Der Säugling darf nur dann saugen, wenn derselbe hungrig ist, und nach

der Brust verlangt. Man kann sie allmählig gewöhnen, daß dieses nur

zu gewissen Stunden des Tages geschieht. Viel auf einmal darf man ihm

indessen doch nicht zu trinken geben, damit er sich nicht den Magen

überlade. Größern Kindern sollte die Amme nie des Nachts die Brust

reichen. Wenn die Amme eben gegessen hat, so sollte sie dem Kinde nicht

eher zu trinken gehen, als bis die Verdauung größtentheils vorüber

wäre. Höchst schädlich ist es offenbar, den Säugling so oft an die

Brust legen zulassen, als er schreit; nur dann darf es geschehen, wenn

er durch Speicheln, ängstliches Forschen nach der Amme und Saugen an

den Fingern, wirklichen Hunger verräth (§. 51.). Die Amme muß außer

der Wartung des Kindes keine andere Geschäfte haben. Sie muß eine

gute gesunde Nahrung bekommen, sich vor sauern Speisen und Getränken

hüten, die Brüste wohl bedekken, nicht der Kälte aussezzen, sich

täglich, wenn das Wetter gut ist, mit dem Säugling Bewegung in freier

Luft machen. Sie darf deswegen nicht, wie es sonst wohl geschieht,

mit an dem Gesindetisch essen, sondern ihre Diät muß mit Auswahl aus

einfachen, nahrhaften Speisen ohne fremdes Gewürze bestehen, und dabei

sollten die Hülsenfrüchte möglichst vermieden werden. Die Säugamme

muß ferner in einem geräumigen, gesunden Zimmer wohnen, und vor jeder

heftigen Gemüthsbewegung, Zorn oder Schrekken gehütet werden. Wäre aber

doch ein solcher Fall einmal eingetreten, so darf dem Kinde die Brust

nicht gereicht werden, sondern die Amme muß die erste Milch auslaufen

lassen. Vertrüge der Säugling die Milch der Amme nicht, hätte sich

wegen eingetretener monatlicher Reinigung die Milch verlohren, würde

sie krank oder schwanger; so muß sie abgeschafft, und ihre Stelle

durch eine andre ersezt werden. Nachlässigkeit und Sorglosigkeit ist

man leider von den Säugammen in großen Städten gewohnt. Die Mutter,

welche sich in der Lage befindet, einer solchen ihr Kind anvertrauen

zu müssen, darf es daher nie an der strengsten Aufsicht über dieselbe

fehlen lassen, hauptsächlich in dem, was Naschereien und was den Umgang

mit dem zweiten Geschlecht betrifft. Auch würde ich einer Säugamme

nie erlauben, des Nachts den Säugling mit in ihr Bette zu nehmen.

Es sind traurige Beispiele bekannt, daß die leztern dadurch Schaden

gelitten. Um diesen zu verhüten, hat man an vielen Orten, z. B. in

einigen Gegenden Italiens und in dem Entbindungshause zu Kopenhagen die

Gewohnheit, die kleinen Kinder in eigends dazu verfertigte, länglicht

runde, mit ausgespannten Reifen versehene, von Weiden geflochtene

Körbchen zu legen. In diesen besondern Behältern sind sie freilich vor

allen Mißhandlungen hinlänglich geschüzt.

§. 75.

Beispiele besonderer Ernährungsweisen.

Die allgemeine Erfahrung lehrt, daß es in großen Städten häufiger der

Fall ist, daß Kinder durch Ammen gesäugt werden, als anderswo. Auf

dem Lande bemerkt man es beinahe gar nicht. Durch Kränklichkeit und

manche andere Verhältnisse sind aber auch jene Mütter weit öfter

dazu gezwungen. In Paris ist die Sitte, die Kinder auf dem Lande

erziehen zu lassen, fast allgemein, und wird allerdings durch das Lokal

dieser Hauptstadt gerechtfertigt. Vielleicht ist es meinen Leserinnen

nicht unangenehm, davon etwas näheres zu hören. Paris ist für seine

ungeheure Volksmenge noch lange nicht groß genug. Auch begüterte,

wohlhabende Bürger, wohnen dort in den ungesundesten Straßen der

Stadt, mit ihrer oft zahlreichen Familie, eng und unbequem. Wenige

Bürgersfrauen sind in dem Falle, die Niederkunft in ihrer Wohnung

abzuwarten, die oft aus einem einzigen Zimmer in dem vierten Stokwerk

besteht. Sie lassen daher einige Tage zuvor ihre Wäsche in das große

Hospital, +Hôtel Dieu+ genannt, tragen, und folgen selbst nach. Die

angesehensten Bürgersfrauen thun dieses. Sie kommen gesellschaftlich in

dem Gebährhause nieder, kehren von da bald wieder zurük, unterwerfen

sich auch bald wieder ihren häuslichen Geschäften. Der Säugling wird

sogleich auf das Land gethan, und einer gesunden Bauersfrau in die

Kost gegeben, die mit diesem Ammendienste ein Gewerbe treibt, und

dergleichen Säuglinge immer mehrere auf einmal hat. Die hier übliche

Taxe ist festgesezt, und muß auf den Tag entrichtet seyn, indem sonst

der Richter nach eingelaufener Klage mit unerbittlicher Strenge

sogleich Gefängnißstrafe zuerkennt. Jene ländlichen Ammen erfüllen ihre

Pflicht vollkommen genau, und ihre Sorge erstrekt sich oft auf mehrere

Jahre. Nach Verlauf derselben werden die Kinder zurükgeholt, einige

auch, wie z. B. die unehelichen, dem Findelhause übergeben. Die meisten

unter ihnen gedeihen vortrefflich; der Pariser giebt keinem Bewohner

Frankreichs an körperlicher Stärke und dauerhafter Gesundheit etwas

nach, und die ganze Revoluzionsgeschichte beweißt offenbar, daß der

kleine Pariser Bube, und das Mädchen nicht minder, von der gewölbten

vollen Brust seiner bäuerischen Amme gesäugt, weit nervichter, an

Körper und Seele gestärkter, zur Mutter zurükkehrt, als wenn er

unterdessen in den ungesunden, dumpfichten Gäßchen der Hauptstadt auf

dem Schooße dieser lezten hätte groß werden sollen. Außerdem mangelt es

in Paris nicht an besondern Häusern, welche zu der Aufnahme und zu dem

Stillen mutterloser Kinder, wie auch zu der Wohnung und Niederkunft

armer Mütter bestimmt sind. Nach der allgemeinen Erfahrung ist aber

Sterblichkeit der armen Kleinen in denselben ungeheuer groß.

Herr LA FONTAINE in Warschau erzählt von den polnischen Juden, daß

viele unter ihnen ihre Kinder bei Tage durch eine Amme und des Nachts

durch die Mutter stillen lassen, welche meistens den Tag über ihre Zeit

in einem Gewölbe dem Handel widmet. Diese doppelte ganz verschiedene

Nahrung giebt zu vielen Krankheiten Stoff, indem eine solche Amme

mehrere Kinder von verschiedenen Eltern bei Tage mit ihrer wenigen

Milch zu versehen hat. Diese Ammen sind meistens Wittwen, die schon

lange Zeit hindurch ihre Ammendienste verrichten, sind oft auch schon

bejahrt. Man kann sich also vorstellen, wie wenig und was für Milch

jedes dieser Kinder bei Tage genießt, und in welchem Überfluß des

Abends und des Nachts hindurch von der Mutter!

IX.

Ernährung des Kindes mit Thiermilch.

§. 76.

Vorzüge derselben in einzelnen Fällen.

Der zweite Weg, welcher einer nicht stillenden Mutter übrig bleibt,

ist die Ernährung des Kindes mit Thiermilch. Wenn man bedenkt, wie

viel zu einer guten Säugamme gehört, und wie viele Mühe es oft kosten

mag, eine solche herbeizuschaffen; so wird man sich oft weit ehender

hierzu entschließen können und müssen. Zu Wien fand einmal STOLL unter

vierzigen, die sich zu einem Ammendienste gemeldet hatten, nur Eine

unverdächtig und sicher. Ich bin überzeugt, daß durch das künstliche

Auffüttern der Kinder viele Gefahren auf der einen Seite vermieden

werden. Es erfordert nur von Seiten der Mutter oder Wärterin die

größte Sorgfalt in der Pflege des kleinen Geschöpfes. Man sehe auf

eine gute Auswahl der Nahrungsmittel, auf Ordnung und Reinlichkeit,

und entferne im Gegentheil alles, was schädlich werden könnte. Doch

ist immerhin der Ernährung mit Thiermilch eine Amme, wenn diese

alle oben angegebenen erforderlichen Eigenschaften hat, bei weitem

vorzuziehen. Ihre Milch, die schon theilweise mit aus den animalischen

Nahrungsmitteln abgeschieden, also wesentlich von jeder andern Milch

verschieden ist, ist dem Kinde um so angemessener, da dessen Nahrung

auch theilweise aus Fleisch mit bestehen sollte. Indessen ist es jezt

so unendlich schwer, eine gute Amme zu bekommen, daß in der Regel

das Aufziehen des Kindes mit andern Nahrungsmitteln oft, sehr oft

vorzuziehen seyn dürfte, wenn es auf eine vernünftige Weise geschieht.

Von jeher hat man zwar freilich vieles dagegen einzuwenden gehabt, das

meiste davon trifft aber nur den Mißbrauch dieser Ernährungsweise,

welcher doch den richtigen Gebrauch nicht aufheben soll. Daß die Kinder

dabei schwächer werden sollen, ist falsch, dem widerspricht laut die

Erfahrung. Daß die gewöhnliche Milch nicht so kräftig ist, als die

Muttermilch, ist wahr; man muß also diesen Abgang dadurch, daß man dem

Kinde zuweilen, wenn es einige Monate alt geworden, etwas Fleischbrühe

reicht, ersezzen; so ist der Unterschied schon etwas gehoben.

§. 77.

Saugflaschen.

Das Kind bringt die Eigenschaft zu saugen mit auf die Welt, und nur

diese Art sich zu ernähren, ist ihm angemessen. Man kam daher auf den

Gedanken, Kindern, welche nicht an der Mutter Brust gelegt werden

können, die Thiermilch in besondern gläsernen Flaschen zu reichen,

welche an ihrer Öffnung mit sogenannten künstlichen Warzen versehen

wären. Die gewöhnlichen sind an ihren Mundstükken mit mehreren Löchern

durchbohrt. Dieses verdient deswegen Tadel, weil bei dem Trinken,

wenn man die Geschirre auch nur mäßig erhebt, die Flüssigkeiten sich

schon zu stark ergießen. Die Flaschen von Metall sind schlechterdings

alle zu verwerfen, weil die leicht säuernde Milch sie angreift, und

dem Kinde Bauchgrimmen und andere Nachtheile verursachen könnte. Die

besten Saugflaschen sind wohl folgende: man nimmt ein Arzneiglas oder

ein weißes Melissengläschen, verschließt dessen Öffnung mit einem gut

gereinigten und ausgebrüheten feinen Waschschwamm, von welchem man

so viel hervorragen läßt, als das Kind in den Mund zu nehmen hat.

Dieses umwikkelt man mit einem reinen leinenen Läppchen, und bindet es

hinter dem Rande des Glases zusammen, so daß es die Gestalt und die

Größe einer Brustwarze erhält. Das mit Kuh- oder Ziegenmilch gefüllte

Glas wird nun dem Kinde zum Saugen gereicht, wobei es mäßig geneigt

werden muß, damit nicht eher als bis es trinkt, etwas herausfließe.

Auf diese Art bekommt es eine reine gute Nahrung. Man muß mehrere

Gläser, Läppchen und Schwämme vorräthig haben, um durch Abwechselung

die äußerste Reinlichkeit beobachten zu können. Bald aber, schon einige

Wochen nach der Geburt sind die Kinder daran zu gewöhnen, daß sie aus

den Gefäßen selbst trinken. Man hat dazu die sogenannten Schiffchen,

vorn schmale und zugespizte porzellanerne Gefäße, am besten gefunden.

§. 78.

Schikliche Nahrungsmittel für Kinder. Diät.

In Ansehung der Menge der Speisen, welche das Kind bekommen soll, muß

man eine weise Mittelstraße gehen. An der Mutter Brust saugt das

Kind, so lange es Hunger hat, und hört alsdann gewiß auf. Die Mutter

kann ihm gegen seinen Willen nicht mehr geben. Die Wärterin hingegen

stopft ihm, so oft es schreit, ohne weiter die Ursache des Schreiens

zu untersuchen, den Mund mit Brei, reizt auch wohl seinen Appetit mit

Zukker, und so verdirbt sich das Kind den Magen. Dieses ist freilich

ein Mißbrauch, welcher schlechterdings verhütet werden muß, auch leicht

verhütet werden kann, wenn man der Natur näher kommt. Der gesunde,

nicht verwöhnte Mensch, und so noch vielmehr das zarte Kind, ißt von

einer einzigen Speise nie mehr, als bis sein Hunger gestillt ist, was

es drüber thut, geschieht aus Lüsternheit, die durch etwas anders

gereizt ist. Man reiche dem gesunden Kinde jedesmal nur Eine Speise,

und genau so viel als es gerne nimmt; so wird es hinlänglich genährt,

und ihm doch nicht der Magen überladen werden. Es wird nie zu viel

essen, da der Appetit nicht gereizt wird, und nie zu wenig, weil der

Hunger gestillt seyn will. Bei kranken Kindern, bei welchen der Hunger

mit den Verdauungskräften außer Gleichgewicht gekommen ist, muß die

Mutter sich jedesmal nach dem Arzte richten.

Was nun die Materie und Form des Essens betrifft, so werfe man nur

den schädlichen Mehlbrei ganz weg, und nehme dafür spröde gebakkene

Weizenzwiebak, gerieben oder zerstoßen, in Milch, Wasser, oder

Fleischbrühe jedesmal frisch bis zu der Dikke eines guten Milchrahms

eingekocht. Um abzuwechseln, kann man ihm auch manchmal, aber seltener,

Grieß, klar gestoßenen Sago oder Salep mit halb Milch und halb Wasser

gekocht, Eidotter in Fleischbrühe aufgelößt, reichen. Fürchtet man

Verstopfung, oder träte welche ein, so thue man bisweilen einen Gran

venezianische Seife dazu. Zu dem Trinken nehme man eine Mischung von

der Hälfte Milch und der Hälfte Brodwasser. Aber die Milch muß gut und

abgekocht, wo möglich auch immer von einer und derselben Kuh genommen

seyn. Besser zu diesem Zwek wäre freilich die Milch von einer Ziege

oder Eselin, wenn man sie haben könnte, und am allerbesten, wenn man

diese unmittelbar nach dem Ausmelken noch warm trinken ließe. Nebenbei

sind Möhren oder gelbe Rüben in Wasser oder Milch gekocht, eine

angenehme und nahrhafte Speise für Kinder in dem ersten Lebensalter.

§. 79.

Einige Regeln für die erste physische Erziehung.

Es hat großen Nachtheil für die Kinder, wenn sie bei Tage zu viel

schlafen, und es ist eine Unart der Wärterinnen, welche sich inzwischen

anderwärts beschäftigen. Jene schlafen dann des Nachts nicht, trinken

zu viel, essen auch wohl gar aus Verdruß und Langerweile. Der Schlaf

bei Tage ist nicht so stärkend und ruhig, die Kinder entbehren dabei

die zu der Verdauung nöthige Bewegung und den Genuß der freien Luft.

Ich weiß aus mehrerer Erfahrung, daß man Kinder ohne Mühe und Zwang

bald dahin gewöhnen kann, daß sie des Tages sehr wenig oder gar nicht

schlafen, dafür aber auch in der Nacht nur ein-, höchstens zweimal

aufwachen und ein wenig trinken. Von der dritten Woche an muß das Kind

täglich die freie Luft genießen, und schon frühzeitig kann man es dabei

an den Wechsel der Witterung gewöhnen. Endlich muß dasselbe täglich mit

kaltem Wasser an dem ganzen Körper gewaschen, und wöchentlich einmal

lauwarm gebadet werden. So hat man hier einige der wichtigsten Regeln

der ersten physischen Erziehung beisammen. Mehr hierüber zu sagen, wäre

gegen die Absicht dieser Blätter gewesen.

X.

Brustkrebs.

§. 80.

Beschreibung der Krankheit.

Ich bemühete mich in den vorigen Abschnitten, Sie mit den besondern

Ereignissen an den Brüsten, mit ihren Krankheiten und den

vorzüglichsten Heilmitteln dagegen bekannt zu machen. Zu dem Beschluß

bleibt mir nun noch übrig, Ihnen den Krebs der Brüste, als eine

ebenfalls fast eigenthümliche Krankheit derselben, wozu sie schon

wegen ihrem drüsichten und schwammichten Bau sehr geneigt sind, zu

beschreiben.

In dem vierzigsten oder fünf und vierzigsten Jahre, bisweilen auch

noch später, gehen wiederum mit der weiblichen Natur besondere

wichtige Veränderungen vor. Bei Frauenspersonen, welche sich diesem

Alter nähern, hört nämlich die monatliche Reinigung auf zu fliessen,

und damit verliert sich zugleich die Eigenschaft derselben, in dem

Beischlafe zu empfangen und Kinder zu gebähren. In diesen Zeitpunkt

fällt hauptsächlich die Krankheit, von welcher hier die Rede ist, --

der Brustkrebs. Es zeigt sich nämlich eine Verhärtung, ein oder mehrere

harte Knoten, in einer oder beiden Brüsten, der sogenannte Scirrhus.

Er ist in dem Anfange klein, beweglich und unschmerzhaft, wird aber

immer größer, fixirt sich, fängt an zu stechen, zu schmerzen, und

endlich bricht er auf, und macht ein häßliches Geschwür, aus welchem

immer ein stinkender dünner Eiter fließt, und dieses ist der offene

Krebs, unter allen Krankheiten, welche in der Natur vorkommen, eine der

abscheulichsten. Hauptsächlich, sage ich, kommt dieses grausame Übel in

diesem Alter vor, aber nicht immer. Es kann, durch besondere Umstände

veranlaßt, auch in frühern Jahren eintreten, und dann erfordert es die

schleunigste Hülfe. Der Ort, den der Krebs meistentheils einnimmt,

ist die eigentliche Brustdrüse. Zuweilen kommt er indessen auch an

die Brustwarze, und oft sind an der leidenden Seite die Achseldrüsen

geschwollen.

§. 81.

Ursachen der Krankheit.

Der Grund dazu liegt öfter schon vorher in dem Körper verborgen.

Zurükgetretene Hautausschläge, gehemmte Ausleerungen, der Zunder der

Gicht, der Skrofeln, das venerische Gift u. dgl. können die Krankheit

veranlassen. Frauenzimmer, welche sehr empfindlich und melancholischen

Temperaments sind, welche eine stillsizzende Lebensart und ein

mißvergnügtes Leben führen, lang anhaltende traurige Gemüthsbewegungen,

Gram, Kummer und Sorgen haben, Frauenzimmer, welche unverheirathet

bleiben, oder in einer unfruchtbaren Ehe leben, oder ihre Kinder nicht

selbst stillen, sind besonders dazu geneigt. Ein von außen angebrachter

Druk, Stoß, eine Quetschung, das anhaltende Pressen der Schnürbrüste,

sind ebenfalls als Ursachen zu betrachten, daß sich die Gefäße in

der Brustdrüse verengern, und endlich völlig schließen, mit einem

Worte, daß der Scirrhus und Krebs entstehen. In ganzen Gegenden, z.

B. in Holland, wo sich leider die Frauenzimmer noch stark schnüren,

bemerkt man auch den Brustkrebs sehr häufig. Sie sehen hier wieder

einen äußerst wichtigen Beweggrund, sich des Tragens der Schnürbrüste

zu enthalten. Gewöhnlich, wenn solche Personen Acht haben, werden

sie anfangs einen Schmerz an dieser Stelle bemerken. Lassen sie

sich dadurch warnen, mit dem Druk aufzuhören, so geht die Gefahr oft

vorüber; folgen sie aber dieser Warnung nicht, so entsteht der todte

Knoten, welchen die Natur in dem Körper manchmal lange ruhig zu dulden

scheint, bis sie zulezt mit aller Gewalt unter den unausstehlichsten

Schmerzen sich bestrebt, ihn wegzuschaffen, unter welcher Bemühung sie

aber meistens erliegt. Es scheint, als ob in einer krebshaften Brust

der kranke Kern die Vegetazion reize; sie ist wider die Regel vermehrt,

es entstehen Schwämme und lokkere Auswüchse, und jeder Punkt des neuen

Schwamms ist ein neuer Punkt der Anziehung. Die Vegetazion nimmt mit

ihrem Produkt in gleichem Verhältniß zu. Die Flüssigkeit, welche sich

in den Krebsgeschwüren absondert, hat eine alkalische Natur.

§. 82.

Besondere Zufälle.

Wenn der Scirrhus gleich anfänglich steinhart und groß ist, oder

wenn er früher nicht so gar sehr hart gewesen, und nun plözlich

anfängt es zu werden, wenn er hökkericht und uneben wird, wenn sich

Schmerzen einstellen, wenn die Gesundheit der Kranken, es sey auf

welche Art, und aus welcher Ursache es wolle, Noth leidet; so ist

sehr zu befürchten, daß der Scirrhus bald bösartig werden wird, und

alle Mittel, die daher entstehende Gefahr zu verhüten, müssen auf

das eiligste angewandt werden. Denn, wenn die Krankheit sich selbst

überlassen bleibt, so nimmt der Schmerz immer mehr zu; der Kranken

wird endlich zu Muthe, als wenn ihr die Geschwulst beständig mit

Nadeln durchstochen würde, oder als wenn eine glühende Kohle darinnen

enthalten wäre. Die Blutgefäße in dem Umfange des Scirrhus schwellen

auf, die Haut auf demselben wird roth und blau, dann schwarz; es

entsteht eine kleine Beule nahe an der Warze, diese bricht endlich

auf, und wir haben ein offenes, sehr übel aussehendes Geschwür vor

uns, welches gemeiniglich die heftigsten Schmerzen verursacht, eine

ungleiche, zerfressene, mit schwammichten Auswüchsen besezte Oberfläche

und harte umgebogene Ränder hat, leicht und stark blutet, und eine

scharfe und sehr stinkende Jauche von sich giebt. In wenigen Monaten

erreicht bei dem schwammichten Krebs die Brust eine ansehnliche

Größe, sie treibt große, in Lappen getheilte, dunkelrothe Schwämme

hervor, die wie Blumenkohlstauden aussehen, und ein lokkeres, ihrem

schnellen Entstehen angemessenes Gewebe haben. Zuweilen sind diese

Schwämme länglicht und sehen wie Trauben aus. BIERCHEN sah eine an

dem Krebs leidende Brust, die so groß war, daß sie nicht allein die

gesunde bedekte, sondern wie ein großes Kissen unter dem Magen hieng.

Scirrhöse und krebshafte Brüste haben nach den darüber verzeichneten

Beobachtungen der Ärzte, zehn, zwölf, ja gar vier und sechzig Pfund

gewogen.

§. 83.

Geschwülste, die nicht krebsartig sind.

Nicht jede Drüsengeschwulst in der Weiberbrust ist krebsartig. Es

ereignen sich auch noch sonst in der innern Substanz derselben

allerhand Veränderungen und Desorganisazionen, welche sowohl die Form

als die Mischung der thierischen Materie betreffen. Wir haben schon

oben gesehen, daß bei neugebohrnen Kindern, oft auch späterhin zu der

Zeit der Pubertät, bei Mädchen und bei Knaben zuweilen Verhärtungen

unter den Brustwarzen entstehen, welche ursprünglich Gerinnungen

limphatischer Säfte sind, sich fast immer zertheilen, und selten

nur in Eiterung übergehen. Einige Personen bekommen zu der Zeit der

Reinigung so viele und so harte Knoten in die Brüste, daß man sie

für scirrhös halten würde, wenn diese Knoten nicht verschwänden und

wiederkämen. So giebt es auch Knoten und Balggeschwülste verschiedener

Art in den Brüsten. Davon erzählen die Ärzte viele Beispiele. Man hat

eine Verwandlung der Brüste in Knorpel beobachtet; man hat Haare,

Sand, Steine, und eine blutige Lymphe darinn gefunden. Eine Nonne

in Pavia bekam mehrere Knoten in der einen Brust, die allmählig in

eine Geschwulst zusammenschmolzen. Sie war schmerzhaft und hatte eine

ungleiche Oberfläche. Die Brust brach auf, und das Geschwür heilte

nicht, bis endlich der Wundarzt aus derselben einen Körper hervorzog,

der die Größe einer Wallnuß hatte, und aus kleinern und grössern

Knochenstükken bestand, welche durch eine ligamentöse Substanz mit

einander vereinigt waren. Über der Brustwarze einer Mannsperson aus

einer gichtischen Familie entstand eine Geschwulst, welche nach einem

Jahr so groß wie eine Faust war, aufbrach, und in ihrer ganzen Höhle

eine kalkartige Materie enthielt, die theils hart, theils weich war.

§. 84.

Heilmittel.

Man hat zu der Heilung des Scirrhus zweierlei ganz verschiedene Wege.

Sie geschieht entweder durch innerliche Arzneimittel, oder durch

Ausrottung mit dem Messer. Zu den erstem gehören die Belladonna, der

Schierling, das Queksilber, der Arsenik u. a. m. Man glaubt ihn dadurch

zu zertheilen und aufzulösen: allein dieser Versuch gelingt selten oder

nie. Diese Mittel wirken langsam, schwächen oft die Gesundheit des

ganzen Körpers, verwandeln sogar manchmal, wenn sie reizend sind, und

unbehutsam gebraucht werden, den Scirrhus, anstatt ihn aufzulösen, in

einen Krebs. Immer verursacht der Gebrauch derselben Zeitverlust. Der

Zeitpunkt, wo der Scirrhus ausgerottet werden konnte, geht verlohren,

und die Kranke sieht sich am Ende in ihrer Hoffnung betrogen und ohne

Hülfe.

Sehr rathsam ist es aber, den Scirrhus beständig mit einer

Schwanenhaut, einem Kaninchenfelle, oder mit etwas ähnlichem zu

bedekken. Man erhält ihn dadurch nicht allein immer in einer gleichen

Wärme, welche zu der Zertheilung desselben sehr viel beiträgt, sondern

man wendet auch allen äußern Druk, alles Reiben u. s. w., wodurch er

entzündet werden kann, von demselben ab.

Obgleich der Brustkrebs öfters allen Anstrengungen der Heilkunst

in Absicht auf eine Radikalkur widersteht; so nimmt zuweilen doch

die Krankheit einen langsamen Gang, und ihre Bösartigkeit kann

alsdann verbessert werden. Unter geschikter Behandlung haben viele

Personen krebsartige Geschwülste verschiedene Jahre lang ohne die

beträchtlichste Ungemächlichkeit ertragen. Man schreibt zu diesem

Behufe den Aderlässen, den abführenden und kühlenden Arzneien, der

Enthaltung von allen Säuren, salzigten und gewürzten Speisen, wie

auch von geistigen Getränken, der Gemüthsruhe, oder den metallischen

Alterativmitteln in kleinen Dosen, z. B. den Spießglanzzubereitungen,

der Eisenfeile, oder den krampfstillenden Mitteln, dem stinkenden

Asand, dem Baldrian, u. dgl. jene guten Wirkungen zu. In dem

Auflegen von erweichenden Breiumschlägen oder von der Hollundersalbe

mit dem Goulardischen Wasser versezt, finden die Kranken oft auch

Erleichterung. Diese verschiedenen Mittel müssen nach Beschaffenheit

der Krankheit und der Konstituzion der Pazienten auch auf verschiedene

Weise angewendet werden, indem der Arzt die Heftigkeit des Zufalls,

die Kräfte des Kranken, und die Wirksamkeit des vorgeschriebenen

Mittels nebst den Gegenanzeigen berüksichtigt. Ein Mittel, dessen ich

mich bei dem offenen Brustkrebs in verzweifelten Fällen vorzugsweise

bedienen würde, weil es oft in dem Gesichtskrebse die besten Dienste

that, ist die äußerliche Anwendung der Arseniksalbe, mit der gehörigen

Genauigkeit und Vorsicht. Indessen ist es mir auch bekannt, daß dieses

Mittel ohne die erwünschte Wirkung geblieben.

§. 85.

Operazion.

Die Operazion ist die bei weitem zuverlässigere Kur dieser Krankheit.

Sie ist in den meisten Fällen das einzige Mittel, und würde weit

öfter gelingen, wenn man sie nicht als das lezte, sondern als das

erste Mittel betrachtete. Man trennt mit dem Messer die äußere Haut,

und schält sodann die ganze Geschwulst heraus. So hört die ganze

Ursache der Krankheit, aller Schmerz und Beschwerde auf, und die

zurükgebliebene reine und einfache Wunde heilt in kurzer Zeit.

Indessen darf man doch nur unter gewissen Bedingungen Hülfe von ihr

erwarten. Der eigentliche Zeitpunkt dazu ist der, wo der Scirrhus

eben anfieng schmerzhaft zu werden; später gelingt sie selten. Die zu

operirende Kranke muß außerdem ziemlich gesund seyn, und der Krebs

darf von keiner fortwirkenden innerlichen Ursache unterhalten werden.

Und dann kommt es auch noch darauf an, daß die ganze Geschwulst rein

ausgerottet werde, und daß nichts davon zurükbleibe, sonst kömmt die

Krankheit wieder. Die Ausrottung durch das Messer findet also nur bei

dem Scirrhus, und bei dem verborgenen Krebse statt; da wo dieser schon

in ein offenes Geschwür übergegangen, kann man sich von ihr keine Hülfe

mehr versprechen.

§. 86.

Palliativmittel.

Über die weiblichen Brüste · 第 6 / 8 段