Jedes Kind, wenn es anders gesund und stark genug ist, keine örtlichen

Fehler im Munde oder am Gaumen hat, nimmt die Warze und richtet sich

dieselbe ordentlich zu. So oft das Kind durstig, oder eigentlich

hungrig sich fühlt, giebt es deutliche Merkmale, daß es die Brust

seiner Mutter sucht. Vorzüglich beobachtet man dieses, wenn es neben

der Mutter im Bette liegt, und den mütterlichen Dunst- und Wärmekreis

genießen kann. Noch bedarf es desselben zu seinem Gedeihen, wie das

junge Hühnchen noch der dekkenden Brutwärme und der Fittige seiner

Mutter bedarf. Eine wahre, ihr Kind zärtlich liebende Mutter wird

wohl nicht während dem Säugen einschlafen, und dadurch Gefahr laufen,

dasselbe im Schlaf zu drükken oder fallen zu lassen; davon nachher

(§. 74.). So etwas ließe sich allenfalls nur von einer gemietheten

Säugamme befürchten. In den ersten vierzehn Tagen muß die Mutter dem

Kinde, wenn es nicht schläft, wenigstens alle zwei Stunden, und nicht

zu viel auf einmal zu trinken geben, in der Folge seltener. Doch halte

sie sich hierinnen so viel möglich an eine bestimmte Ordnung. Die

Gewohnheit dem Kinde, so oft es schreiet, die Brust zu reichen, ist

gewiß nicht ohne Nachtheil. Es ist rathsam, daß die Säugende mehr

Speisen aus dem Pflanzen- als aus dem Thierreiche genieße; nur dann

wann sie einen Mangel an Milchvorrath verspürte, suche sie durch den

Genuß von frischgemolkener Kuhmilch, von Eiern, Fleischbrühe, Bier,

Gerstentisane, und andern sehr nahrhaften Substanzen diesem Mangel

abzuhelfen. Sie muß sich öftere Bewegungen in freier Luft machen,

und sich vor allen Leidenschaften hüten, welche die Gesundheit

untergraben. So ist es auch z. B. bekannt, daß der Zorn durch die

Milch die traurigsten Folgen für das Kind hervorbrachte. Selbst der

Beischlaf, wenn er nur irgend zur Unmäßigkeit sich hinneigt, kann dem

Säugling oder der Säugenden nachtheilig seyn. In der Regel hört bei

den Weibern während der Stillzeit das Monatliche auf zu fließen, und

damit geht zugleich die Eigenschaft desselben verlohren zu empfangen

und von neuem schwanger zu werden. Indessen giebt es auch Ausnahmen von

diesem Naturgesez, und die Frauen, welche, indem sie noch ein Kind an

der Brust, und dabei regelmäßig ihre Periode hatten, wieder schwanger

wurden, sind so selten eben nicht. Öfters haben auch säugende Mütter,

bei denen wie gewöhnlich die Reinigung ausgeblieben, zu der Zeit,

wo sie hätte kommen sollen, einige unbehagliche Empfindungen in dem

Körper, Kopfweh, Leibschmerzen u. dgl.

§. 52.

Aufgesogene Warzen.

Ferner haben Wöchnerinnen noch besonders auf die Warzen Rüksicht

zu nehmen, der oben angeführte Gebrauch des Franzbranntweins wird

fortgesezt; und die aus Korkholz verfertigten Warzenhüte werden

fortgetragen. Nur muß man jedesmal, ehe das Kind trinkt, die Warzen

mit Milch oder süßem Rahm befeuchten. Auf diese Art wird man gewiß

dem Aufsaugen derselben vorgebeugt haben. Sollte sich indessen dieser

lästige Zufall schon ereignet haben, so hat man noch oft in folgendem

ein Heilmittel dagegen. Man gießt nämlich guten Franzbranntwein in eine

breite Untertasse, und läßt an einem warmen Orte, auf dem Ofen, oder im

Sandbade ein Stük Kandiszukker verschmelzen, so bleibt auf dem Boden

ein dikker klebriger Saft sizzen. Dieser wird auf die durchgesogenen

Stellen geschmiert, bis sie geheilt sind. Unter allen Mitteln, die

man dagegen vorgeschlagen hat, verdient dieses den Vorzug. An eine

solche Brust muß dabei das Kind seltener angelegt werden, und während

dem Stillen hält die Säugende selbst über die Warze hin ein doppelt

zusammengelegtes Stükchen feinen Musselin, ein Mittel, welches sie sehr

erleichtern wird. Die Ursache des Wundwerdens der Brustwarzen liegt

bisweilen in dem Kinde, wenn der Speichel desselben bei dem Zahnen,

oder bei andern Krankheiten eine gewisse Schärfe annimmt, oder sie

liegt auch in der Beschaffenheit der abgesonderten Milch. Sollten sich

in einem Falle, welcher bei schon bejahrten Erstgebährenden eintreffen

kann, die Warzen verhärtet finden; so müßte man sie mit etwas Mandelöl

oder süßem Rahm bestreichen, um sie nachgebender zu machen. Sind die

Milchkanäle, wie es bei unreinen Menschen oft geschehen mag, mit

Schmuz, mit einer Kruste bedekt, so müßte man diese mit Seifenwasser

oder mit Butter zu erweichen und wegzunehmen suchen, um sie zu ihrer

Bestimmung vorzubereiten. Bei exkoriirten Brustwarzen darf man den

Säugling nicht sogleich von der Brust entfernen. Die Liebe zu dem Kinde

macht, daß die Schmerzen von der Mutter leichter ertragen werden,

und bei dem fortgesezten Säugen hat selbst der Speichel des Kindes

eine lindernde und heilende Eigenschaft. Erstrekte sich indessen die

Entzündung auf den Umkreis der Warze, auf die Brust selbst, fruchteten

die Mittel zur Zertheilung dieser Krankheit gar nichts, würden die

Schmerzen unter dem Säugen so heftig, daß für die Konstituzion der

Pazienten im Ganzen zu fürchten wäre; so müßte man allerdings von dem

Säugungsgeschäfte abstehen.

§. 53.

Heilmittel bei durchgesogenen Warzen.

Zur Heilung wunder Brustwarzen hat man eine große Menge Mittel

empfohlen. Darunter gehören z. B. Rosenpomade, Kakaobutter,

Eieröl, Zinkblumen in Rosenwasser aufgelößt, Quittenschleim mit

Löffelkrautsaft, Eiweiß mit süßem Mandelöl, Myrrhenextrakt mit

Quittenschleim, Lavendel- und Maiblumenspiritus, peruvianischer Balsam,

Rosenhonig mit Borax, der Saft von gelben Rüben, Bilsenkrautsalbe,

Kalchwasser, rother Wein, u. a. m. Sie können alle in verschiedenen

Graden der Krankheit und bei hartnäkkigen Fällen hier und da Nuzzen

geleistet haben. Indessen gehört doch die Bestimmung zu ihrem Gebrauch,

und die Auswahl derselben, dem Arzte. Herr WENDELSTADT wandte bei

wunden Brustwarzen eine besondere Maschine an, um die Schmerzen dabei

zu lindern, und ihnen zur Heilung Ruhe zu verschaffen. Er bediente

sich nämlich blecherner, anderthalb Zoll hoher Hüte. Das Blech ist

glatt und wohl verzinnt. Der Zylinder hat zwei Drittheile eines Zolls

im Durchmesser seiner Breite, und sein oberes Ende besteht aus einer

runden Platte mit fünf oder sechs ziemlich starken Löchern. Außen über

dem Zylinder, eine Linie breit von dem untern Ende, ist ein starker

Eisendraht angelöthet, und der Zylinder selbst ruht auf einer oben

konvexen und unten konkaven Scheibe, mit einem runden Loch, so groß als

dessen Höhle. Über denselben zieht man die Haut von der Spizze eines

Kuheuters, welche man unter dem benannten Draht mit einem Bindfaden

befestigt. Das obere Ende des Kuhstrichs bildet nun durch den nicht

ausgefüllten Raum einen leeren Zipfel, in dessen obern Theil man eine

Öffnung schneidet, um einen Durchzug zu der Warze zu haben. In dem

Sommer, bei großer Hizze werden die Kuhstriche leicht stinkend; man muß

ihrer mehrere vorräthig halten, sie oft erneuern und in kaltem Wasser

aufbewahren. Der Erfinder dieser Maschine glaubt, daß bei dem Gebrauch

derselben das Stillen ohne Schmerzen hergehe, daß das Kind hinlänglich

mit der Milch seiner Mutter genährt werde, und die Warzen heilen

könnten. FIBING hat eine dieser ganz ähnliche Maschine von Ebenholz zu

demselben Behuf empfohlen. Schade, daß die Ausführung dieses Vorschlags

so vielen Schwierigkeiten unterworfen ist, welche im Allgemeinen nicht

so leicht zu überwinden seyn dürften. Das Kind kann die künstliche

Warze nicht gut fassen, es muß schon sehr stark ziehen, bis es etwas

Milch bekommt, und saugt doch immer viel Luft ein.

§. 54.

Milchausziehen.

Endlich richte man noch sein Augenmerk dahin, daß in dem Wochenbette

die Brüste nicht zu sehr anlaufen, nicht hart werden, und daß die

Milch in denselben nicht stokke. Die Mutter muß deswegen eine Brust so

oft hergeben als die andere. Um den naturgemäßen Ausfluß von Milch zu

erhalten, oder wieder herzustellen, dazu trägt schon eine angemessene

Seitenlage sehr viel bei. Hauptsächlich besteht aber die Hülfe bei

der in dem Busen stokkenden Milch darinnen, daß man die Brüste durch

wiederholtes Einreiben von ungesalzener Butter erweiche, und so den

Ausfluß der Milch befördere. Die Butter wird vorher warm gemacht, und

von der Wärterin ganz gelinde, indem sie die Brust von hinten nach vorn

hin streicht, täglich einigemal eingerieben. Bald darauf wird das Kind

angelegt. Wäre die Milch in zu großer Menge da, oder das Kind nicht

stark genug, alle Milch auszuziehen, und zu verbrauchen; so müssen

die Brüste auf eine andre Weise ausgeleeret werden. Zu diesem Endzwek

nimmt man noch andere neugebohrne Kinder zu Hülfe. An manchen Orten

giebt es Weiber und Wartfrauen, die sich dem Geschäfte des Aussaugens

unterziehen. Sie müssen einen ganz reinen Mund haben, und ihn jedesmal

vor dem Ansaugen ausspülen. Junge Hunde dazu zu nehmen, wie man sonst

wohl that, ist ein gar zu ekelhaftes Mittel. Einer der berühmtesten

Geburtshelfer, STEIN, hat uns, unter dem Namen der Brustpumpe, die

Erfindung einer eignen Maschine, zum Behuf der Zubereitung der Brüste

und ihrer Entledigung von der überflüssigen Milch, hinterlassen. Sie

besteht aus einer proporzionirlichen kleinen und bequemen Luftpumpe

mit einem schiklichen Rezipienten statt der Glokke. Sie wirkt

außerordentlich stark und darf nur, in seltenen, von dem Arzte zu

bestimmenden Fällen, mit der äußersten Vorsicht angewandt werden, wenn

dadurch nicht peinliche Schmerzen für die Mutter entstehen sollen.

Die besten und bequemsten Milchsauger, deren ich mich immer mit dem

größten Nuzzen bedient habe, sind aus einer Flasche von elastischem

Harz gemacht, an deren Ende ein in der Gestalt und Größe der Warze

ausgehöhlter Zylinder von Horn befestigt ist. Man hat dabei den

Vortheil, daß man den Druk und den Zug mäßigen kann, wie man will. Sie

wird, nachdem sie zusammengedrükt, und die Luft also daraus entfernt

worden ist, auf die Brust gesezt, so zieht sich die Milch von selbst

aus. Für den öftern Gebrauch derselben ist es nothwendig, sie öfters

zu reinigen, weil die darin sizzen gebliebene Milch scharf wird und

die Flasche angreift. Auch kann man sich in dem Nothfalle blos einer

gläsernen Flasche mit einem langen Halse, oder eines mit einem glatten

und gehörig weiten Rande versehenen Arzneiglases bedienen. Hinten

erwärmt man diese Gläser, um die Luft darin zu verdünnen, legt sodann

den Hals auf die Brust, damit die Warze inwendig hineinkommt. Auf diese

Art wird ebenfalls in kurzem die Milch ausgesogen werden, welches noch

dadurch erleichtert wird, daß man vor der Anwendung den ganzen Umfang

der Brust nach der Warze hin gelinde zusammendrükt. In diesem Falle

eines Überflusses von Milch kommt sehr viel auf die Diät an; sie muß

weniger nahrhaft seyn. Mehrentheils ist eine abführende Arznei nöthig.

§. 55.

Entwöhnen des Kindes.

Man darf mit dem Säugen weder zu lange anhalten, noch zu früh damit

aufhören, und die gewöhnliche und beste Stillzeit ist wohl bis in

den zehnten Monat. Wenn sich eine stillende Mutter wieder schwanger

fühlen, oder wenn bei ihr die monatliche Reinigung sich einfinden

sollte, dann halte ich es für rathsam, das Kind abzugewöhnen. Fälle,

wo wegen unvermuthet eingetretener Krankheit der Mutter oder des

Säuglings dieser entwöhnt werden muß, bleiben der Bestimmung des Arztes

überlassen. Kömmt also die Zeit des Entwöhnens, so hat man wieder auf

verschiedenes Rüksicht zu nehmen, damit durch diese Veränderung weder

die Stillende noch der Säugling Schaden leide. Den Regeln der Natur

nach, wird keine Milch abgesondert, wenn kein Ausfluß derselben mehr

Statt findet, wenn das Kind nicht mehr angelegt wird. Dann versiegt

gleichsam die Quelle. Allein dieses muß schlechterdings nur nach und

nach geschehen, wenn es keine Beschwerden verursachen soll. Man läßt

das Kind, welches entwöhnt werden soll, immer weniger und seltener

trinken: erst des Tages nur ein Paarmal, dann nur des Nachts, immer

weniger, und endlich gar nicht mehr. Acht oder vierzehn Tage Zeit kann

man zu diesem Geschäfte anwenden, um am bequemsten zu dem Ziel zu

kommen. Mittlerweile ersezt man dem Kleinen die abgegangene Nahrung

der Muttermilch, durch Thiermilch, leichte Suppen u. s. w. Die Mutter

enthält sich dabei der zu nahrhaften fetten Speisen, ißt überhaupt

nicht viel, macht sich Bewegung genug, nimmt vielleicht im Nothfalle

ein Abführungsmittel, trinkt etwas Thee von Salbeikraut, und bedekt

die Brüste mit Kampfer auf Baumwolle gestreut. In dem Busen verspürt

die entwöhnende Mutter gewöhnlich ein Prikkeln, ein Jukken. Bemerkte

man indessen doch hier und da Milchknoten in den Brüsten, oder daß die

Milch stokte, so muß man die Zertheilung von jenen und den Ausfluß von

dieser durch das öftere Einschmieren von warmer ungesalzener Butter

befördern, so wie das nämliche (§. 54.) in dem Wochenbette zuweilen

nothwendig wird. Durchaus schädlich ist das Zusammenschnüren und feste

Binden des Busens für eine Mutter, welche ihr Kind entwöhnt. Alle

sogenannte milchvertreibende Pflaster sind unnüz, viele schädlich,

indem sie die freie Ausdünstung der Brust verhindern. Die meisten

derselben bestehen aus Bleikalchen, und ihr Gebrauch ist deswegen an

sich schon sehr bedenklich. Ich habe viele Mütter gekannt, welche bei

dem Entwöhnen ihrer Kinder die Milch aus den Brüsten vertrieben, indem

sie dieselben mit Hanf bedekten, andere indem sie geraspeltes Horn

darauf streueten. Beide Mittel mögen in jeder Hinsicht unschuldig seyn.

Lächerlich und abentheuerlich genug aber ist jenes, eine Guirlande

von durchbohrtem Korkholz in Schwefelfaden gefaßt, oder lebendiges

Queksilber in einem Federkiel als Amulet, auf dem Busen zu tragen, in

der Absicht, die Milch zu vertreiben.

VI.

Entzündung und Eiterung der Brüste.

§. 56.

Ursachen und Verhütung der Entzündung.

Wenn der Zufluß der Milch nach den Brüsten immer unterhalten wird,

ohne daß damit der Ausfluß derselben in dem richtigen Verhältniß

steht, so bilden sich Stokkungen und Milchknoten. Das Übel, wovon

hier die Rede ist, kann durch eine verkehrte und schlechte, oder im

Anfange versäumte Kur sehr bös und hartnäkkig werden. Um so mehr

sollten unsere Wöchnerinnen Vorurtheile vergessen, Pfuscher und

Quaksalbereien vermeiden, und frühzeitig genug bei dem Arzte Hilfe

suchen. Zu Stokkungen in den Milchgefäßen der Brüste werden unsere

Frauenzimmer durch hysterische Anlage, Luxus, sizzende Lebensart,

schlechte Diät, fortdauernden Einfluß der ehemals getragenen

Schnürbrüste, und Untauglichkeit der Warzen zu dem Stillen, besonders

disponirt. Zuweilen nach einem unmäßigen Verhalten, nach einer

Verkältung, heftigen Gemüthsleidenschaften, nach einer schlecht

betriebenen oder ganz unterlassenen Säugung, überfallen dergleichen

Entzündungsgeschwülste die Wöchnerinnen plözlich. Es fließt dabei wenig

oder gar keine Milch aus den Warzen, und die Achseldrüsen von dieser

Seite sind mehr oder weniger angeschwollen und schmerzhaft. Sind diese

Knoten eben erst entstanden und von keiner beträchtlichen Größe; so

können sie oft noch zertheilt werden, indem man Baumwolle, welche

vorher mit Kampfer bestrichen und bestäubt worden, auf die Brüste

legt. Statt dessen kann man auch fein gestoßenen weißen Zukker nehmen,

ihn auf Kohlen streuen und den Rauch mit ausgekämmter, ausgebreiteter

Baumwolle auffangen, und damit die Brüste bedekken. Vor allen diesen,

und den in der Folge anzugebenden Mitteln ist es nothwendig, den

kranken Theil des Busens in einem Tragebeutel ruhen zu lassen: man

hängt nämlich die Brust in ein Handtuch oder in eine Serviette, welche

in dem Nakken befestigt wird, so daß sie ihrer eignen Schwere nicht

überlassen bleibt. Der Milch muß nebenbei ein Ausweg geschafft werden,

durch die aus dem oben Gesagten hinlänglich bekannten Mittel, aber

auf eine langsame und ganz gelinde Art. Besonders nöthig ist diese

Vorsicht bei zarten, reizbaren Subjekten; da muß man sich mehr auf die

erweichende Methode verlassen, als auf die unbedingte Anwendung der

Zuggläser. Es muß dieses, wie gesagt, ganz gelinde geschehen, wenn

es nuzzen, und sonst nicht vielmehr Stokkung und Spannung vermehren,

folglich schaden soll. Unter gewissen Umständen sind nicht selten die

mit troknen aromatischen Kräutern gefüllten und durchnäheten Säkchen

mit gutem Erfolg zu der Heilung angewandt worden. Oft entsprechen schon

zu Anfange der Entzündung einem sichern Heilplane die erweichenden

Kataplasmen (§. 60.), welche nicht zu schwer und besser ziemlich

trokken als zu naß aufgelegt werden. Die Milch wird unter dem Gebrauch

derselben insgemein zu dem Ausfließen gebracht, und sie befördern,

unter bedingten Umständen, eben so gut die Zertheilung als unter andern

Verhältnissen die Eiterung der kranken Stelle.

§. 57.

Heilmittel bei der Entzündung in geringerem Grade.

Eines der besten Mittel zur Zertheilung von hartnäkkigen und

beträchtlichen Stokkungen in den Brüsten ist der Gebrauch der

erweichenden Dampfbäder. Hollunder- und Kamillenblüthen werden mit

heißem Wasser aufgegossen und gekocht. Davon läßt man den Dampf,

welcher während dem Kochen aufsteigt, unter einem flanellenen Lappen

an die kranke Brust ziehen. Diese Operazion muß, wenn sie helfen

soll, täglich einigemal wiederholt werden. Die nämliche zertheilende

Eigenschaft hat der Dampf von dem Weinessig auf heiße Steine gegossen.

Es ist bei dieser Lage der Dinge selten nothwendig, die Pazienten an

eine strenge Diät zu erinnern; der Appetit ist in diesen, so wie in

allen ähnlichen Krankheiten, ohnehin dasjenige, was die Pazienten am

wenigsten plagt. Auch muß deshalb die Kranke nicht ein für allemal an

eine strenge vegetabilische Diät gebunden werden. Damit die Ausdünstung

gehörig vor sich gehen könne, so sorge man für einen immer gleichen

Grad von Wärme in dem Wochenzimmer. Hat die Pazientin andauernde

Leibesverstopfung, so sezt man ihr ein erweichendes Klystier. Ist

das Fieber heftig, die Geschwulst, Röthe und der Schmerz der Brust

beträchtlich, so ist es rathsam, die Pazientin mitunter einige Dosen

Salpeter zu acht bis zehn Granen mit Zukker und Wasser, oder sonst in

einem angemessenen Vehikel nehmen zu lassen. Nebst dem kann ein höherer

Grad der Entzündung und des Fiebers auch eine oder die andere Aderlässe

nothwendig machen.

Es würden wohl seltener Abszesse in den Brüsten vorkommen, wenn der

Gebrauch der Werkzeuge, die stokkende Milch auszuleeren, nie versäumt

würde. Es sollte jede Hebamme die dazu erforderlichen Instrumente

besizzen und anzuwenden wissen. CONRADI hob die hartnäkkigsten

Stokkungen und Entzündungen in den Brüsten durch einen fleißigen

Gebrauch der Sauggläser und der erweichenden Überschläge. Am sichersten

erreichte er seinen Zwek, wenn er unmittelbar auf die Brust eine

erwärmte Auflösung des Weinsteinsalzes oder des Salmiaks mit Opium in

dünnen Kompressen und darüber die Kataplasmen von Leinsaamen legte.

Um das Wundwerden der Warzen zu verhüten, läßt man diese von den

Kompressen unbedekt, bestreicht sie mit Branntwein und legt kleine

Warzendekkel darauf. Man weiß, wie wirksam die Brechmittel zu der

Beförderung der Verrichtungen der lymphatischen Gefäße sind, um dadurch

die entferntesten Stokkungen aufzulösen; sie zertheilen daher oft auch

sehr geschwind die frisch entstandenen Milchknoten.

§. 58.

Höherer Entzündungsgrad.

Wären aber die Brüste sehr stark geschwollen, roth, heiß und sehr

schmerzhaft, also heftig entzündet, und hätten alle oben angegebenen

Mittel, kühlende und eröffnende Arzneien, säuerliche Getränke,

erweichende Klystiere, selbst Aderlässe, diese Erscheinungen nicht

verhütet oder gebessert; so muß man doch noch immer für die Zertheilung

der äußerlichen Entzündung besorgt seyn. Man bedekt in dieser Absicht

die Brüste mit lauwarmen Umschlägen, welche auf folgende Art bereitet

werden. Man kocht nämlich Salbei, Melissenkraut und Wolverleiblüthen

von jedem eine kleine Handvoll in einer Maaß Wasser ab, und taucht,

nachdem es durchgeseiht worden, feine flanellene Tücher hinein, und

legt sie, die Gegend der Warze ausgenommen, über den ganzen Umfang

der entzündeten Brust. Sie dürfen aber nicht zu heiß aufgelegt, und

müssen oft erneuert werden. Man sezt sie so lange fort, bis daß die

Röthe, Geschwulst und die Schmerzen in dem leidenden Theile aufhören,

welches in den meisten Fällen bald geschieht, und dann muß der

Milchausfluß durch das Anlegen eines oder mehrerer Kinder oder durch

die Saugmaschine befördert werden. Jene Überschläge erfordern indessen

in ihrer Anwendung eine große Genauigkeit; man kommt daher leichter zu

dem Ziele, wenn man den aromatischen Kräuterabsud in eine Schweinsblase

füllt, diese zubindet, und lauwarm der Pazientin über die leidende

Brust legt. Daß eine zu große Nässe auf der Haut dadurch noch verhütet

wird, dieses kann auch in einzelnen Fällen Vortheil bringen.

§. 59.

Eiterung.

Nähmen aber in dem Gegentheil die Zufälle zu, wäre die Hizze in dem

Körper stärker, der gelassene Urin sehr roth, die Haut trokken, würde

der Schmerz noch heftiger, klopfend, die Geschwulst größer, härter,

dunkelroth, empfände die Kranke ein Frösteln oder Überlauf; dann ist

es wahrscheinlich, daß die Entzündung sich nicht zertheilen, sondern

in Eiterung übergehen werde. Die Schmerzen ziehen sich gleichsam auf

einige Punkte zusammen, sie sind schneidend und wie durchfahrend;

es zeigen sich hier und da eine und die andere Stelle an der Brust

glänzender, weicher und erhabener als der übrige Umfang. Wenn mehrere

oder alle diese Umstände in dem gehörigen Grade vorhanden sind; so ist

das Aufbrechen des kranken Theils nicht mehr zu vermeiden, und die

Periode der Eiterung ist schon eingetreten. Freilich wäre dieses ein

schlimmer Ausgang; er würde aber gewiß, wenn man die oben angegebenen

Verhaltungsregeln genau befolgte, fast immer verhütet werden; nur

selten möchte wohl das Übel so hartnäkkig seyn.

§. 60.

Breiumschläge.

An einem oder mehreren Orten des vorher entzündeten Theils wird nun

die Haut weiß und erhebt sich in einen kleinen Hügel. Wenn man mit

dem Finger darauf fühlt, so bemerkt man deutlich die Bewegung, das

Schwappern einer Flüssigkeit, nämlich des Eiters. Der Schmerz hört auf,

und statt dessen empfindet die Kranke einen Druk, ein Jukken. Unter

diesen Umständen muß man sogleich von dem Gebrauch jener zertheilenden

Mittel abstehen, und die etwas reizende, oder sogenannte zeitigende

Methode an ihre Stelle sezzen. Man nimmt z. B. gequetschten Leinsaamen

und Safran, ein Loth von jenem, ein halbes Loth von diesem, oder aber

eine Handvoll Malven- und Hollunderblüthen, ebenfalls mit etwas Safran,

kocht sie mit Milch und weißen Brodgrumen zur Dikke eines Breies,

streicht sie auf ein Tuch, und legt sie so warm, als es die Kranke

vertragen kann, auf den leidenden Theil. Diese müssen noch öfters als

die vorhergehenden erneuert werden; man muß sie nie kalt oder trokken

werden lassen. Dadurch wird die Haut erschlafft, Krampf und Schmerz

vermindert, und die örtliche Transpirazion befördert. Diese einfachen,

nicht sehr reizenden Kataplasmen thun hier alles; sie befördern

sogar zuweilen noch eine Zertheilung, wo man die Eiterung fast für

unvermeidlich hielt. Nur bei Pazienten, welche ohne alle nöthige

Wartung sind, muß man sich manchmal begnügen, ihre in Eiterung gehende

Brust mit einem einfachen, über der Warze ausgeschnittenen, Pflaster

und einer Kompresse darüber bedekt zu halten.

§. 61.

Freiwillige Öffnung des Abszesses.

Über die weiblichen Brüste · 第 4 / 8 段