach und nach zu, und bald floß nur helle klare Milch aus der

Warze in das anhängende Glas, so daß die Wöchnerinn den 29. Mai ihr

Kind auch an diese vormals kranke Brust legte, und dasselbe daraus, so

wie aus der gesunden noch geraume Zeit stillte. Diese Geschichte giebt

ein merkwürdiges Beispiel davon ab, wie selten Geschwüre bei Schwangern

heilen; denn offenbar wurde hier blos durch die Schwangerschaft die

Genesung verzögert, besonders da in dieser ganzen Zeit der Zufluß der

Säfte vorzüglich nach den Brüsten geht.

§. 94.

Milchknoten.

Frau W. in E. seit sieben Wochen Kindbetterinn, 28 Jahre alt, von sehr

reizbarer Konstituzion, stillte ihr Kind selbst; den 8. September

1800 fand sich in der rechten Brust nach innen zu ein Knoten von der

Größe eines Hühnereies, der bei dem Berühren schmerzte. Ich ließ

erweichende Breiumschläge überlegen, die hier vorhandene Milch mit der

elastischen Flasche aussaugen, und den Knaben allein aus der andern

Brust trinken. Ihre Warzen waren vormals wund gewesen, aber durch den

Gebrauch von Franzbranntwein mit Zukker geheilt worden. Den 16. Sept.

Noch keine Besserung, der Knoten war stehen geblieben, hatte sich

aber auch nicht entzündet. Nun ließ ich Dampfbäder von Hollunder- und

Malvenblüthenabsud machen, und den 25. Sept. war alles verschwunden und

die Wöchnerinn geheilt.

§. 95.

Eiterung der Brust.

Frau W. geb. S., 21 Jahr alt, kam den 15. Dezember 1800 mit ihrem

ersten Kinde nieder. Sie war im Ganzen gesund, hatte nur zu viele

Milch; die Brüste waren steif, knotig, gaben dem Druk nicht nach;

die Warzen erhoben sich nicht gehörig, waren zurükgezogen, und

das Kind wollte nicht recht trinken. Sie hatte kein bedeutendes

Milchfieber, wohl aber einmal den 24. und 26. Dez. Abends Kopfweh

gehabt. Sie mußte das Kind oft anlegen mit Gedult und Ernst, wenig

oder gar nichts essen, in dem eigentlichen Verstande hungern, die

Brüste mit Butter einschmieren und dabei nach den Warzen hinstreichen

lassen, die Warzen selbst mit der elastischen Flasche herausziehen,

mit Branntwein abhärten, und nachher beständig Glasflaschen anlegen

lassen. Durch diese einfache Behandlung kam alles in kurzer Zeit in die

gehörige Ordnung. Allein den 13. Februar 1801, als sie zum zweitenmale

Wöchnerinn wurde, und die obigen Mittel nicht mit der gehörigen

Standhaftigkeit gebrauchte, bekam sie eine förmliche Entzündung an

der rechten Brust, welche auch in Eiterung übergieng, und wo sich den

27. Febr. der Abszeß von selbst öffnete, und während eines mäßigen

Eiterergusses bei der Anwendung von Kataplasmen und einem höchst

einfachen Verband mit der Digestivsalbe den 10. Merz geheilt war.

Indessen bin ich überzeugt, daß dieser Unfall durch mehr Sorgfalt,

wie das erstemal, auch hätte verhütet werden können. So erinnere ich

mich einer andern Frau, bei welcher ich einen Brustabszeß behandelte,

den sie sich nur aus Nachlässigkeit zugezogen hatte: denn indem sie

ihr Kind während der Stillzeit nur immer aus einer und derselben Brust

hatte trinken lassen; so entstanden in der andern Knoten, welche sich

entzündeten und eiterten.

§. 96.

Wunde Brustwarzen.

Frau d’A. --, eine junge Erstgebährende, welche kaum von der Kräzze

geheilt war, als sie den 1. Oktober 1801 entbunden wurde, bekam, da sie

nunmehro in dem Wochenbette das Kind stillen wollte, und zu dem Behufe

säugen ließ, große Risse und Schrunden in den Brustwarzen, welche den

sorgfältig angewandten gewöhnlichen Mitteln zu ihrer Heilung sorgfältig

widerstanden. An dem Hofe um die Warzen herum, zeigten sich an beiden

Brüsten, kleine weiße äußerst jukkende Bläschen, welche eine Jauche

von sich gaben. Ich ward diese nicht sobald gewahr, als ich eiligst

das Kind von diesem verderbten Busen entfernen ließ; denn dem Ansehen

nach mußte ich sie für ein Produkt des noch in der Haut des Körpers

vorhandenen Kräzzestoffs, für wahre Kräzpusteln halten. Der Erfolg

bestätigte es auch, indem sie mit den bekannten Mitteln gegen die

Kräzze, mit der Schwefelsalbe, bald und glüklich geheilt wurden.

§. 97.

Scirrhus.

Über die weiblichen Brüste · 第 7 / 8 段