Das simple Lied

So sei auch dein Geschick von mir besungen,

Treues Gesicht im wettergrauen Bart!

Wie glänzte dir der Scheitel, schwach behaart,

Als du erzähltest mir von deinem Jungen!

Du hast vielleicht die Nacht nicht gut geschlafen,

Vor Hunger oder Vaterschmerzen tief --

Und dachtest, weh dich werfend, an den Brief,

Den letzten deines Sohnes, deines braven!

Von seiner Kindheit hast du wohl geträumet

(Am Morgen dich besinnend, daß er tot),

Bei deinem dünnen Kaffee dann gesäumet

Und aßest nicht ein einziges Stückchen Brot?

Dich selbst hört' ich von seinem Tod nicht sprechen --

Er ward mir durch die Zeitung zugebracht --

Und wenn du mir begegnest jetzt vor acht,

So wage ich das Schweigen nicht zu brechen.

Dein scheuer Gruß heut hat mir klar gemacht,

Wie dich erfaßt der Jahre Schmach und Schwere --

Und daß die hohen Worte _Held_ und _Ehre_

Grimmig und himmelfluchend du verlacht.

Wie bist du groß in deiner Traurigkeit,

Die mich (o Dank!) noch herzlich rühren kann.

Treues Gesicht, du guter Biedermann,

Dein Schmerz, er weht ein Stückchen Ewigkeit!

Erwachen und Bestimmung: Eine Station: Gedichte · 第 14 / 21 题