Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit meine Leserinnen überhaupt

vor dem Tragen dieser Panzer zu warnen. Ihr Einfluß auf den Wachsthum

und die Bildung des Körpers ist nichts weniger als Schönheit, im

Gegentheil eine wahre Verunstaltung. Die im natürlichen Zustande

oben enge und unten weitere Brusthöhle wird durch sie unten und im

ganzen Umfange verengert, oben auf eine Seite verschoben. Die Folge

davon ist der sogenannte hohe Rükken. In der Schwangerschaft macht

der sich ausdehnende und von der Gebärmutter beengte Leib eine weite

Brusthöhle nothwendig, um die hinaufgetriebenen Eingeweide aufnehmen

zu können. Warum wendet man denn alle mögliche Kunst an, sie vorher

zu verengern? Die Wirkung der Schnürbrüste auf den weiblichen

Brustkörper ist unvermeidlich die, daß die weichen Theile unter

der Brusthöhle zusammengezogen und die im Unterleibe befindlichen

Eingeweide hinaufgeschoben werden; daß die untern wahren Rippen

ebenfalls gegen einander hinaufgeschoben werden, daß die rechten den

linken näher kommen; daß die Brustbeine sodann in die Höhe steigen,

schief oder gekrümmt werden, und daß endlich auch, bei fortdauernder

Zusammenschnürung die untern wahren Rippen mit ihrem Brustende dem

Wirbelende näher kommen. Mithin wird die Brusthöhle nach allen Seiten

zu verengert, und die Wirbelsäule gekrümmt. Dabei giebt dann jene

Brusthälfte am meisten nach, welche am schwächsten ist; sie wird am

meisten ausgedehnt, und es entsteht endlich hier eine hohe Schulter.

Die Lungen, der Magen und viele andere Unterleibseingeweide werden

zusammengepreßt, der Kreislauf des Blutes wird in ihnen gestört und

unregelmäßig gemacht. Daraus allein sind oft die unangenehmsten

Zufälle und die schmerzhaftesten Krankheiten abzuleiten. Es giebt kein

Frauenzimmer, welches durch Schnüren, folglich durch die Kunst, und

nicht durch die Natur eine wie man es nannte, feine Taille erhalten

hat; bei näherer Untersuchung findet man immer eine hohe Schulter,

hohe Hüfte, oder schiefe eingedrükte Rippen oder wenigstens einen

schiefen S förmigen Rükgrath. Die angesehensten holländischen Ärzte

behaupten, daß in ihrem Lande, wegen der Schnürbrüste, unter tausend

vornehmen Frauenzimmern nicht ein einziges gehörig gerade sey.

Nachtheilig sind ebenfalls alle andere Moden, welche man an die Stelle

der Schnürbrüste sezte, und die unter dem Namen des englischen Kreuzes,

der Korsetten u. s. w. vorkommen, weil sie den Körper mehr oder weniger

zusammenschnüren. Wer auf Knaben Acht gegeben hat, wie sie ohne alle

Kunst gerader aufwachsen, als je ein geschnürtes Mädchen, an dessen

Form man künstelte, bedarf keines Beweises, daß wenn das Korsett wirkt,

es nur nachtheilig für den Körper wirkt, weil er es nicht braucht. Eine

andere Wirkung der Schnürbrüste ist, daß Kinder, auch ältere Personen,

welche stark und mehrere Jahre lang geschnürt worden sind, endlich ohne

Schnüren nicht mehr bequem aufrecht stehen oder sich bewegen können,

sondern, wie man sehr richtig sagt, zusammenfallen. Wenn sich daher

Frauenzimmer zu sehr an die Schnürbrüste gewöhnt haben, so müssen sie

dieselben nicht gleich bei der Schwangerschaft wegwerfen, sondern mäßig

fortbrauchen, und ihrer nur allmählig sich entwöhnen, da die schnelle

gänzliche Abwechselung einer andern unbedeutenden Gewohnheit dem Körper

oft nachtheilig wird.

§. 38.

Vorzüge der modernen Kleidertracht.

Endlich muß ich nur mit ein Paar Worten noch der Kleidertracht

unserer Frauenzimmer im Allgemeinen und des Einflusses derselben

auf ihr körperliches Wohl gedenken. Lange schon war es der Wunsch

vernünftiger Ärzte, die Damen möchten sich doch im Ganzen weniger

steif und bequemer kleiden. Jezt scheint es, Dank sey es dem Genius

der Mode, dahin gediehen zu seyn. Für unser Jahrzehend mag also wohl

jene Warnung in Betreff der Schnürbrüste zu spät kommen. Man erinnere

sich nur an den ehemaligen steifen gezwungenen Staat, in welchen man

die Frauenzimmer pfropfte, an die angespannten hohen Frisuren, an

die Kleider mit langer widerspenstiger Taille, mit schmalen Falten,

so platt wie ein Lineal auf den Rükken geheftet, an die weiten

Fischbeinrökke, Poschen und Polstern. Wie schön sticht dagegen der

jezt herrschende griechische Geschmak ab, welcher die weibliche Welt

mit freierer Zierde beseelt! Das Haar ist von seinen Fesseln gelößt,

der Wuchs ist von allem neidischen Zwang frei gemacht. Und in Hinsicht

auf die Gesundheit ließe sich den Frauenzimmern kein besseres Kostüme

wünschen, als das, welches jezt die Mode fast allgemein befiehlt. Die

kleine Last dieser Kleidergattung ruht immer auf den Schultern, und so

wird der Körper auf keine Weise durch sie gedrükt oder beschwert. Die

Hüften, das Bekken, dieser so bedeutende Theil der künftigen Mutter,

wird nicht mehr durch die Menge und Schwere der Rökke in seiner freien

Ausbildung gestört. Sähe man denn ferner auf die Schönheit, welche

durch diesen oder jenen Anzug erhöhet wird, ein Umstand, den freilich

auch unsere besten Weiber in Betrachtung ziehen; so ist es gar keinem

Zweifel unterworfen, daß man sich in jener Kleidung wirklich sehr zu

seinem Vortheil auszeichnet. Einem jeden Frauenzimmer, sagt eine

beliebte Schriftstellerin, ist es nun vergönnt, da der Zwang in der

Mode aufgehoben worden, und eine reizende Nachläßigkeit an dessen

Stelle gekommen ist, die tausendfältig zerstreuten weiblichen Reize in

ein näheres Licht zu sezzen. Wie zeigt die lange Chemise die Umrisse

der Schönheit so sanft verhüllt, so wahr und doch so bescheiden; wie

freundlich, majestätisch fliessen die Falten des Roks bis an die Erde

herab, und machen das Auge begierig, den artigen Fuß zu sehen, den sie

bescheiden verhüllen!

§. 39.

Möglicher Mißbrauch der neuen Mode.

Wie glüklich sind daher unsere Frauenzimmer in der kultivirten Klasse

von Bürgern bei der neuen Mode, vermöge welcher sie wieder die schöne

Gestalt annehmen, die wir an den griechischen Statuen bewundern! Doch

muß man auch hierinnen nicht zu weit gehen, und die kurze Taille nicht

übertreiben. Unsere galanten Damen binden ihre Rökke nicht selten so

hoch, daß die Brüste dadurch queer durchschnitten und in zwei Provinzen

getheilt werden. Wie nachtheilig ein solches Verfahren der Gesundheit

seyn müsse, darf wohl nicht erst erwiesen werden. Daß es nebenbei das

Frauenzimmer entstelle, wird jeder Mann von Geschmak bestätigen. Wäre

es nicht am besten, wenn die Taille ein paar Zoll unter den Brüsten

anfienge?

Ein Kranz von goldenen Amaranten,

Der frei auf braunen Lokken schwebt,

Ein Kleid von Musselin, besezt mit feinen Kanten,

Dem hier und da ein Röschen eingewebt,

Ein Gürtel, der des Busens Fülle hebt,

War all’ ihr Schmuk, denn Schnürbrust und Buffanten

Von Wallfischbein, sind keine Mädchentracht,

Die hat ein Zwerg und Krüppel nur erdacht.

AHDIM von SCHWARZ.

IV.

Sorgfalt für die Brüste, während der Schwangerschaft.

§. 40.

Erscheinungen an den Brüsten zu dieser Zeit.

Schon oben (§. 11.) erwähnte ich des genauen Zusammenhangs, in welchem

die Gebärmutter mit den Brüsten steht. An allen Veränderungen, welche

in jener vorgehen, nehmen diese mehr oder weniger Antheil. Der Eintritt

der monatlichen Reinigung bei Frauenzimmern, ist fast immer mit einem

kleinen Schmerz in den Brüsten verbunden. Die beste Gelegenheit aber,

uns hiervon zu überzeugen, ist in der Schwangerschaft. Einige Wochen

nach der Empfängniß schwellen die Brüste nach und nach an, werden

fester und geben dem Druk weniger nach. Man bemerkt ein Spannen oder

Stechen darinnen, woraus bisweilen eine wiewohl sehr geringe Beengung

des Athems entsteht. Die Knötchen um die Warze herum werden hart und

erheben sich. Es fließt bei einem kleinen Druk manchmal schon in den

ersten Monaten der Schwangerschaft, öfter aber doch später hin gegen

das Ende derselben eine weiße Feuchtigkeit aus den Brüsten. Dieses ist

in Hinsicht auf das künftige Stillen ein gutes Zeichen. Es wird dadurch

erleichtert, die absondernden Gefäße der Drüse werden freier. Um die

weiblichen Brüste zu ihrer Bestimmung, der Milchabsonderung, welche

gleich nach der Entbindung eintritt, und wozu ein vermehrter Trieb des

Bluts nach diesen Theilen erfordert wird, fähiger zu machen, empfehle

ich Ihnen dringend in den lezten Wochen der Schwangerschaft das

Auflegen erwärmter Tücher auf diese Theile; nur muß man darauf sehen,

daß sie beständig und unausgesezt warm gehalten werden. Entsteht die

Frage, ob eine Person schwanger sey oder nicht, welches zu entscheiden

eben nicht selten seine großen Schwierigkeiten hat, so berüksichtigen

die Geburtshelfer vorzüglich dabei die hier genannten Erscheinungen an

dem weiblichen Busen.

§. 41.

Vorbereitungen der Warzen zum Stillen.

Außerdem was überhaupt von der Sorgfalt für die Brüste gesagt worden

ist, hat eine Schwangere noch besonders auf die Warzen zu sehen. Sie

müssen erhaben und hart genug seyn, um auf keine Weise nach der Geburt

Hindernisse im Saugen zu machen. Damit die Warzen, welche zu klein

sind, verlängert werden, so muß man sie öfters mit den Fingern reiben

und anziehen, und durch Wärterinnen oder Kammerfrauen daran saugen

lassen. Es ist schon öfters in dem Verlauf dieser Schrift von dieser

Angelegenheit die Rede gewesen, und ihrer großen Wichtigkeit wegen,

muß ich hier auf das neue darauf aufmerksam machen. Man nennt dieses

Geschäfte, wobei man die Brauchbarkeit der Warzen, welche das Kind

mittelbar ernähren sollen, die Warzen formiren.

§. 42.

Warzenhüte.

Oft erreicht man seinen Zwek durch die sogenannten Warzenhüte, kleine

wie ein runder Hut geformte Maschinen, welche man aus Buchsbaum, oder

Ebenholz, aus Elfenbein oder Blei verfertigt. Diese alle aber sind zu

hart, und machen durch den Druk mancherlei Beschwerden. Die leztern

sind sogar gefährlich, indem die sauer gewordene Milch das Metall

angreifen und viel Unheil stiften kann. Man bedient sich noch anderer,

welche aus Jungfernwachs bestehen; sie haben aber den Nachtheil,

daß sie durch die Wärme der Brust erweicht werden, und nachgeben.

In Frankreich hat man dieselben aus feinem, nicht durchlöcherten

Pantoffelholz bereitet. Diese Warzenhüte sind ohnstreitig in jeder

Rüksicht die vorzüglichsten. Mit Hülfe einer seidenen Schnur um

den Hals werden sie befestigt. Man muß sie einige Monate vor der

Niederkunft beständig liegen lassen. Die ausgehöhlten Muskatennüsse,

welche in manchen Städten zum Herausziehen der Warzen üblich sind,

verdienen keineswegs empfohlen zu werden, weil durch das Öl der Nuß

die Haut zu weich, zu mürbe, und nachher bei dem Saugen leicht wund

wird. Die Warzen können, wie gesagt, nicht besser zu ihrem nachher

zu leistenden Dienste vorbereitet werden, als durch das Tragen der

Warzenhüte. Neuerdings lernte ich eine andere Art von Warzenhütchen

kennen, welche mir auch gute Dienste thaten. Sie bestehen aus Gypserde,

sind rund, zylindrisch, und nur so viel durchbohrt, daß eben die Warzen

hineinpassen. Vor dem Auflegen werden sie in Branntwein getaucht, und

wenn dieses öfter, täglich beinahe, wiederholt wird, so bekommen die

Warzen endlich jene Festigkeit und Dauer, welche sie vor dem Wundwerden

in dem Wochenbette schüzt.

§. 43.

Ringe von Federharz.

Eingedrükte Warzen können ferner durch irdene Tabakspfeifen, durch

besondere Saugwerkzeuge, wie die +Stein’sche+ Brustpumpe ist, oder

durch Ringe von Federharz hervorgezogen werden. Die leztern beschreibe

ich hier nach ihrem Erfinder, dem Herrn Professor OSIANDER in

Göttingen. Man wählt eine gewöhnliche Federharzflasche, so wie man

sie bei den Materialisten zu kaufen bekömmt, und schneidet solche in

Streifen von der Länge und Breite eines Zolls. In der Mitte eines

jeden Stüks schlägt man mittelst eines Werkzeugs, welches die Sattler

zum Durchschlagen runder Öffnungen in das Leder gebrauchen, ein Loch

von ohngefähr drei Linien im Durchmesser. In einige macht man eine

weitere, in andere eine engere Öffnung, je nachdem man sie alsdann

für die Größe der Warzen, und nach Beschaffenheit der Dehnbarkeit

des Harzes nöthig hat. Ein solch durchlöchertes Stük erwärmt man,

faßt es an beiden Enden, und zieht es langsam auseinander, so weit es

sich ohne einzureißen thun läßt. Will man nun verhüten, daß sich eine

ausgezogene Hohlwarze, oder eine von Natur zu kurze Warze, nachdem sie

hervorgezogen worden, nicht wieder zurükziehe; so bringt man einen

solchen stark ausgedehnten Ring über dieselbe, und läßt ihn dicht an

der Brust zusammenlaufen, so verhindert er das Zurükgehen derselben.

Der Ring darf aber nicht so fest schließen, sonst schwillt die Warze zu

sehr an und schmerzt; er darf aber auch nicht zu weit seyn, sonst zieht

sich die Warze zurük und der Ring fällt ab. Man muß daher immer mehrere

von verschiedener Weite in Vorrath haben, um den dienlichsten daraus

wählen zu können.

§. 44.

Abhärtung der Warzen.

Durchgesogene Warzen machen der Mutter, so oft sich ihr der Säugling

nähert, die unausstehlichsten Schmerzen, und werden nicht selten die

Ursache, daß das Kind entwöhnt werden muß. Es verlohnt sich also wohl

der Mühe, daß man dieses zu verhüten suche. Alle Mittel, die man in der

Absicht vorgeschlagen hat, sind solche, welche zusammenziehen und die

Haut hart machen. Es giebt ihrer eine große Menge, und es wäre viel zu

weitläuftig, sie alle hererzählen zu wollen. Das beste, und welches

ich aus vielfältiger Erfahrung kenne, ist Franzbranntwein oder Arak.

Hiermit müssen die Warzen mehrere Wochen lang vor der Entbindung, des

Tages etlichemal bestrichen werden; man läßt ihn etwas einziehen, und

troknet es nachher mit einem feinen Tuch ab. Zuweilen reicht es hin,

sie blos mit kaltem Wasser, welches mit Weingeist, Lavendel- oder

köllnischem Wasser vermischt ist, zu betupfen. Die Engländerinnen haben

eine eigne Methode, die schwammichten Warzen vor dem Wundwerden zu

verwahren. Sie nehmen ein Stük Brod, brennen darein mit dem glühenden

Feuerstörer beim Kamin ein Loch, so daß die Warze hineinpaßt, und

befeuchten es dann oft mit rothem Wein.

§. 45.

Krankhafter Zufluß der Milch nach den Brüsten.

Es giebt Fälle, wo schon in der Schwangerschaft der Zufluß des Bluts

nach den Brüsten zu stark wird, und daher zu häufige Milchabsonderung,

fieberhafte Bewegungen, Beängstigungen und Schmerzen entstehen. Die

Ursache davon sind Vollblütigkeit, gestörte Verdauung, angehäufte

Unreinigkeiten in dem Magen und den Gedärmen, Würmer, u. dgl. m. Solche

Kranke müssen daher eine leichtverdauliche, nicht allzunährende Diät

führen, mehr Gemüse als Fleischspeisen, viel verdünnende Getränke

genießen, sich öftere, nicht anstrengende, Bewegungen machen, und für

die Unterhaltung der Leibesöffnung durch gelind abführende Arzeneien,

Weinsteinlimonade u. dgl. besorgt seyn.

Herr Hofrath JÖRDENS zu Stadt am Hof sah eine Hirtin von sechs und

zwanzig Jahren, bleicher Gesichtsfarbe, gesundem, starkem Körperbau

und phlegmatischem Temperament. Ihre Brüste waren schon in ledigem

Zustande ziemlich stark. In ihrer dritten Schwangerschaft schwollen

sie mit dem Ausbleiben des Monatlichen zusehends. Sie ragten weit über

den Unterleib hervor, so daß man der Frau ihre Schwangerschaft nicht

ansah. Wenn sie saß, so lagen sie völlig auf den Schenkeln und bedekten

sie zur Hälfte. Vom Druk der Arme auf den Theil derselben, welcher

sich unter den Achseln nach hinten zog, hatte die rechte Brust eine

tiefe Furche, die linke außer derselben einen besondern birnförmigen,

ziemlich großen Anhang, der unter der Achsel gegen den Rükken zu völlig

hervortrat. Ihre Farbe war gelb-röthlich, spekkigt, mit Schweis bedekt.

Auf den Druk mit dem Finger behielten sie eine Zeit lang Gruben, und

alle Falten des Hemdes bildeten sich darauf ab. In der Ruhe hatte sie

keine Schmerzen, wohl aber bei dem Husten und bei der Bewegung der Arme

einige Engbrüstigkeit. Ihr erstes Kind konnte sie wegen Warzenmangel

nicht säugen, ihr zweites Kind starb gleich nach der Geburt, und das

dritte Kind kam acht Wochen zu früh und war todt, vielleicht von dem

Druk der Brüste auf den Unterleib. Nach dem Milchfieber trat Milch

ein. Zertheilende Umschläge und das Ausdrükken hob die schmerzhafte

Spannung. Drei Wochen nachher hatten die Brüste die Hälfte ihrer

vorigen Größe, nach fünf Wochen waren sie völlig gesunken, runzelicht

und schlaff.

§. 46.

Wundwerden der Brüste.

In der unter einer großen herabhängenden Brust gebildeten Falte wird

manchmal die Haut roth, wund und schmerzhaft. Für manche, besonders

fette Frauenzimmer, ist dieses eine große Beschwerde. Oft ist eine im

Körper herumirrende spezifische Schärfe daran Schuld; ein andermal wird

dieses Übel durch scharfen Schweis, oder durch Krazzen, wozu Mädchen

bei angehender Mannbarkeit, oder in der ersten Schwangerschaft von

einem beständigen Jukken aufgefordert werden, oder durch die aus den

Korsetten hervorstehenden Fischbeine veranlaßt. Nach der Entfernung der

verschiedenen Ursachen besteht die Hülfe dagegen darin, daß man die

wunden Stellen mit frisch bereitetem Kalchwasser oder Goulardischem

Wasser einigemal täglich wascht, und dann trokken gezupfte Leinwand

auflegt, um das Reiben zu verhüten. Die hier etwa schon gebildeten

eiternden Stellen auf der Haut können leicht mit Bleisalbe geheilt

werden.

§. 47.

Ausschlag an den Brüsten.

Es ereignet sich zuweilen, daß die Brüste mit einem Kräzze-, Flechten-

oder venerischen Ausschlag befallen werden. Dann muß man sich bei

dem Arzte Raths erholen. Blattern entstehen zuweilen einzeln an den

Brüsten, wenn Mütter oder Ammen ihre blatterkranken Säuglinge an die

Brust legen. Doch betreffen sie fast immer blos die Haut, bleiben

örtlich, und machen keine große Beschwerde. Ich selbst sah in einer

bösen Blatterepidemie, welche wir hier in Frankfurt hatten (im Herbst

1796) eine bessere Mutter, welche der Liebe zu ihrem Kinde alles

aufzuopfern fähig war, daran leiden. Sie legte ihren schwer erkrankten

Säugling an die Brust, und bekam bald darauf eben solche schwarze

Blattern, wie das Kind sie gehabt hatte, an beide Brüste. Sie eiterten

tief, mußten aufgeschnitten werden, und nahmen nur langsam Heilung

an. Säuglinge, welche an Schwämmchen im Munde leiden, theilen diese

Geschwürchen leicht den Warzen der Mutterbrust mit, und man hat alsdann

dieselben örtlichen Heilmittel anzuwenden, welche gewöhnlich gegen

jene gerichtet werden. Wenn in dem Wochenbette bei einem zu starken

Andrang von Milch die Umstände es nöthig machen sollten, sie durch

eine Hebamme oder Wärterinn aussaugen zu lassen, welche Personen sich

an vielen Orten eigends diesem Geschäfte unterziehen, so sey man

vorsichtig in der Wahl dieser Subjekte. HEINEKEN in Bremen

erzählt ein Beispiel, wo mehreren Frauenzimmern von einer venerischen

Aussaugerin das Gift mitgetheilt wurde. Einige bekamen Geschwüre an

den Brüsten, andern aber wurde die Krankheit ohne diese Lokalaffekzion

mitgetheilt, und zeigte sich in Geschwüren im Halse, Ausschlag und

andern Symptomen. Alle diese Übel waren so hartnäkkig und langwierig,

wie man es höchst selten nach der gewöhnlichen Anstekkungsart antrifft;

die mehresten, welche nachher schwanger wurden, kamen entweder

frühzeitig nieder, oder gebahren todte Kinder, welche unverkennbare

Spuren des Übels an sich trugen. Einige Kinder kamen zwar lebendig zur

Welt, bei vielen derselben bemerkte man aber schon bald nach der Geburt

venerische Zufälle, von welchen sie das Opfer wurden.

V.

Die Brüste nach der Entbindung.

§. 48.

Eintritt der Milch in die Brüste.

Die wichtigste Veränderung, welche mit den weiblichen Brüsten vorgeht,

ist der Eintritt der Milch in dieselben. Dieser Zeitpunkt fällt in die

ersten, gemeiniglich den dritten Tag nach der Entbindung, und ist immer

mit einem Fieber, dem sogenannten Milchschauer, begleitet, welches nach

Beschaffenheit der Umstände stärker oder geringer, von längerer oder

kürzerer Dauer ist. Der Zug des milchartigen Stoffes nach den Brüsten

wird durch den Fieberfrost bestimmt, der sich nach der Menge, nach der

guten Beschaffenheit jener Flüssigkeit, und nach dem übrigen Zustand

der Gesundheit verhält, bald schwach, bald stark ist, bald früher, bald

später erscheint, und bald den Anfang eines leicht vorübergehenden

Fiebers, bald eine sehr hizzige, gefährliche, bald eine langwierige

Krankheit ist. In der Regel ist also dieser Milchfrost und ein

leichtes Milchfieber das gehörige Mittel der Milchbereitung, und so

wie er vorüber ist, so sagt man, die Milch ist eingetreten. Hart und

angestopft werden nun die Brüste, sie strozzen von Milch und nun

kizzelt das Kind wollüstig mit seinen Lippen die höchst empfindliche

Warze, lispelnd drükt es dieselbe gelinde, steif und schwellend

verbreitet die Warze dieses behagliche Gefühl in der ganzen Brust, die

Nerven derselben werden in den thätigsten Zustand versezt, und die Ab-

und Aussonderung geht zum unendlichen Vergnügen der Mutter richtig von

statten. Wenn die ganze Säftemasse des Weibes hierzu vorbereitet ist,

wenn von der Natur zum Wohl des Kindes und der Mutter diese Absezzung

in den Busen so dringend veranstaltet wird, wenn man die Masse und das

Quantum des Milchstoffs im Körper eines wohlgenährten Weibes gleich

nach der Geburt betrachtet, und sich in der Lage findet, wo man diesem

großen Zwek widerstrebt, -- nicht säugt, und anstatt die Milchsekrezion

zu befördern, dieselbe geflissentlich unterdrükt; so soll man wahrlich

sich nicht wundern, wenn dadurch so großes Unheil entsteht. Und wie

oft finden sich die Ärzte unserer Zeiten nicht in diesem Falle!

§. 49.

Milchfieber. Anlegen des Kindes.

Das Milchfieber fängt, wie gesagt, mit einem Froste oder leichtem

Schauder an, dann folgt Hizze, Unruhe, beschleunigter Puls, etwas

beengter Athem, Kopfweh, Durst. Die Kranke empfindet einen stechenden

Schmerz in den Brüsten, und durch die Ausdehnung derselben ein

Spannen unter den Armen von den Schultern her. Nach Mitternacht läßt

alles dieses nach, indem ein häufiger, säuerlich riechender Schweis,

welcher über den ganzen Körper gleichmäßig ausgebreitet seyn soll, zum

Vorschein kommt. Zuweilen zeigen sich diese Zufälle den andern oder den

dritten Tag gegen Abend noch einmal, aber nicht in dem Grade. Indessen

erheben sich die Warzen, werden steif, geben einige Feuchtigkeit,

und ihr Hof bekommt eine dunklere Farbe. Man fühlt einige ungleiche

Geschwülste in den Brüsten, sie fangen an zu schmerzen, zu prikkeln, zu

spannen, sich auszudehnen, bis sie endlich ganz mit Milch ausgefüllt

sind. Hart wie kleine Knäule von Schnüren fühlen sich dann die vollen

verschlungenen Milchgefäße an. Je weniger die Brust Fett hat, je

welker sie ist, desto deutlicher fühlt man die Gefäße. Dieses ist der

gewöhnliche Vorgang der Natur, so wie er in den Gesezzen derselben

gegründet ist. Er ist ganz gefahrlos, wenn nicht zufällige Umstände

dazwischen kommen, und erfordert weiter keine besondere Hülfe von

Seiten des Arztes.

Man suche nur den Zufluß der Milch nach den Brüsten zu befördern,

und dieses bewirkt man am besten durch das frühzeitige Anlegen des

Kindes. Ich kann Ihnen dieses nicht genug empfehlen. Sobald als die

Mutter sich von der Entbindung erholt hat, oder längstens zwölf Stunden

darnach muß es geschehen, und dann trinkt das Kind die Milch allmählig

hinweg, oder es leitet sie gleichsam in den Busen und befördert so

fort durch wiederholten angenehmen Reiz der Säugung in der Folge immer

in gehörigem Maaße einen gelinden Zufluß und Ausgang von Milchstoff,

so daß desselben nie zu viel oder zu wenig in den Brüsten wird, und

also daher weder Spannung noch Schmerz, weder Fieber noch Krankheit

entstehen. Unter diesen Verhältnissen ist selbst das Milchfieber

eine kaum bemerkbare Erscheinung. In jenen Gegenden, wie in der

Lausiz, wo, nach öffentlichen Nachrichten (aus der +medizinischen

Nazionalzeitung+) gewohnheitsmäßig die Mutter das Kind nicht eher an

die Brust legen darf, als bis es getauft ist, rächt sich die Natur für

dieses abergläubische Vorurtheil auffallend genug an der Mutter.

§. 50.

Verhalten im Wochenbette.

In dem Wochenbette sorge man für die vollkommenste Ruhe des Körpers und

der Seele, für die Vermeidung aller Erkältung, und auch im Gegentheil

alles dessen, was Hizze machen, was beunruhigen könnte. Man hüte sich

also vor Geräusch, vor hellem Lichte, vor großen Gesellschaften in der

Wochenstube, vor Ärgerniß, vor schweren Bettdekken und heißen Zimmern,

vor Kraftsuppen, starken Weinen oder Kaffee u. dgl. Man trinke dünnen

Kamillenthee, Kalbfleischbrühen oder andere lauwarme, gelind auf die

Haut wirkende Getränke und sorge für leichtverdauliche Speisen. Wenn

es an Öffnung fehlt, so nehme man einige sanfterweichende Klystiere.

Der Busen wird ganz zwanglos gehalten, und nur mit erwärmten Tüchern

bedekt. Es ist gut, wenn die Wöchnerinnen dabei viel und abwechselnd

auf einer oder der andern Seite liegen. Nur so lange der Zufluß der

Milch noch beträchtlich stark ist, gilt obige Empfehlung für eine

weniger nahrhafte Diät; nachher müssen sie zu einer stärkendern

Fleischdiät allmählig übergehen. Das Hinzuströmen der Milch in die

Brüste ist, weil es plötzlich mit oder ohne Reiz des Saugens geschieht,

der Mutter fühlbar im ganzen Umkreis der Brust von hinten nach vorn.

Dieser sogenannte Einschuß kommt bald seltener bald häufiger vor,

während der Verdauung, und wenn das Kind eben anfängt zu trinken, am

häufigsten. Zuweilen ist die Empfindung für die Mutter schmerzhaft,

zumal wenn die Ausführungsgänge an den Warzen dabei auf kurze Zeit

verschlossen sind, so daß die Milch gar nicht oder nur wenig auslaufen

kann. Auch die Säuglinge überströmt dieser plözliche Milchzufluß

manchmal so, daß man sie für den Augenblik von der Brust abhalten muß.

§. 51.

Verhaltungsregeln bei dem Stillen.

Über die weiblichen Brüste · 第 3 / 8 段